Skip to main content
Erschienen in:

06.09.2023 | Morbus Alzheimer | Leitthema

Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Neurodegeneration

verfasst von: Dr. rer. nat. Corinna Bang, PD Dr. rer. nat. Sebastian Heinzel

Erschienen in: Der Nervenarzt | Ausgabe 10/2023

Einloggen, um Zugang zu erhalten

Zusammenfassung

Hintergrund

Neurodegenerative Erkrankungen gehen häufig mit Veränderungen des (Darm‑)Mikrobioms einher.

Ziel der Arbeit

Es soll ein Überblick zum Kenntnisstand mikrobieller Veränderungen bei der Parkinson- (PD) und Alzheimer-Krankheit (AD) sowie deren mögliche Rolle bei der Krankheitsentstehung gegeben werden.

Methoden

Auswertung, Zusammenfassung und Bewertung der aktuellen Literatur zum Thema Mikrobiom und Neurodegeneration.

Ergebnisse

Zahlreiche Studien belegen dysbiotische Veränderungen des Darmmikrobioms bei PD- und AD-Patienten im Vergleich zu gesunden Personen, teilweise bereits in der Prodromalphase. Hierbei sind vor allem Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren synthetisieren, vermindert. Diese Veränderungen stehen im Zusammenhang mit systemischen Entzündungen und einer verminderten Integrität der Darmwand und der Blut-Hirn-Schranke. Hierbei könnten bakterielle Moleküle wie proinflammatorische Lipopolysaccharide eine wichtige Rolle spielen. Ebenfalls könnte das bakterielle Protein Curli, welches u. a. auf der Oberfläche von Escherichia coli vorkommt, die Fehlfaltung von α‑Synuklein befördern und somit einen wichtigen Pathomechanismus darstellen, wie dies in vitro und in Tiermodellen mehrfach gezeigt wurde. Zudem scheinen bestimmte orale Bakterien, die einen Beitrag zur Pathogenese leisten könnten, bei AD-Patienten gehäuft aufzutreten.

Diskussion

Neurodegenerative Erkrankungen gehen mit dysbiotischen Mikrobiomveränderungen einher, welche vielfältige systemische Auswirkungen haben können. Es ist jedoch noch unklar, ob diese Dysbiose eine Ursache oder eher Konsequenz der Erkrankungen ist. Die weitere Erforschung dieses (prodromalen) mikrobiellen Ungleichgewichts könnte neue Ansätze für die gezielte therapeutische Beeinflussung des Mikrobioms zur Modifikation und Prävention dieser Erkrankungen aufzeigen.
Literatur
6.
21.
Metadaten
Titel
Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Neurodegeneration
verfasst von
Dr. rer. nat. Corinna Bang
PD Dr. rer. nat. Sebastian Heinzel
Publikationsdatum
06.09.2023
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Der Nervenarzt / Ausgabe 10/2023
Print ISSN: 0028-2804
Elektronische ISSN: 1433-0407
DOI
https://doi.org/10.1007/s00115-023-01537-w

Weitere Artikel der Ausgabe 10/2023

Der Nervenarzt 10/2023 Zur Ausgabe

Mitteilungen der DGN

Mitteilungen der DGN

Neu in den Fachgebieten Neurologie und Psychiatrie

Taugen Risikoscores für Schlaganfall und Blutungen auch bei Krebskranken?

Britische Registerdaten sprechen dafür, dass sich die Blutungsrisikoprädiktion bei Personen mit Vorhofflimmern, die zugleich an Krebs leiden, nicht einfach aus Kohorten ohne Krebs übertragen lässt.

Multiple Sklerose: Erhöhte Schubaktivität nach Impfung?

10.07.2024 EAN-Congress 2024 Kongressbericht

Ziehen Impfungen bei Multipler Sklerose (MS) in ähnlicher Weise wie Infektionen ein erhöhtes Schubrisiko nach sich? Die Effekte scheinen klein und auf einen kurzen Zeitraum begrenzt zu sein.

Akut symptomatische Anfälle nach Ischämie: Was bestimmt die Prognose?

09.07.2024 EAN-Congress 2024 Kongressbericht

Epileptische Anfälle, die im Gefolge eines ischämischen Insults auftreten, können weitere unprovozierte Anfälle nach sich ziehen und gehen mit einer erhöhten Mortalität einher. Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab. 

Restless-Legs-Syndrom: Peroneusstimulation als Therapie der Zukunft?

08.07.2024 EAN-Congress 2024 Kongressbericht

Die Möglichkeiten der Pharmakotherapie sind beim Restless-Legs-Syndrom begrenzt. Gefürchtet ist die Augmentation, insbesondere unter dopaminergen Wirkstoffen. Gehört die Zukunft deshalb der beidseitigen Stimulation der Peroneusnerven?