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23.09.2022 | Nephrektomie | Nachrichten

US-Analyse

Nierentrauma: Urologische Expertise verhindert vorschnelle Nephrektomie

verfasst von: Thomas Müller

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Unfallchirurginnen und -chirurgen sind in den USA offenbar immer noch schnell dabei, eine verletzte Niere zu entfernen. Wird eine urologische Fachmeinung eingeholt, bleibt rund jedem Zweiten eine Nephrektomie erspart.

Das Management von Nierenverletzungen hat sich inzwischen dahingehend verändert, dass auch schwer beschädigte Nieren bei hämodynamisch stabilen Personen in der Regel nicht mehr entfernt werden sollten – das empfiehlt zumindest die Leitlinie der US-Urologiegesellschaft AUA. Viele Unfallchirurgen sehen das jedoch noch immer anders. Wird bei schweren Nierenverletzungen keine Urologin und kein Urologe herangezogen, verdoppelt sich das Risiko für eine Nephrektomie, berichten Urologinnen und Urologen um Dr. Shirley L. Wang vom Brady Urological Institute an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore.

Das Team um Wang hat sich die Akten von 93 Männern und 25 Frauen angeschaut, die zwischen 2014 und 2021 im Traumazentrum der Universitätsklinik aufgrund einer Nierenverletzung behandelt werden mussten. Im Schnitt betrug das Alter der Personen 29 Jahre, drei Viertel waren Afroamerikaner. Etwa die Hälfte hatte ein stumpfes, die übrigen ein penetrierendes Trauma erlitten, 49 der insgesamt 118 Behandelten trugen aus einer gewaltsamen Auseinandersetzung eine Schuss-, 16 eine Stichverletzung davon, 32 waren Opfer eines Verkehrsunfalls, die übrigen kamen durch Stürze beim Sport oder Prügeleien zu Schaden.

Bei 18 der Verletzten holten sich die Chirurginnen und Chirurgen urologische Expertise. Diese Personen waren etwas jünger (24 versus 30 Jahre) und hatten häufiger schwere Nierentraumata von Grad IV oder V (61% versus 36%), unterschieden sich ansonsten aber kaum von Verletzten ohne Konsultation. Alle bis auf einen Patienten mit Konsultation waren hämodynamisch stabil, bei den Verletzten ohne Konsultation waren es immerhin 82%.

Große Unterschiede beim Management

Das Management der Verletzten mit und ohne urologische Konsultation unterschied sich jedoch erheblich. So hatten solche mit Konsultation häufiger ein kontrastverstärktes CT mit verzögerten Bildern bekommen als solche ohne Konsultation (50% versus 17%). Letzte erhielten in der Regel ein konventionelles Kontrast-CT. Ein verzögertes Kontrast-CT wird in den AUA-Leitlinien bei Verdacht auf eine Nierenverletzung empfohlen, um Extravasationen sichtbar zu machen. Verletzte mit urologischer Konsultation wurden zudem öfter per CT nachuntersucht.

Bei Personen mit relativ unproblematischen Nierenverletzungen war die Therapie sehr ähnlich – in der Regel genügte eine hämodynamische Kontrolle. Bei hochgradigen Nierenverletzungen entnahmen die Chirurgen ohne urologische Konsultation 26 von 33 Betroffenen (79%) die Nieren, mit Konsultation aber nur vieren von elf (36%). Mit Konsultation wurde die Hälfte lediglich beobachtet, zwei bekamen einen Stent.

Die Untersuchung deute darauf, dass es bei der Implementierung der Leitlinien zu Nierentraumata in den USA noch viel Luft nach oben gebe, schreiben Wang und Mitarbeiter.

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Literatur

Wang SL et al. Urology Consult Association with Renal Trauma Imaging and Intervention. Urology 2022; https://doi.org/10.1016/j.urology.2022.08.024

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