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2014 | Buch

Perikonzeptionelle Frauenheilkunde

Fertilitätserhalt, Prävention und Management von Schwangerschaftsrisiken

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Über dieses Buch

Bis zu 25% aller Schwangerschaften gelten heutzutage als Risikoschwangerschaft. Deshalb sind bei Frauen mit speziellen Grunderkrankungen wie z.B. bei Diabetes mellitus, früheren Fehlgeburten, Herzerkrankungen schon bei der Planung und später während der Schwangerschaft besondere Maßnahmen zu beachten.

Ein Praxisbuch für alle in der Beratung und Betreuung von Schwangeren und Paaren mit Kinderwunsch Tätigen. Es gibt konkrete und praxisrelevante Handlungsempfehlungen auf Basis der aktuellen Studienlage:

Verhütung heute - Empfängnis morgenDie natürliche Fertilität: Chancen, Diagnostik, OptimierungWas tun bei Subfertilität? Medizinische Aspekte der gesunden LebensführungDie Begleitung der Risikopatientin mit Vorerkrankung: vor und während der Schwangerschaft Prophylaxe von Fehlgeburt, Gestose und Frühgeburt

Die Herausgeber und Autoren haben alle wichtigen Informationen zusammengetragen, um Frauen sicher zu beraten, zu betreuen und kompetent Verantwortung zu übernehmen.

Stimmen aus gynäkologischen Kreisen:

- Hochinteressant. Das Thema ist von größter Bedeutung…!

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Familienplanung: Verhütung heute- Reproduktion morgen

Frontmatter
1. Natürliche Fertilität
Zusammenfassung
Die Familienplanung hat sich infolge des Strukturwandels in entwickelten Gesellschaften erheblich verändert. Schwangerschaften werden oft genau und nach langjähriger Kontrazeption geplant, die Kinderzahl ist niedrig. Der Kinderwunsch fällt immer öfter in das letzte Viertel der fertilen Lebensphase einer Frau, in der die Fertilität möglicherweise gravierend nachgelassen hat. Eine Umfrage des Allensbach-Instituts 2007 ergaben, dass ca. 25 % der Patientinnen in einer gynäkologischen Sprechstunde einen Kinderwunsch haben. Das Wissen um den natürlichen Zyklus und um die natürliche Fruchtbarkeit ist gering, und 80 % der befragten Studienteilnehmerinnen sind über die altersabhängig nachlassende Fertilität falsch informiert.
C. Gnoth
2. Natürliche Familienplanung
Zusammenfassung
Von einer modernen Familienplanungsmethode wird verlangt, dass sie die Anwenderin je nach der zugrunde liegenden Intention, d. h. nach der persönlichen Lebensplanung, unterstützt. Sie muss eine sichere Verhütung gewährleisten, wenn eine Frau im Moment nicht schwanger werden will; sie muss helfen können, zu einem gewünschten Zeitpunkt schwanger zu werden; sie muss gewährleisten, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden durch ihre Anwendung nicht beeinträchtigt wird.
G. Freundl, P. Frank-Herrmann
3. Hormonelle Kontrazeption und spätere Fertilität
Zusammenfassung
Sehr viele Frauen betreiben heute im reproduktiven Alter eine Kontrazeption. Daher ist es sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, wie lange es nach Beendigung einer Form der hormonellen oder nicht hormonellen Kontrazeption dauert, bis die Fertilität das Niveau einer Frau erreicht hat, die bislang auf natürliche Weise ihre Familienplanung betrieben hat.
M. Ludwig
4. Intrauterine Kontrazeption
Zusammenfassung
Intrauterinpessare (abgekürzt IUP oder IUD = “intrauterine device”) gelten als die weltweit am häufigsten eigesetzte reversible Verhütungsmethode (d’Arcangues 2007), insbesondere in China sind sie seit Jahrzehnten stark verbreitet.
R. Leblanc

Präkonzeptionelle Beratung und gesundheitliche Vorbereitung bei Kinderwunsch

Frontmatter
5. Vorsorgeuntersuchungen, Mutterschaftsrichtlinien, Infektionsscreening und Impfungen
Zusammenfassung
Ziel von Vorsorgeuntersuchungen vor und während der Schwangerschaft ist es, die Morbidität und Mortalität von Mutter und Kind zu minimieren. Dies geschieht im Wesentlichen durch Screeningmaßnahmen und eine Einteilung von Schwangeren in ein Niedrigrisikokollektiv und ein Hochrisikokollektiv. Vorsorgeuntersuchungen vor und während der Schwangerschaft reduzieren wahrscheinlich die fetale und maternale Mortalität (Kaunitz et al. 1984). Die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen korreliert mit dem Ausmaß dieser Reduktion (Dowswell 2010). Ein klarer Nachweis in kontrollierten Studien für eine signifikante Reduktion der Mortalität und Morbidität von Mutter und Fetus durch Vorsorgeuntersuchungen im Allgemeinen oder bestimmte Vorsorgeuntersuchungen im Besonderen fehlt jedoch. Die optimale Anzahl an Vorsorgeuntersuchungen ist ebenfalls nicht bekannt.
C. Tempfer
6. Allgemeinmedizin
Zusammenfassung
Die durchschnittliche tägliche Kalorienaufnahme einer schwangeren Frau sollte 2.500–2.700 kcal betragen. Laut Empfehlungen des Institute of Medicine der US-Amerikanischen National Academy of Sciences ist eine Gewichtszunahme zwischen 6,8 kg und 18,2 kg während der Schwangerschaft empfehlenswert, abhängig vom Body-Mass-Index (BMI), definiert als Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat, vor der Schwangerschaft (Tab. 6.1).
C. Tempfer
7. Perikonzeptionelle Lebensstilberatung
Zusammenfassung
Der Begriff Lebensstil umfasst deutlich mehr Aspekte als die damit gemeinhin verbundenen Themen wie Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung. Der Lebensstil wird nachhaltig beeinflusst durch soziokulturelle und ökonomische Faktoren, Ausbildungsstatus, Lebensalter, Migrationshintergrund, Prägung auf religiöse und weltanschauliche Werte etc. (Abb. 7.1).
B. Kleine-Gunk
8. Psychosomatische Aspekte der Perikonzeptionsperiode
Zusammenfassung
Eine wichtige Aufgabe des Gynäkologen in der Praxis ist die Aufklärung über die Verhinderung von Schwangerschaften. Die Nutzung sicherer Verhütungsmittel ist auch aufgrund großer Aufklärungskampagnen in Deutschland inzwischen weit verbreitet. Zumindest Teenagerschwangerschaften nehmen prozentual immer weiter ab (Kontula 2007). Die Länge der reproduktionsfähigen Phase der Frauen wird hingegen von vielen überschätzt. Knapp 30 % der deutschen Frauen gehen davon aus, dass die weibliche Fruchtbarkeit erst mit 40 Jahren abnimmt. Dass diese sich tatsächlich ab dem 25. Lebensjahr reduziert, wissen nur 3,4 % (Stöbel-Richter 2008a).
A. Dorn

Perikonzeptionelle Beratung und gesundheitliche Vorbereitung der Risikopatientin

Frontmatter
9. Die Patientin mit früheren Fehlgeburten
Zusammenfassung
Die psychische Belastung des Paares mit Kinderwunsch nach Fehlgeburt ist sehr ausgeprägt, und dies bereits nach dem ersten Ereignis. Das typische Paar mit habitueller Abortneigung weist in der Regel eine rasche Schwangerschaftsfolge und nur selten eine Sterilitätsproblematik auf. Treten nun zahlreiche Fehlgeburten gerade in kurzer Abfolge auf, so wird jede weitere Schwangerschaft von Angst geprägt sein (Tang u. Quenby 2010).
A. Germeyer
10. Die Patientin mit Diabetes mellitus
Zusammenfassung
Im Jahr 2011 hatten 1 % der zur Geburt betreuten Schwangeren einen präkonzeptionell bekannten Diabetes (n = 6.500). Damit hat sich die Prävalenz in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Der Anteil an Typ-2-Diabetes nimmt zu und wird auf 20–30 % geschätzt (Kleinwechter et al. 2012). Pathogenetisch induziert die mütterliche Hyperglykämie die diabetische Embryofetopathie (Abb. 10.1). Schwangerschaften bei präkonzeptionell bekannten Typ-1- und Typ-2-Diabetes bedürfen einer engen interdisziplinären Betreuung.
H. Kleinwechter
11. Die Patientin mit Schilddrüsenerkrankung
Zusammenfassung
Bei der Beratung von Frauen mit Kinderwunsch können Schilddrüsenfragen auftreten, deren Lösung ganz unterschiedliche Behandlungszeiträume beansprucht:
M. Dietlein
12. Die Patientin mit Nierenerkrankung
Zusammenfassung
Während der Schwangerschaft kommt es zu ausgeprägten physiologischen Veränderungen der Nieren. Das Blutvolumen nimmt signifikant zu, und die Nierendurchblutung wird deutlich gesteigert. Physiologischerweise werden die Nieren damit 1–2 cm größer. In der Schwangerschaft werden 6–8 l Volumen retiniert, und eine physiologische Schwangerschaftsanämie entwickelt sich. Der effektive renale Plasmafluss und die glomeruläre Filtrationsrate sind deutlich gesteigert. Dadurch sinken Kreatinin und Harnsäure im Serum signifikant ab. Frauen, bei denen diese physiologischen Veränderungen nur unzureichend eintreten, haben ein erhöhtes Risiko für eine Wachstumsretardierung des Fetus. Dies trifft auf Frauen mit chronischer Niereninsuffizienz zu. Neuere Studien belegen darüber hinaus, dass für die Kinder ein erhöhtes Risiko für verminderte Nephronzahl, spätere Hypertonie oder kardiovaskuläre Erkrankungen besteht.
C. Kurschat, T. Benzing
13. Die Patientin mit Herzerkrankung
Zusammenfassung
Bei ungefähr 0,2–4 % aller Schwangerschaften in den Industrienationen muss mit begleitenden kardiovaskulären Erkrankungen gerechnet werden (Regitz-Zagrosek et al. 2011a,b). Schwangerschaften mit begleitender Herzerkrankung sind Risikoschwangerschaften. Basierend auf den wesentlichen 3 Prinzipien der präkonzeptionellen Betreuung – Risikoerkennung, Gesundheitsberatung, Interventionen – sollten kardiovaskuläre Erkrankungen durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung frühzeitig und vor Beginn einer Schwangerschaft erkannt werden (Tab. 13.1).
G. Michels, E. Erdmann
14. Die Patientin mit Hypertonie
Zusammenfassung
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind zwar bei werdenden Müttern selten (0,2–4 %), sie sind aber die häufigste Ursache mütterlicher Sterblichkeit in den westlichen Industrienationen. In Deutschland sind nahezu 30.000 Schwangere jährlich von den teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen betroffen. Die arterielle Hypertonie als die häufigste kardiovaskuläre Erkrankung während der Schwangerschaft betrifft 10 % aller schwangeren Frauen und führt signifikant häufiger zu Totgeburten und neonataler Morbidität. Hypertensive Erkrankungen während der Schwangerschaft sind darüber hinaus mit einem Anteil von 15 % die häufigste Ursache für die mütterliche Sterblichkeit.
K. Bachelier, M. Böhm
15. Die Patientin mit neurologischer Erkrankung
Zusammenfassung
Jede akute neurologische Erkrankung (zerebrovaskuläre Erkrankungen, Meningitis/Enzephalitis u. a.) kann sich vor oder während einer Schwangerschaft manifestieren. In diesen Fällen muss immer eine sofortige neurologische Mitbehandlung erfolgen. Diese zahlreichen Erkrankungen sollen jedoch nicht Gegenstand dieses Kapitels sein. Im Fokus sollen vielmehr diejenigen häufigen, in der Regel chronischen neurologischen Erkrankungen stehen, die bei Frauen mit einem Kinderwunsch bzw. bei Frauen im konzeptionsfähigen Alter bestehen können. Dabei handelt es sich in erster Linie um Epilepsie, Multiple Sklerose und neuromuskuläre Erkrankungen.
L. Burghaus, G.R. Fink

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16. Kinderwunsch bei thrombophiler Blutgerinnungsstörung
Zusammenfassung
Venöse und arterielle Thrombosen sowie thromboembolische Komplikationen wie Lungenarterienembolien tragen weltweit maßgeblich zur Morbidität und Mortalität in der Schwangerschaft und Postpartalphase bei (Chang et al. 2003, Greer 2000, McColl et al. 2000a, Rosfors et al. 2001). Das Risiko venöser thromboembolischer Ereignisse ist bei gesunden Schwangeren im Vergleich zu nicht graviden Frauen gleichen Alters um etwa das 5-fache erhöht, das Risiko arterieller thromboembolischer Ereignisse (apoplektischer Insult, Myokardinfarkt) um das 3- bis 4-fache (James et al. 2005a, 2006a).
Rainer B. Zotz, A. Gerhardt
17. Die Patientin mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung
Zusammenfassung
Zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gehören der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Die Inzidenz für Morbus Crohn liegt in Mitteleuropa bei 5,2–8,6 pro 100.000 Einwohner, für Colitis ulcerosa bei 3,0–3,9 pro 100.000 Einwohner. Die höchste altersspezifische Inzidenz in Europa liegt für Morbus Crohn bei den 15- bis 34-Jährigen, für Colitis ulcerosa bei den16- bis 25-Jährigen (Dignass et al. 2011, Hoffman et al. 2008). Somit sind viele junge Menschen im gebärfähigen Alter von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) betroffen.
J. Mertens
18. Die Patientin mit rheumatischer Grunderkrankung
Zusammenfassung
Die meisten rheumatischen Erkrankungen treten bevorzugt bei Frauen auf, nicht selten vor oder während der Jahre der Familienplanung. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Fragen nach Risiken im Zusammenhang von Schwangerschaft und rheumatischer Erkrankung wie auch im Hinblick auf die Entwicklung des Kindes auftreten.
A. Rubbert-Roth
19. Die Patientin mit ovarieller Funktionsstörung
Zusammenfassung
Ovarielle Funktionsstörungen zeigen sich in der Regel durch Zyklusstörungen – angefangen bei Verkürzung des menstruellen Zykluss mit oder ohne prämenstruelle Schmierblutungen bei beginnender Corpus-luteum-Insuffizienz über Zyklusunregelmäßigkeiten bis hin zur Oligo- oder Amenorrhö. Die Ursache der zugrunde liegenden Störungen sollte immer eruiert werden, um eine adäquate Therapie durchführen zu können (Tab. 19.1). Um anatomische Ursachen der Zyklusstörung auszuschließen, sollte vor einer hormonellen Analyse immer eine ausgiebige gynäkologische Untersuchung inklusive Ultraschalluntersuchung des inneren Genitales vorgeschaltet werden. Zudem ist eine gründliche Eigenanamnese mit Medikamentenanamnese und nicht zuletzt eine Familienanamnese bezüglich des menstruellen Verhaltens weiblicher Verwandter ersten Grades unabdingbar. Eine der häufigsten Ursachen stellt zudem eine Schilddrüsenproblematik dar (Kap. 11).
A. Germeyer
20. Die Patientin mit genitaler Fehlbildung, nach genitalen Operationen, mit Uterus myomatosus oder Endometriose
Zusammenfassung
Genitale Fehlbildungen können in großer Vielfalt auftreten. Betrachtet man allerdings ihre unterschiedliche Prävalenz und damit die klinische Relevanz im ärztlichen Alltag, so verdienen in erster Linie die uterinen Fehlbildungen eine besondere Aufmerksamkeit. Deren klassische Einteilung (AFS 1988) reicht bei komplexen Anomalien gelegentlich nicht aus, sodass modifizierte Klassifikationen Anwendung finden. Tab. 20.1 zeigt eine praxisrelevante Darstellung der Bedeutung der einzelnen Uterusfehlbildungen für die perikonzeptionelle Beratung/Betreuung, die auf der klassischen Nomenklatur basiert.
F. Nawroth
21. Die Patientin mit zervikaler, vaginaler und vulvärer Dysplasie
Zusammenfassung
Die Inzidenz des Zervixkarzinoms ist weltweit unterschiedlich und schwankt zwischen 3,6 pro 100.000 Frauen jährlich in Finnland und 45 pro 100.000 in Kolumbien (Beckmann et al. 2008). Die Inzidenz des Zevixkarzinoms in Deutschland ist rückläufig: von 40 pro 100.000 Frauen im Jahr 1971 auf 14,1 pro 100.000 Frauen im Jahr 2004. Neben der Verbesserung des Gesundheitsbewusstseins hat die Vorsorge einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung (Diakomanolis et al. 2002).
G. Rahimi, T. Einzmann, P. Mallmann
22. Die Patientin mit onkologischer Vorerkrankung
Zusammenfassung
Durch die Entwicklung verbesserter diagnostischer Methoden und die Optimierung der Effizienz onkologischer Therapien konnte die Überlebensrate von Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankung in den letzten 20 Jahren signifikant gesteigert werden (Simon et al. 2005).
G. Rahimi, P. Mallmann

Intervention bei Subfertilität

Frontmatter
23. Idiopathische Subfertilität
Zusammenfassung
Die Ursachen für das Ausbleiben einer gewünschten Schwangerschaft sind vielfältig und haben sich, wie das reproduktive Verhalten in den westlichen Gesellschaften, in der Vergangenheit erheblich verändert. Zur ersten Abklärung des unerfüllten Kinderwunsches gehört eine gynäkologische Anamnese mit detaillierter Regelanamnese, ein Basishormonstatus, ggf. die Abklärung eines Tubenfaktors und natürlich ein Spermiogramm. Bereits nach 6 erfolglosen Zyklen ist eine diagnostische Abklärung ratsam (▶ Kap. 1). Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Anteil der idiopathischen, d. h. unerklärten Subfertilität eines Paares etwa 23 % (Snick et al. 1997; Abb. 23.1). Später, mit fortlaufender Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches und tieferer diagnostischer Erkenntnis, verändern sich die prozentualen Anteile der Diagnosen bei Subfertilität (Abb. 23.2).
C. Gnoth
24. Fertilitätsstörungen des Mannes
Zusammenfassung
Eine Infertilität liegt definitionsgemäß vor, wenn bei einem Paar trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eingetreten ist (Rowe et al. 2000). Hierbei wird zwischen primärer und sekundärer Infertilität unterschieden, je nachdem, ob bezogen auf das Paar oder den einzelnen Partner früher bereits einmal eine Schwangerschaft induziert wurde.
H.-C. Schuppe, F.-M. Köhn
25. Störung der Tubenfunktion und Endometriose
Zusammenfassung
Der Ausschluss eines tubaren Faktors bei unerfülltem Kinderwunsch sollte heute nicht mehr obligater Bestandteil der primären Diagnostik sein, sondern individuell indiziert werden. Die Notwendigkeit der initialen Tubenabklärung ergibt sich dabei aus der Kenntnis anderer Faktoren, welche die Subfertilität erklären könnten (Zyklusstörungen bis hin zur Amenorrhö als Hinweis auf eine Follikelreifungsstörung, andrologische Subfertilität etc.), sowie dem Vorliegen anamnestischer Risikofaktoren für eine Tubenerkrankung.
F. Nawroth
26. Reduzierte ovarielle Funktionsreserve
Zusammenfassung
Der Wunsch nach Gründung einer Familie fällt oft in die Zeit der bereits nachlassenden Fertilität eines Paares (▶ Kap. 1). Bereits 1934 errechnete der Berliner Versicherungsmathematiker Hans Münzer für eine 40-jährige Frau eine nur etwa 5 %ige Schwangerschaftswahrscheinlichkeit pro Jahr. Trotzdem wird nicht selten 20 Jahre lang in den “besten Jahren” verhütet, bevor an die Familiengründung gedacht wird.
C. Gnoth
27. Follikelreifungsstörung und Corpus-luteum-Insuffizienz
Zusammenfassung
Die Lutealphase hängt im Wesentlichen von der vorangehenden Follikelphase und der (stattgehabten) Ovulation ab. Die hormonelle Kontrolle der ovariellen Funktion durch die Gonadotropine follikelstimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH) spielt eine Schlüsselrolle im physiologischen Prozess des Wachstums, der Entwicklung sowie der Differenzierung von Follikeln. Grundlage für das Verständnis der Follikel- und Lutealphase ist die “two cell, two gonadotropin theory” (Short 1962). Sie besagt zum einen, dass eine räumliche Unterteilung und Abschottung der Aktivität der Steroidhormonsynthese in den sich entwickelnden Follikeln besteht und zum anderen, dass sowohl FSH als auch LH essenziell für die Follikelreifung und die Synthese ovarieller Steroidhormone sind (Short 1962).
L.-M. Wallwiener, B. Toth
28. Präimplantationsdiagnostik
Zusammenfassung
Der Begriff Präimplantationsdiagnostik (PID) für die Suche nach genetisch determinierten Erkrankungen vor der Einnistung des Embryos wurde bereits zu einer Zeit geprägt, als eine konkrete Anwendung dieses Verfahrens noch nicht in Reichweite zu sein schien (Gardner u. Edwards 1968). 40 Jahre später erreicht die öffentliche Diskussion unter dem Schlagwort PID eine Spannbreite, die von der vorgeburtlichen Diagnostik bis hin zum Designerbaby reicht. In dieser Hinsicht ist eine unmissverständliche Verwendung der im Rahmen der PID gebräuchlichen Begriffe notwendig.
M. Montag, B. Toth, T. Strowitzki

Postkonzeptionelle Prophylaxe von Fehlgeburt, Gestose und Frühgeburt

Frontmatter
29. Immunologie der Frühschwangerschaft
Zusammenfassung
Der Immunologe und Nobelpreisträger Sir Peter Medawar beschrieb ein Jahr vor der ersten geglückten Organtransplantation 1953 das immunologische Paradoxon der Toleranz des mütterlichen Immunsystems gegenüber dem Fetus, obwohl dieser jeweils zur Hälfte Gene der Mutter und des Vaters trägt. Da dies fundamental den damaligen Vorstellungen der Selbst-Fremd-Erkennung widersprach, rückten die Austauschprozesse an der fetomaternalen Grenzzone in den Fokus der Wissenschaft.
R. Kuon, B. Toth
30. Thrombophile Gerinnungsstörung und Antiphospholipidsyndrom
Zusammenfassung
Schwangerschaftsassoziierte Komplikationen gehen mit einer hohen maternalen und fetalen Morbidität und Mortalität einher. Bei etwa 1–3 % aller Schwangerschaften kommt es zu wiederholten Spontanaborten (habituelle Aborte) und bei etwa 8–14 % zu schweren intrauterinen Wachstumsretardierungen, intrauterinem Fruchttod, Präeklampsie/HELLP-Syndrom oder vorzeitiger Plazentaablösung (Robertson et al. 2006).
A. Gerhardt, R. B. Zotz
31. Ultraschalldiagnostik in der Frühschwangerschaft
Zusammenfassung
Das erste Trimenon einer Schwangerschaft ist geprägt von einzigartigen und höchst komplexen Vorgängen, bei denen sich aus einer einzigen Zelle zunächst der Embryo und später der Fetus entwickelt. Da sich die Gewebe und Organe in diesen Wochen rasch differenzieren und somit der Grundstein für eine normale morphologische Entwicklung gelegt wird, ist diese Periode gleichzeitig auch die vulnerabelste Phase der Schwangerschaft. Um eine normale von einer gestörten Entwicklung abgrenzen zu können, ist das Wissen über die Physiologie der embryonalen Entwicklung in der Frühschwangerschaft essenziell. Im Folgenden werden die verschiedenen Phasen der normalen Entwicklung, deren sonographische Meilensteine sowie die sonographische Diagnostik bei Verdacht auf eine gestörte Frühschwangerschaft beschrieben.
I. Gottschalk
32. Vorgehen bei wiederholten Fehlgeburten
Zusammenfassung
Das Auftreten von rezidivierenden Aborten (“recurrend spontaneous abortion”, RSA) betrifft etwa 1–3 % aller Paare im reproduktionsfähigen Alter.
L.-M. Wallwiener, B. Toth
33. Prävention der Frühgeburt
Zusammenfassung
Die Frühgeburtlichkeit (Entbindung vor der vollendeten 37. SSW) stellt eines der größten ungelösten geburtshilflichen Probleme dar. Bis zu 70 % der perinatalen Mortalität wird direkt der Frühgeburt zugeschrieben, und viele der Frühgeborenen leiden unter chronischen Erkrankungen wie (entwicklungs-) neurologischen Einschränkungen, Visusverlust bis hin zur Erblindung und Magen-Darm-Störungen. Die Erfolge in der Reduktion der perinatalen Mortalität in den vergangenen Jahren sind insbesondere auf die Fortschritte in der neonatalen Intensivüberwachung und auf die konsequente Behandlung betroffener Patientinnen in Perinatalzentren zurückzuführen. Trotz vieler offener Fragen weisen neueste Studienergebnisse darauf hin, dass eine Behandlung mit Gestagenen das Risiko einer Frühgeburt senkt und zugleich zu einem verbesserten kindlichen Überleben mit einer geringeren neonatalen Mortalität und Morbidität führt.
R. Kuon, B. Toth
34. Frühschwangerschaft nach assistierter Reproduktion
Zusammenfassung
Einer Sterilitätstherapie wird im Mutterpass der Rang eines relevanten Schwangerschaftsrisikos eingeräumt, der die gesamte Schwangerschaft schließlich zur Risikoschwangerschaft machen kann. In Deutschland werden etwa 3 % aller Kinder nach Maßnahmen der assistierten Reproduktion geboren; nach Angaben des Deutschen IVF-Registers wurden von 1997 bis 2011 172.993 Kinder nach assistierter Reproduktion (ART) geboren, darunter etwa 35 % Mehrlinge; damit sind die Maßnahmen der ART für etwa 20 % der Mehrlingsgeburten in Deutschland verantwortlich (DIR 2012). Zählt man Schwangerschaften hinzu, die nach alleiniger hormoneller Sterilitätstherapie oder nach Inseminationsbehandlungen entstanden sind, müssen wir bei fast jeder zehnten Schwangerschaft von einer potenziellen Risikoschwangerschaft ausgehen, da eine Sterilitätsbehandlung vorausgegangen ist.
I. Gottschalk, C. Gnoth
35. Mehrlingsschwangerschaften
Zusammenfassung
Mehrlingsschwangerschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten in der westlichen Welt deutlich zugenommen. Ursächlich hierfür sind neben der Zunahme reproduktionsmedizinischer Maßnahmen auch das steigende Alter der Mütter. Zwillingsschwangerschaften stellen eine der wesentlichen Herausforderungen in der heutigen Perinatalmedizin dar. Neben den Gefahren für die Mutter steht insbesondere die Gefährdung der Kinder im Vordergrund. Darüber hinaus ergeben sich bei höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften erhebliche psychosoziale Belastungssituationen.
J. Yassin, Y. Garnier
36. Infektionen in der Schwangerschaft
Zusammenfassung
Verschiedene Erreger können in der Schwangerschaft einen unterschiedlichen Einfluss auf Mutter und Kind nehmen. Manche Erkrankungen gehen mit einem geringen Krankheitswert für die werdende Mutter einher, können aber relevante Folgen für das ungeborene Kind haben. Wieder andere Infektionen beeinträchtigen den Allgemeinzustand der Schwangeren stark, die Infektion geht aber nicht auf den Fetus über. Darüber hinaus kann auch der Infektionszeitpunkt ganz entscheidend für die Auswirkung auf das Kind sein. Tab. 36.1 gibt einen Überblick über mögliche Infektionen und ihre Folgen für das Kind, in Abhängigkeit vom Infektionszeitpunkt.
S. Mittenzwei, N. Rogenhofer
37. Gestationsdiabetes
Zusammenfassung
Der Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist definiert als eine Glukosetoleranzstörung, die entweder in der Frühschwangerschaft durch eine erhöhte venöse Nüchtern-Plasmaglukose oder im Zeitfenster 24 + 0 bis 27 + 6 Schwangerschaftswochen (SSW) mit einem oralen 75-g-Glukosetoleranztest (oGTT) unter Standardbedingungen und mit qualitätsgesicherter Glukosemessung aus venösem Plasma diagnostiziert wird. Damit schließt ein manifester Diabetes mellitus einen GDM aus. Im Jahr 2011 betrug die GDM-Prävalenz in Deutschland 4,4 %, das entspricht 28.200 Fällen (Kleinwechter et al. 2012) – die Häufigkeit hat sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht.
H. Kleinwechter
38. Schwangerschaftshypertonie
Zusammenfassung
Die Hypertonie ist eine der häufigsten Erkrankungen bei schwangeren Patientinnen. Insgesamt besteht eine Hypertonie bei 3–5 % aller Schwangerschaften (Magee et al. 1999), und die Rate wird mit dem Trend unserer Gesellschaft, die Schwangerschaft in das 30. oder 40. Lebensjahrzehnt zu verschieben, sicherlich steigen. Eine vorbestehende Hypertonie birgt ein gesundheitliches Risiko für die Mutter und das ungeborene Kind (Orbach et al. 2013). Zusätzlich sind einige Bluthochdruckmedikamente in der Schwangerschaft kontraindiziert, sodass möglichst vor der Konzeption eine Umstellung der antihypertensiven Medikation erfolgen sollte.
C. Kurschat, T. Benzing

Traditionelle Chinesische Medizin

Frontmatter
39. Traditionelle Chinesische Medizin in der perikonzeptionellen Frauenheilkunde
Zusammenfassung
Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist eine jahrtausendealte analytische Heilkunde. Sie nimmt einen immer festeren Stellenwert in der modernen Medizin ein. Physiologie in der traditionellen chinesischen Medizin bedeutet, dass der Mensch sich in Harmonie befindet. Es existieren verschiedene Theorien in der TCM, die diese Harmonie beschreiben.
K. Friol, F. Sulistyo
Backmatter
Metadaten
Titel
Perikonzeptionelle Frauenheilkunde
herausgegeben von
Christian Gnoth
Peter Mallmann
Copyright-Jahr
2014
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-642-38023-5
Print ISBN
978-3-642-38022-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-642-38023-5

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