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2015 | Buch

Social Freezing

Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen aus nicht-medizinischen Indikationen

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Über dieses Buch

Frank Nawroth thematisiert das Social Freezing und die zugehörige Beratung, die nicht nur Chancen, sondern auch denkbare Komplikationen und Grenzen der Methode aufzeigen muss. Zum Beispiel haben die gesellschaftspolitisch nicht optimal gelöste Problematik des möglichen Karriere-Nachteils einer berufstätigen Mutter oder die häufig bestehende Schwierigkeit, den geeigneten Partner zu finden, bei gleichzeitig verbesserten Kryokonservierungsmethoden dazu geführt, dass Frauen ohne medizinische Indikation über das Einfrieren ihrer Eizellen nachdenken. Die Technologie selbst ist seit Längerem Routine vor fertilitätsbeeinträchtigenden Therapien onkologischer Erkrankungen (Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie) im reproduktiven Alter.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einleitung
Zusammenfassung
Die Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen stellt eine seit längerem etablierte Möglichkeit zur Fertilitätsprotektion vor onkologischen Therapien (Chemotherapie und/oder Radiatio) dar, in deren Folge die Fruchtbarkeit einer Frau beeinträchtigt sein könnte. Eine besondere mediale Aufmerksamkeit hat die Methodik erst viel später dadurch erlangt, dass sie nun auch im Zusammenhang mit der Erhaltung der Fertilität bei Frauen ohne medizinische Notwendigkeit angewendet wird.
Frank Nawroth
2. Nicht-medizinische Gründe für die Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen
Zusammenfassung
Obwohl bekannt ist, dass die Fertilität bereits etwa ab Mitte der 3. Lebensdekade einer Frau sinkt, geben etwa 30 % der sowohl männlichen als auch weiblichen Bevölkerung an, dass sie eine abnehmende Fruchtbarkeit erst ab dem etwa 40. Lebensjahr vermuten (Allensbacher Berichte 2007). Das ist sicherlich nur eine der Ursachen für die zeitliche Verschiebung der Familienplanung. Verschiedene Lebenssituationen können Ursache dafür sein, dass die eigentlich erfolgreichste Form der Fortpflanzung, die spontane Konzeption im „optimalen“ Lebensalter, nicht in Betracht gezogen wird.
Frank Nawroth
3. Unter welchen Voraussetzungen ist ein Social freezing sinnvoll?
Zusammenfassung
Die oben genannte mit dem Alter steigende Wahrscheinlichkeit einer Aneuploidie der Eizellen ist der Grund dafür, ein Social freezing mit zunehmendem Alter – insbesondere nach dem 35. Lebensjahr – kritischer zu diskutieren. Dieses qualitative Problem der Eizellen lässt sich auch durch die Quantität – also „viele“ kryokonservierte Eizellen – nicht kompensieren.
Frank Nawroth
4. Ovarielle Stimulation und Gewinnung der Eizellen
Zusammenfassung
Für die ovarielle Stimulation existieren unterschiedliche Stimulationsprotokolle. Wir präferieren das in Abb. 4.1 dargestellte sogenannte Antagonisten-Protokoll. Die Patientin injiziert sich dabei ab dem 2. oder 3. Zyklustag über durchschnittlich etwa 10 Tage selber subkutan Gonadotropine (z. B. Follikel-stimulierendes Hormon, FSH). Um einen endogenen LH-Anstieg zu verhindern, der die vorzeitige Ovulation der Follikel bewirken würde, spritzt die Patientin ab einer Leitfollikelgröße von ca. 13–15 mm zusätzlich täglich subkutan einen GnRH-Antagonisten, der die hypophysäre Gonadotropinsekretion innerhalb weniger Stunden reversibel blockiert. In der Zeit der Stimulation sind durchschnittlich 2 Ultraschalluntersuchungen erforderlich.
Frank Nawroth
5. Kryokonservierung
Zusammenfassung
Man unterscheidet die langsame programmierte Kryokonservierung (slow freezing) und die Vitrifikation (ultraschnelles Einfrieren). Bei der langsamen Kryokonservierung wird der einzufrierenden Zelle durch kryoprotektive Lösungen vorher das intrazelluläre Wasser möglichst vollständig entzogen. Sie verbleiben daher zur Vorbereitung mehrere Minuten in den kryoprotektiven Lösungen. Dies soll die sonst beim langsamen Einfrieren ablaufende intrazelluläre Kristallisation des Wassers verhindern.
Frank Nawroth
6. Verwendung der unbefruchteten Eizellen nach dem Auftauen und Therapiechancen
Zusammenfassung
Werden unbefruchtete Eizellen aufgetaut, ist – da vor der Kryokonservierung zur Beurteilung der Reife die Cumuluszellen entfernt wurden – eine konventionelle In-vitro-Fertilisation (IVF) nicht mehr möglich. Zur Fertilisierung wird daher – auch bei einem unauffälligen Spermiogramm – eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet.
Frank Nawroth
7. Gesundheit der Kinder
Zusammenfassung
Relevant bei der Diskussion über das Social freezing ist das Fehlbildungsrisiko der Kinder, da später zur Fertilisierung der Oozyten eine ICSI erforderlich ist. Assistierte Reproduktionstechniken gehen nach einer großen australischen Studie, die 6163 IVF-Kinder in einem Gesamtkollektiv von 308974 Kindern untersucht hat, mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einher (Odds ratio nach Anpassung elterlicher Faktoren: 1,47, 95 %CI 1,33–1,62) (Davies et al. 2012). Dies bedeutet eine Fehlbildungsrate nach einer IVF von 8,3 % im Vergleich zu 5,8 % nach einer Spontankonzeption.
Frank Nawroth
8. Bis zu welchem Alter sollte der Transfer erfolgen?
Zusammenfassung
In Deutschland gibt es weder eine gesetzliche Einschränkung bei der Anlage einer Fertilitätsreserve noch eine Altersbegrenzung beim Transfer der Embryonen. Somit besteht theoretisch die Möglichkeit, Embryonen auch Frauen jenseits der Menopause zu übertragen.
Frank Nawroth
9. Erfahrungen im Netzwerk FertiPROTEKT
Zusammenfassung
Das Netzwerk FertiPROTEKT (www.fertiprotekt.de) ist ein 2006 gegründeter Zusammenschluss von mittlerweile > 100 Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Frauen vor onkologischen Therapien (Operation/Chemotherapie/Radiatio) über Möglichkeiten der Fertilitätsprotektion beraten. Alle denkbaren Optionen, die durch FertiPROTEKT weltweit erstmals in einem Land flächendeckend angeboten werden, sind in den Zentren des Netzwerkes etabliert, weiter entwickelt und in ihrer Wirksamkeit überprüft. Entsprechend erfüllen alle Zentren des Netzwerks strenge Beratungs- und Therapiestandards.
Frank Nawroth
10. Kosten und Stellungnahmen von Fachgesellschaften
Zusammenfassung
Die Kryokonservierung unfertilisierter Zellen aus nicht-medizinischen Indikationen inklusive der vorangehenden (ovarielle Stimulation, Follikelpunktion) sowie späteren (ICSI, Transferzyklus) Leistungenmuss als Selbstzahlerleistung über die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) abgerechnet werden. Die Kosten für eine ovarielle Stimulation sowie die Entnahme der Oozyten liegen inclusive der erforderlichen Medikamente bei ca. 3.000–4.000 € inclusive der Kryokonservierung der Oozyten und der Lagerung, können aber in Abhängigkeit vom Medikamentenverbrauch etc. variieren. Dazu kommen später die Kosten der ICSI und des Transferzyklus in Höhe von ca. 2.000 € (in Abhängigkeit von der Zahl dann jeweils aufgetauter und behandelter Oozyten), wenn die Oozyten genutzt werden sollen.
Frank Nawroth
11. Zusammenfassung
Zusammenfassung
Das „social freezing“ wird in Zukunft vermutlich zunehmend nachgefragt, so dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema sinnvoll ist. Momentan sind die Studiendaten zu verschiedenen Aspekten noch nicht ausreichend, um alle offenen Fragen eindeutig beantworten zu können. Außerdem ist zu erwarten, dass sich die Ergebnisse der Kryokonservierung unfertilisierter Oozyten weiter verbessern werden und heute gezogene Schlussfolgerungen mit weiterem Erkenntniszuwachs einer erneuten Aktualisierung bedürfen. Die Positionierung zu dieser Therapieoption muss und wird daher zukünftig notwendigerweise Modifikationen erfahren. Die vorliegenden Erfahrungen und Untersuchungen zur Kryokonservierung reifer Oozyten rechtfertigen die Anwendung der Methode auch bei nicht medizinischen Indikationen, wenn vorher eine kritische Beratung der Patientin über die aktuellen Möglichkeiten und Grenzen erfolgte, um unrealistische Erwartungen zu verhindern.
Frank Nawroth
Backmatter
Metadaten
Titel
Social Freezing
verfasst von
Frank Nawroth
Copyright-Jahr
2015
Electronic ISBN
978-3-658-09892-6
Print ISBN
978-3-658-09891-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-09892-6

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