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14.09.2022 | Störungen durch Cannabinoide | Nachrichten

Longitudinalstudie

Cannabis in der Schwangerschaft: Was macht das mit dem Kind?

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

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Haben Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Cannabis konsumiert haben, ein höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten? Forschende aus den USA sehen deutliche Zusammenhänge und vermuten eine erhöhte und anhaltende Vulnerabilität. Die Studie hat jedoch ihre Schwächen.

Viele junge Frauen rauchen Marihuana oder führen sich auf andere Weise Cannabis zu. Passiert das, während die Frau – möglicherweise ohne es zu wissen – schwanger ist, können sich daraus Spätfolgen für das Kind ergeben. Das postuliert zumindest ein Forscherteam der Washington University im US-Bundesstaat Missouri. In der ABCD-Studie (das Akronym steht für Adolescent Brain Cognitive Development) wurden 599 Kinder, bei denen eine Cannabisexposition im Mutterleib stattgefunden hatte (in 391 Fällen bevor sich die Mutter der Schwangerschaft bewusst war), mit 10.032 Kindern verglichen, bei denen das nicht der Fall war. Das Team um David A. Baranger führte bei den Kindern drei Erhebungen durch: Einmal im Alter von median zehn Jahren (Baseline), einmal mit elf und einmal mit zwölf Jahren.

Psychische Auffälligkeiten zu allen Messpunkten

Bei den exponierten Kindern beobachteten die Forscherinnen und Forscher eine im Vergleich erhöhte „Vulnerabilität für psychische Auffälligkeiten“, und zwar zu allen Messzeitpunkten. Nach Angaben von Baranger und Kollegen traf das vor allem für Kinder zu, deren Mütter noch Hasch konsumierten, obwohl sie bereits wussten, dass sie schwanger waren. Die betroffenen Kinder waren unter anderem vermehrt aggressiv, brachen vereinbarte Regeln, hatten Probleme im Umgang mit anderen und waren stressanfälliger. Aber auch Aufmerksamkeitsprobleme waren in dieser Gruppe signifikant häufiger, ebenso Zeichen von Hyperaktivität sowie eine gewisse kognitive Langsamkeit.

In einer früheren Studie hatten die Forschenden bereits Ähnliches zeigen können, allerdings nur zu einem einzelnen Messpunkt. Die Tatsache, dass sich die Befunde mit zunehmendem Alter kaum veränderten, lege nahe, dass die Vulnerabilität über einen längeren Zeitraum anhalte, so Baranger und sein Team.

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Kausalzusammenhang nicht bewiesen

Womit die Beeinträchtigungen bei den Heranwachsenden genau zusammenhingen, vor allem, ob sie wirklich auf den Cannabiskonsum der Mutter zurückzuführen waren, lässt sich anhand dieser Daten nicht nachweisen, auch wenn man Einflussfaktoren wie mütterliche Bildung, psychische Erkrankungen in der Familienanamnese und Drogen- oder Alkoholprobleme in der Familie berücksichtigt hatte.

Baranger et al. lassen es sich jedenfalls nicht nehmen, vor den möglichen Gefahren des Kiffens in der Schwangerschaft zu warnen. Die psychischen Auffälligkeiten, die man bei den betroffenen Kindern gefunden habe, hätten über mehrere Jahre angehalten. Bei Eintritt in spätere, noch vulnerablere Phasen (z. B. Pubertät) könne das z. B. in Substanzmissbrauch oder die Entwicklung einer manifesten psychischen Erkrankung münden.

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Literatur

Baranger BAA et al. Association of Mental Health Burden With Prenatal Cannabis Exposure From Childhood to Early Adolescence: Longitudinal Findings From the Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study. JAMA Pediatrics 2022; https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2022.3191

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