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HNO

Der geriatrische Tumorpatient im Fokus des pflegerischen Delir-Managements

  • 30.03.2026
  • Delir
  • Leitthema

Zusammenfassung

Hintergrund

Das postoperative Delir ist ein akutes, fluktuierendes neurokognitives Syndrom und zählt zu den häufigsten perioperativen Komplikationen älterer Patienten. Es geht mit erhöhter Morbidität, Mortalität, längerer Verweildauer, Komplikationen und anhaltenden kognitiven Einschränkungen einher. Nach großen Kopf-Hals-Eingriffen ist das Risiko besonders hoch, häufig kumulieren Alter, kognitive Vorerkrankungen, hoher ASA-Status (Gesundheitszustand gemäß American Society of Anesthesiologists), Polypharmazie, Mangelernährung und lange Operationsdauer. Eine gesicherte pharmakologische Primärtherapie existiert nicht, in der Erstlinie führend sind Früherkennung, Prävention und Ursachenbehandlung.

Zielsetzung

Ziel war die Initialimplementierung und Testung eines prozessorientierten Delir-Managements in den Kliniken für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Augenheilkunde eines Universitätsklinikums.

Methode

Ein Praxisentwicklungsprojekt (2022–2024) zur Implementierung eines standardisierten Delir-Managements in HNO-Heilkunde und Augenheilkunde wurde durchgeführt. Es umfasste eine Risikostratifizierung bei Aufnahme, Monitoring mittels Delirium Observation Screening Scale sowie nichtpharmakologische Präventionsmaßnahmen. Positive Screenings wurden durch ein pflegegeleitetes Delir-Assessment-Team mittels Confusion Assessment Method validiert. Prozessnahe Routinedaten aus 2023/2024 wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

In der HNO-Klinik wurden in den Jahren 2023 und 2024 gesamt 63 positive Screenings gemeldet. Die kumulative Delir-Inzidenz bei positivem Screening betrug insgesamt 30,2 % (Männer 32,0 %, Frauen 23,1 %); altersstratifiziert 0 % (< 65 Jahre), 45,8 % (65–79 Jahre) und 27,6 % (≥ 80 Jahre). Die neuen Delir-Prozesse zeigen eine gute Akzeptanz im interprofessionellen Team.

Schlussfolgerung

Die strukturierte Erfassung positiver Delir-Screenings ermöglicht belastbare Routinedaten zur Qualitätssteuerung. Prozessbrüche durch manuelle Schritte begünstigen Untererfassung und Therapieverzögerung. Digital automatisierte Prozessanteile können Adhärenz und Prozessstabilität erhöhen. Auf künstlicher Intelligenz (KI)-basierende Instrumente zur klinischen Entscheidungsfindung sind perspektivisch denkbar.
Titel
Der geriatrische Tumorpatient im Fokus des pflegerischen Delir-Managements
Verfasst von
Julius Schmidt, M.Sc
Publikationsdatum
30.03.2026
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
HNO
Print ISSN: 0017-6192
Elektronische ISSN: 1433-0458
DOI
https://doi.org/10.1007/s00106-026-01753-1
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