Zum Inhalt

Antidementiva, Antidepressiva und Neuroleptika bei alten Patienten absetzen

Wann möglich, wann nicht?

  • 06.06.2018
  • Demenz
  • Übersichten
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Antidementiva, Antidepressiva und Neuroleptika zählen zu den bei alten multimorbiden Patienten häufig verordneten Medikamenten. Aufgrund von Nebenwirkungen (z. B. QT-Zeit-Verlängerung) in der Notfall- und Intensivmedizin oder auch durch Patienten- und Angehörigenwünsche kommen immer wieder Fragen nach einem Absetzen dieser Medikamente auf.

Antidementiva

Falls die Kognition unter den Antidementiva konstant ist oder der Patient einen positiven Effekt verspürt, sollten die Antidementiva beibehalten werden. Beim Absetzen von Antidementiva kann in den darauffolgenden 2–3 Monaten eine Verschlechterung eintreten, was mit dem Patienten bzw. seinen Angehörigen/seinem Betreuer diskutiert werden sollte.

Antidepressiva

Bei Antidepressiva kann nach leichten oder vorübergehenden reaktiv depressiven Episoden ein Absetzen versucht werden. Die Dosis sollte aber über mindestens 4 Wochen ausgeschlichen werden. Bei abruptem Absetzen kann ein Absetzsyndrom auftreten, das sich mit grippeähnlichen Symptomen, Unruhe, Tremor, Verwirrtheit und/oder Schlaflosigkeit bemerkbar macht. Bei schweren depressiven Episoden besteht ein hohes Rezidivrisiko, weshalb ein Absetzversuch erst nach 4–9 Monaten der Remission versucht werden sollte.

Neuroleptika

Neuroleptika sollten bei Demenz- oder Pflegeheimpatienten, aber auch bei abklingendem Delir möglichst reduziert bzw. abgesetzt werden. Dabei kann ein herausforderndes Verhalten allerdings etwas zunehmen. Falls die Neuroleptika wegen Halluzinationen oder einer schweren Psychose verordnet wurden, sollten sie beibehalten oder nur sehr vorsichtig reduziert werden.
Titel
Antidementiva, Antidepressiva und Neuroleptika bei alten Patienten absetzen
Wann möglich, wann nicht?
Verfasst von
Prof. Dr. K. Hager
T. Temps
O. Krause
Publikationsdatum
06.06.2018
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin / Ausgabe 5/2019
Print ISSN: 2193-6218
Elektronische ISSN: 2193-6226
DOI
https://doi.org/10.1007/s00063-018-0451-9
Dieser Inhalt ist nur sichtbar, wenn du eingeloggt bist und die entsprechende Berechtigung hast.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Praxisnah: Online CME-Kongress 2026 (Spektrum Depression)

Depressionen sind eine der häufigsten Herausforderungen in der hausärztlichen Versorgung und oft schwer zu erkennen. Der CME-zertifizierte Kongress „Spektrum Depression" am 20. Juni 2026 vermittelt Ihnen praxisnahes Wissen von Expert:innen – von der Diagnostik bis zu innovativen Therapieansätzen. Kompakt, verständlich und direkt umsetzbar für Ihre Praxis

ANZEIGE

Vorbeugung von rezidivierenden depressiven Störungen: Strategien für eine nachhaltige Stabilisierung

Was tun, wenn die Depression immer wiederkehrt? Viele Patient*innen erleben nach der ersten depressiven Episode eine gewisse Erleichterung – doch die Gefahr ist groß, dass die Erkrankung zurückkehrt. Erfahren Sie hier mehr über rezidivierende depressive Störungen.

ANZEIGE

Süß, aber gefährlich: Wie Softdrinks die Stimmung belasten

Immer mehr Forschung verdeutlicht, dass Getränke nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Psyche beeinflussen. Besonders zuckerhaltige Softdrinks stehen im Verdacht, depressive Symptome zu fördern – über Mechanismen, die im Darm beginnen und im Gehirn enden.

ANZEIGE

Depression behandeln. Natürlich.

Hier erhalten Sie Updates zum aktuellen Stand der Wissenschaft bei der Therapie von Depressionen. Insbesondere sind dort detaillierte Erklärungen zum Wirkmechanismus von hochdosiertem Johanniskraut-Extrakt zu finden. Schauen Sie vorbei!

Bayer Vital GmbH
Bildnachweise
Frau in verschiedenen Stimmungslagen/© My Ocean studio | AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodell), Ärztin hält Schild mit "Prophylaxis" hoch/© Daniil Dubov | iStock (Symbolbild mit Fotomodell), Glas mit Zuckerwürfeln gefüllt und einem Strohhalm/© SB Arts Media I iStock , Frau sitzt am Tisch und guckt traurig/© elenaleonova | iStock