Demenzerkrankungen sind eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen. In Deutschland leben ca. 1,8 Mio. Menschen mit Demenz [
4], erwartetet werden bis zu 2,8 Mio. Menschen im Jahr 2050. Schätzungen zufolge werden weniger als 10 % aller Patient*innen mit prodromaler und etwa 40 % mit manifester Demenz spät oder gar nicht diagnostiziert [
9,
10], da Diagnosen meist Fachzentren vorbehalten sind. Dies beeinträchtigt Behandlungsmöglichkeiten und das Outcome erheblich. Eine rechtzeitige Diagnostik kann helfen, (therapeutische) Optionen besser zu nutzen, die Lebensqualität zu verbessern und Angehörige zu entlasten [
8]. Ein systematischer Review von 2024 hebt die verbesserte Demenz-Früherkennung als eines der vier wichtigsten Versorgungsthemen hervor [
11], um die Ursachen kognitiver Defizite zu verstehen, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Lebensanpassungen (Patientenverfügungen, Wohn- und Pflegesituationen) vorzunehmen [
25]. Die Diagnosestellung wird von rund der Hälfte der Angehörigen als Erleichterung empfunden [
24]. Angesichts neuer Therapieoptionen bei Alzheimer-Demenz, wie Antikörpertherapien gegen Amyloidablagerungen, gewinnt eine rechtzeitige Diagnostik weiter an Bedeutung, da sie das Behandlungspotenzial optimieren kann. Um dies zu erreichen, müssen Hürden erkannt und überwunden werden. Dieser Beitrag zeigt projektspezifische Hürden aus dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt „iCreate – Digital unterstütztes Case-Finding zur Verbesserung der Diagnose und Versorgung von Patient*innen mit Demenz in der primärärztlichen Versorgung“ (ZMII2-2523FEP40) und mögliche Lösungsansätze auf. Ziel des Kooperationsprojektes „iCreate“ der Universität Witten/Herdecke, des Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurologische Erkrankungen (DZNE) Rostock/Greifswald war es, ein digital unterstütztes Case-Finding zur Verbesserung der Diagnostik von Demenzpatient*innen in der hausärztlichen Versorgung zu erproben. In 10 Hausarztpraxen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis nahmen 313 Patient*innen an einem Tablet-basierten Kognitionstest, durchgeführt von Medizinischen Fachangestellten (MFA), teil und erhielten bei auffälligen Testergebnissen eine weiterführende Demenzdiagnostik in der Gedächtnisambulanz (GDA) Bonn. Ergebnisse zeigen [
17,
19], dass der Kognitionstest in die Versorgung integrierbar, akzeptiert und technisch umsetzbar ist. Gleichzeitig wurden projektspezifische Hürden im gesamten Versorgungspfad deutlich; diese werden in einer Sekundäranalyse aufbereitet und im Weiteren kritisch diskutiert. Vor diesem Hintergrund stellen sich die Fragen: Welche projektspezifischen Hürden beeinflussen die Demenzdiagnostik in der hausärztlichen Versorgung und wie können digitale Case-Finding-Ansätze zu deren Überwindung beitragen?