Skip to main content
main-content

16.06.2017 | Originalien und Übersichten | Ausgabe 8/2017

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8/2017

Der Gebrauch von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial in Deutschland

Eine prospektive Analyse kassenärztlicher Verschreibungen der Jahre 2006 bis 2010

Zeitschrift:
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz > Ausgabe 8/2017
Autoren:
Sven Buth, Rüdiger Holzbach, Moritz Rosenkranz, PD Dr. Uwe Verthein

Zusammenfassung

Hintergrund

In Deutschland sind zwischen 1,4 und 2,6 Mio. Personen von Medikamenten abhängig. Die Mehrheit hat ein Problem mit Benzodiazepinderivaten oder Opioid-Analgetika. Trotz dieser hohen Zahl an Betroffenen liegen bisher kaum Studien zum Verordnungsverhalten und zur Einnahme vor. Insbesondere zu Personen über 65 Jahren, welche überdurchschnittlich häufig von einem missbräuchlichen Medikamentenkonsum betroffen sind, gibt es bisher nur wenige, empirisch belastbare Befunde.

Methode

Auf Basis der Daten des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ), welches die Rezeptdaten von rund 11 Mio. Bundesbürgern erfasst und eine Abdeckungsquote von über 80 % aller Apotheken in Norddeutschland erreicht, werden die auf Kassenrezepten dokumentierten Verschreibungen von Benzodiazepinen (BZD), Z‑Substanzen und Opioid-Analgetika personenbezogen ausgewertet. Mittels Hochrechnungen wird die Prävalenz des Gebrauchs sowie der Langzeiteinnahme dieser Medikamente bestimmt, und entsprechende Trends werden dargestellt. Zudem wird die pro Tag durchschnittlich eingenommene Wirkstoffmenge (in DDDs) berichtet.

Ergebnisse

Im Jahr 2006 haben exakt 10,6 % der GKV-Mitglieder mindestens einen der hier untersuchten Wirkstoffe verschrieben bekommen. Dieser Anteil ändert sich in den fünf nachfolgenden Jahren kaum. Der Anteil der Patienten mit BZD-Verschreibungen ging zwischen 2006 (5,5 %) und 2010 (5,1 %) kontinuierlich zurück – insbesondere bei älteren Personengruppen. Während bei den Z‑Substanzen die Prävalenz über den gesamten Zeitraum stabil (ca. 1 %) bleibt, ist bei den Opioid-Analgetika ein leichter Anstieg – von 5,4 % (2006) auf 5,7 % (2010) – zu verzeichnen. Die Anteile von Patienten mit Langzeitverschreibungen sinken bei den BZD-Patienten stetig von 17,0 % (2006) auf 12,8 % (2010). Während bei den Z‑Substanzen dieser Abfall geringer ausfällt – von 24,3 % (2006) auf 21,2 % (2010) –, ist bei den Opioid-Analgetika eine Steigerung von 19,2 % (2006) auf 21,2 % (2010) festzustellen.

Schlussfolgerung

Das in diesem Beitrag vorgestellte Analyseverfahren stellt einen innovativen epidemiologischen Ansatz der Auswertung personenbezogener Registerdaten über mehrere Jahre dar. Mit dem Aufbau eines darauf basierenden Monitorings der Verschreibungen von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial könnten zukünftig problematische Trends schneller erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen initiiert werden.

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugang zu diesem Inhalt zu erhalten

★ PREMIUM-INHALT
e.Med Interdisziplinär

Mit e.Med Interdisziplinär erhalten Sie Zugang zu allen CME-Fortbildungen und Fachzeitschriften auf SpringerMedizin.de. Zusätzlich können Sie eine Zeitschrift Ihrer Wahl in gedruckter Form beziehen – ohne Aufpreis.

Bis zum 22.10. bestellen und 100 € sparen!

Weitere Produktempfehlungen anzeigen
Literatur
Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 8/2017

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 8/2017 Zur Ausgabe
  1. Ich möchte die nächsten 3 Hefte kostenlos testen.


    Sollte ich von der Zeitschrift nicht überzeugt sein, teile ich Ihnen dies bis spätestens 14 Tage nach Erhalt des dritten Heftes mit.
    Wenn ich die Zeitschrift weiterlesen möchte, brauche ich nichts zu tun und bekomme dann das Jahresabonnement dieser Zeitschrift zum Gesamtpreis von 197,- € im Inland (Abonnementpreis 163,- € plus Versandkosten 34,- €) bzw. 226,- € im Ausland (Abonnementpreis 163,- € plus Versandkosten 63,- €).
    Dies entspricht einem Gesamtmonatspreis von 16,42 € im Inland bzw. 18,83 € im Ausland.


    Die Abrechnung erfolgt einmal jährlich zu Beginn des Bezugszeitraumes per Rechnung.


    Alle genannten Preise verstehen sich inklusiver deutscher gesetzlicher Mehrwertsteuer.
    In EU-Ländern gilt die jeweilige gesetzliche Mehrwertsteuer. Dadurch kann es ggf. zu Preisabweichungen bei Bestellungen aus dem Ausland kommen.


    Die Mindestlaufzeit dieses Abonnements beträgt ein Jahr. Wenn das Jahresabonnement nicht bis spätestens 30 Tage vor Ende des Bezugszeitraumes gekündigt wird, verlängert es sich automatisch jeweils um ein weiteres Jahr.

    Es gilt das gesetzliche Mängelhaftungsrecht. 

Neu im Fachgebiet Allgemeinmedizin

 

 

 
 

Meistgelesene Bücher aus dem Fachgebiet

2015 | Buch

Repetitorium Geriatrie

Geriatrische Grundversorgung - Zusatz-Weiterbildung Geriatrie - Schwerpunktbezeichnung Geriatrie

Das vorliegende Werk vermittelt praxisnah und auf den Punkt gebracht die wesentlichen Fakten rund um die adäquate Versorgung älterer Menschen, bei denen Multimorbidität und Funktionseinschränkungen oft eine besondere Herangehensweise erfordern.

Herausgeber:
Rainer Neubart

2012 | Buch

Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin

Klinik Diagnose Therapie

Patienten mit Hautkrankheiten machen einen großen Anteil der Patienten in der Allgemeinarztpraxis aus. Prägnante Texte und zahlreiche Abbildungen zu Klinik, Pathogenese, Diagnose und Therapie helfen, die häufigsten dermatologischen Probleme zu lösen.

Autor:
Prof. Dr. med. Dietrich Abeck

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Allgemeinmedizin und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

Bildnachweise