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Über dieses Buch

Der plötzliche Säuglingstod, das Sudden Infant Death Syndrome (SIDS), stellt für eine Familie ein tiefgreifendes Unglück dar. Aktuelle Forschungen bestärken die Bedeutung bisher beschriebener Risikofaktoren und die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen. Doch noch immer sind die Ursachen der häufigsten Todesursache im Säuglingsalter nicht hinreichend bekannt.

In diesem Buch fasst ein erfahrenes Herausgeber- und Autorenteam den aktuellen Stand rund um alle wichtigen Aspekte des schicksalhaften Krankheitsbildes zusammen: Wissenschaftliche Grundlagen, Ursachen, Risikofaktoren, neueste pathophysiologische Erkenntnisse und Möglichkeiten der Prävention werden wissenschaftlich fundiert und übersichtlich dargestellt.

Das Buch richtet sich an Ärzte, z. B. Pädiater und Hausärzte, und andere Berufsgruppen in Gesundheits- und Sozialberufen. Auch Eltern erhalten wertvolle Informationen über einfache Vorsorgemaßnahmen, deren Verbreitung viele Familien vor einem verhinderbaren tragischen Ereignis bewahren kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Plötzlicher Kindstod: Risiken erkennen und vermeiden

Das im Jahr 2000 im Springer-Verlag erschienene Buch über den plötzlichen Säuglingstod (SIDS) wird nun neu aufgelegt, um die neuen Erkenntnisse über Epidemiologie, Pathogenese, Präventionsmöglichkeiten und psychologische Elternbetreuung aufzuzeigen. Es ist zwar noch immer nicht möglich, das SIDS-Ereignis auf eine Ursache zurückzuführen. Dennoch konnte auf der Basis multidisziplinärer Zusammenarbeit in Ländern mit konsequent durchgeführten, wissenschaftlich fundierten Präventionskonzepten vor allem durch Vermeidung von bekannten Risikofaktoren seit der Jahrhundertwende ein signifikanter Rückgang der SIDS-Mortalität um mehr als 90 % erreicht werden.
Ronald Kurz

2. Der plötzliche Säuglingstod in historischen Dokumenten, Teil 1

Das Kapitel „Der plötzliche Säuglingstod in historischen Dokumenten, Teil 1“ bietet einen Überblick darüber, wie sich Menschen in frühen Hochkulturen mit dem „Phänomen des plötzlichen Kindstods“ auseinandersetzten und bereits diese Todesfälle von solchen mit krankhaften Symptomen zu unterscheiden wussten. Zwischen diesen historischen Textmaterialien und den bestehenden empirischen Auffälligkeiten von SIDS-Opfern, die durch retrospektive Befragungen der Eltern eruiert wurden, konnte daher bereits eine Verbindung aufgezeigt werden.
Irmtraut Seybold, R. Peter Roll

3. Der plötzliche Säuglingstod in historischen Dokumenten, Teil 2

Der Brief des englischen Arztes S.W. Fearn aus Derby vom 19. Oktober 1834 an den Herausgeber der medizinischen Zeitschrift The Lancet ist ein bemerkenswertes Dokument zur Geschichte des plötzlichen Säuglingstods: Erstmals wird vom plötzlichen Säuglingstod als dem „sudden and unexplained death of children“ gesprochen; darüber hinaus werden Angaben zur Anamnese, über die Umstände des Todes gemacht und Obduktionsbefunde vorgelegt (Fearn 1834).
Mit seinem ersten Satz „I have lately been called upon to examine two children, who, without having been previously indisposed, were found dead in bed“ bringt Fearn eine Anamnese, die auch aus heutiger Zeit sein könnte. Über die Umstände des Todes berichtet er, dass das erste Kind, 6 Monate alt, bei der Mutter geschlafen habe, „who discovered in the middle of the night that it was dead“; ihren Angaben nach habe das Kind nicht dicht neben ihr gelegen und sein Mund weder ihren Körper noch das Bettzeug berührt. Das zweite Kind, 5 Monate alt, nach dem Stillen allein an seinen Schlafplatz niedergelegt, ist gut eine Stunde später tot aufgefunden worden; es hatte etwas Schaum vor und im Mund und zur Faust geschlossene Händchen; die Lage des Kindes und freie Atemwege sprachen gegen akzidentelles Ersticken.
Gisela Molz

4. Der plötzliche Säuglingstod in historischen Dokumenten, Teil 3

Die sogenannte „Bauchlagekatastrophe“ zeigt Merkmale einer abklingenden Pandemie, deren Beginn sich mit dem Jahr 1931 verbinden lässt. Harold Abramson aus New York machte bereits 1944 darauf aufmerksam, dass die Bauchlage als Schlafposition von Säuglingen einen wesentlichen Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod darstellt. Da diese Ergebnisse unbeachtet blieben, wurde in Deutschland und in Österreich zwischen 1969 und 1997 aktiv für die Bauchlage geworben. In der ehemaligen DDR lösten 1971 7 mit der Bauchlage assoziierte SIDS-Fälle eine interdisziplinäre Debatte aus, in deren Ergebnis bereits 1972 eine ministerielle Richtlinie erlassen wurde, in der die Präventionsempfehlungen von Abramson weitgehend enthalten sind. Epidemiologische Effekte dieses frühzeitigen Programms für den sicheren Babyschlaf sind nachweisbar. In erkenntnistheoretischer und ethischer Hinsicht wird mit diesen historischen Daten in eindringlicher Weise illustriert, dass der Nutzen und potenzielle Risiken von Interventionen vorab sowie prospektiv mehrdimensional eingeschätzt werden sollten.
Ekkehart Paditz

5. SID(S) – Definition und Klassifikation

Der unerwartete und plötzliche Säuglingstod, bei dem die Obduktion keine Todesursache finden lässt, wird international als „sudden infant death syndrome“ (SIDS) bezeichnet – in neuerer Zeit auch als SUDI ( „sudden and unexspected death in infancy“ ). Für den plötzlichen und unerwarteten Säuglingstod mit evidenter Todesursache wird die Bezeichnung SID („sudden infant death“) verwendet. Wegen teilweise krasser Häufigkeitsunterschiede infolge uneinheitlicher Zuordnung pathologisch-anatomischer Befunde zur Diagnose SIDS war es notwendig, für die Forschung Definition und Klassifikation des SIDS zu vereinheitlichen. Dies geschah in internationalen Expertenkonferenzen. Die Definition nach Beckwith von 1969 ist immer noch die wesentliche Grundlage und wurde mehrmals spezifiziert. Derzeit gelten die Definition von San Diego (Krous 2004) und die Klassifikation nach den Kriterien der European Society for the Prevention of Infant Deaths (ESPID 1992) als Standards, die weiterhin in Diskussion sind.
Ronald Kurz, Reinhold Kerbl

6. SIDS-Mortalität im deutschsprachigen Raum und weltweit

Der plötzliche Kindstod ist für die betroffenen Eltern ein schreckliches und einschneidendes Erlebnis. Durch weltweite wissenschaftliche Studien ist es in den letzten 25 Jahren gelungen, wichtige Risikofaktoren zu entdecken. Die wichtigsten Risikofaktoren, die es zu vermeiden gilt, sind: Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft, die Bauchlage des Kindes als Schlafposition, das gemeinsame Schlafen im Bett mit Erwachsenen und das Nichtstillen. Dadurch, dass sich viele Eltern an diese Regeln halten, sind in allen Industrienationen die Raten des plötzlichen Kindstods erfreulicherweise sehr zurückgegangen. Für die Zukunft ist zu fordern: (1.) alle Kinder, die plötzlich und unerwartet sterben, müssen obduziert werden, (2.) Präventionsempfehlungen müssen von Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Ärzten an alle jungen Eltern herangetragen werden, (3.) neue Methoden müssen entwickelt werden, damit weitere, bisher unbekannte Todesursachen aufgedeckt werden können.
Mechthild Maria Theresia Vennemann, Gerhard Jorch

7. Untersuchung der Auffindesituation und Obduktion

Die Todesursachenklärung bei einem plötzlichen Säuglingstodesfall (SIDS) ist per definitionem unmöglich, da es sich um eine Ausschlussdiagnose handelt. Um einen SIDS von einem Unfall zu unterscheiden, aber auch um die Mechanismen besser zu verstehen, die zum SIDS beitragen, ist eine Untersuchung der Auffindesituation durch Polizei und/oder Rechtsmedizin notwendig. Eine Checkliste kann dabei hilfreich sein. Der Goldstandard der Todesursachenklärung ist und bleibt die Obduktion. Warum sind Obduktionen notwendig? Wer ordnet eine Leichenöffnung an? Welche Grenzen hat die Methodik? Eine Obduktion sollte immer umfassend sein und sich an internationalen Standards orientieren. Nur so sind alternative Todesursachen aufzudecken. Ein Obduktionsstandard gewährleistet außerdem die Vergleichbarkeit von Todesfällen im Rahmen von Studien. Bei SIDS-Fällen lassen sich zwar keine todesursächlichen Befunde, dafür aber durchaus typische (wenngleich nicht beweisende) Befunde erheben. Zusätzliche Untersuchungsmethoden wie z. B. die Histologie, Toxikologie oder die Mikrobiologie können im Einzelfall zur Klärung der Todesursache führen oder zumindest beitragen.
Jan Peter Sperhake, Torleiv Ole Rognum

8. Stellung und Aufgaben der Behörden

In diesem Kapitel wird die Funktion der Behörden im Fall eines plötzlichen Todes eines Säuglings oder Kleinkinds in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz erläutert. Die auf unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen beruhenden Aufgaben reichen von der Entgegennahme der Anzeige des Todes, der Verständigung des Totenbeschauarztes, der Registrierung der Todesursache bis zum Eingreifen der Bezirksverwaltungsbehörde oder – ggf. – der Justiz. Somit sind neben den Gesundheits- und Personenstandsbehörden auch Sicherheits- und Justizbehörden in den Ablauf eingebunden. Hinsichtlich der Rechtslage wird auf die in Einzelheiten unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben der Bundesländer und Kantone hingewiesen, die jedoch in ihren groben Zügen innerhalb der Länder übereinstimmen.
Brigitte Jauernik, Jan Peter Sperhake, Christian Poets, Christine Bartsch

9. Plötzlicher Säuglingstod und Kriminalität

Der plötzliche und unerwartete Tod eines Säuglings bzw. Kleinkinds (SID = „sudden infant death“) stellt in den meisten Fällen einen Tod aus natürlicher Ursache dar. Selten können sich aber hinter diesem Begriff vorsätzliche Tötungen verbergen. Dargestellt werden in dieser Arbeit das Obduktionswesen Österreichs und die zum Tod führenden Handlungen.
R. Peter Roll

10. Der plötzliche Säuglingstod und Stoffwechselstörungen

Zahlreiche Studien haben ergeben, dass nur in etwa 1–5 % der Fälle von SIDS angeborene Stoffwechselerkrankungen zugrunde liegen. Hierbei spielen vor allem Störungen der Fettsäurenoxidation, der Glukoseoxidation oder der Glukoneogenese eine Rolle. Die Diagnosestellung im Einzelfall ist jedoch von großer Bedeutung, um weitere gefährdete Geschwisterkinder in den betroffenen Familien identifizieren zu können. Um eine Post-mortem- Diagnostik zu ermöglichen, ist eine rasche Asservierung von Untersuchungsmaterial nach dem Ereignis essenziell. Ob energetischen Stoffwechselwegen (Beta- und/oder Pyruvatoxidation) eine besondere Bedeutung bzgl. genetischer Prädisposition bei SIDS zukommt, insbesondere durch ihren Bezug zum kardialen und neuronalen Stoffwechsel, bleibt spekulativ.
Wolfgang Sperl, Esther M. Maier

11. Mögliche Ursachen für den plötzlichen Säuglingstod

Den in diesem Kapitel beschriebenen möglichen Ursachen ging eine Zeit voraus, in der man die Katastrophe des plötzlichen Todes eines kleinen Kindes der Einwirkung von Dämonen zuschrieb. Die Untersuchungen in Graz wurden in den 1970er Jahren begonnen, als an der Universitätsklinik für Kinderchirurgie einige plötzliche Todesfälle beobachtet wurden. Es wurde eine Zusammenarbeit zwischen der Klinik (Prof. Kurz) und dem Physiologischen Institut (Prof. Kenner) in die Wege geleitet. Die Zahl der mitarbeitenden Personen hat sich im Laufe der Zeit vermehrt. Ihre Namen und Ergebnisse sind auch in diesem Buch enthalten. In diesem Kapitel werden die historischen sowie die auf neueren Erkenntnissen beruhenden Faktoren und Risikofaktoren bearbeitet. Die Einführung der Mütter und die durch Schulung gesteigerte Aufmerksamkeit der Bevölkerung bzgl. der Verhinderung von Risiken haben einen wesentlichen Beitrag zur Abnahme der Zahl der plötzlichen Todesfälle geleistet. Durch das in diesem Kapitel abgebildete Glasfenster soll gezeigt werden, dass wohl kaum ein Kind bei dieser Nähe der anwesenden Mutter plötzlich stirbt. Es sei hier erwähnt, dass das romanische Fenster sich in der ältesten Kirche von Graz befindet, auf einem keltischen Grabhügel außerhalb der früheren Stadtmauer.
Thomas Kenner, Mechthild Maria Theresia Vennemann, Reinhold Kerbl

12. Psychosoziale Folgen des plötzlichen Säuglingstods und Familienbetreuung

Der Tod ihres Kindes durch den plötzlichen Säuglingstod gehört zu den schwerwiegendsten Verlusten, die Eltern treffen können. Sie verlieren ihr Kind, das sein Leben gerade erst begonnen hat, und sind mit einer Reihe folgenschwerer Probleme belastet: kriminalpolizeiliche Ermittlungen und Obduktion zum Ausschluss einer Kindstötung, Selbstschuldvorwürfe, Unsicherheit und nicht selten auch Diskriminierung durch Außenstehende und soziale Isolation. Die psychischen und sozialen Folgen, die der Verlust eines Kindes nach sich zieht, finden in der Öffentlichkeit und in den verschiedenen Bereichen der medizinischen und psychosozialen Versorgung allmählich Beachtung. Fachleute aus Trauerforschung und Psychotraumatologie sowie Elternselbsthilfegruppen haben inzwischen Empfehlungen zum Umgang mit betroffenen Familien erarbeitet, die die psychosozialen Belastungen der betroffenen Familien mindern helfen und allen Berufsgruppen, die mit den Betroffenen in Kontakt kommen, mehr Handlungssicherheit geben.
Jutta Helmrichs

13. Risikofaktoren für den plötzlichen Säuglingstod

Hier werden Daten zum SIDS-Risiko Frühgeborener und zum Auftreten von SIDS und ALTE am 1. Lebenstag diskutiert. Der Irrweg, das SIDS-Risiko anhand von Schlafaufzeichnungen vorherzusagen, wird beleuchtet, ebenso die Ergebnisse wirksamer Präventionsansätze wie der Vermeidung der Bauchlage, des Schlafens im eigenen Bett im elterlichen Schlafzimmer, des Nichtrauchens oder der Verwendung einer festen Unterlage. Schließlich werden aktuelle Daten zur Rolle von Infektionen als Trigger für SIDS/ALTE beleuchtet sowie andere in den letzten Jahren diskutierte Risikofaktoren wie eine verminderte Hirnstammperfusion oder zerebrale Anfälle.
Christian Poets, Anette Poets, Christa Einspieler, Reinhold Kerbl, Ronald Kurz

14. Schlaf, autonome Regulationen und Arousals

Die autonome Steuerung lebenswichtiger Funktionen, insbesondere von Kreislauf und Atmung, weist charakteristische Rhythmen auf: Atemrhythmus, Tagesrhythmus, Rhythmen des Schlaf- und Wachablaufs. Eine längerfristige Entwicklung der Funktionen spielt sich nach der Geburt ab. Die Geburt bedingt durch Beginn der Atmung einen plötzlichen Anstieg der arteriellen Sauerstoffspannung. Danach erfolgt ein Abbau des Bluthämoglobins und damit auch der Fähigkeit, Sauerstoff zu speichern. Die anfangs noch hohe Konzentration an fötalem Hämoglobin (HbF) bewirkt eine höhere Hypoxietoleranz. Über die Bedeutung anaerober Stoffwechselvorgänge, die bei tauchfähigen Säugetieren (z. B. Seehunden) eine größere Rolle bei langem Atemanhalten spielen, ist in diesem Zusammenhang beim Menschen weniger bekannt. Die Gefährdung von Säuglingen durch Hypoxie (Sauerstoffmangel) hängt ferner mit der nach einer kurzen Stimulation (Arousal) eher zunehmend stark hemmenden Wirkung auf das Atemzentrum zusammen. Eine Hypoxie kann demnach unter solchen Bedingungen zu einem Circulus vitiosus führen. Dabei ist anzunehmen, dass die Atmung nach der Geburt zunächst hauptsächlich über thermische, später mechanische und erst in einer dritten Phase chemische Faktoren, einschl. Blutgasen, erfolgt. Diese und weitere Umstellungen, die im 2.–4. Lebensmonat eine besondere Intensität erreichen, führen offenbar vorübergehend zu einer Instabilität aller autonomen Regelmechanismen, die zudem im Schlaf noch weiter gesteigert wird. In dieser Zeit findet man die höchste Inzidenz des plötzlichen Säuglingstods (SID). Was das Ereignis des SID betrifft, muss man berücksichtigen, dass nicht nur die Liste der Risikofaktoren, sondern auch die zeitliche Aufeinanderfolge risikobedingter Ereignisse entscheidend dafür ist, wann und wie ein extrem pathologischer Effekt, wie etwa ALTE („apparent life threatening event“, eine lebensbedrohliche Atem- und Kreislaufstörung) oder SID, der plötzliche Tod des Säuglings, auftritt.
Thomas Kenner, Heinz Zotter

15. Apparent Live Threatening Events (ALTE)

ALTE („apparent life threatening event“) wird als Episode eines akuten, unerwarteten und lebensbedrohlich erscheinenden Zustands bei Säuglingen definiert. Dass es sich dabei um ein Vorstadium eines SIDS handelt, wird durch die neuere Forschung infrage gestellt. Sehr groß ist die Liste der pathologischen Organbefunde, die als Trigger für die Dekompensation im Säuglingsalter vulnerabler, vitaler Regelmechanismen infrage kommen. Daher bedarf es zur Ursachenfindung einer differenzierten Anamnese und Diagnostik. Einige Labor- und apparativen Untersuchungen sind dabei obligat. Reanimationsmaßnahmen sind im Allgemeinen erfolgreich. Das Wiederholungsrisiko kann durch die Diagnose des Grundleidens vermindert werden sowie fallweise durch Heimmonitoring, am besten Eventmonitoring, wozu jedoch die Indikation sehr kritisch gestellt werden muss.
Christian Poets, Ronald Kurz

16. SIDS – ein multifaktorielles Geschehen?

Keine einzelne Krankheit konnte bisher als Todesursache für SIDS nachgewiesen werden. Dagegen gibt es zahlreiche Hinweise für eine multifaktorielle Entstehungsweise, wonach ein Zusammentreffen von endogenen (z. B. junge Mutter u. a.) mit exogenen Risikofaktoren (z. B. Bauchlage im Schlaf u. a.) bei einem vulnerablen Säugling mit instabilen autonomen Regulationen derzeit als die wahrscheinlichste Hypothese (Triple- Risk-Hypothese) für die Pathogenese des SIDS gilt. Dabei dürften Oszillationen, Perioden und Rhythmen – und ihre Synchronisation – der Organfunktionen, besonders von Atmung und Herzschlag, von Bedeutung sein. Neben gefährdenden Risikofaktoren gibt es nach dem Optimalitätsprinzip von Prechtl auch protektive Faktoren, die für die Prävention bedeutsam sind. Noch wenig erforscht ist die Gewichtung und Wechselwirkung dieser Faktoren, wofür die Anwendung von Bayes Theorem vorgeschlagen wird.
Thomas Kenner, Ronald Kurz

17. Möglichkeiten und Ergebnisse der Prävention

Die in Kapitel 13 ausführlich dargestellten Präventionsansätze für SIDS in Form einer Umsetzung der epidemiologischen Daten zur sicheren Schlafumgebung werden hier erneut kurz zusammengefasst, inkl. der entsprechenden Empfehlungen aus der Leitlinie der AWMF. Es schließt sich eine Darstellung der Durchführung von Polysomnographien und ihrer diagnostischen Möglichkeiten sowie der Indikationen für diese Untersuchung an. Zum Heimmonitoring werden die Ergebnisse eines aktuellen Konsensuspapiers vorgestellt, nach dem diese Maßnahme nur noch als diagnostisches Instrument bzw. zur Überwachung technikabhängiger Kinder indiziert ist, und praktische Tipps zu Art und Dauer der Überwachung gegeben. Schließlich werden aktuelle Empfehlungen zur Säuglingsreanimation und die Ergebnisse des SIDS-Präventionsprogramms, das seit den 1970er Jahren in der Steiermark durchgeführt wird, vorgestellt.
Christian Poets, Ronald Kurz, Reinhold Kerbl, Christa Einspieler

18. Der plötzliche Säuglingstod – ein verhinderbares Ereignis?

SID mit nachweisbarer Todesursache ist bei rechtzeitiger Diagnose der Grundkrankheit grundsätzlich vermeidbar. Bei SIDS ohne fassbare Todesursache haben verschiedene Maßnahmen wie Heimmonitoring oder Risikofragebögen nicht den erwarteten Effekt gezeigt. Auch die individuelle Gefährdung eines Säuglings für SIDS lässt sich noch nicht verlässlich vorhersagen. Eindeutige Erfolge mit signifikanter Reduktion der SIDSSterblichkeit brachten gezielte und strukturierte Kampagnen mit Vermeidung von forschungsobjektivierten Risikofaktoren und mit Einsatz protektiver Maßnahmen, deren Gesamtpalette tabellarisch festgehalten wurde. Die Nichtbeachtung oder Vernachlässigung erwiesener Präventionsmaßnahmen impliziert eindeutig ein höheres SIDS-Risiko.
Ronald Kurz

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