Skip to main content
main-content

08.10.2018 | DGfN 2018 | Kongressbericht | Nachrichten

Ursachenforschung

Rückgang der Transplantationen - Woran liegt es?

Autor:
Dr. med. Horst Gross

Die Transplantationszahlen in Deutschland sind stark rückläufig. Eine umfassende Datenanalyse zeigt, dass dies im Wesentlichen auf organisatorische und strukturelle Ursachen zurückzuführen ist.

Dramatische Abnahme

Seit 2010 ist in Deutschland ein Rückgang der Transplantationsinzidenzen um über 30 % zu verzeichnen. Die strukturellen Ursachen dieser Tendenz wurden bisher noch nicht eindeutig analysiert. Die Forschergruppe um Dr. Kevin Schulte (Kiel) konzipierte deshalb eine zweistufige Untersuchung, um etwaige Defizite zu identifizieren.

Potential abschätzen

Für den ersten Analyseschritt griffen die Autoren auf die Datensätze der in Deutschland zwischen 2010 und 2015 vollstationär betreuten Patienten zurück. Durch ein von der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) entwickeltes Datenanalysetool identifizierten sie alle in diesem Zeitraum in Deutschland behandelten Patienten, die potentiell als Organspender infrage kamen. Dazu wurden Merkmale wie Hirnschädigung und Langzeitbeatmung herangezogen. Zielkriterium war die Realisationsquote, also das Verhältnis der möglichen Transplantationen zu den tatsächlich realisierten. Dies im Vergleich zu einem Referenzprojekt der DSO.

Klinische Praxis

Im zweiten Analyseschritt prüften die Autoren exemplarisch an sechs Universitätskliniken, wie oft die potentiell meldepflichtigen Patienten, tatsächlich zu einer Kontaktaufnahme mit der DSO geführt hatten und ob es anschließend zu einer Transplantation gekommen war. Damit sollte geklärt werden, ob bei der initialen Kommunikation zwischen den Kliniken und der DSO Defizite bestanden.

Verschenktes Potential

Im Jahr 2005 erfüllten 23.937 Patienten die Kriterien einer potentiellen Organspende. Im Jahr 2015 waren es 27.258. Das entspricht einer Zunahme des Potentials um 14 %. Während 2005 noch 1296 Transplantationen umgesetzt wurden, verminderte sich dieser Anteil kontinuierlich auf schließlich 877. Die Realisationsquote fiel somit von 5,4 % (2010) auf 3,2 % (2015). Damit hat sich im zeitlichen Verlauf die Quote um 32 % reduziert. Wie Referenzprojekte der DSO zeigen, ließe sich die Realisationsquote unter optimierten Bedingungen aber auf etwa 10 % steigern.

Keine Kontaktaufnahme

Die Erklärung für diese gegenläufigen Tendenzen ergibt sich aus dem Meldeverhalten der sechs geprüften Unikliniken. Auffallend war die starke Streuung. Während die Klinik mit den geringsten Meldezahlen die DSO gerade in 2 % der Fälle kontaktiert hatte, betrug die höchste Kontaktrate 26 %. Das Referenzprojekt der DSO belegt, dass Meldequoten von bis 31 % realisierbar sind. Statt der im Jahr 2015 tatsächlich durchgeführten 877 Organspenden, wären unter optimalen Bedingungen somit 2780 Transplantationen möglich gewesen.

Defizitäres Meldeverhalten

Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass für den eklatanten Rückgang der Transplantationszahlen in Deutschland im Wesentlichen Defizite bei der Meldung bzw. der Erkennung von potentiellen Organspendern in den Kliniken verantwortlich sind.

Basierend auf: Posterpräsentation K. Schulte et al. Rückgang der Organspenden in Deutschland - Eine bundesweite Sekundärdatenanalyse aller vollstationären Behandlungsfälle. Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Kiel); 10. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, 27. - 30. September 2018 in Berlin

Weiterführende Themen

Neu im Fachgebiet Innere Medizin

Meistgelesene Bücher aus der Inneren Medizin

2017 | Buch

Rheumatologie aus der Praxis

Entzündliche Gelenkerkrankungen – mit Fallbeispielen

Dieses Fachbuch macht mit den wichtigsten chronisch entzündlichen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen vertraut. Anhand von über 40 instruktiven Fallbeispielen werden anschaulich diagnostisches Vorgehen, therapeutisches Ansprechen und der Verlauf …

Herausgeber:
Rudolf Puchner

2016 | Buch

Ambulant erworbene Pneumonie

Was, wann, warum – Dieses Buch bietet differenzierte Diagnostik und Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie zur sofortigen sicheren Anwendung. Entsprechend der neuesten Studien und Leitlinien aller wichtigen Fachgesellschaften.

Herausgeber:
Santiago Ewig

Mail Icon II Newsletter

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter Update Innere Medizin und bleiben Sie gut informiert – ganz bequem per eMail.

© Springer Medizin 

Bildnachweise