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22.04.2021 | DGIM 2021 | Nachrichten

DGIM-Kongress 2021

Bundesbürger unterschätzen Zeckengefahr häufig

Autor:
Friederike Klein

Der Ansturm auf die heimischen Erholungsgebiete in der COVID-19-Pandemie hatte Folgen: Die FSME-Fallzahlen sind 2020 sprunghaft gestiegen. Was bei der Impfung zu beachten ist.

Wenn die Bewegungsfreiheit pandemiebedingt eingeschränkt ist, sind schon Infektionen in heimischen Gefilden ein reisemedizinisches Thema. Entsprechend widmete sich ein Vortrag beim diesjährigen Internistenkongress den Gefahren in den Wäldern hierzulande.

Wie Dr. Fritz Holst vom Tropen- und Reisemedizinischen Zentrum Marburg berichtete, wurden 2020 insgesamt 704 Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) registriert – das sind 58 Prozent mehr als 2019. Wahrscheinlich spielen bei diesem Anstieg nicht nur die vermehrten Ausflüge in Naherholungsgebiete in der Pandemie eine Rolle, sondern auch günstige klimatische Bedingungen für Zecken.

Appell zur FSME-Impfung in Risikogebieten

Die Hälfte der 2020 an FSME erkrankten Patienten zeigte neurologische Symptome, zwölf Prozent mussten intensiv behandelt, fünf Prozent beatmet werden und ein 80-jähriger Patient ist gestorben. 20–25 Prozent der Betroffenen hatten moderate bis schwere Residuen.

Das FSME-Vorkommen in Deutschland dehnt sich immer weiter nach Norden aus. Gleichzeitig sind zu wenig Menschen FSME-geimpft. Holst empfahl in Risikogebieten daher dringend die dreimalige FSME-Impfung als Basis.

Die beiden verfügbaren Impfstoffe seien dabei gleichwertig, erklärte Professor Tomas Jelinek vom CRM Centrum für Reisemedizin. Die Empfehlung, die Impfung alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen, bezeichnete Jelinek als übertrieben – in einer Studie war in allen Altersgruppen eine Persistenz von Antikörpern über zehn Jahre festgestellt worden (Vaccine 2019; 37(32):4623-4629). Entsprechend genügt Jelineks Einschätzung nach eine Auffrischungsimpfung alle zehn Jahre.

Zeckenparalyse in Europa bisher nicht beschrieben

Die andere wichtige Präventionsmaßnahme: Sich von Zecken fernhalten, betonte Holst. Schildzecken (Ixodes ricinus) sind ab einer Lufttemperatur von 6°C aktiv und werden durch CO2 angelockt. Nach dem Biss dauert es nur Minuten bis zur Übertragung von FSME-Viren, aber mehr als 24 Stunden bis zur Übertragung von Borrelien. Lyme-Borreliose ist bekanntlich die häufigste von Zecken übertragenen Erkrankung hierzulande.

Die Inzidenz der Lyme-Borreliose wird in Deutschland mit 24-40 pro 100.000 Einwohner angegeben. Nach einem Zeckenstich zeigen 0,4–1,4 Prozent der Betroffenen eine manifeste Erkrankung. Das hinweisende Erythema migrans tritt häufig erst nach einigen – bis zu 30 – Tagen auf. Es könne zudem zu einer frühen Dissemination mit multiplen Erythema migrans kommen, erklärte Holst. Häufig berichten die Betroffenen von Symptomen wie Myalgien, Arthralgien, milde Cephalgien oder Lymphadenopathien.

Zecken können allerdings noch ein weiteres Infektionsrisiko bergen: die bisher in Europa noch nicht beschriebene Zeckenparalyse. Dabei geben Zecken nach mehreren Tagen Ixobotoxin ab, das initial Parästhesien und im Verlauf von wenigen Tagen eine aufsteigende Lähmung hervorruft. Prävention und Therapie bestehen in der raschen Entfernung der Zecke.

Quelle: Ärzte Zeitung

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