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27.03.2019 | DGP 2019 | Redaktionstipp | Nachrichten

Pneumonie bei Kindern

Antibiotika oder nicht – hilft ein Biomarker?

Autor:
Dr. Thomas Meißner

Die Hoffnung, ambulant erworbene Pneumonien bei Kindern mit Hilfe des Prokalzitonin-Spiegels zu steuern, scheint sich nicht zu bestätigen.

Drei von vier ambulant erworbenen Pneumonien bei Kindern sind viral bedingt, vor allen Dingen durch RSV (Respiratory Syncytial Virus) und Rhinoviren, sagte Prof. Dr. Gesine Hansen, Kinderpneumologin an der Medizinischen Hochschule Hannover, beim Pneumologie-Kongress in München. Nur etwa 15 Prozent werden durch Bakterien wie Pneumokokken ausgelöst, so die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie. Dieser Befund ist bedeutsam vor dem Hintergrund, dass die Diagnose nach wie vor klinisch gestellt wird und der Frage, ob mit Antibiotika behandelt werden soll oder nicht.

Es bestand die Hoffnung, mit Prokalzitonin einen Biomarker gefunden zu haben, mit dem viral von bakteriell verursachten Pneumonien unterschieden werden können. Prokalzitonin (PCT) ist ein Polypeptid, dass typischerweise bei bakteriellen Infektionen erhöht ist. Ein niedriger Wert ist mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für eine bakteriell induzierte ambulant erworbene Pneumonie assoziiert. Eine europäische Studie hat das zwar bestätigt. Bei einer Sensitivität von immerhin 86% konnte aber nur eine Spezifität des Tests von 45% ermittelt werden. Der negative Vorhersagewert war mit 96% hoch (J Pediatrc Infect Dis Soc 2018; 7: 46-53).

Enttäuschend fiel nun eine ähnliche Studie mit 1600 stationär aufgenommenen Kindern mit ambulant erworbener Pneumonie in 14 US-amerikanischen Krankenhäusern aus. Bei klinisch unklarer Einschätzung der Pneumonie erfolgte der PCT-gesteuerte Einsatz von Antibiotika. Die anderen Patienten bildeten die Kontrollgruppe. Am Ende unterschied sich weder die Dauer der der Antibiotika-Gabe in den beiden Gruppen, noch war der Anteil der Patienten mit kompliziertem Verlauf verschieden (N Engl J Med 2018; 379: 236-49). Die Bestimmung des PCT erscheine damit nicht geeignet, so Hansen in München, um bakteriell von viral verursachten ambulant erworbenen Pneumonien bei Kindern zu unterscheiden.

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