Skip to main content

25.03.2019 | DGP 2019 | Redaktionstipp | Nachrichten

E-Zigarette

Umstieg statt Ausstieg?

verfasst von: Dr. med. Peter Stiefelhagen

print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Das Thema „E-Zigarette“ ist heiß umstritten. Für die einen bietet sie einen Weg aus der Sucht. Andere sehen die Gefahr, dass E-Zigaretten angesichts einer geschickten Werbung und des geschmacklich gut abgestimmten Rauchkomforts zu einer „Re-Normalisierung“ des Rauchens führen könnten. 

„Auch wenn E-Zigaretten als weniger schädlich eingestuft werden als Tabakzigaretten, so gibt es genügend Beweise für eine Schädlichkeit“, so Dr. Alexander Rupp, Stuttgart. Dafür sprächen zahlreiche Studien an Zellkulturen, Tieren und Menschen. Danach verstärken E-Zigaretten die Inflammation, den oxydativen Stress und die Proteasenaktivität. Außerdem stören sie die Barrierefunktion und die Lungenentwicklung und fördern die bronchiale Hyperreagibilität und die Emphysembildung. Auch gibt es bisher keine Langzeitdaten zur Sicherheit. „Ein nicht unschädliches Produkt sollte bei gut untersuchten und unbedenklicheren Alternativen von ärztlicher und wissenschaftlicher Seite nicht gefördert werden“, so Rupp.

Höhere Abstinenzrate

 Der Nikotingehalt von Zigaretten wurde in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert mit der Folge, dass es Rauchern immer schwerer fällt, ihren Tabakkonsum zu beenden. Und da stellt sich die Frage, ob E-Zigaretten einen sinnvollen Weg aus der Sucht bieten. In einer kürzlich publizierten großen randomisierten Studie wurde erstmals der Effekt von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung untersucht. Die Raucher bekamen entweder über drei Monate eine von ihnen präferierte Nikotinersatztherapie oder eine wiederauffüllbare Zweitgenerations-E-Zigarette. Außerdem erhielten alle eine intensive Begleittherapie mit wöchentlichen Therapiesitzungen über mindestens vier Wochen. Nach einem Jahr lag die Abstinenzrate in der E-Zigaretten-Gruppe 28 Prozent im Vergleich zu 9,9 Prozent bei der Nikotinersatztherapie. Dieser Unterschied war signifikant.

An langfristige Folgen denken

 „Doch man muss die Effektivität der E-Zigarette und die  kurz- und langfristigen Folgen gegeneinander abwägen“, so Professor Stefan Andreas, Immenhausen. Es sei schon bemerkenswert, dass nach einem Jahr noch ca. 80 Prozent regelmäßig E-Zigaretten inhalierten, während nur noch 9 Prozent weiter die Nikotinersatzprodukte verwendeten. Angesichts experimenteller Studien bestünden keinerlei Zweifel an der Schädlichkeit der E-Zigarette und es fehlten Langzeitdaten. Doch sprechen Langzeitbeobachtungen über 15 Jahre dafür, dass die Nikotinersatztherapie sicher ist und sogar zu einer Abnahme der Sterblichkeit führt. Auch wurden in diese englische Studie überwiegend Patienten eingeschlossen, bei denen eine Nikotinersatztherapie in der Vergangenheit nicht erfolgreich gewesen war. „Von daher ist es nicht überraschend, dass die Nikotinersatztherapie auch bei einem zweiten Versuch nicht erfolgreich war“, so Andreas. Auch die Bewertung der Patienten mache deutlich, dass die Nikotinabhängigkeit nicht überwunden wurde; denn der Wunsch zu rauchen, war in der Nikotinersatztherapie-Gruppe höher als in der E-Zigaretten-Gruppe. „Dies lässt sich so erklären, dass die Wirkung auf das Belohnungssystem bei der E-Zigarette höher ist“. 

Besonders gefährlich für Kinder und Jugendliche

Besondere Gefahren bestehen nach Meinung von Andreas bei Kindern und Jugendlichen. Sie rauchen zumindest initial ohne Nikotin, dafür mit verschiedenen Geschmacksstoffen wie Gummibärchen. Epidemiologische Studien zeigen, dass sie später oft auf nikotinhaltige E-Zigaretten umsteigen und im weiteren Verlauf häufig bei herkömmlichen Zigaretten landen. Deshalb warnen die medizinischen Fachgesellschaften einhellig vor den Gefahren der E-Zigarette auf die Entwicklung des Tabakrauchens in der Bevölkerung. Auch konnte in einer Metaanalyse von 38 Studien das positive Resultat der englischen Studie nicht bestätigt werden, im Gegenteil, die Tabakentwöhnung gelang mit der E-Zigarette seltener als mit der Nikotinersatztherapie. „Deshalb ist es notwendig, dass der Gesetzgeber strengere Regelungen zur Vermarktung und zum Verkauf der E-Zigaretten schafft“, so Andreas. Es müsse sichergestellt werden, dass E-Zigaretten nur von Rauchern für eine begrenzte Zeit ausschließlich zur Tabakentwöhnung genutzt werden. 

print
DRUCKEN

Weiterführende Themen

Passend zum Thema

ANZEIGE

COPD und nicht-invasive Behandlungsmethoden

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie die nicht-invasive Beatmung (NIV) können die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von COPD-Patienten erheblich verbessern und das Sterberisiko senken. Die NIV-Therapie zur Behandlung von fortgeschrittener COPD hat Eingang in die neuen S2k-Leitlinien zur COPD-Therapie gefunden.

ANZEIGE

Neue Technologien bei außerklinischer NIV von COPD-Patienten

Einer aktuellen Studie von McDowell et. al.[1] zufolge kann im Gegensatz zur klinischen nicht-invasiven Beatmung (NIV) die außerklinische NIV in Ergänzung mit Telemonitoring und einem Hybridmodus den Zeitraum bis zur Rehospitalisierung oder zum Tod von hyperkapnischen COPD-Patienten verlängern.

ANZEIGE

Auch für ältere Patienten empfiehlt sich nicht-invasive Langzeitbeatmung

Nicht-invasive Beatmung ist für Menschen mit chronisch hyperkapnisch respiratorischer Insuffizienz eine bewährte Therapie. Eine Schweizer Studie untersuchte die Auswirkungen der Beatmung auf über 75-Jährige und belegt nun deren Wirksamkeit.

Passend zum Thema

Mitglieder der Initiative im Gespräch: Exazerbationen rechtzeitig erkennen

Bei einer Verschlechterung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist schnelles Handeln wichtig. Wie Betroffene lernen die Symptome rechtzeitig zu erkennen und wie die Therapieadhärenz verbessert werden kann, darüber sprechen Astrid Bannert-Cybulski und Dr. Christian Gade im Podcast.

ANZEIGE

COPD-Verschlechterung? Nicht warten, handeln!

Mehr Prävention statt Reaktion - unterstützt von der BERLIN-CHEMIE AG, fordert die Initiative „COPD-Verschlechterung? Nicht warten, handeln!“ einen Paradigmenwechsel in der COPD-Therapie mit dem übergeordneten Ziel, die Hospitalisierungs- und Mortalitätsrate bei COPD-Patienten*innen zu senken.

COPD-Verschlechterung? Früher erkennen!

Werden Exazerbationen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) auch oft zu spät erkannt, weil hinter den Symptomen auch andere Erkrankungen stecken können? Oder fehlt einfach eine klare Definition? In der 2. Episode der Podcast-Reihe widmen sich Hausärztin Dr. Petra Sandow und Pneumologe Prof. Dr. Claus Vogelmeier genau diesem Thema.