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26.09.2018 | DGRM-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Stiefkind Leichenschau

Klinische Sektion: Qualität mangelhaft!

Autor:
Dr. med. Horst Gross
 

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Die sachgerecht durchgeführte Sektion ist und bleibt die Standardmethode der Qualitätssicherung in der klinischen Medizin. Ein Aspekt, der immer weniger Beachtung findet.

Im Zeitalter der perfekten Bildgebung erscheint die Sektion wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Denn an den Kliniken stehen Computer- und Magnetresonanztomografen nicht mehr still. Doch der radiologische Blick in das Innere des Patienten reicht offenbar nicht aus, um die Komplexität des Krankheitsgeschehens zu erfassen. Seziert wird kaum noch und zunehmend gerät die Qualität dieser klinischen Obduktionen in die Kritik. Die Studie des rechtsmedizinischen Instituts der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf – vorgestellt auf dem aktuellen rechtsmedizinischen Kongress in Halle – offenbart erschreckende Qualitätsmängel.

Klinische Sektion

Für den ersten Teil ihrer retrospektiven Studie hatten die Hamburger Rechtsmediziner die Daten von 511 Sektionen neu ausgewertet. Alle Patienten waren an der Uniklinik Eppendorf verstorben und dort bereits wegen Unklarheiten bei der Todesursache seziert worden. 

Die erneute Obduktion erfolgte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft. Theoretisch sollten die Ergebnisse der klinischen und der rechtsmedizinischen Sektion zumindest in wesentlichen Punkten übereinstimmen. Doch weit gefehlt: Bei jedem siebten erneut sezierten Patienten fehlten auf dem Totenschein wichtige Hinweise auf Traumata, relevante medizinische Eingriffe oder entscheidende klinische Diagnosen. Bei vier von 100 Sektionen an der Uniklinik fehlte glatt die Unterschrift des Pathologen. Jeder achte Leichenschauschein wies eine inkomplette Epikrise auf. Erstaunliche Zahlen, die man von einer Uniklinik so nicht erwarten würde.

Mangelhafte Leichenschauscheine

Noch ernüchternder ist der zweite Teil der Studie. Er betrifft 419 Patienten, die ohne vorangegangene Sektion in der Rechtsmedizin seziert wurden. Hier interessierte, wie gut die auf den Leichenschauscheinen vermerkten Angaben mit der Realität übereinstimmten. 

Und auch in diesem Fall zeigt die Hamburger Studie Frappierendes: In knapp einem Drittel der Fälle stimmten entweder die Angaben zur Todesursache oder die Angaben zur Grunderkrankung nicht mit dem rechtsmedizinischen Obduktionsergebnis überein. Bei jedem zehnten Obduzierten lagen die Kliniker sogar völlig daneben: Weder Grunderkrankung noch Todesursache war klinisch erkannt worden. Insgesamt bewerteten die Rechtsmediziner nur 70 % der Leichenschauscheine als qualitativ ausreichend.

Kaputt gespart

Zurück bleibt die beängstigende Frage, wie man eigentlich einen Patienten korrekt therapieren kann, ohne seine Grunderkrankung erkannt zu haben. Hinzu kommt, dass die fehlerhaften Daten in den Leichenschauscheinen in die offiziellen Erkrankungs- und Todesstatistiken einfließen und so ein falsches epidemiologisches Bild ergeben. Offenbar rächt sich hier die Tatsache, dass die pathologischen Institute an den Kliniken auf »Sparflamme« gesetzt wurden. Wie sonst ist die schlechte Qualität der klinischen Sektion zu erklären?

basierend auf: 97. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (Halle/Saale, 2018). Posterpräsentation: Die Leichenschau im Krankenhaus – Wie gut ist die Qualität? Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf​​​​​​​

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