Zum Inhalt

Komplexer Fall Medizinstudentin mit Krea-Anstieg und B-Symptomen

Die Niere macht es dem Differenzialdiagnostiker nicht immer einfach. Bei einer Medizinstudentin mit buntem Beschwerdebild und defekter Niere fanden die Ärzte letztlich das Chamäleon unter den Erkrankungen als etwas unerwartete Ursache der Beschwerden.

Bei der 25-jährigen Medizinstudentin vietnamesischer Abstammung, über die Professor Dr. Marcus Möller von der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Universitätsklinikum Aachen bei der DGfN-Jahrestagung in Berlin berichtete, stand ein seit etwa sechs Monaten bestehender Leistungsknick im Vordergrund. Die Patientin wies eine B-Symptomatik mit Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust auf. Sie hatte zudem Bauchschmerzen, nicht-blutige Diarrhoen und einen trockenen Reizhusten.

Niere, Bauch und Husten: Passt das irgendwie zusammen?

Die Überweisung in die Nephrologie erfolgte wegen eines kontinuierlichen Anstiegs des Kreatinin-Werts auf zuletzt 1,6 mg/dl. Anamnestisch war bei der Patientin eine chronisch-aktive, virostatisch behandelte Hepatitis B bekannt. Eruieren ließ sich ferner ein zeitweiliger Kreatininanstieg etwa zu der Zeit, in der die Hepatitis-Therapie begonnen worden war. Auch die Bauchbeschwerden waren nicht neu. Sie bestanden seit etwa zwei Jahren und hatten zu der Verdachtsdiagnose Colitis ulcerosa geführt, die zeitweilig erfolgreich mit Steroiden und weniger erfolgreich mit Anti-TNF-alfa-Präparaten behandelt worden war. Während der ganzen Zeit studierte die Patientin erfolgreich weiter.
Was die Befunde angeht, präsentierte sich die Patientin mit einem breiten Spektrum auffälliger Werte. Die Kreatinin-Clearance war reduziert, die Eiweißausscheidung lag bei 700 mg pro 24 Stunden. Mehrere Entzündungsparameter im Stuhl waren erhöht, die Lungenfunktion normal. Vor dem Hintergrund der chronischen Hepatitis B wurde unter anderem eine kryoglobulinämische Vaskulitis diskutiert. Dafür fehlten Kryoglobuline, Komplementverringerung und Hautsymptome. Auch eine Panarteriitis nodosa sowie Immunkomplexglomerulonephritiden standen im Raum.

Erst die Bronchoskopie verschaffte Klarheit

Die nun folgende Nierenbiopsie schloss einige mögliche Differenzialdiagnosen aus, brachte aber nicht die definitive Lösung. Konkret zeigten sich unauffällige Glomeruli mit normalem Mesangium und regelrechter Basalmembran. Stark mit entzündlichen Infiltraten, hier vor allem vielen mononukleären Zellen und T-Lymphozyten, durchsetzt war dagegen das Interstitium. Fibrinogen als Hinweis auf eine drohende Fibrose war reichlich nachweisbar, nicht dagegen Marker einer bakteriellen Entzündung. Histologisch handelte es sich in Summe um eine tubulointerstitielle Nephritis.
An dieser Stellen lagen dann die Ergebnisse der Bronchoskopie im Befundfach, die ein neues Bild zeichneten. Der Pathologe berichtete von Granulomen und einem pathologischen CD4/CD8-Quotienten. „Wir haben deswegen die Diagnose einer Sarkoidose mit renaler und gastrointestinaler Beteiligung gestellt, obwohl in der Nierenbiopsie keine Granulome gefunden wurden“, so Möller. Zusätzlich wurde das Virostatikum umgestellt, falls Medikamententoxizität zu den Nierenproblemen beigetragen haben sollte.
Nach einer Glukokortikoidtherapie mit 1 mg/kg Prednisolon über drei Wochen, danach 20mg pro Tag für weitere fünf Monate, geht es der Patientin deutlich besser. Husten und Bauchbeschwerden sind verschwunden, und die Proteinurie ist rückläufig. Nicht gebessert hat sich der Kreatininwert, was darauf hindeuten könnte, dass bereits ein irreversibler Nierenschaden eingetreten ist.

DGfN Jahrestagung 2016; Session „Sitzung der Akademie Niere - Glomerulonephritis“, 11.09.2016, 16.30h-17.45h

Passend zum Thema

ANZEIGE

Mikrobiom und Darmgesundheit im Fokus

Das Darmmikrobiom gewinnt zunehmend an Bedeutung– sowohl in der Forschung als auch in der ärztlichen Praxis. Erfahren Sie mehr über das Mikrobiom, mit Dysbiosen assoziierte Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Ansätze zur Verbesserung der Darmgesundheit – für mehr Lebensqualität.

ANZEIGE

Postbiotika: Wie sie die Darmgesundheit fördern können

Bei der Fermentation zur Herstellung von Postbiotika werden In­haltsstoffe wie Vitamine, Polyphenole und andere sekundäre Pflanzenstoffe für den Körper besser verfügbar gemacht, während Antinährstoffe abgebaut werden. Zudem werden biogene Amine wie Spermin und Spermidin gebildet sowie wichtige kurzkettige Fettsäuren (SCFA) produziert.

ANZEIGE

Darmgesundheit – neu gedacht: Das Medibiom®-Programm

Medice hat einen besonderen Ansatz entwickelt, um Darmgesundheit zu fördern: Sie bietet Personen mit darmassoziierten Beschwerden, gereiztem Darm und Nahrungsmittelunverträglichkeiten ein ursachenorientiertes, synergistisches Programm zur praktischen Umsetzung einer gezielt darmgesunden Lebensweise an.

Passend zum Thema

ANZEIGE

Digitale Gesundheitsanwendungen: Vorteile für Betroffene und Praxis

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bieten zahlreiche Vorteile für Patientinnen und Patienten sowie für die behandelnden Ärzt*innen. Sie unterstützen bei der Aufklärung, Therapie und im Krankheitsmanagement, was zu einer verbesserten Patient*innenversorgung und effizienteren Abläufen in der Praxis führt.

ANZEIGE

Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) erkennen und abgrenzen

Das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist eine komplexe Multisystemerkrankung, die durch eine Überaktivität von Mastzellen gekennzeichnet ist. Es ist wichtig, MCAS von anderen Mastzellaktivierungsstörungen wie der Mastozytose abzugrenzen. Erfahren Sie hier mehr über die Symptome und die diagnostischen Herausforderungen.

ANZEIGE

Erstattungsfähigkeit von Iberogast®: alle Infos auf einen Blick

Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für rezeptfreie Arzneimittel wie Iberogast® Classic und Iberogast® Advance, sofern sie auf einem Grünen Rezept verordnet werden. In diesem Beitrag finden Sie eine praktische Übersicht und weiterführende Informationen dazu.

ANZEIGE

Ob jung, ob alt, Reizdarm und -magen gezielt therapieren

Erfahren Sie mehr über die gezielte Behandlung von Reizdarm und Reizmagen. Mit Expertenwissen von Prof. Dr. Madisch, Prof. Dr. Gerner und Prof. Dr. Labenz zu biopsychosozialen Konzepten und spezifischen Therapieansätzen auch für Kinder, Jugendliche und geriatrische Patienten.

Bayer Vital GmbH

Passend zum Thema

ANZEIGE

S2k-Leitlinie bestätigt Thymian-Efeu-Kombination bei akutem Husten

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat am 28. Februar 2025 die aktualisierte „S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten“ veröffentlicht. Das Update der Leitlinie aus 2019 bestätigt die „Sollte“-Empfehlung für Phytopharmaka mit Evidenzbasis bei akutem Husten, zu denen unter anderem die Thymian-Efeu-Kombination zählt. Dies unterstreicht die wissenschaftliche Evidenz der Pflanzenkombination.

ANZEIGE

Resistenzen: Deutschlands Antwort auf die stille Pandemie

Laut WHO werden 2050 weltweit ca. 10 Mio. Todesfälle durch Infektionen mit multiresistenten Keimen erwartet. Höchste Zeit für ein entschlossenes Handeln. Deutschland begegnet den aktuellen Herausforderungen mit einer umfassenden Strategie und einem engagierten Aktionsplan. Hier geht’s zur aktuellen Übersicht.

ANZEIGE

Gemeinsam gegen Antibiotika Resistenzen

  • Content Hub

Die WHO schlägt Alarm und fordert ein Umdenken im Antibiotikaeinsatz. Wir machen mit. Sie auch? Dann finden Sie auf dieser online Themenseite therapierelevante Informationen für einen rationalen Antibiotikaeinsatz und welchen Stellenwert Experten einer evidenzbasierten Phytotherapie einräumen. Praxisnah. Kompakt. Aktuell. Jetzt informieren.

Bionorica SE
Bildnachweise
Visite/© Hybrid Images / iStock / Thinkstock , Teaserbild Content Hub Mediom/© mi-viri | iStock , Teaserbild: Postbiotika: Wie die Darmgesundheit gefördert werden kann/© Sebastian Kaulitzki / fotolia.c, Person mit virtuellem Darm/© mi-viri | iStock, Ärztin zeigt Patientin etwas auf einem Smartphone/© Hero Images Inc. | Getty Images, Stethoskop auf einem Laptop liegend/© Song_about_summer | Adobe Stock, Mann sitzt am Laptop und nutzt einen Taschenrechner/© ldprod | Adobe Stock, Neuer Inhalt/© Bayer Vital GmbH (Iberogast®), Leitlinie Husten/© iiierlok_xolms | Adobe Stock, Ärztin macht "Psst" Geste/© Charday Penn, Bionorica CH Visual/© Bionorica SE