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19.09.2016 | Diagnostik und Monitoring | Originalien | Ausgabe 10/2016

Der Anaesthesist 10/2016

Kenntnis und Umsetzung der S3-Leitlinie zum Delirmanagement in Deutschland

Zeitschrift:
Der Anaesthesist > Ausgabe 10/2016
Autoren:
Dr. T. Saller, V. v. Dossow, K. Hofmann-Kiefer
Wichtige Hinweise

Zusatzmaterial online

Dieser Beitrag enthält zusätzlich den Fragebogen der Untersuchung. Dieses „Supplementary Material“ finden Sie unter doi:10.​1007/​s00101-016-0218-8.

Zusammenfassung

Hintergrund

Das Delir ist eine häufige Komplikation auf Intensivstationen. Das Syndrom wird häufig unterschätzt. Die aktuellen S3-Leitlinien fordern daher ein strukturiertes, regelmäßiges und routinemäßiges Screening auf allen Intensivstationen. Wird ein Delir diagnostiziert, soll eine symptomorientierte Therapie zeitnah begonnen werden.

Ziele

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der bisherigen Strategien deutscher Kliniken im Bereich Delirmanagement.

Methode

Anhand einer online-basierten Umfrage wurden leitende Anästhesisten deutscher Kliniken (n = 922) zur Anwendung der vorgenannten Leitlinien in Deutschland für den Teilbereich des Delirmanagements befragt.

Ergebnis

Die 249 Antwortenden repräsentieren ein Viertel der deutschen Intensivstationen. In jeder zehnten Klinik, die eine Intensivstation führt, waren die Inhalte der bis 2015 gültigen Leitlinie unbekannt (86,3 %). Mehr als die Hälfte der intensivmedizinischen Behandler gibt einen bevorzugten Delirscore an, häufig wird der CAM-ICU (49 %) verwendet. Allerdings erheben nur 53,6 % der Befragten alle acht Stunden einen Score. Der jeweilige Goldstandard zur Therapie nach Symptomatik wird bei Kenntnis der Leitlinien besser realisiert.

Schlussfolgerung

Insgesamt werden die Leitlinien für den Teilbereich Delir weniger gut umgesetzt als im Bereich Sedierungsmanagement. Bei Kenntnis der Leitlinie erfolgen Diagnose und Behandlung von Delirien häufig leitliniengerecht. Die geringe Zahl an Kliniken, die die Leitlinie in eine klinikinterne Handlungsanweisung (40 %) implementiert haben, zeigt jedoch, dass dringend Optimierungsbedarf besteht. Ein Umdenken unter Einbeziehung aller Berufsgruppen, die intensivmedizinisch und perioperativ Patienten behandeln, könnte die Implementierung von Leitlinien auf Intensivstationen verbessern.

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