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11.01.2017 | Originalien | Ausgabe 2/2017

HNO 2/2017

Diagnostische Genauigkeit ambulanter Polygraphiegeräte

Ein Vergleich zur stationären Polysomnographie im klinischen Alltag

Zeitschrift:
HNO > Ausgabe 2/2017
Autoren:
Prof. Dr. med. J. Lindemann, B. Augenstein, F. Stupp, B. Saul, M. Reichert, R. Riepl, F. Sommer, A.-S. Grossi
Wichtige Hinweise

Redaktion

W. Baumgartner, Wien
P. K. Plinkert, Heidelberg
M. Ptok, Hannover
C. Sittel, Stuttgart
N. Stasche, Kaiserslautern
B. Wollenberg, Lübeck
Der vorliegende Beitrag ist unserem Lehrer und ehemaligen Kollegen Herrn Prof. Dr. Wolfgang Pirsig aus Ulm gewidmet. Er war von 1979 bis 2002 an der Ulmer HNO-Universitätsklinik tätig und „Gründer“ unseres Schlaflabors. In dieser Zeit hat Prof. Pirsig regelmäßig schlafmedizinische Kurse an der Klinik geleitet und zahlreiche Buchbeiträge, Operationsmethoden sowie Publikationen verfasst. Er hat die Schlafmedizin im Fach HNO-Heilkunde national und international entscheidend geprägt und im operativen sowie konservativen Bereich vorangebracht. Auch nach seinem Ruhestand war und ist Prof. Pirsig eng mit der Ulmer HNO-Klinik verbunden und beehrt uns durch Projekte wie aktuell mit einer medizinhistorischen Vitrine in der Klinik. Gerne erinnere ich mich an die gemeinsamen „Powerpoint-Abende“ in seinem Haus. Freundschaftlich Prof. Dr. Jörg Lindemann und das gesamte Schlaflaborteam aus Ulm

Zusammenfassung

Hintergund

Die stationäre Polysomnographie (PSG) gilt als Referenzmethode in der Diagnostik des obstruktiven Schlafapnoesyndroms (OSAS). Aufgrund der Wartezeiten und der Kosten fordern Kostenträger eine ambulante Polygraphie (PG) als Alternative. Ziel der Studie war es, die diagnostische Genauigkeit verschiedener ambulanter PG-Geräte im Vergleich zur stationären PSG im realen klinischen Alltag einer HNO-Klinik zu evaluieren.

Material und Methoden

Es wurden extern durchgeführte ambulante PG-Befunde von 406 Patienten einer Klinik retrospektiv mit den entsprechenden PSG-Befunden verglichen.

Ergebnisse

Unter den 406 Patienten befanden sich 343 Männer (85 %) und 63 Frauen (15 %) mit einem mittleren Alter von 50 Jahren. Der Body-Mass-Index (BMI) betrug im Mittel 30 kg/m2. Für AHI-Werte aus PG und PSG ergab sich ein Rangkorrelationskoeffizient von r = 0,574. Der AHI wurde in der PG im Mittel um 6,4 (±20,5) Ereignisse/h unterschätzt. Polygraphisch wurde in nur 43 % der Fälle der OSAS-Schweregrad korrekt bestimmt. Sensitivität (90,7 %) sowie Spezifität (45,2 %) der ambulanten PG-Geräte wurde für den Grenzwert AHI ≥ 5/h berechnet. Auf Basis der ambulanten PG-Befunde wäre in 35 Fällen (9 %) eine indizierte Therapie unterlassen worden und in 17 Fällen (4 %) eine nicht erforderliche Therapie veranlasst worden. Die verwendeten PG-Geräte zeigten eine vergleichbare diagnostische Genauigkeit (r = 0,513–0,657) bei einer Sensitivität von 81,3–96,9 % und einer Spezifität von 33,3–50,0 %.

Schlussfolgerung

Die ambulante PG kann im klinischen Alltag den Schweregrad eines OSAS nicht zuverlässig beurteilen. Eine Absicherung durch eine PSG im Schlaflabor bei grenzwertigen Befunden erscheint obligat. Ambulante PG-Systeme sollten als Screeningmethode einer PSG vorgeschaltet sein. Die automatische Auswertung der PG ist nicht ausreichend und muss immer überprüft werden.

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