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23.11.2016 | Originalien und Übersichten | Ausgabe 1/2017

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 1/2017

Die Epidemiologie der Varizellen in Deutschland unter Einfluss der Varizellen-Impfempfehlung

Auswertung der Sentinel- und Meldepflichtdaten 2002–2014

Zeitschrift:
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz > Ausgabe 1/2017
Autoren:
Dr. Jane Hecht, Anette Siedler

Zusammenfassung

Hintergrund

Seit Juli 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Varizellenimpfung für alle Kinder im Alter von 11–14 Monaten, seit 2009 eine zweite Impfdosis im Alter von 15–23 Monaten. Die Impfquoten im Alter von 24 Monaten stiegen von 43 % in der Geburtskohorte 2004 auf 87,5 % in der Geburtskohorte 2010. Eine Varizellenmeldepflicht wurde in den Neuen Bundesländern (NBL) zwischen 2002 und 2009 eingeführt, deutschlandweit im April 2013. Seit 2005 liegen am Robert Koch-Institut (RKI) zusätzlich Daten aus einem bundesweiten Varizellen-Sentinelsystem vor.

Ziel und Methode

Ziel der Arbeit war, die Varizellenepidemiologie nach Einführung der Impfempfehlung im Zusammenhang mit Impfquoten zu beschreiben und Meldepflicht- und Sentineldaten hinsichtlich Aussagekraft und Datenqualität zu vergleichen. Trends und Altersverteilung wurden mittels Microsoft Excel und Stata12 analysiert. Impfquoten wurden vom RKI-Projekt „KV-Impfsurveillance“ zur Verfügung gestellt.

Ergebnisse

Bis Ende 2013 gingen im Sentinel die Varizellenfälle/Praxis/Monat (Praxisindex) von 3,47 auf 0,43 und die Inzidenzen laut Meldepflicht in den NBL von 32 auf 12/100.000 zurück. In beiden Meldesystemen zeigte sich der größte Rückgang bei den 1‑ bis 4‑Jährigen (um 94 % im Sentinel und 90 % nach Meldepflicht). 2014 stiegen die Inzidenzen in allen Altersgruppen an, nicht aber die Praxisindizes nach Alter.

Diskussion

Die gestiegenen Impfquoten und der Rückgang der Varizellenerkrankungen sprechen für eine gute Umsetzung der Impfempfehlung und Wirksamkeit der Impfung. Anhand der Meldedaten können exakte Inzidenzen berechnet werden. Das Sentinelsystem hingegen liefert genauere Informationen zum Impfstatus, höhere Dokumentationsqualität und kontinuierlich seit 2005 meldepflichtunabhängige Daten. Die bundesweiten Meldedaten 2013–2014 sind aufgrund der kurzen Beobachtungszeit nur eingeschränkt bewertbar.

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