Eine qualifizierte Nystagmusanalyse setzt das Erkennen und Bewerten von ungewöhnlichen Nystagmusformen voraus. Bei dem Symptomenbild der internukleären Ophthalmoplegie (INO) ist die Beobachtung eines dissoziierten Nystagmus bei der Untersuchung des Seitblickes diagnostisch wegweisend. Hierbei zeigt sich eine Bewegungseinschränkung des adduzierten Auges verbunden mit einem Nystagmus, welcher sich am abduzierten Partnerauge stärker manifestiert. Ätiologisch besteht eine Hirnstammläsion im Fasciculus longitudinalis medialis zwischen Abduzens- und Okulomotoriuskerngebieten häufig als Manifestation einer multiplen Sklerose. Differenzialdiagnostisch muss an ischämische, traumatische oder raumfordernde Läsionen im Hirnstamm gedacht werden. Weiterhin kommen entzündliche Prozesse, z. B. im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion, in Betracht.