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21.02.2020 | DKK 2020 | Kongressbericht | Nachrichten

Therapie-Deeskalation

Beim lokoregionären Mammakarzinom sind Schnittränder passé

Autor:
Friederike Klein

Die chirurgische Therapie des frühen Mammakarzinoms ist in den letzten Jahren zunehmend deeskaliert worden. Heute genügt ein farbstofffreier Schnittrand, die brusterhaltende Therapie ist Standard. 

Voraussetzung für die Vermeidung einer Übertherapie ist das exakte präoperative Staging, betonte Prof. Dr. Bernd Gerber, Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt in Rostock, am Donnerstag anlässlich des 34. Deutschen Krebskongresses in Berlin. Basis dafür ist Anamnese und klinische Untersuchung mit Mammographie der Brust und Sonographie der Axilla. Umfangreichere bildgebende Untersuchungen werden von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) nur bei Tumoren mit hohem metastatischen Potenzial und/oder Symptomen empfohlen.

Farbstoff- und tumorfreier Resektionsrand genügt

Bei der Resektion ist das Einhalten von Schnitträndern für die Exzision „im Gesunden“ seit 2014 obsolet, erklärte Gerber. Eine Metaanalyse fand keinen Unterschied in der Lokalrezidivrate, egal, ob 1, 2 oder 5 mm Resektionsränder eingehalten worden waren. „No ink on tumor“ ist seitdem das Ziel, das durch eine weitere Metaanalyse 2017 erneut bestätigt wurde: War der Resektionsrand farbstofffrei, lag die Lokalrezidivrate bei 3,8% und damit nicht signifikant höher als bei mehr als 1, 2 oder 5 mm. Nur bei einem DCIS-Mammakarzinom gilt in nationalen und internationalen Leitlinien in seltener Übereinstimmung die Empfehlung eines Resektionsrands von ≥ 2 mm.

Das Ziel Brusterhalt wird umgesetzt

Nach dem Jahresbericht Brust aus dem letzten Jahr wurden 2017 in Deutschland 82% der Patientinnen mit Mammakarzinom im Stadium T1N0M0 brusterhaltend operiert. Bei T2N0M0-Tumoren waren es immer noch beachtliche 64,5%. Das zeuge von einer ordentlichen Expertise, erklärte Gerber. 

Das chirurgische Trauma weiter reduzieren kann die Sentinel-Lymphknotenentnahme über einen Hautschnitt an der Brust. Das sei bei mobilen Brüsten gut möglich und reduziere die postoperativen Schmerzen, berichtete Gerber. Weniger im Sinne der Patientinnen sei dagegen die Entwicklung, dass Krankenkassen häufig die Kostenerstattung der Angleichung der kontralateralen Brust im Rahmen der Brustkrebs-Op verweigern. So muss die Patientin aus Gründen der Kostenerstattung dann zwei Mal „unters Messer“.

Neoadjuvante Therapie mit Perspektive

Bei großen Tumoren, tripelnegativen oder HER2-überexprimierenden Mammakarzinomen ist die neoadjuvante Systemtherapie (NAST) inzwischen Standard. Das Ansprechen im Resektat kann dann helfen, über eine weitere Therapie-Deeskalation nachzudenken oder aber bei fehlender pathologischer Komplettremission (pCR) über eine Eskalation, beispielsweise mit einer postoperativen Chemotherapie. Eine pCR in der Bildgebung nach NAST ersetzt bislang die Operation nicht, stellte Gerber klar: Das Tumorbett muss reseziert werden.

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