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20.02.2020 | DKK 2020 | Kongressbericht | Nachrichten

Die Forschung ist gefragt

Das Potential der Krebsprävention nutzen – doch wie?

Autor:
Helmut Laschet

Bis zu 40 Prozent der Krebserkrankungen gehen auf Lebensstil und Umweltfaktoren zurück. Das Potential der Primärprävention liegt also auf der Hand, doch entsprechende Forschung ist Mangelware. Am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg soll in nicht allzu ferner Zukunft nun ein „Nationales Krebspräventionszentrum“ für eine bessere Datenlage sorgen.

Die Präventionsforschung, in Deutschland wie auch international bislang stark vernachlässigt, soll in den nächsten fünf Jahren signifikant vorangetrieben werden. Dazu entsteht derzeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ein Nationales Krebspräventionszentrum, das mit Spenden der Deutschen Krebshilfe in Höhe von 25 Millionen Euro gefördert wird und bis 2025 voll arbeitsfähig sein soll, kündigte der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Professor Michael Baumann am Donnerstag beim Deutschen Krebskongress in Berlin an.

Angesichts von jährlich 500.000 Neuerkrankungen in Deutschland und einer weiter steigenden Inzidenz – weltweit wird aufgrund des Bevölkerungswachstums und der demografischen Alterung mit einer Verdoppelung bis 2040 gerechnet – komme der Prävention angesichts der hohen Krankheitslast und ihren Folgekosten eine große Bedeutung zu. Bis zu 40 Prozent der Erkrankungen gehen auf Lebensstil und Umweltfaktoren zurück, sind also prinzipiell vermeidbar. In Kombination mit effektiven und konsequent genutzten Früherkennungsmaßnahmen könnte die Krebsmortalität um 50 bis 75 Prozent gesenkt werden, so Baumann.

Anders als bei der Krebstherapie, bei der in jüngerer Zeit signifikante Erfolge erzielt werden, seien Investitionen in die Erforschung von Präventionsstrategien gegen Krebs in Deutschland wie auch international unterentwickelt. Ursächlich dafür sei, dass Maßnahmen der Primärprävention in etwa die Dauer einer Generation – 25 bis 30 Jahre – benötigten, um deren Einfluss in der Population messen zu können. Derart lange Wirkungszeiträume zwischen Intervention und Wirkung sind nicht kongruent mit politischen Zielhorizonten. Die im vergangenen Jahr von der Bundesregierung  ausgerufene  „Dekade gegen den Krebs“ sei aber eine Chance, die Ärzte und Forscher auch für die Prävention begreifen müssten.

Nach dem Vorbild der Comprehensive Care Centers, in denen alle an einer Krebstherapie involvierten medizinischen Disziplinen systematisch kooperieren, soll nun am DKFZ in den nächsten fünf Jahren als Pilot für Deutschland das Nationale Krebspräventionszentrum entstehen, um evidenzbasierte Präventionsstrategien und -instrumente zu entwickeln.     

Eines der Ziele sei, in einer Ambulanz personalisierte Prävention zu entwickeln, zu testen und anzubieten: mit einer Analyse der individuellen Risikofaktoren und einer darauf basierenden Empfehlung für eine maßgeschneiderte Krankheitsprävention. Weitere wichtige Aufgaben sollen gesundheitsökonomische Analysen von Präventionsansätzen sowie die Politikberatung sein.

Der Aufbau des neuen Präventionszentrums in Heidelberg hat bereits begonnen: Bestehende Strukturen des DKFZ werden neu organisiert, ein Teil des Stammpersonals wird dem neuen Zentrum zugeordnet. In Arbeit ist die Stellenbesetzung für den Bereich der digitalen Krebsprävention. Baumaßnahmen sind derzeit in der Planung und sollen im nächsten Jahr umgesetzt werden. Die volle Funktionsfähigkeit soll nach Angaben Baumanns 2025 erreicht sein.

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