Neues aus der Leitlinie "Ernährung in der Onkologie" Medial gehypte Krebsdiäten? Keine gute Idee
- 19.02.2026
- DKK 2026
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Ernährung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Krebstherapie. Doch unkritisch gehypte "Krebsdiäten" seinen keine gute Idee. Das wird in einer neuen S3-Leitlinie betont, die sich mit dem Thema beschäftigt. Und ein neues eigenständiges Kapitel umfasst Ernährungsempfehlungen bei chirurgischen Tumortherapien.
Die S3-Leitlinie „Ernährung und Ernährungsmedizin in der Onkologie“ ersetzt die Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ aus dem Jahr 2015 [1]. Erstmals erfolgte die Erstellung im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie. „Wir erhoffen uns davon eine breitere Leserschaft für die Leitlinie. Die Ernährung und der Ernährungszustand bei Krebs brauchen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit“, betonte Prof. Dr. Diana Rubin vom Zentrum Ernährung und Diabetologie der Vivantes Kliniken.
Rubin ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), die die neue Leitlinie zusammen mit DKG und DGHO federführend koordiniert hat. Sie hat beim DKK 2026 eine Highlight-Sitzung zur neuen Leitlinie geleitet. Die Expertin weist u.a. auf die Schweizer EFFORT-Studie hin, bei der Krebspatienten eine relevante Subgruppe waren. Die EFFORT-Studie hatte gezeigt, dass bei stationären Patientinnen und Patienten durch ein Screening auf Mangelernährung und bei Bedarf eine strukturierte Ernährungstherapie Sterblichkeit und Komplikationen verringert werden.
Ernährungsscreening sollte Routine werden
Eine zentrale Empfehlung der neuen S3-Leitlinie ist daher, dass der Ernährungsstatus bei allen Krebsbetroffenen evaluiert werden sollte. Idealerweise, so Rubin, geschehe dies durch etablierte Screening-Tools wie NRS-2002 [2] im stationären und MUST [3] im ambulanten Bereich: „Das Screening sollte in den onkologischen Routineablauf fest eingebunden sein“. Patientinnen und Patienten mit einem auffälligen Mangelernährungs-Screening sollen gemäß Leitlinie nach einem Ernährungs-Assessment individuelle ernährungstherapeutische Beratungen durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erhalten. Ziel ist eine Steigerung und Optimierung der oralen Nahrungsaufnahme. Dies beinhaltet bei Bedarf auch eine Anreicherung der Speisen und/oder das Angebot oraler Trinknahrungen.
Zur Ernährung bei chirurgischen Tumortherapien gibt es in der S3-Leitlinie erstmals ein eigenes Kapitel. Bei Personen mit Mangelernährung oder einem hohen metabolischen Risiko – z.B. bei niedrigem BMI oder niedrigem Serum-Albumin – soll vor großen Abdominaleingriffen eine Ernährungstherapie erfolgen und Trinknahrung zur Vorbereitung auf die Operation gegeben werden. „Der Ernährungszustand muss vor dem Eingriff verbessert werden, um Komplikationen und Mortalität zu senken, auch wenn der Eingriff dafür verschoben werden muss“, so Rubin.
Die Erhebung des Ernährungsstatus ist entsprechend bei chirurgischen Tumortherapien eine klare Soll-Empfehlung. Eine weitere Soll-Empfehlung gibt es zur unverzüglichen medizinischen Ernährungstherapie bei Patientinnen und Patienten, die postoperativ fünf oder mehr Tage keine orale Ernährung aufnehmen können, außerdem eine Kann-Empfehlung für eine ergänzende künstliche Ernährung postoperativ bei oral nicht gedecktem Energie- und Substratbedarf.
"Krebsdiäten" kritisch geprüft
Ausführlicher als bisher geht die neue Leitlinie auch auf so genannte Krebsdiäten ein. Die wurden bisher pauschal abgelehnt. Nun wird die Evidenz für unterschiedliche Diäten – Fasten, ketogene Diät, Diäten nach Budwig und nach Breuß – im Detail aufgearbeitet: „Für viele dieser Diäten gibt es wenig oder kaum Evidenz. Wir geben dennoch klare Negativempfehlungen, weil es bei den spezifischen Diäten zu Gewichtsverlust unter Tumortherapie kommen kann, und den wollen wir unbedingt vermeiden“, so Rubin. Die eine Ausnahme ist die vegetarische/vegane Diät während der Antitumortherapie. Hier spricht die Leitlinie keine Empfehlung aus, weder dafür noch dagegen.
basierend auf: 37. Deutscher Krebskongress vom 18.–21. Februar 2026 in Berlin; Highlight-Sitzung: Essentials aus der neuen S3-Leitlinie Ernährung in der Onkologie, 19.02.2026