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Risikoadaptiert und individualisiert behandeln  Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

  • 20.02.2026
  • DKK 2026
  • Kongressbericht
  • Nachrichten

Ob in der Chirurgie, der Strahlentherapie oder der Systemtherapie des frühen Mammakarzinoms (eBC): An allen Stellschrauben der multimodalen Therapie kann gedreht werden, um die Behandlung weiter zu optimieren und gleichzeitig eine Über- und Untertherapie zu vermeiden. 

In der Systemtherapie des frühen Mammakarzinoms sind die meisten Deeskalations- und Eskalationsstrategien subtypenspezifisch, erklärte Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Düsseldorf. Als Beispiel nannte sie auf dem Krebskongress den Verzicht auf die neoadjuvante Chemotherapie bei sehr kleinen frühen tripel-negativen Mammakarzinomen (TNBC) mit niedrigem Risiko (cT1a, N0), ohne dass dadurch ein Überlebensnachteil in Kauf genommen wird [Oladeru OT et al. JAMA Netw Open. 2020;3(9):e2016247].

Das gilt auch für jüngere Betroffene, betonte Fehm. Wenn die Op. einen größeren Tumor ergibt, kann die Chemotherapie adjuvant ohne Überlebensnachteil angeschlossen werden. Ab einer Tumorgröße von 2 mm oder Lymphknotenbefall wird beim frühen TNBC dagegen unabhängig von dem Biomarker PD-L1 die Therapieeskalation mit Pembrolizumab – neoadjuvant zusätzlich zur Chemotherapie und adjuvant – empfohlen [AGO Guidelines Breast Version 2025.1D]. Aktuell wird geprüft, ob Antikörper-Wirkstoffkonjugate (ADC) die neoadjuvante Chemotherapie in dieser Kombination ersetzen können. 

Deeskalation beim HR+ eBC etabliert 

Als Beispiel für ein individualisiertes Konzept beim Hormonrezeptor-positiven (HR+) eBC nannte Fehm die endokrine Induktionstherapie vor der Operation. Sie spielt eine wichtige Rolle, wenn nicht eindeutig ein niedriges Risiko (≤cT1c, cN0, G1-2, Ki-67 ≤10%) oder ein hohes Risiko (primär inoperabel oder ≥4 befallene axilläre Lymphknoten oder G3 und Ki-67 ≥35%) vorliegt. Bei allen Erkrankungen mit einem solchen intermediären Risiko wird die Testung des Genexpressionsprofils empfohlen (Oncotype DX oder Mammaprint). Dieser Test kann aber ebenfalls ein intermediäres Risiko ergeben. Bis das Ergebnis da ist, sollte deshalb immer schon die drei- bis vierwöchige endokrine Induktionstherapie erfolgen, erläuterte Fehm. Die Dynamik des Ki-67 mit einem Abfall auf ≤10% unter dieser Therapie zeigt, dass die betroffenen Patientinnen trotz Risikokonstellation mit einer endokrinen Therapie ausreichend behandelt sind und adjuvant keine Chemotherapie benötigen.  

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basierend auf:  37. Deutscher Krebskongress vom 18.–21. Februar 2026 in Berlin; Plenarsitzung „Aktuelle Entwicklungen in der Therapie des Mammakarzinoms“ am 20.02.2026

Bildnachweise
Krebspatientin sortiert Tabletten/© FatCamera / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)