Ausblick auf den Krebskongress Wo ist das größte Innovationspotenzial in der Strahlentherapie?
- 13.11.2025
- DKK 2026
- Nachrichten
"Das größte Potenzial liegt in der Verbindung biologischer und technischer Innovationen", sagt Professor Emmanouil Fokas, stellvertretender Sprecher der AG Radiologische Onkologie in der DKG und benennt Beispiele. Über seine radiologischen Highlights auf dem Krebskongress 2026 und wie mehr Nachwuchs für sein Fach begeistert werden kann, erzählt er im Interview.
Die Strahlentherapie ist eine zentrale Säule in der Krebstherapie, die bei vielen Krebsentitäten zum Einsatz kommt – sei es als alleinige Therapie oder Kombination mit einer Operation oder Chemotherapie. „Die neuesten Entwicklungen werden deshalb auf über 40 Sitzungen beim DKK 2026 beleuchtet. Ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit passiert in unserem Fachgebiet nichts – das zeigt sich auch an der Vielfalt der Sitzungsthemen beim Kongress“, so Professor Emmanouil Fokas, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft.
Er weist außerdem auf seine persönlichen Kongress-Highlights hin: „Ich freue mich auf die Keynote ‚Die Fortschritte in der Supportivtherapie – in Erinnerung an Petra Feyer‘, da supportive Maßnahmen für Patient*innen in der Radioonkologie und in der Krebsbehandlung insgesamt von zentraler Bedeutung sind, und auf spannende Fallpräsentationen, in denen wir auch die Rolle der Strahlentherapie diskutieren werden. Ich lade Sie auch zu meinem Vortrag Analkarzinome in der Fortbildungssitzung zu seltenen GI-Tumoren ein. Schauen Sie ins DKK-Programm, welche Sitzungen Sie für sich persönlich einplanen wollen, die Auswahl ist ausgezeichnet.“
Professor Emmanouil Fokas, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft.
privat
Herr Professor Fokas, ein Thema auf dem DKK ist die Anwendung von KI in der Radiotherapie. Welche konkreten Anwendungen von KI werden die klinische Praxis Ihrer Meinung nach am schnellsten verändern?
Fokas: Künstliche Intelligenz wird die Radiotherapie in vielen Bereichen grundlegend verändern. Besonders rasch werden KI-gestützte Verfahren in der automatisierten Bildsegmentierung und in der adaptiven Therapieplanung Einzug halten. Sie ermöglichen eine präzisere und zugleich effizientere Behandlung. Darüber hinaus werden „Deep Learning“-Modelle helfen, das individuelle Therapieansprechen und mögliche Nebenwirkungen vorherzusagen. Diese prädiktiven Systeme sind ein wichtiger Schritt hin zu einer wirklich personalisierten Strahlentherapie. Entscheidend ist, dass solche Technologien klinisch validiert und verantwortungsvoll implementiert werden.
Die Strahlentherapie erlebt derzeit große Fortschritte – von der FLASH-Bestrahlung bis hin zu Biomarkern für eine präzisere Steuerung. Wo sehen Sie aktuell das größte Innovationspotenzial?
Fokas: Das größte Potenzial liegt in der Verbindung biologischer und technischer Innovationen. Die FLASH-Bestrahlung, die ultrakurze Hochdosisimpulse nutzt, könnte künftig gesunde Gewebe besser schonen und damit neue klinische Möglichkeiten eröffnen. Parallel dazu werden molekulare und bildgebende Biomarker die Grundlage für eine präzisere, biologisch gesteuerte Strahlentherapie bilden. Darüber hinaus spielt die Strahlentherapie eine zentrale Rolle in multimodalen, organerhaltenden Therapieansätzen, z.B. beim Rektum- und Analkarzinom, wo sie entscheidend zur Funktionserhaltung und Lebensqualität der Patient*innen beiträgt. Hinzu kommen Kombinationstherapien mit Immun- oder zielgerichteten Medikamenten, die neue Synergien schaffen und das Spektrum unseres Faches deutlich erweitern.
Nachwuchsgewinnung ist auch für die Strahlentherapie und wichtig. Welche Strategien könnten die Attraktivität des Fachs in Forschung und Klinik steigern?
Fokas: Die Strahlentherapie vereint High-Tech-Medizin, interdisziplinäre Zusammenarbeit und unmittelbare Patientenversorgung – das macht sie einzigartig. Um junge Kolleg*innen zu gewinnen, müssen wir diese Vielfalt stärker kommunizieren und frühzeitig fördern. Wichtig sind strukturierte Ausbildungsprogramme, Mentoring und die Einbindung in wissenschaftliche Projekte mit modernen Technologien. Ein tolles Beispiel ist der ARO Mentoring Day, an dem gezielt junge Ärzt*innen geschult werden, wie klinische Studien in der Radioonkologie konzipiert, initiiert und erfolgreich durchgeführt werden können. Zudem arbeitet die ARO eng mit der DEGRO zusammen, um die nächste Generation von Radioonkolog*innen zu fördern. Besonders die junge DEGRO ist hier sehr aktiv – sie engagiert sich intensiv in wissenschaftlichen und klinischen Projekten und trägt wesentlich zur Weiterentwicklung unseres Fachs bei.
Sitzungsauswahl Strahlentherapie |
Plenarsitzung: Colorectal cancer – standards and perspectives 2026 Highlight-Sitzung: State of the Art Mammakarzinom Highlight-Sitzung: Präzision in der Kopf-Hals-Onkologie Plenarsitzung: Morgen alles ganz anders? Neue Therapieoptionen beim Prostatakarzinom Highlight-Sitzung: Management der Therapie-Langzeitfolgen Highlight-Sitzung: Lokoregionäre Verfahren bei fortgeschrittenen hepatobiliären und Pankreaskarzinomen: Effizienz, Grenzen und klinische Relevanz Fortbildungssitzung: Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom: frühe Stadien und lokal fortgeschritten Fortbildungssitzung: Therapieentscheidungen in speziellen Situationen Schnittstellen-Sitzung: AI in precision oncology Plenarsitzung: Behandlung von älteren Patient*innen mit gastrointestinalen Tumoren Viele weitere Sitzungen finden Sie auf der Kongresswebseite: www.dkk2026.de |
Der Deutsche Krebskongress 2026: „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“
Über 10.000 Expert*innen aus der Onkologie treffen sich im Februar 2026 beim Deutschen Krebskongress (DKK). Unter dem Motto „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ tauschen sie sich auf dem größten onkologischen Fachkongress im deutschsprachigen Raum aus, bilden sich in rund 300 Sitzungen weiter und gestalten gemeinsam die Zukunft der Krebsmedizin.
„Ich möchte Sie alle einladen, mit uns auf dem DKK über die Aufgaben in der Krebsmedizin von heute und morgen zu sprechen. Es geht darum, Innovationen in die Versorgung zu bringen, Forschung in Deutschland weiter voranzubringen und unsere Patient*innen interdisizplinär und multimodal auf hohem Niveau zu behandeln“, sagt Professorin Anke Reinacher-Schick, Kongresspräsidentin des DKK 2026 und Direktorin der Klinik für Hämatologie und Onkologie mit Palliativmedizin an der Ruhr-Universität Bochum. „Um diese Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, brauchen wir in der Onkologie viele junge Menschen. Deswegen bietet der Kongress extra Beteiligungsmöglichkeiten und Inhalte für Young Professionals und Studierende. Nehmen Sie teil und lassen Sie sich für unser vielfältiges Fach begeistern!“
Der DKK wird alle zwei Jahre gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Stiftung Deutsche Krebshilfe veranstaltet. Die onkologischen Themen werden in vielfältigen Sitzungsformaten behandelt, wie Plenar- und Highlightsitzungen mit international renommierten Speaker*innen. In Debatten- und interdisziplinären Tumorboardsitzungen stehen wissenschaftliche Kontroversen im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es Schnittstellen- und gesundheitspolitische Sitzungen. Neu konzipiert wurden die Fortbildungssitzungen: Das Format Educational Expert richtet sich an Expert*innen, die Fortbildungssitzungen Educational Basic an Berufseinsteiger*innen.
Dieser Bericht ist Teil der Medienkooperation zwischen Springer Medizin und der Deutschen Krebsgesellschaft / der Deutschen Krebshilfe zum DKK 2026.