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Erschienen in: Spektrum der Augenheilkunde 6/2023

Open Access 04.12.2023 | themenschwerpunkt

Ein Rückblick auf Persönlichkeiten der Wiener Ophthalmologischen Schule

verfasst von: Prim. Prof. Dr. P. Drobec, Univ. Prof. Dr. P. Heilig

Erschienen in: Spektrum der Augenheilkunde | Ausgabe 6/2023

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Zusammenfassung

Der Beitrag beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung der Wiener Ophthalmologischen Schule und greift berühmte Persönlichkeiten heraus.
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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Nach der zweiten Wiener Türkenbelagerung stiftete Johann Franckh seine Grundstücke an der Alserstraße für die Errichtung eines Soldatenspitales. Im Jahr 1693 wurde dort das Großarmen- und Invalidenhaus errichtet. Durch die Stiftungen des Ferdinand Freiherrn von Thavonat konnte der Bau erweitert werden.
Stil hatte das Alte Allgemeine Krankenhaus. Das Eingangstor in die Augenklinik im vierten Hof (Abb. 1), die „Prunk“-Treppe dahinter, und nicht zu weit vom Hörsaale entfernte, trockene, geräumige Krankenzimmer, damit die Zuhörer Platz genug hatten, um jeden Kranken beim Unterrichte (Boerhaave) gehörig beobachten zu können.
Die „Machtschöpfung“ Josephs II., die Errichtung des Allgemeinen Krankenhauses, linderte die Not vieler Patienten. Auch Leopold I., Karl VI. und Maria Theresia hatten sich stets engagiert um Armen- und Kranken-Fürsorge bemüht [1, 2].
Die einstigen „Thavonat-Stiftlinge“ auf der Frankh’-schen Liegenschaft, im Groß-Armenhaus, trugen zur Erhaltung des Andenkens an den Stifter dessen Wappen an der „Montur“. Für die „Pfründner besserer Condition“ ein Gewand von staubfarben Tuch, die „ordinari Hausarmen“ beider Geschlechter rote Tuchröcke, weiß umschlagenes und gleiches Kamisol. Aus dem Stiftungsfonds erhielt jeder Stiftling täglich 9 Kreuzer weniger 2 Pfennige, die zur Anschaffung der Montur zurückbehalten wurden. Später wurden eigene Kupfermünzen geschaffen, um das „Auslaufen zu verhindern.“ Damit konnten Insassen im Haus bei Bäcker, Fleischer, Traitteur etc. einkaufen (Abb. 2 und 3; [3]).
„Quod pauperi mihi“ stand auf einer Seite dieser Münze, „centuplum reddo“ auf der anderen (Was Ihr mir Armen gebt, vergelte ich hundertfach.) [4]. Um die Verunreinigung der Luft in der Nähe des Spitals zu vermeiden, wurde das Aufhängen der Wäsche in den Gassen verboten. In allen Höfen des Groß-Armenhauses wurden Maulbeerbäume angepflanzt (auf Geheiß Maria Theresias); 1768 wurden 30 Pfund Seide gewonnen.  Es darf nur mit Kreuzern gerechnet werden, erklärte die hohe Behörde dereinst:
„Zuwiderhandelnde werden mit fünf Gulden bestraft!“
Im Jahr 1770 kam erstmals der „Star-Operateur“ Baron Michael de Wenzel, ein Schüler Daviels in Paris, auf Einladung des Protomedicus van Swieten nach Wien (Abb. 4). Barth wurde Wenzels Schüler und hielt im Jahre 1773 die erste Vorlesung über Augenheilkunde in Wien. Ein an den Rektor und Konsistorium gerichtetes Hofdekret vom 23.10.1773 bestätigt seine Ernennung zum „Lektor für Krankheiten des Auges, Operationen an Augen sowie feinere Anatomie“. Diese Ernennung wurde für die folgenden 2 Jahre ausgesprochen; Ernennung samt Weiterleitung der Information per Konsistorialdekret vom 28.10.1773 in die Akten der Medizinischen Fakultät wird außerdem erwähnt (MED 1.11, Acta Facultatis Medicae Bd. 11, p. 218). Barth erhielt ein jährliches Salär von 800 Gulden (CA 1.2.133).
Johann Adam Schmidt (1759–1809) wurde durch ihn zum Ophthalmologen ausgebildet und war seit 1788 am Josephinum, „der medicinisch-chirurgischen Josephs-MilitairAkademie“, als Anatom, Chirurg und Augenarzt tätig (Abb. 5).
Im Jahr 1784 wurde von Kaiser Joseph II. das Collegium-Medico-Chirurgicum-Josephinum zur Ausbildung von Militärärzten gegründet. Sein Leibchirurg Giovanni Alessandro Brambilla war der Initiator.
Der Anatom Joseph Barth (1746–1818) war auf dem operativen Sektor auch ein Schüler von Michael de Wenzel (Abb. 6). Er wurde schon früh auf die zeichnerische Begabung von Georg Josef Beer aufmerksam und beschäftigte diesen insgesamt über 7 Jahre als anatomischen Zeichner in seiner Klinik – selbst noch nachdem Beer am 16.03.1786 zum Doktor der Medizin promoviert worden war. Beers Interesse für die Augenheilkunde zeigte sich schon früh während seiner Ausbildung. Er kämpfte sein ganzes Leben für die Ophthalmologie (Abb. 7).
Erst 1806 hatte die säumige Wiener Sanitätsbehörde Beers Bemühungen anerkannt und seiner Armen-Ordination das Öffentlichkeitsrecht verliehen. Zahllosen mittellosen Starblinden (grauer Star) hatte Beer als Stadt-Armenarzt wieder das Augenlicht geschenkt. Im Jahr 1806 wurde die erste augenärztliche Ambulanz in Wien eröffnet. Nach vielen erfolglosen Vorschlägen Beers trat selbiger am 28.04.1812 das klinische Lehramt an der hiesigen hohen Schule an. Im Januar 1813 trat sie in ihre volle Wirksamkeit. In diesem Jahr veröffentlichte Beer ein „populär geschriebenes Werk um die Hygiene des Auges im Volke zu fördern“.
In Beers „Worten an seine künftigen Zuhörer als notwendige Einleitung zu meinen öffentlichen ausserordentlichen Vorlesungen und dem damit verbundenen clinischen Unterrichte in den Augenkrankheiten …“ [5].
„Das Amt des öffentliche Lehrers ist schwer, das Amt des clinischen Lehrers eines der schwersten, denn er muss die Haltbarkeit seiner vorgetragenen Lehrsätze an den Kranken selbst nachweisen“ [6]. Dies sind die ersten Zeilen dieser Einleitung.
„Verhinderungshofräte“ (‚Hochlöb. k. k. Studienhofcommission‘ u. v. a. m.) verzögerten die überfällige Gründung einer Augenklinik, sodass Georg Joseph Beer (1763–1821) erst spät (1818) die Ehre hatte, als erster Ordinarius das Amt zu übernehmen. Fünfundzwanzig Jahre hatte er um die Anerkennung zu kämpfen.
„Coca-Koller“ pflegte Sigmund Freud seinen Freund Karl Koller zu nennen – nach seiner aufsehenerregenden Entdeckung. Erstmals, am 15.09.1884, in der Versammlung deutscher Augenärzte in Heidelberg wurde Kollers Kokain-Lokalanästhesie vorgestellt (Abb. 8). Dr. Karl KOLLER hat als Sekundararzt des k.k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien die Kokain-Lokalanästhesie hier eingeführt und darüber einen Vortrag gehalten in der Sitzung der k.k. Gesellschaft der Aerzte vom 17. Oktober 1884 (Koller, 1884) [7].
Im Jahr 1818 wurde das Fach Augenheilkunde an der medizinischen Fakultät der Universität Wien als ordentliches Prüfungsfach anerkannt.
Die Wiener Augenklinik gewann immer mehr an Bedeutung. Ernst Fuchs (1851–1930), machte sie als Vorstand der II. Augenklinik nach Jaeger zur „magistra ophthalmologiae totius mundi“. Sein Lehrbuch wurde zur Bibel der Augenärzte (Abb. 9).

Interessenkonflikt

Es besteht kein Interessenkonflikt.
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Literatur
1.
Zurück zum Zitat Schmidt-Wyklicky G, Gröger H: Die akademische Augenheilkunde in Wien um 1800. Spektrum der Augenheilkunde 26 (2012) 263–265. Schmidt-Wyklicky G, Gröger H: Die akademische Augenheilkunde in Wien um 1800. Spektrum der Augenheilkunde 26 (2012) 263–265.
2.
Zurück zum Zitat Grois B. Das Allgemeine Krankenhaus in Wien und seine Geschichte. Wien: Maudrich; 1965. Grois B. Das Allgemeine Krankenhaus in Wien und seine Geschichte. Wien: Maudrich; 1965.
4.
Zurück zum Zitat Hadwiger A. Geschichte der k.k. Wiener Augenklinik. J.B. Wallishausser. Wien; 1836. Hadwiger A. Geschichte der k.k. Wiener Augenklinik. J.B. Wallishausser. Wien; 1836.
5.
Zurück zum Zitat Beer GJ (1813) Geschichte der Augenkunde überhaupt und der Augenheilkunde insbesondere. Erstes Heft. S. 8. Eine Einladungs-Schrift zur Eröffnung der Clinic für Augenkrankheiten, den 19. Jänner 1813, gedruckt bey Anton v.Haykul. Beer GJ (1813) Geschichte der Augenkunde überhaupt und der Augenheilkunde insbesondere. Erstes Heft. S. 8. Eine Einladungs-Schrift zur Eröffnung der Clinic für Augenkrankheiten, den 19. Jänner 1813, gedruckt bey Anton v.Haykul.
6.
Zurück zum Zitat Beer GJ. Einige Worte an meine zukünftigen Zuhörer als nothwendige Einleitung zu meinen öffentlichen ausserordentlichen Vorlesungen und dem damit verbundenen clinischen Unterrichte in den. Augenkrankheiten. 1812; 8. Gedruckt mit Gerold’schen Schriften. Beer GJ. Einige Worte an meine zukünftigen Zuhörer als nothwendige Einleitung zu meinen öffentlichen ausserordentlichen Vorlesungen und dem damit verbundenen clinischen Unterrichte in den. Augenkrankheiten. 1812; 8. Gedruckt mit Gerold’schen Schriften.
7.
Zurück zum Zitat KOLLER K (1884) Ueber die Verwendung des Cocain zur Anästhesirung am Auge. Vortrag, gehalten in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte vom 17. Oktober 1884. Wr. Med. Wochenschr. (1884) 43/44; 1276–1278/1310–1312. KOLLER K (1884) Ueber die Verwendung des Cocain zur Anästhesirung am Auge. Vortrag, gehalten in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte vom 17. Oktober 1884. Wr. Med. Wochenschr. (1884) 43/44; 1276–1278/1310–1312.
8.
Zurück zum Zitat Koch HR. Wien und die Kataraktchirurgie in den letzten 250 Jahren Spektrum Augenheilkd. 2013;27:35–54.CrossRef Koch HR. Wien und die Kataraktchirurgie in den letzten 250 Jahren Spektrum Augenheilkd. 2013;27:35–54.CrossRef
9.
Zurück zum Zitat Wyklicky H. Zur Geschichte der Augenheilkunde in. Wien, Bd. 100. Augenklinik. Brandstätter. Wien: Jahre II.Universitäts; 1984. Wyklicky H. Zur Geschichte der Augenheilkunde in. Wien, Bd. 100. Augenklinik. Brandstätter. Wien: Jahre II.Universitäts; 1984.
Metadaten
Titel
Ein Rückblick auf Persönlichkeiten der Wiener Ophthalmologischen Schule
verfasst von
Prim. Prof. Dr. P. Drobec
Univ. Prof. Dr. P. Heilig
Publikationsdatum
04.12.2023
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Spektrum der Augenheilkunde / Ausgabe 6/2023
Print ISSN: 0930-4282
Elektronische ISSN: 1613-7523
DOI
https://doi.org/10.1007/s00717-023-00559-8

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