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Andrologie
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Publiziert am: 19.02.2022 Bitte beachten Sie v.a. beim therapeutischen Vorgehen das Erscheinungsdatum des Beitrags.

Physiologie der Hodenfunktion

Verfasst von: Joachim Wistuba, Nina Neuhaus und Eberhard Nieschlag
Die männlichen Keimdrüsen, die Hoden, erfüllen zwei zentrale Funktionen. Sie sind der Ort der Spermatogenese, also die Produktionsstätte der männlichen Gameten, der Spermien. Ebenso zentral ist ihre zweite Funktion als endokrine Drüse, die die Androgene synthetisiert. Die Androgene sind für die Ausbildung des typisch männlichen Phänotyps notwendig. Die männliche Gonade bildet sich embryonal aus, wenn in der Geschlechtsdifferenzierung das Gen SRY exprimiert wird und ein Testosteronsignal auftritt.
Das Gewebe des Hodens lässt sich in zwei wesentliche Kompartimente einteilen: Zum einen in die von peristaltisch aktiven peritubulären Zellen umgebenen Tubuli seminiferi, die das Keimepithel beherbergen, in dem die Differenzierung der Keimzellen via Meiose und Haploidisierung abläuft. Das zweite Kompartiment besteht aus dem Interstitium, das die Leydig-Zellen enthält, die steroidogen aktiv sind und die Androgene produzieren. Immunologisch werden die differenzierteren Keimzellen durch die Blut-Hoden-Schranke abgeschirmt, die ebenso von den Sertolizellen gebildet wird, wie die Nische der spermatogonialen Stammzellen, die als unipotente adulte Stammzellen die Spermatogenese nach der Pubertät lebenslang antreiben.
Die komplexen Vorgänge der Keimzellreifung sind durch zahlreiche Faktoren reguliert, zu denen Zytokine, Transkriptions- und Wachstumsfaktoren, vor allem aber endokrine, parakrine und autokrine Signale zählen.
Die endokrine Funktion ist Bestandteil der Hypothalamus – Hypophysen – Gonadenachse. Entlang dieser Achse wirken zahlreiche Hormone und Rezeptoren in einem balancierten Feed-back Mechanismus. Primär wird das System durch Kisspeptin und GnRH pulsatil angetrieben, das die Sekretion der hypophysären Gonadotropine LH und FSH steuert, die wiederum Wirkungen im Hoden induzieren. LH stimuliert die Produktion von Testosteron, FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen und provoziert eine Inhibin-Antwort. Testosteron, das im Hoden in weit höherer Konzentration vorliegt als im Serum, und Inhibin regulieren wiederum in negativer Rückkoppelung die Gonadotropinsekretion, was einen endokrinen Regelkreis entlang der Hypothalamus – Hypophysen – Gonadenachse bewirkt. FSH und Androgenwirkung sind für eine quantitativ und qualitativ vollständige Spermatogenese essentiell.
Testosteron und seine verschiedenen Metabolite, vor allem Dihydrotestosteron und Estradiol sind für die normale männliche Ausbildung zahlreicher Zielorgane notwendig, darunter Knochenstoffwechsel, Muskulatur, Haar- und Bartwuchs, Stimmlage, Fettverteilung und bestimmte Hirnfunktionen.
Störungen der Hodenfunktion können verschiedene Ursachen haben, etwa genetische oder erkrankungsbedingte. Diese führen pränatal zu Störungen der Geschlechtsdifferenzierung und postnatal zu weiteren pathologischen Konsequenzen, wie Infertilität oder Hypogonadismus, die mit zahlreichen spezifisch männlichen Erkrankungen einhergehen.

Einleitung

Die Hoden (Testes) erfüllen zwei wesentliche Funktionen: die Produktion und Bereitstellung der männlichen Gameten und die Synthese und Sekretion der männlichen Geschlechtshormone.
Dieses Kapitel stellt die physiologischen Grundlagen für das Verständnis der dualen Funktion der männlichen Keimdrüse dar. Die nachfolgend beschriebenen Sachverhalte gelten überwiegend für die Situation beim Menschen. Tierexperimentelle Befunde wurden in den Fällen herangezogen, in denen Humandaten nicht vorliegen oder aus ethischen Überlegungen nicht erhoben werden können, und um Konzepte und Theorien verständlich zu machen. Die Beschreibung der Organisation der Hoden und der physiologischen Grundlagen der Keimzellreifung orientiert sich an den Gegebenheiten im menschlichen Hoden und liefert die Grundlage für das Verständnis der endokrinen und der lokalen Regulation der Hodenfunktion. Daran schließt sich die Beschreibung des hypothalamisch-hypophysären-testikulären Regelkreises an, der die Kontrolleinheit der physiologischen Regulation der Hodenfunktion und ein Regelsystem im klassischen endokrinen Sinne darstellt. Lokale Regulationsmechanismen spielen eine bedeutende Rolle beim „fine-tuning“ der Keimzellreifung. Den Abschluss des Kapitels bildet eine ausführliche Darstellung der Synthese und der biologischen Wirkungen der Androgene im Organismus.

Funktionelle Organisation der Hoden

Im Hoden werden die männlichen Gameten produziert und die männlichen Steroidhormone (Androgene) synthetisiert. Unter dem Begriff Spermatogenese werden alle an der Entstehung des Gameten beteiligten Prozesse subsumiert. Steroidogenese umfasst alle jene Reaktionen, die zur Bildung der Steroidhormone führen. Spermatogenese und Steroidogenese finden in zwei nach morphologischen und funktionellen Kriterien voneinander getrennten Kompartimenten des Hodens statt, dem tubulären Kompartiment, das aus den Samenkanälchen (Tubuli seminiferi) besteht und dem interstitiellen Kompartiment (Interstitium), dem Raum zwischen den Samenkanälchen (Abb. 1 und 2). Obwohl räumlich getrennt, stehen beide Kompartimente in enger Beziehung zueinander. Voraussetzung für die qualitativ und quantitativ normale Produktion von Samenfäden ist die Integrität beider Kompartimente. Die Funktion der Hoden und damit auch die Funktionen seiner Kompartimente werden primär von Strukturen des Zwischenhirns und der Hirnanhangsdrüse beeinflusst (endokrine Regulation). Diese endokrinen Effekte werden durch lokale Faktoren vermittelt und gesteuert (parakrine und autokrine Regulation) und spielen eine wichtige Rolle.
Abb. 1
Schnitt durch einen gesamten menschlichen Hoden. Teile der Ausführungsgänge aus dem Hoden und des Nebenhodens sind angeschnitten. Bindegewebssepten unterteilen den Hoden in zahlreiche Lobuli. (Das Präparat wurde von Prof. Dr. A.F. Holstein, Anatomisches Institut der Universität Hamburg, zur Verfügung gestellt)
Abb. 2
A) Aufbau des keimtragenden (seminiferen) Epithels beim Mann. Die Tubuluswand ist mehrschichtig und besteht aus peritubulären Zellen und einer Basallamina. RB = Residualkörper, LS = Späte und elongierte Spermatiden, ES = Frühe und runde Spermatiden, P = Spermatozyten, Ad = A-dark Spermatogonien (testikuläre Stammzellen), Ap = A-pale Spermatogonien, B = B Spermatogonien, SC = Sertoli-Zellen, PT = peritubuläre Zellen; JC = Kontaktstellen zwischen der Sertoli-Zellen (Blut-Hoden-Schranke). B) Darstellung der Kinetik der Spermatogenese beim Mann. Die Spermatogenese beginnt mit der Teilung einer Typ Apale Spermatogonie (eingefärbt). Alle von dieser Zelle abstammenden Keimzellen bilden einen Klon. Zwischen 4 und 4,6 Zyklen („generation“ auf der Y-Achse mit der Bezeichnung Start and End) werden bis zur Bildung eines Spermiums (Sd2) benötigt (nach Amann 2008)

Interstitielles Kompartiment

Im interstitiellen Kompartiment findet sich als wichtigster Zelltyp die Leydig-Zelle, die Testosteron und Insulin-like Factor 3 (INSL3) produziert. Neben den Leydig-Zellen enthält das interstitielle Kompartiment noch lockeres Bindegewebe, Zellen des Immunsystems, Blutgefäße, Nerven und Lymphgefäße. Für den menschlichen Hoden wurden für den Volumenanteil des Interstitiums Werte von 12–15 % ermittelt. Dabei entfallen etwa 10–20 % des interstitiellen Volumens auf die Leydig-Zellen (ca. 200.000.000) (Petersen et al. 1996).

Leydig-Zellen

Die von Franz Leydig (1821–1908) im Jahre 1850 beschriebenen Zellen produzieren und sezernieren das wichtigste männliche Geschlechtshormon, das Testosteron. Nach entwicklungsbiologischen, zytologischen und funktionellen Gesichtspunkten werden unterschiedliche Typen von Leydig-Zellen unterschieden: „Stamm“-Leydig-Zellen als ursprünglichster (Vorläufer) Zelltyp, und zwei verschiedene Populationen, nämlich fetale Leydig-Zellen mit terminaler Differenzierung im fetalen Hoden und adulte Leydig-Zellen als terminal differenzierte adulte Zellen der differenzierten Gonade (Shima 2019; Mäkelä et al. 2019; Rotgers et al. 2018). Aus fetalen Leydig-Zellen werden bei Geburt neonatale Leydig-Zellen, die jedoch nach Geburt degenerieren. Einige fetale Leydig-Zellen scheinen auch dedifferenzieren zu können, um dann als Stammzellen für adulte Leydig-Zellen zu dienen. Eine fortlaufende Bildung fetaler Leydig-Zellen bis in die postnatale Lebensphase kann zur Induktion von pathologischen Funktionsstörungen der adulten Leydig-Zellen führen (Shima 2019). Fetale Leydig-Zellen produzieren Androgene und sind so essentiell für die Differenzierung der Derivate des Wollfschen Ganges und des äußeren Genitals (Mäkelä et al. 2019).
Adulte Leydig-Zellen sind reich an glattem endoplasmatischen Retikulum und Mitochondrien mit tubulären Cristae. Diese zytologischen Charakteristika sind typisch für eine Steroidhormon-produzierende Zelle und finden sich auch in den steroidogen aktiven Zellen der Nebenniere und des Ovars. Weitere auffällige zytoplasmatische Komponenten sind Lipofuszin-Granula, das Endprodukt von Endozytose und lysosomalem Abbau, und Lipid-Tröpfchen, in denen die für die Testosteronsynthese benötigte Vorstufen enthalten sind. Häufig finden sich in den adulten Leydig-Zellen die sogenannten „Reinke“-Kristalle. Dabei handelt es sich um globuläre Proteinuntereinheiten. Diese Kristalle sind bis heute in ihrer Funktion nicht vollständig verstanden. Es wurde berichtet, dass sie häufiger in kryptorchen Hoden auftreten, allerdings gibt es auch Evidenz dafür, dass sie fixierungsbedingt artifiziell verloren gehen können, ihre normale Abundanz daher nicht genau zu bestimmen ist (Mesa et al. 2015; Soerensen et al. 2016). Die Proliferationsrate der Leydig-Zellen im adulten Hoden ist sehr gering und steht unter dem Einfluss von LH. Die Ontogenese der Leydig-Zellen ist nicht abschließend geklärt, die meiste Evidenz besteht jedoch für eine Ableitung der Vorläuferzellen aus dem Mesonephros unter regulatorischer Beteiligung von Sertoli-Zellen (Mäkelä et al. 2019; Rotgers et al. 2018). Im adulten Hoden entwickeln sich die Leydig-Zellen aus perivaskulären und peritubulären Mesenchym-ähnlichen Zellen. Dieser Vorgang wird wesentlich durch LH beeinflusst, aber auch durch Wachstumsfaktoren und andere Differenzierungsfaktoren aus der Sertoli-Zelle.

Makrophagen und Lymphozyten

Im interstitiellen Kompartiment befinden sich neben den Leydig-Zellen auch Makrophagen und Lymphozyten, die Teil der zellulären Immunabwehr sind. Auf 10–50 Leydig-Zellen kommt je ein Makrophage. Leydig-Zellen und Makrophagen stehen in enger funktionaler und durch interzytoplasmatische Ausläufer auch in direkter physischer Verbindung zueinander (Heinrich und DeFalco 2020). Makrophagen sind durch Sekretion von Stimulatoren und Inhibitoren (u. a. Zytokinen, 25-hydroxy-cholesterol, Reactive oxygen species (ROS), Interleukin und TGFα) an der Steuerung von Proliferation und Differenzierung und an der Steroidproduktion der Leydig-Zellen beteiligt. Umgekehrt regulieren auch Produkte der Leydig-Zellen die Funktion und Aktivität der Makrophagen, etwa Testsosteron und der colony stimulating factor 1 (CSF1). Insgesamt kann nach dem aktuellen Stand der Forschung die erhebliche Bedeutung der testikulären Makrophagen nicht nur für das Immunsystem, sondern auch für die korrekte Funktion der anderen somatischen Zellen des Hodens und auch für die Ausbildung und Funktion der Stammzellnische als gesichert betrachtet werden (Heinrich und DeFalco 2020). Die Immunologie des Hodens wird in Kap. „Immunologisch bedingte Infertilität“ ausführlich beschrieben.

Tubuläres Kompartiment

Im tubulären Kompartiment findet die Spermatogenese statt. Im gesunden Hoden hat dieses Kompartiment einen Anteil von 60–80 % am Organvolumen. Es enthält die Keimzellen und zwei somatische Zelltypen, die peritubulären Zellen und die Sertoli-Zellen. Bindegewebssepten teilen den Hoden in ca. 250–300 Lobuli (Abb. 1) mit je 1–3 sehr stark aufgeknäuelten Samenkanälchen pro Lobulus. Im Mittel enthält der menschliche Hoden somit etwa 600 Samenkanälchen von 30–80 cm Länge.

Peritubuläre Zellen

Die Samenkanälchen werden von einer Lamina propria umgeben, die aus einer Basalmembran, einer Kollagenfaserschicht und den peritubulären Zellen (Myofibroblasten) besteht. Bei den Myofibroblasten handelt es sich um geringgradig differenzierte Myozyten mit der Fähigkeit zu spontaner Kontraktion. Diese Zellen umgeben den Tubulus in mehreren konzentrischen Lagen (bis zu 6), die jeweils durch eine Kollagenfaserschicht getrennt sind (Abb. 2). Die Zellen der inneren und äußeren Lagen unterscheiden sich leicht. Während die inneren Lagen Desmin-positiv sind und so ihren glattmuskulären Charakter zeigen, exprimieren die äußeren stärker Vimentin und sind eher bindegewebig (Mayerhofer 2013). Der menschliche Hoden unterscheidet sich von der Mehrheit anderer Säugetierhoden, deren Samenkanälchen nur von 2–4 Myofibroblastenschichten umgeben sind.
Peritubuläre Zellen produzieren eine Reihe von Faktoren, die die Kontraktilität der Zellen ermöglichen: Panaktin, Desmin, Gelsolin, glattes Muskelfasermyosin und glattes Muskelfaseraktin (Holstein et al. 1996; Mayerhofer 2013). Zugleich sezernieren diese Zellen extrazelluläre Matrix und bilden auch bindegewebstypische Moleküle: Kollagen, Laminin, Vimentin, Fibronektin, Wachstumsfaktoren und Adhäsionsmoleküle (Albrecht et al. 2006; Schell et al. 2008). In einem Zellkultursystem mit menschlichen peritubulären Zellen konnte gezeigt werden, dass nerve-growth-factor und proinflammatorische Faktoren (z. B. Interleukin-1beta und Zyklooxygenase-2) unter dem Einfluss von TNF-alpha sezerniert werden (Schell et al. 2008). Myofibroblasten sind mäßig differenzierte Myozyten, die jedoch zur Kontraktion befähigt sind. Durch diese Kontraktionen werden die reifen Spermien an den Ausgang der Samenkanälchen transportiert. Dieser Vorgang wird durch Oxytocin, Prostaglandine, androgene Steroide, Endotheline, Endothelin-konvertierende Enzyme und Endothelin-Rezeptoren vermittelt. Endothelin ist ein wichtiger Regulator der Zellkontraktilität, dessen Wirksamkeit durch aus den Sertoli-Zellen stammendes Adrenomedullin moduliert wird (Romano et al. 2005). In Mäusen mit selektivem Androgenrezeptormangel in den Sertoli-Zellen konnten im Zusammenhang mit der Zellkonrtaktilität Gendefekte festgestellt werden: Endothelin-1, Endothelinrezeptor A und B, Adrenomedullinrezeptor und Vasopressinrezeptor (Zhang et al. 2006). Neuere Studien an transgenen Mäusen belegen wichtige parakrine Funktionen dieses testikulären Zelltyps. Die anatomische Position der peritubulären Zellen im Übergang zwischen tubulärem und interstitiellem Kompartiment prädestiniert sie offenbar für die Vermittlung dieser Signale (Mayerhofer 2013). So sind zum Beispiel die Leydig-Zellen unter teilweiser funktionaler Kontrolle der peritubulären Zellen. Unter selektiver Ausschaltung des Androgenrezeptors in den peritubulären Zellen reduzieren die Leydig-Zellen zum Beispiel die Sekretion von Wachstumsfaktoren wie IGF und IGF3 (Welsh et al. 2012).
Zu den Leydig-Zellen scheint auch noch eine andere, direktere Beziehung zu bestehen. So gibt es Evidenz dafür, dass Stammzellen der adulten Leydig-Zellen aus den äußeren Schichten der Tubuluswände rekrutiert werden, also aus den stärker bindegewebigen Schichten. Solche Zellen konnten zumindest im Zellkulturexperiment zu steroidogener Aktivität stimuliert werden und exprimierten Leydig-Zell typische Marker (Landreh et al. 2014).
Störungen der Hodenfunktion und verminderte oder fehlende Spermatogeneseaktivität können mit einer Verdickung der Kollagenfaserschicht und auch des fibrillären Materials zwischen den peritubulären Zellen einhergehen. Man spricht dann von einer Fibrosierung oder – in Abhängigkeit vom mikroskopischen Erscheinungsbild – von einer Hyalinisierung der Tubuluswand. Die Hodeninvolution führt zu einer ausgeprägten Verdickung der Tubuluswand. Unter diesen Bedingungen kommt es – bedingt durch die Verkleinerung der Hoden – zu einer Auffaltung der Wandstrukturen in Längsrichtung der Tubuli und damit einer Verdickung der Tubuluswand. Wird Flüssigkeit in involuierte Samenkanälchen mit verdickter Tubuluswand injiziert, normalisieren sich der Tubulusdurchmesser und die Tubuluswandstärke (Schlatt et al. 1999). Andererseits wird auch eine aktive Fibrosierung durch Interaktion zwischen Mastzellen und peritubulären Zellen diskutiert, wobei diese entzündliche Reaktionen und eine eingeschränkte Hodenfunktion provozieren kann (Albrecht et al. 2006; Mayerhofer 2013; Mayerhofer et al. 2018). So ist die Sekretion von Decorin, einem Protein, das vernetzend in der kollagenen extrazellulären Matrix wirkt, bei infertilen Männern erhöht. Es wird vermutet, dass Decorin die Aktivität bestimmter Wachstumsfaktoren hemmt und so die Funktion der peritubulären Zellen stört (Mayerhofer 2013). Zudem konnte in einer Zellkultur mit humanen peritubulären Zellen auch nachgewiesen werden, dass peritubuläre Zellen androgenabhängig GDNF sezernieren, ein Faktor, der essentiell ist für die Einnischung spermatogonialer Stammzellen in das Keimepithel. Somit tragen diese Zellen auch zur Keimbahndifferenzierung und letztlich zur Fertilität bei. Diese Funktion ist bislang nur unzureichend erforscht (Mayerhofer 2020).

Sertoli-Zellen

Sertoli-Zellen sind somatische, im adulten Zustand teilungsinaktive Zellen, die im Keimepithel angesiedelt sind. Sie sind nach ihrem Erstbeschreiber Enrico Sertoli (1842–1910) benannt, der die Zellen wegen ihrer zytoplasmatischen Fortsätze und Verästelungen 1865 als „cellule ramificate“ bezeichnete. Diese Zellen sitzen als Stützgerüst des Keimepithels auf der Basalmembran und reichen bis zum Lumen. Entlang der Zellkörper, die sich über die gesamte Höhe des keimtragenden Epithels erstrecken, verlaufen die morphologische und physiologische Differenzierung und Reifung der Keimzellen bis zu den testikulären Spermatozoen (Griswold 2018). Spezielle ektoplasmatische Strukturen dienen der Ausrichtung und Orientierung der Spermien während der Ausdifferenzierung (Li et al. 2018). Etwa 35–40 % des Volumens des Keimepithels entfallen auf die Sertoli-Zellen. Bei intakter Spermatogenese sind pro humanem Hoden 800–1200 × 106 Sertoli-Zellen vorhanden (Zhengwei et al. 1998) bzw. etwa 25 × 106 Sertoli-Zellen pro Gramm Hodenparenchym (Raleigh et al. 2004).
Sertoli-Zellen produzieren und sezernieren eine Vielzahl von Faktoren, unter anderem Proteine, Zytokine, Wachstumsfaktoren, Opioide, Steroide, Prostaglandine, und Modulatoren der Zellteilung. Die Morphologie der Sertoli-Zelle entspricht ihren vielfältigen physiologischen Funktionen. Im Zytoplasma finden sich endoplasmatisches Retikulum des glatten (Steroidsynthese) und rauen Typs (Proteinsynthese), ein prominenter Golgi-Apparat (Verpackung und Transport sekretorischer Produkte), lysosomale Granula (Phagozytose) sowie Mikrotubuli und intermediäre Filamente (Anpassung der Zellform) während der verschiedenen Phasen der Keimzellentwicklung (Li et al. 2018). Sertoli-Zellen stehen dabei in gegenseitigem regulatorischem Austausch mit den Keimzellen. Sie steuern einerseits den Ablauf der Spermatogenese in topographischer und in funktioneller Hinsicht. Andererseits existieren Befunde, dass die Keimzellen die sekretorische Aktivität der Sertoli-Zellen beeinflussen. Versuche mit heterologer Keimzelltransplantation (Nagano et al. 2001) unterstreichen die Autonomie der Keimzellen zumindest hinsichtlich der zeitlichen Abfolge der Gametogenese: Der Zyklus der Spermatogenese dauert bei Mäusen ca. 8 und bei Ratten ca. 12–13 Tage. Die Zyklusdauer von Rattenkeimzellen, die in Maushoden transplantiert worden waren, betrug weiterhin 12–13 Tage während die der Mauskeimzellen bei 8 Tagen lag (Franca et al. 1998).
Sertoli-Zellen produzieren und sezernieren Flüssigkeit und bilden dadurch das Tubuluslumen. Über 90 % der Flüssigkeitsabgabe erfolgt in das tubuläre Lumen. Spezielle Strukturelemente der Blut-Hoden-Schranke verhindern den Rückfluss der sezernierten Flüssigkeit. Der daraus resultierende flüssigkeitsbedingte Druck hält das Lumen aufrecht. In dieser Tubulusflüssigkeit werden auch die Samenfäden transportiert. Die Zusammensetzung der tubulären Flüssigkeit ist en detail bislang nur bei Ratten bekannt (Setchell 1999). Gegenüber dem Blut enthält die tubuläre Flüssigkeit wesentlich mehr Kalium-Ionen und ensprechend weniger Natrium-Ionen. Andere Bestandteile sind Karbonat, Magnesium- und Chlorid-Ionen, Inositol, Glukose, Karnitin, Glyzerylphosphorylcholin, Aminosäuren, Androgene und verschiedene Proteine. Damit befinden sich die Keimzellen in einem einzigartigen Flüssigkeitsmilieu.
Da die Proliferation der Sertoli-Zellen im adulten Zustand durch die terminale Differenzierung unterbleibt, jede Sertoli-Zelle aber nur eine bestimmte Anzahl von Keimzellen versorgen kann, legt die Anzahl der polar differenzierten Sertoli-Zellen die Hodengröße und damit den Umfang der möglichen Spermienproduktion fest. Jede einzelne Sertoli-Zelle steht mit einer bestimmten Anzahl von Keimzellen in morphologischem und funktionellem Kontakt; beim Mann sind dies etwa 10 Keimzellen pro Sertoli-Zelle (Zhengwei et al. 1998). Diese Zahl ist spezies-spezifisch wie mittels Durchflusszytometrie und stereologischer Analyse gezeigt wurde (Wistuba et al. 2007). Dennoch zeigten vergleichende Untersuchungen zwischen verschiedenen Primatenarten, dass die testikulären Zellzahlen pro Gramm Hodengewicht ähnlich sind und dass damit die Hodengröße letztlich die Zahl der insgesamt produzierten Keimzellen bestimmt (Luetjens et al. 2005). Bei Ratten bewirkt die Prolongation der Teilungsphase der Sertoli-Zellen – hervorgerufen durch eine Veränderung im Gleichgewicht der Schilddrüsenhormone – eine Erhöhung des Hodengewichts und der Spermienproduktion um 80 %. Umgekehrt führte die Halbierung der Sertoli-Zell-Zahlen nach Verabreichung einer anti-mitotischen Substanz zu einer Reduktion der Hodengröße und der Spermienproduktion. Patienten mit Laron-Zwerg-Syndrom leiden an einer Störung der Schilddrüsenfunktion und an Wachstumshormon/IGF-I-Mangel und haben häufig überdurchschnittlich große Hoden.
Die Proliferation der Sertoli-Zellen während der ersten postnatalen Lebensmonate führt in etwa zu einer Vervierfachung ihrer Zahl und ist mit dem Auswachsen der Hodenkanälchen in ungefähr demselben Umfang verbunden. Das Hauptsignal, das diesen Antsieg vermittelt, ist das Gonadotropin FSH, aber auch LH ist an dieser Regulation beteiligt (Mäkelä et al. 2019). Gesteuert wird dies über GnRH, wie Experimente zeigen konnten, bei denen GnRH antagonisiert und so das Hodenwachstum durch Sertoli-Zell-Proliferation signifikant reduziert wurde (Sharpe et al. 2000). Sertoli-Zellen exprimieren den FSH Rezeptor bereits von der postnatalen Lebensphase an. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) hingegen wird nur von immaturen, nicht terminal differenzierten Sertoli-Zellen gebildet und ist damit ein hervorragender Marker für den Reifegrad dieser Zellen. Die AMH-Sekretion geht mit dem Ende der Teilungen und dem Beginn der Differenzierung der Zellen im Pubertätsverlauf verloren. Die Zellen beginnen in Reaktion auf den pubertären Anstieg der intratestikulären Testosteronkonzentration und dem Beginn der Meiose der Keimzellen stattdessen den Androgenrezeptor zu bilden und Inhibin zu produzieren, das auf die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse zurückwirkt (Mäkelä et al. 2019).
Zum Pubertätsbeginn haben die Sertoli-Zellen untereinander enge Verbindungen aufgebaut, die den Stofftransport nur noch durch die Zellmembran und damit kontrolliert gestatten. Diese Verbindungen, Desmosomen, tight und gap junctions“, formen die sogenannte Blut-Hoden-Schranke, die den Hoden zum immunpriviligierten Organ macht (Mruk und Cheng 2015; siehe Kap. „Orchitis“ und „Erkrankungen der ableitenden Samenwege und akzessorischen Geschlechtsdrüsen“). Für die Blut-Hoden-Schranke werden zwei Hauptfunktionen postuliert: Die physikalische Isolierung der haploiden und damit antigenen Keimzellen, um deren Erkennung durch das Immunsystem zu verhindern (Prävention einer Autoimmunorchitis; siehe Kap. „Orchitis“) und die Bereitstellung eines speziellen Milieus für den Ablauf der Meiose und der Spermienentwicklung. Bei saisonal fortpflanzungsaktiven Tieren ist der Abbau und Wiederaufbau der Blut-Hoden-Schranke nicht von der Entwicklungphase der Keimzellen, sondern eher von der Aktivität der Sertoli-Zellen abhängig.
Connexin-43 ist ein gap-junction-Protein, das wesentlich die Reifung und Funktion der Sertoli-Zellen steuert. In transgenen Mäusen mit Connexin-43-Mangel sistiert die Spermatogenese auf der Ebene der Spermatogonien, die nicht mehr zwischen Mitosen und Meiosen umschalten können (Gerber et al. 2016; Rode et al. 2018; Hilbold et al. 2020).
Androgene steuern die Expression zahlreicher Indikatoren der Sertoli-Zell-Funktion, z. B. Transferrin, Androgen-bindendes Protein, Cadherine, Connexin-43, Gelsolin, Laminin-Gamma3, Okkludin, Testin, Nekcin, Zyxin und Vinculin (Mruk und Cheng 2015). Diese Faktoren sind unter anderem an der Bildung der Blut-Hoden-Schranke, der Spermiation und der Neu- und Umbildung der Sertoli-Zell-Zell-Verbindungen beteiligt (Yan et al. 2008).
Im basolateralen Bereich benachbarter Sertoli-Zellen finden sich leistenförmige Membranspezialisierungen („occluding tight junctions“), welche den Interzellularspalt verschließen. Die physiologische Funktion der Blut-Hoden-Schranke wurde in Experimenten nachgewiesen, in denen applizierte Farbstoffe oder Lanthan nur bis an die tight-junctions und nicht in das Lumen der Samenkanälchen gelangten. Durch die Blut-Hoden-Schranke wird das Keimepithel in zwei Regionen geteilt, die anatomisch und funktionell völlig verschieden sind. Im basalen Bereich befinden sich die frühen Keimzellen und im adluminalen Bereich die weiterentwickelten und die ausgereiften Keimzellen. Während der Entwicklung der Keimzellen werden diese durch die Blut-Hoden-Schranke regelrecht durchgeschleust (Mruk und Cheng 2015).
Die Ausbildung der Blut-Hoden-Schranke und deren Selektivität im Ausschluss von Molekülen bedingt, dass für die im adluminalen Kompartiment lokalisierten Zellen kein direkter Zugang zu Metaboliten aus der Peripherie oder dem Interstitium besteht. Damit sind diese Keimzellen auf eine Versorgung durch die Sertoli-Zellen angewiesen. Diese „Ernährungsfunktion“ kann wahrscheinlich über unterschiedliche Mechanismen erfolgen: Selektiver Transport und Transzytose sowie Synthese und vektorielle Sekretion.
Mindestens ebenso wichtig wie die nutritive Funktion der Sertoli-Zellen ist jedoch ihre Fähigkeit, den undifferenzierten Keimzellen im seminiferen Epithel eine Nische bereitzustellen, die deren Doppelfunktion von Selbsterneuerung und Bereitstellung differenzierender Tochterzellen ermöglicht. Sertoli-Zellen sezernieren GDNF, ein neurotropher Faktor, an den die undifferenzierten Spermatogonien binden und der für die Regulation der Keimzellhomöostase maßgeblich ist (Parekh et al. 2019). Die Kommunikation zwischen Sertoli-Zellen und den undifferenzierten Keimzellen, die die Einnischung ermöglicht, findet mittels des sogenannten C-X-C Systems statt, das sich aus chemotaktischen Zytokinen (Chemokinen) und spezifischen Liganden und Rezeptoren zusammensetzt. Dieses System ermöglicht es den migrierenden Keimzellen die von den Sertolizellen bereitgestellten Nischen im Epithel zu finden und zu besiedeln (Heckmann et al. 2018).

Germinative Zellen

Der Prozess der Spermatogenese beginnt mit der Teilung von Stammzellen und kulminiert in der Bildung von Spermien (Abb. 3 und 4). Die unterschiedlichen Keimzellen sind innerhalb der Samenkanälchen in charakteristischen Zellassoziationen angeordnet, die als Stadien der Spermatogenese bezeichnet werden (Abb. 5). Prinzipiell können vier Phasen der Keimzellreifung unterschieden werden:
1)
Mitotische Proliferation und Differenzierung der diploiden Keimzellen (Spermatogonien)
 
2)
Meiotische Reifeteilung der tetraploiden Keimzellen (Spermatozyten)
 
3)
Transformation der haploiden Keimzellen (Spermatiden) in Spermien (Spermiogenese)
 
4)
Freisetzung der Spermien aus dem Keimepithel in das tubuläre Lumen (Spermiation).
Abb. 3
Schematische Darstellung aller Keimzelltypen im Keimepithel des Mannes. Der Pfeil bezeichnet die gerichtete Zellentwicklung. Ad = A-dark Spermatogonien (testikuläre Stammzellen), Ap = A-pale Spermatogonien, B = B Spermatogonien, Pl = präleptotene Spermatozyten, L = leptotäne Spermatozyten, EP = frühe pachytäne Spermatozyten, MP = mittlere pachytäne Spermatozyten, LP = späte pachytäne Spermatozyten, II = 2. meiotische Teilung, RB = Residualkörper, Sa1–Sd2 = Spermatidenreifungsstadien
Abb. 4
Schematische Darstellung der Proliferation und Produktion der Keimzellen beim Mann. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist nur der Entwicklungsgang für ein Spermatogonium dargestellt. Der Humanhoden enthält ca. 1 Milliarde Spermien – pro Minute werden ca. 25.000 Spermien freigesetzt (Amann 2008). Aus einer A-pale Spermatogonie entstehen theoretisch 16 elongierte Spermatiden. Ad = A-dark Spermatogonien (testikuläre Stammzellen, teilt sich selten), Ap = A-pale Spermatogonien (nach Teilung verbleibt eine Zelle als A-pale Spermatogonie und die zweite Zelle tritt in den Spermatogenesezyklus ein), B = B Spermatogonien, Da beim Mann nur eine Generation von B-Spermatogonien vorhanden ist, ist die quantitative Produktion von Spermatiden geringer als bei Spezies mit multiplen Teilungen der B Spermatogonien. Ad = A-dark Spermatogonie, Ap = A-pale Spermatogonie, beide Differenzierungszustände können ineinander übergehen, B = B Spermatogonium, SC1 = primäre Spermatozyte, SC2 = sekundäre Spermatozyte, RS = runde Spermatide, ES = elongierte Spermatide
Abb. 5
Darstellung der verschiedenen Entwicklungsstadien der Keimzellen und deren Anordnung in 6 spezifischen Stadien im menschlichen Hoden. In einem Querschnitt durch ein Samenkanälchen finden sich immer typische Assoziationen von Keimzellen, die als Stadien der Spermatogenese bezeichnet werden. Die 6 Stadien der Spermatogenese (I–VI) werden in 16 Tagen durchlaufen. Da mindestens 4 Zelllagen durchlaufen werden müssen, beträgt die Dauer der gesamten Spermatogenese rechnerisch 74 Tage. Die Gesamtdauer der Spermatogenese ist beim Mann jedoch noch nicht endgültig geklärt (Amann 2008). Ad = A-dark Spermatogonien, Ap = A-pale Spermatogonien, B = B Spermatogonien, Pl = präleptotäne Spermatozyten, L = leptotäne Spermatozyten, EP = frühe pachytäne Spermatozyten, MP = mittlere pachytäne Spermatozyten, LP = späte pachytäne Spermatozyten, II = 2. Meiotische Teilung, RB = Residualkörper, Sa1–Sd2 = Spermatidenreifungsstadien
 
Für die morphologische Identifizierung der unterschiedlichen Keimzelltypen in Gewebeschnitten werden traditionell drei Kriterien verwendet. Neben der Lokalisation der Zellen innerhalb der Samenkanälchen werden dabei auch die charakteristische Morphologie der jeweiligen Zellen und Zellkerne berücksichtigt. Eine umfassende molekulare Analyse der unterschiedlichen Zelltypen auf RNA-Ebene wurde durch die technischen Fortschritte im Bereich der Einzellzell-RNA-Sequenzierung ermöglicht. Unter Verwendung von Hochdurchsatz-Ansätzen können die transkriptionellen Profile von tausenden unselektierten Hodengewebszellen analysiert werden. Basierend auf den umfassenden Sequenzierungsdaten werden den analysierten Zellen erst anschließend und basierend auf ihrem jeweiligen Expressionsprofil eine Identität zugeordnet. Entsprechende Studien zeigen dabei einheitlich, dass es sich bei der Keimzellreifung aus transkriptioneller Sicht um ein Kontinuum handelt, bei dem ein Keimzelltyp in den nächsten übergeht (Guo et al. 2018; Sohni et al. 2019). Darüberhinaus haben diese Analysen eine differenziertere Charakterisierung der Spermatogonien ermöglicht, die eine überraschende transkriptionelle Heterogenität aufweisen und basierend auf den transkriptionellen Profilen in mindestens 5 Subpopulationen unterschieden werden können (Guo et al. 2018; Sohni et al. 2019).
Die Existenz von mehreren spermatogonialen Subpopulationen ist im Einklang mit dem Modell eines heterogenen Stammzellpools. Basierend auf diesem Modell können die einzelnen Spermatogonien in Abhängigkeit vom ihrem momentanen Markerprofil unterschiedlich auf Stimuli der Mikroumgebung reagieren. Da das Potential einzeler Stammzellen nach diesem Modell aber nicht über ein festes Markerprofil definiert wird, ist es denkbar, dass sich auch Stammzellen mit unterschiedlichen Markerprofilen langfristig ähnlich verhalten (Krieger und Simons 2015).
Abgesehen vom Transkriptionsprofil ist auch die Lokalisation der jeweiligen Spermatogonien im Verhältnis zu weiteren Keimzellen und somatischen Zellen von Relevanz. Relevante Faktoren wie GDNF und FGF2 werden dabei von Zellen der Mikroumgebung, insbesondere von den Sertolizellen sekretiert, und beeinflussen Proliferation und Differenzierung der Spermatogonien (Oatley und Brinster 2012; Sharma et al. 2019). Zudem ist die Lage der Spermatogonien im Verhältnis zu den Blutgefäßen von entscheidender Relevanz für das Differenzierungsverhalten der Spermatogonien (Yoshida et al. 2007). Ein weiterer Aspekt dieses Modells eines heterogenen Stammzellpools ist die Annahme, dass Spermatogonien keiner linearen Differenzierung folgen, sondern reversibel zwischen einzelnen spermatogonialen Subpopulationen transferieren. Neben der Gewebehomöostase könnte dies eine rasche Erholung der Spermatogonienpopulation begünstigen, wie sie im Fall einer spermatogonialen Depletion nach einer gonadotoxischen Behandlung zu beobachten ist.
Dem Modell eines heterogenen Stammzellpools steht das traditionelle Stammzellmodell gegenüber, welches einen unidirektionalen Differenzierungsprozess der undifferenzierten Spermtogonien annimmt. Im Zuge dessen geht das Potential der langfristigen zellulären Selbsterneuerung zunehmend verloren. Dieses traditionelle Modell ist im Einklang mit der morphologischen Klassifizierung in die Zellen des Typs A und des Typs B von Spermatogonien basierend auf ihrer Lage und nukleären Chromatinformation.
Bei den A-Spermatogonien werden – basierend auf der Zytologie und der Physiologie – zwei Formen unterschieden: Die Ad(ark)-Spermatogonien und die Ap(ale)-Spermatogonien. Die Ad-Spermatogonien zeigen unter normalen Umständen keine oder nur sehr geringe Proliferationsaktivität und können als testikuläre Reserve-Stammzellen betrachtet werden (Sharma et al. 2019; Caldeira-Brant et al. 2020). Diese Keimzellen werden dann teilungsaktiv, wenn die Population der übrigen Spermatogonientypen z. B. durch Bestrahlung drastisch verringert wurde (Sharma et al. 2019). Auch mit zunehmendem Alter scheinen die Ad-Spermatogonien aktiviert zu werden und sie beginnen sich zu teilen, wohl um die Effizienz der Spermatogenese zu erhalten, wenn sich der Pool der aktiven Ap-Spermatogonien zunehmend erschöpft (Pohl et al. 2019). Beide Typen der A-Spermatogonien sind ineinander überführbar, d. h. Ap-Spematogonien können zu Ad-Spermatogonien inaktiviert werden und die Reservezellen zu Ap-Spermatogonien aktiviert. Die Ap-Spermatogonien stellen den aktiven Teil der spermatogonialen Stammzellpopulation dar. Ap-Spermatonien geben zum einen Tochterzellen ab, die sich zu B-Spermatogonien differenzieren, zum anderen gehen aus ihnen weitere Ap-Spermatogonien hervor, die als Ausgangszellen für die Spermatogenese weiterhin verfügbar bleiben (Sharma et al. 2019).
Aus den B-Spermatogonien entstehen die präleptotänen Spermatozyten unmittelbar vor dem Beginn der meiotischen Reifeteilungen. Letztere Keimzellen beginnen mit der DNA-Synthese. Die Mutterzelle und die daraus resultierenden Tochterzellen bleiben über interzelluläre Brücken miteinander in Kontakt. Dieser „klonale“ Modus der Keimzellentwicklung ist Grundlage und Voraussetzung für die koordinierte Reifung der Gameten im Keimepithel (Sharma et al. 2019).
Doppelt diploide (meiotische) Keimzellen werden als Spermatozyten bezeichnet und durchlaufen die verschiedenen Phasen der meiotischen Reifeteilung (Präleptotän-Zygotän). Die pachytäne Phase ist durch eine ausgeprägte RNA-Synthese charakterisiert. Aus der Reifeteilung gehen haploide Keimzellen hervor, die Spermatiden. Der meiotische Prozess ist ein kritisches Ereignis während der Gametogenese, währenddessen die Rekombination des genetischen Materials, die Reduktion des Chromosomensatzes und die Entwicklung von Spermatiden erfolgreich abgeschlossen werden müssen. Aus der ersten meiotischen Teilung entstehen die sekundären Spermatozyten. Diese Keimzellen enthalten einen haploiden Chromosomensatz jedoch in doppelter Ausführung. Im Verlauf der zweiten meiotischen Teilung teilen sich die sekundären Spermatozyten in die haploiden Spermatiden. Die Prophase der Meiose I dauert 1–3 Wochen, während die restlichen Phasen der Meiose I und die gesamte Meiose II innerhalb von 1–2 Tagen ablaufen.
Die aus der zweiten meiotischen Teilung resultierenden Spermatiden sind runde und teilungsinaktive Zellen und durchlaufen eine markante und komplizierte Transformation, aus der ausdifferenzierte, elongierte Spermatiden (Spermien) hervorgehen. Diese Vorgänge umfassen die Kondensation und strukturelle Ausformung des Zellkerns, die Ausbildung eines Flagellums und die Abstoßung großer Zytoplasmaanteile. Der gesamte Prozess wird als Spermiogenese bezeichnet und ist in qualitativer Hinsicht bei den meisten Spezies ähnlich. Eine Einteilung der Spermiogenese in vier Phasen erscheint zweckmäßig: Golgi-, Kappen-, Akrosom- und Reifungsphase. In der Golgi-Phase enstehen das Akrosombläschen und die cranio-caudale Symmetrie. In der Kappen-Phase entwickelt sich das Akrosom und bedeckt die craniale Hälfte bis zwei Drittel der elongierenden Spermatide. Das Akrosom wird mit Enzymen beladen, die es dem Spermium ermöglichen, während des Fertilisierungsprozesses die Eihüllen zu penetrieren (siehe Kap. „Physiologie der Spermienreifung u. Fertilisierung“). In der Akrosomphase kondensiert der Zellkern und die Elongation der Keimzelle schreitet weiter fort. Im Verlauf der Kernkondensation gehen die meisten Histone verloren und die Gentranskription sistiert. Die DNA befindet sich nunmehr in der „Verpackungsform“. Die Transkription der RNA, die für die nun noch stattfindende Proteinbiosynthese nötig ist, muss also zuvor erfolgt sein. Diese mRNA sind also vergleichsweise langlebig. Dies gilt im menschlichen Hoden zum Beispiel für die mRNA, die die Transitionsproteine und die Protamine codiert, die eine Rolle bei der Chromatinkondensation spielen. Das Flagellum ist jetzt gut ausgebildet.
Das Hauptereignis der Reifungsphase der Spermatiden ist die Abstoßung des restlichen Zytoplasmas in Form sogenannter Residualkörper. Diese werden von den Sertoli-Zellen phagozytiert und haben regulatorische Bedeutung. Elongierte Spermatiden bzw. deren Residualkörper beeinflussen die sekretorische Funktion der Sertoli-Zellen (Produktion von Tubulusflüssigkeit, Inhibin, Androgen-bindendem Protein, Interleukin-1 und Interleukin-6). Parallel zur Degradation der Residualkörper beginnt ein neuer Zyklus der Spermatogenese.
Die Freisetzung der Spermien in das Tubuluslumen wird als Spermiation bezeichnet. An diesem Vorgang sind der Plasminogen-Aktivator und möglicherweise Thimet-Oligopeptidasen beteiligt. Dieser Prozess ist besonders sensitiv gegenüber hormonellen Veränderungen, Temperaturänderungen und Toxinen. Spermien, die nicht freigesetzt wurden, werden von den Sertoli-Zellen durch Phagozytose resorbiert. Haploide testikuläre Keimzellen, also runde und elongierte Spermatiden, die aus dem Hodengewebe entnommen werden, können experimentell für eine intrazytoplasmatische Injektion verwendet werden und so Schwangerschaften induzieren (siehe Kap. „Physiologie der Spermienreifung u. Fertilisierung“ für Details).

Kinetik der Spermatogenese

Die komplexen Vorgänge der Teilungen und Differenzierung der Keimzellen erfolgen nach einem genau festgelegten Muster. Diese Differenzierungssequenzen über mehrere Stadien führen zum Auftreten typischer Zellverbände („cellular associations“), den sogenannten Spermatogenesstadien. Bestimmte Ereignisse der Spermatogenese wie etwa die Akrosomenentwicklung verlaufen Stadien-abhängig. Die Anzahl der Spermatogenesestadien ist in gewissem Umfang spezies-spezifisch. Bei der Ratte werden 14 (I–XIV) Stadien und bei Makaken 12 (I–XII) unterschieden, ebenso wie in der älteren Literatur für den Menschen beschrieben. Für die vergleichende Untersuchung der Humanspermatogenese hat sich aber zwischenzeitlich eine Einteilung in 6 Stadien durchgesetzt (I–VI) (Nihi et al. 2017, Abb. 5). Dieses vereinfachte System ist hinreichend präzise, hat aber den Vorteil, vergleichende Studien zur Organisation der seminiferen Epithelien während des Spermatogenese-Zyklus, etwa zwischen verschiedenen Primatenspezies, zu erlauben (Wistuba et al. 2003; Luetjens et al. 2005). Unter dem Zyklus der Spermatogenese versteht man die Sequenz aller Stadien.
Die Dauer des Spermatogenese-Zyklus schwankt bei Säugetieren je nach Tierart zwischen 8 und 17 Tagen. Ein Spermatogenesezyklus beim Mann dauert 16 Tage.
Bei der Entwicklung und Differenzierung eines einzelnen Spermatogoniums in ein reifes Spermium werden mindestens vier spermatogenetische Zyklen durchlaufen. Auf diesen Angaben beruhen die Berechnungen der Gesamtdauer der Spermatogenese. Die ermittelten Werte betragen ca. 50 Tage bei Ratten, 37–43 Tage bei verschiedenen Affen-Spezies und 74 Tage für den gesamten Prozess inklusive der Erhaltungsteilungen der Ap-Spermatogonien beim Mann (Amann 2008). Bei Primaten ist die zeitliche Abfolge der Spermatogenese unabhängig von hormonellen Einflüssen (Aslam et al. 1999), allerdings läuft der erste Zyklus der Spermatogenese während der Pubertät rascher ab als die im adulten Zustand folgenden. Dass die Dauer der Keimzellreifung durch exogene Faktoren manipuliert werden kann, konnte an Ratten gezeigt werden.
Die Klonalität der Keimzelldifferenzierung und die zeitliche Abfolge der Spermatogenese-Stadien bedingen auch eine räumliche Abfolge der Keimzellarrangements. In Schnittserien durch Samenkanälchen der Ratte fand sich neben Stadium I immer Stadium II; neben Stadium III immer Stadium IV usw. Dieser Sachverhalt wird als Welle der Spermatogenese („spermatogenic wave“) bezeichnet. Da jeder Tubulusanschnitt nur ein bestimmtes Stadium enthielt, wurde davon ausgegangen, dass der Topographie der Stadienanordnung ein longitudinales Muster zugrunde liegt. Im gesamten menschlichen Hoden und in Teilbereichen der Hoden verschiedener Affen wurden jedoch pro Tubulusquerschnitt mehrere Stadien identifiziert (Abb. 6). Durch quantitative Analyse der Keimzellpopulationen konnte nachgewiesen werden, dass die Verteilung der Stadien keinem irregulärem Muster folgt, wie ursprünglich vermutet. Die Stadieneinteilung wird verständlich, wenn man von einer helikalen Anordnung ausgeht (Schulze und Rehder 1984; Zannini et al. 1999; Wistuba et al. 2007; Amann 2008). Andere Untersucher konnten das Prinzip der helikalen Anordnung, nicht jedoch das Auftreten vollständiger „Schrauben“ bestätigen (Johnson et al. 1996). Maximal 2–4 aufeinanderfolgende Stadien konnten in Serienschnitten nachgewiesen werden. Das beobachtete Verteilungsmuster der Stadien konnte auch durch Verteilung von Zufallszahlen auf die sechs Stadien reproduziert werden. Daraus wurde gefolgert, dass die Topographie der Spermatogenesestadien im Humanhoden eher einer zufälligen Verteilung entspricht. Ein Stadium der Spermatogenese entspricht einem einzigen Zellklon (Nagano et al. 2001). Damit könnte das Auftreten von einem oder mehreren Stadien pro Tubulusquerschnitt durch die jeweilige Größe der synchron differenzierenden Zellklone determiniert werden (Wistuba et al. 2003). Eine vergleichende und quantitative Analyse über die Verteilung der Spermatogenesestadien in 17 Primatenspezies zeigte, dass die Samenkanälchen bei Neuweltaffen, Menschenaffen und dem Menschen mehr als ein Stadium enthalten, während in Halbaffen und Altweltaffen überwiegend ein Stadium pro Tubulusquerschnitt vorhanden ist (Luetjens et al. 2005, Abb. 6).
Abb. 6
Vergleich der Häufigkeit der Samenkanälchen (in Prozent), die pro Querschnitt mehr als ein Spermatogenesestadium enthalten mit der Anzahl der Spermatogenesestadien pro Tubulusquerschnitt. a1–2: Halbaffen (Prosimiae), b1–b5: Neuweltaffen (Platyrhinii), c1–c6: Altweltaffen (Catarhynii), d1, d2 und d4: Menschenaffen (Humanoidea), d3: Mann. Bei den Neuweltaffen, den Menschenaffen und beim Mann kommt es zu einem vermehrten Auftreten mehrerer Spermatogenesestadien pro Tubulusquerschnitt. Die Keimzellproduktion ist jedoch unabhängig von der Topographie der Spermatogenesestadien (Luetjens et al. 2005 und Abb. 7)
Quantitative Untersuchungen mit stereologischen Methoden an Java-Affen (und beim Mann) sowie vergleichende durchflusszytometrische Untersuchungen an einer größeren Anzahl von Affenspezies bestätigten, dass die Effizienz der Spermatogenese zwischen Primaten vergleichbar und der von Nagetieren ähnlich ist (Wistuba et al. 2007; Luetjens et al. 2005, Abb. 7). Unterschiedlich sind die Anzahl spermatogonialer Stammzellen, von denen Ratten und Mäuse offenbar weniger benötigen, sowie unterschiedliche Anzahlen an mitotischen Spermatogonienteilungen. So existiert beim Mann nur eine Generation von Ap-Spermatogonien vor Differenzierung der B-Spermatogonien (Abb. 4). während bei Makaken vier Generationen und bei Mäusen zahlreiche Teilungen von A-Spermatogonien auftreten (Sharma et al. 2019).
Abb. 7
Indices für die Effizienz der Spermatogenese und für die Meiose bei Neuweltaffen (Callithrix jacchus = Marmoset, N = 4 Tiere), Altweltaffen (Macaca fascicularis = Javaner-Affe, N = 5 Tiere, Papio hamadryas = Mantelpavian, N = 6 Tiere) und Mann (Homo sapiens, N = 9). Der Effizienzindex bezeichnet das Verhältnis der elongierten Spermatiden zu allen Zellen; der Meioseindex das Verhältnis der haploiden Zellen zu allen Zellen. Es ist bemerkenswert, dass Effizienz und Meioseindex der Spermatogenese innerhalb der Primaten sehr ähnlich sind. Die Daten wurden durchflusszytometrisch erhoben und sind als Mittelwert ± Standardfehler dargestellt. Nach Wistuba et al. (2003) und Luetjens et al. (2005)
Die Spermienproduktion wird bei Primaten über die Zahl der Spermatogonien, die in die Meiose eintreten, gesteuert.

Apoptose und Spermatogenese

Apoptose bezeichnet den programmierten Zelltod, der dadurch charakterisiert ist, dass eine kontrollierte Abfolge von Signalkaskaden zum „Selbstmord“ der Zelle führt. Diese Art des Zelltods tritt im Gegensatz zur Nekrose unter physiologischen Bedingungen auf (spontane Apoptose), kann aber unter anderem auch durch Noxen oder Störungen des endokrinen Milieus induziert werden. Apoptotische Spermatogonien, Spermatozyten und runde Spermatiden kommen bei regulärer Spermatogenese regelmäßig vor. Die Apoptose ist ein physiologischer und für die Spermatogenese notwendiger Vorgang.
Tierexperimentelle Untersuchungen zeigen, dass die Apoptose der Spermatogonien Voraussetzung für die Entwicklung der Spermatogenese ist, da bei experimentell induzierter Hemmung der Apoptose nur noch Spermatogonien in den Samenkanälchen vorhanden sind. Hitzebehandlung der Hoden oder Hormonstörungen induzieren in Java-Makaken (Macaca fascícularis) über intrinsische und extrinsische Mechanismen die Apoptose der Keimzellen (Jia et al. 2007). Die Differenzierung der Ap-Spermatogonien in B-Spermatogonien ist bei Primaten gonadotropinabhängig (Marshall et al. 2005). Bei Gonadotropinmangel kommt es zu apoptotischem Spermatogonienverlust (Ruwanpura et al. 2008). Gonadotropine können hierbei offenbar als Stimulatoren der Spermatogonienproliferation oder als „survival factors“ wirken.

Hormonelle Steuerung der Hodenfunktionen

Die endokrine Regulation der Hodenfunktionen (Produktion von Spermien und androgenen Steroiden) ist gut untersucht. Das Verständnis der hormonellen Interaktionen hat zu einer Reihe klinischer Anwendungen geführt, die in den nachfolgenden Abschnitten beschrieben werden. Abb. 8 gibt einen Überblick über die beteiligten Ogansysteme, die endokrinen Faktoren und deren physiologische Wirkungen.
Abb. 8
Darstellung der hormonellen Steuerung der Hodenfunktion und der Wirkung der Androgene. Schlüsselhormone sind das Luteinisierende Hormon (LH) und das Follikel-stimulierende Hormon (FSH), deren Synthese und Sekretion durch das hypothalamische Gonadotropin-freisetzende Hormon (GnRH) gesteuert wird. Zwischen den Samenkanälchen (Tubuli seminiferi) liegen die Leydig-Zellen, die unter dem Einfluss von LH das Testosteron synthetisieren und sezernieren. Testosteron wirkt stimulierend auf die Keimzellreifung in den Samenkanälchen. FSH wirkt direkt auf die Samenkanälchen. Innerhalb des Keimepithels sind nur die Sertoli-Zellen mit Rezeptoren für Testosteron und FSH ausgestattet. Deshalb wird angenommen, dass die trophischen Wirkungen von Testosteron/FSH auf die Gametogenese über die somatischen Sertoli-Zellen vermittelt werden. Die Hoden und das hypothalamisch-hypophysäre System kommunizieren über Steroid- und Proteohormone. Testosteron wirkt hemmend auf die Ausschüttung von GnRH und den Gonadotropinen. Inhibin B und Follistatin unterdrücken selektiv die hypophysäre FSH-Freisetzung während Aktivin diesen Prozess stimuliert. Neben der Wirkung auf die Gametogenese spielt das Testosteron eine bedeutende Rolle beim Haarwuchs, Knochenstoffswechsel, Muskelaufbau, der Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale und der Funktion der männlichen Reproduktionsorgane (nach Weinbauer et al. 2019)

Funktionelle Organisation des Hypothalamus-Hypophysen-Systems

Die Gonadotropine Luteinisierendes Hormon (LH) und Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) werden in den gonadotropen Zellen der Adenohypophyse synthetisiert und sezerniert. Benannt sind sie nach ihrer Funktion im weiblichen Geschlecht, da diese historisch früher identifiziert wurden. Im männlichen Organismus sind sie an der Kontrolle der Steroidsynthese und der Gametogenese des Hodens beteiligt (Wistuba et al. 2007; Kaprara und Huhtaniemi 2018). Der Hypothalamus reguliert die Ausschüttung der Gonadotropine durch die Hypophyse durch pulsatile Sekretion des Gonadotropin-Freisetzenden Hormons (Gonadotropin Releasing Hormone; GnRH) unter Steuerung des Kisspeptin-GPR54 Systems (siehe 3.2). Die Pulsatilität der GnRH-Ausschüttung bedingt, dass auch die Sekretion der Gonadotropine pulsatil erfolgt. Dabei ist die Pulsatilität von LH aufgrund der kürzeren Halbwertszeit des Hormones im Serum ausgeprägter als die von FSH. Sowohl die Synthese als auch die Freisetzung von GnRH, LH und FSH werden durch testikuläre Faktoren beeinflusst (Regelkreis; Kaprara und Huhtaniemi 2018). Aufgrund der anatomischen und der regulatorischen Beziehungen von Hypothalamus und Hypophyse werden beide auch als funktionelle Einheit angesehen.
Anatomisch gesehen ist der Hypothalamus die rostrale Verlängerung der retikulären Gehirnstammformation. Er enthält die Perikaryen der Neurone, die die Axonendigungen in die Eminentia mediana projizieren, ein spezieller Bereich im Boden des dritten Ventrikels, aus dem der Hypophysenstiel entspringt. Der Hypothalamus wird in drei longitudinale Bereiche unterteilt, die periventrikuläre, die mediane und die laterale Zone. Der laterale Bereich fungiert als verbindendes Glied zwischen den limbischen und Stammhirnbereichen, wohingegen die periventrikulären und medianen Bereiche eine Vielzahl von Nuklei enthalten, die an der Kontrolle der neuroendokrinen und viszeralen Funktionen beteiligt sind. In der Eminentia mediana erreichen die Axonfortsätze aus dem Hypothalamus ein Pfortadersystem. Dieses entstammt einem Kapillarplexus, der aus den oberen Hypophysenarterien gebildet wird und stellt die humorale Verbindung zur Adenohypophyse her (Neurosekretion von GnRH). Damit stellen die Eminentia mediana und das Pfortadersystem das essentielle Bindeglied für die funktionelle Kommunikation zwischen Hypophyse und Hypothalamus und somit für die Steuerung der Hodenfunktion dar. Die Eminentia mediana liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke und ist deshalb gegenüber Hormonen und Substanzen aus dem Blutkreislauf exponiert.
Die Hypophyse ist in der Sella turcica eingebettet, befindet sich unterhalb des Hypothalamus und des Chiasma opticum (Kreuzung der Sehnerven) und wird von einem Diaphragma bedeckt. Die Adenohypophyse besteht aus dem Pars intermedia, Pars distalis und dem Pars tuberalis. Für die Hypophysenfunktion ist der Pars distalis von größter Bedeutung. Die Gonadotropin-produzierenden Zellen stellen etwa 15 % der Zellpopulation der Adenohypohyse. Diese basophilen und PAS-positiven Zellen sind über den post-medianen Bereich der Pars distalis verteilt. Obwohl die Sekretion von LH und FSH getrennt erfolgen kann, findet deren Synthese überwiegend im selben Zelltyp statt (Kaprara und Huhtaniemi 2018). Der Gesamtgehalt an FSH in der Hypophyse beim gesunden Mann beträgt etwa 200 IU, für LH etwa 700 IU. Etwa 80 % der gonadotropen Zellen enthalten sowohl FSH als auch LH. Diese Zellen besitzen sehr viel raues endoplasmatisches Retikulum, einen großen Golgi-Komplex und viele sekretorische Granulae. Sie sind häufig mit Prolaktin-produzierenden Zellen assoziiert, was auf eine parakrine Interaktion zwischen beiden Zelltypen schließen lässt.

Das Kisspeptin-GPR54 System

Die GnRH Freisetzung wird durch das Kisspeptin-GPR54 System gesteuert. Kisspeptin wird durch das Gen KISS1 kodiert, das auf dem Chromosom 1q32.1 lokalisiert ist. Entdeckt und beschrieben 1996 in Hershey, Pennsylvania, verdankt Kisspeptin seinen Namen dem berühmtesten Produkt der Region, nämlich den „Kisses“ der Hershey Foods Company, einer Schokoladenspezialität (Dhillo 2013). Das Gen wurde zunächst als Tumorsuppressor-Gen bei Melanomen und Mammakarzinom bekannt („Metastatin“, Harms et al. 2003). Kisspeptin ist der Ligand des GPR54-Orphanrezeptors, der bei der Initiierung der pubertären GnRH-Sekretion eine wichtige Rolle spielt.
Das KISS1-Gen kodiert für ein 145 Aminosäure-Peptid, das in vier kürzere Peptide gespalten wird: Kisspeptin-54, z. B. -10, -13 und -14, mit jeweils der korrespondierenden Anzahl an Aminosäuren. Sie alle haben eine gemeinsame C-terminale Domäne und ein RF-amidiertes Motiv (Dhillo 2013). Kisspeptin-exprimierende Neurone wurden im anteroventralen periventrikulären Nukleus, im periventrikuläen Nukleus, im anterodorsalen Nukleus und im Nukleus arcuatus beschrieben. Außerhalb des Nervensystems wurde die Expression des KISS1-Gens in Plazenta, Testis, Pankreas, Leber und Darm nachgewiesen (Irfan et al. 2016; Dudek et al. 2018).
Kisspeptin stimuliert die LH-Sekretion durch Bindung an den GPR54-Rezeptor (synonym mit Kiss1-Rezeptor; Ruohonen et al. 2020), der auf der Oberfläche der GnRH-Neurone lokalisiert ist. Dabei handelt es sich um einen G-Protein gekoppelten Orphanrezeptor. Das GPR54-Gen ist auf Chromosom 19p13.3 lokalisiert. Loss-of-function Mutationen des Gens führen zu ausbleibender Pubertät und hypogonadotropem Hypogonadismus (Feng et al. 2019). Damit ist das Kisspeptin-GPR54 System für die Initiation der Gonadotropinfreisetzung während der Pubertät und für die Aufrechterhaltung der Androgenisierung beim Erwachsenen essentiell. Zwischen den Kisspeptin produzierenden Neuronen im anteroventralen periventrikulären Nukleus und im Nukleus arcuatus bestehen Projektionen zur präoptischen Region, in der sich zahlreiche GnRH-Neurone befinden.
Die GPR54-Signale werden durch ein Gq-Protein vermittelt. Unter experimentellen Bedingungen stimuliert Kisspeptin den Umsatz von Phosphatidylinositol, die Mobilisierung zellulären Kalziums und die Ausschüttung von Arachidinsäure aus GPR54-exprimierenden Zellen und induziert die Phosphorylierung der durch mitogenes Protein aktivierten Kinasen. Während kontinuierlicher Infusion stimuliert Kisspeptin die LH-Sekretion innerhalb von 2 Stunden gefolgt von einem Abfall nach 12 Stunden, da der GPR54 desensitisiert wird. Die pulsatile Sekretion des Kisspeptins scheint die pulsatile Freisetzung von GnRH und LH direkt nach sich zu ziehen (Plant 2020).
Androgene, Estrogene und Gestagene wirken über spezifische Rezeptoren und hemmen die Gonadotropinausschüttung – allerdings nicht durch eine direkte Wirkung an den GnRH Neuronen. Kisspeptin vermittelt die negativen und positiven Rückkopplungseffekte der peripheren Steroide auf die Gonadotropinsekretion. Die Steroidhormone wirken dabei direkt auf die Kisspeptin-produzierenden Neurone im Nukleus arcuatus und stellen somit den Ort der negativen Rückkopplung auf die GnRH-Freisetzung dar. Die positiven Rückkopplungseffekte werden über Kisspeptin, das im anteroventralen periventrikulären Nukleus wirkt, vermittelt. Der anteroventrale periventrikuläre Nukleus ist ein sexuell dimorphes Kerngebiet, das unter Steroideinfluss steht (Plant 2020). Kisspeptin scheint die Wirkung metabolischer Signale, z. B. von Leptin, auf die Reproduktion zu vermitteln, zum Beispiel die Hemmung der Hormonsekretion bei Hungerzuständen. Ebenfalls sind Zusammenhänge zwischen Adipositas, KISS1-Expression und der GnRH-Ausschüttung beschrieben. Auch für Ghrelin, das die Freisetzung von Wachstumshormonen vermittelt, wird ein Einfluss auf die Kisspeptinsynthese vermutet (Tena-Sempere 2008). Die Interaktionen zwischen Kisspeptin und GnRH sind in Abb. 9 schematisch dargestellt.
Abb. 9
Modell der Steuerung der Gonadotropinsekretion. Kisspeptin wird im Nukleus arcuats und im anteroventralen periventriculären Nukleus (AVPN) synthetisiert und stimuliert die GnRH-Freisetzung durch Bindung und Aktivierung des G-Protein-gekoppelten GPR54-Rezeptors. GnRH stimuliert die Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH aus der Hypophyse. Die Expression des Kisspeptingens (kiss1) und damit die Modulation der GnRH-Neurone wird durch Steroidhormone (z. B. Androgene, Estrogene und Gestagene) und durch metabole Regulatorsubstanzen (z. B. Leptin) reguliert

Gonadotropin-freisetzendes Hormon

Struktur des GnRH

Zwei Varianten des GnRH, GnRH-I oder GnRH, und GnRH-II sind beschrieben. Beide Varianten werden von unterschiedlichen Genen kodiert. Obwohl strukturell sehr ähnlich, bestehen wesentliche Unterschiede bei der Gewebeverteilung und der Steuerung der Genexpression (Cheng und Leung 2005). GnRH-I steuert die Gonadotropine. GnRH-II wirkt als Neuromodulator und stimuliert das Sexualverhalten. GnRH-I ist ein Dekapeptid, das die Gonadotropinsekretion steuert. GnRH-I wird in den Neuronen des Hypothalamus synthetisiert. Diese Neurone stammen von olfaktorischen Neuronen ab und wandern während der Embryonalentwicklung in Richtung des basalen Vorderhirns entlang den Ästen der terminalen und vomeronasalen Nerven. Diese Wanderung der unterschiedlichen GnRH-Neurone entlang des Bulbus olfactorius wird durch verschiedenste Faktoren beeinflusst (Tobet und Schwarting 2006). Die Bedeutung dieser Faktoren zeigt sich in den Mutationen der kodierenden Gene bei Patienten mit Kallmann-Syndrom. In ungefähr 10 % der Patienten mit Kallmann-Syndrom (hypogonadotroper Hypogonadismus und Anosmie bedingt durch eine Hypoplasie der Bulbus olfactorius) werden Mutationen oder Deletionen in dem KALL-1 Gen auf dem X-Chromosom festgestellt (Topaloglu 2017). Das Produkt des KALL-1-Gens, Anosmin-1, wird in dem Bulbus olfactorius und in verschiedenen anderen Geweben als Protein der extrazellulären Matrix und Basalmembran während der Organogenese transient exprimiert. Weitere Genbeteiligungen an der Migration der GnRH-Neurone und damit der Ätiologie des Kallmann-Syndroms wurden beschrieben: fibroblast-growth-factor Rezeptor 1 (FGFR1), dessen Ligand fibroblast growth factor 8 (FGF8), Prokineticin 2 (PK2) und dessen Rezeptor (PKR2) (Falardeau et al. 2008; Kim et al. 2008).
In Primaten sind die GnRH-Neurone im medio-basalen Hypothalamus und im Nucleus arcuatus lokalisiert. Darüberhinaus konnten GnRH-Neurone auch im vorderen Hypothalamus und in anderen Bereichen des Vorderhirns nachgewiesen werden. Die GnRH-Neurone sind synaptisch mit Nervenendigungen verknüpft, in denen POMC-(Pro-opio-melano-corticotropin) verwandte Peptide und Enzyme, die in den Katecholamin- und GABA- (Gamma-Amino-Buttersäure) Metabolismus involviert sind, auftreten. Außerdem stehen die GnRH-positiven Neuronen des Nuleus arcuatus in direkter Verbindung mit Neuropeptid Y (NPY)-positiven Neuronen in der Area preoptica und in der Eminentia mediana. Alle diese Substanzen können die GnRH Sekretion beeinflussen (Evans 1999; Smedlund und Hill 2020).
Das für GnRH kodierende Gen hat die chromosomale Lokalisation 8p21-p11.2. GnRH entsteht durch eine sukzessive Prozessierung eines Vorläuferproteins, dem Prepro-GnRH. Phylogenetisch ist GnRH ein sehr altes Hormon und weist eine hohe Homologie zwischen den verschiedenen Spezies auf. So beträgt die Homologie zwischen Säugetieren und Fischen 80 %. Der Präkursor besteht aus 92 Aminosäuren (AS), dem ein aus 24 AS bestehendes Signalpeptid vorgeschaltet ist, das für den Transport zur Zellmembran erforderlich ist. 56 AS des Präkursors bilden das sogenannte GnRH assoziierte Peptid (GAP). Das PrePro-GnRH wird im rauen endoplasmatischen Retikulum prozessiert, im Golgiapparat erfolgt die Abspaltung des Signalpeptides und eine Zyklisierung des N-terminalen Glutamins (Gln) zu pyroGln. Die Sequenz Glyzin-Lysin-Arginin, die an der Grenze zwischen GnRH und GAP liegt, stellt ein Prozessierungssignal dar und ist für die C-terminale Amidation verantwortlich. Das reife GnRH ist ein einzelsträngiges Dekapeptid mit zyklischer Konformation am N-Terminus, die Amidierung am C-Terminus liegt gefaltet vor (Millar et al. 2008; Stamatiades et al. 2019).
GnRH hat mit weniger als 10 Minuten eine sehr kurze Halbwertszeit und wird zum großen Teil unmittelbar nach der Sekretion in der Hypophyse durch Peptidasen degradiert. Durch die Aufklärung der AS Sequenz des GnRH konnte die Bedeutung der verschiedenen AS für die Funktion des GnRH-Moleküls aufgeklärt werden. Substitutionsversuche mit Aminosäuren zeigten, dass in den Positionen 1–3 die biologische Aktivität determiniert ist, in den Positionen 6 und 10 die Rezeptorbindung und in den Positionen 5–6 bzw. 9–10 der enzymatische Abbau des GnRH-Moleküls. Die 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Entdeckung der AS Sequenz des GnRH durch A. Schally ermöglichte die Entwicklung von GnRH-Analoga mit agonistischer oder antagonistischer Wirkung.

Sekretion von GnRH

GnRH wird pulsatil in das Pfortadersystem sezerniert, wobei wohl jedem LH-Puls ein GnRH-Puls vorangeht (Plant 2020). Die Frequenz und Amplitude der GnRH-Sekretion bestimmt das Muster der Freisetzung von LH und FSH aus der Hypophyse (Abb. 10). Damit ist GnRH der entscheidende Faktor für die Synthese und Ausschüttung der gonadotropen Hormone (Stamatiades et al. 2019; Plant 2020). Durch Veränderung der Pulsfrequenz ist es möglich, bevorzugt LH oder FSH freizusetzen. Hohe Pulsfrequenzen oder eine kontinuierliche GnRH-Applikation führen zu einer Hemmung der Gonadotropinfreisetzung.
Abb. 10
Bedeutung des pulsatilen Musters der GnRH Sekretion für die Gonadotropinfreisetzung und die Hodenfunktion. Unphysiologisch hohe GnRH Frequenzen oder die kontinuierliche Gabe von GnRH hemmen die Gonadotropinausschüttung und damit die Hodenfunktion (rot). Eine Blockade der Rezeptoren für endogenes GnRH durch GnRH-Antagonisten führt ebenfalls zu einer Suppression der Hodenfunktion
Die Ursachen für die GnRH-Pulsatilität sind bisher nicht eindeutig geklärt. Isolierte, immortalisierte GnRH-Neurone zeigen eine spontane Pulsatilität in vitro. Unter in vivo Bedingungen wird die GnRH-Freisetzung durch das Kisspeptin/GPR54-System gesteuert, das die Wirkungen der peripheren Steroidhormone auf die pulsatile Ausschüttung des GnRH vermittelt. Darüberhinaus unterliegt der Pulsgenerator in vivo Einflüssen von noradrenergen Neuronen, Galanin und NO. Gonadektomie führt zu einem unmittelbaren Anstieg der Frequenz und Amplitude des Pulsgenerators. Diese Beobachtung weist auf eine tonische Suppression der GnRH-Sekretion durch periphere Steroide hin. In Abwesenheit dieser Steroide bleibt die Pulsatilität der GnRH-Freisetzung erhalten, jedoch fehlt die Synchronisation mit den Effektororganen (Stamatiades et al. 2019; Feng et al. 2019; Smedlund und Hill 2020; Plant 2020).
Testosteron reguliert die GnRH-Sekretion beim Mann, wobei die Hemmung der Gonadotropinsekretion sowohl auf hypothalamischer als auch auf hypophysärer Ebene über eine negative Rückkopplung erfolgt (Abb. 8). Als Effektoren können entweder Testosteron oder dessen Metabolit Dihydrotestosteron (DHT) oder Estradiol fungieren. Testosteron und DHT wirken auf den Hypothalamus, indem sie die Frequenz der GnRH-Pulsatilität erniedrigen. Estrogene supprimieren die Sekretion der Gonadotropine, indem sie die Amplitude der LH- und FSH-Sekretion direkt in der Hypophyse verringern. Progesteron hemmt die Gonadotropinfreisetzung teilweise über dopaminerge Neurone und NPY-Neuron im Nukleus arcuatus (Dufourny et al. 2005). Die negative Feedbackwirkung der androgenen und gestagenen Steroidhormone ist für die Entwicklung hormoneller männlicher Kontrazeption von großer Bedeutung (siehe Kap. „Männlicher Beitrag zur Kontrazeption“).
Aus der Vielzahl von Neurotransmittern und Neuromodulatoren, die die GnRH-Sekretion beeinflussen können, wirken das noradrenerge System und das Neuropeptid Y stimulatorisch. Interleukin-1, das dopaminerge, serotoninerge und GABAerge System haben dagegen inhibitorische Effekte auf die Sekretion von GnRH. Darüber hinaus beeinflusst der Leptinspiegel die Gonadotropinsekretion. Dieser Effekt ist wahrscheinlich auf einen unmittelbaren hypothalamischen Einfluss über NPY- und POMC-positive Neurone und besonders Kisspeptin-haltige Neurone mit zahleichen Leptinrezeptoren zurückzuführen (Popa et al. 2008; Malik et al. 2019).

Wirkungsmechanismus von GnRH

Die Wirkung von GnRH auf die Hypophyse wird durch einen spezifischen Rezeptor vermittelt. Der GnRH-Rezeptor (GnRHR) gehört zu der Gruppe von G-Protein gekoppelten Rezeptoren, die alle eine typische Struktur von sieben membranständigen Domänen aufweisen. In den meisten Wirbeltieren werden drei unterschiedliche GnRHR exprimiert (GnRHR-1, -2, -3), von denen in Säugern jedoch nur zwei gefunden werden (GnRHR-1 und -2; Stamatiades et al. 2019). Zur 7-Transmembran G-Protein gekoppelten Rezeptorfamilie gehören auch die Rezeptoren für LH, FSH und TSH (Thyroidea (Schilddrüsen)-Stimulierendes Hormon). Predominant ist der GnRHR-1 (GnRHR). Sowohl GnRH-I als auch GnRH-II binden an den GnRHR-1. Mit 328 AS ist der GnRHR der kleinste Vertreter der Rezeptorfamilie (Abb. 11). Charakteristisch für den GnRH-Rezeptor ist die kleine extrazelluläre und das Fehlen der intrazellulären C-terminalen Domäne. Die Signaltransduktion erfolgt durch eine Interaktion der intrazellulären Schleifen mit den G-Proteinen.
Abb. 11
Exemplarische Darstellung der Proteinstruktur des FSH-Rezeptors als Mitglied der Familie der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Diese Rezeptoren besitzen eine extrazelluläre (extracellular), sieben transmembranöse (serpentine domain) und eine intrazelluläre (intracellular) Domäne. Die Gonadotropin-Rezeptoren haben eine sehr lange extrazelluläre Domäne (N-Terminus), die für die spezifische Hormonbindung benötigt wird, und eine intrazelluläre Domäne (C-Terminus), welche für die Signaltransduktion von Bedeutung ist. Die Hinge-Region verbindet den an Leucin reichen Abschnitt (leucin-rich repeat domain) mit dem Transmembranabschnitt (serpentine domain). Die Lokalisation des FSHR-Polymorphismus ist zum einen durch p.Thr307Ala und zum anderen durch p.Asn680Ser markiert (nach Schubert et al. 2019)
Das den GnRH-Rezeptor codierende Gen beinhaltet drei Exons und zwei Introns. Der Promotor enthält mehrere Transkriptionsstartstellen und einige Bindungsstellen für Transkriptionsfaktoren. So konnte gezeigt werden, dass cAMP-, Glukokortikoid-, Progesteron-, Thyroxin-, PEA-3-, AP-1-, AP-2- und Pit-1-sensible Sequenzen vorhanden sind. In der Hypophyse ist das GnRH-Rezeptor-Gen spezifisch in den gonadotropen Zellen exprimiert. Der Orphanrezeptor Steroidogenic Factor-1 (SF-1) ist für die spezifische Expression des GnRH-Rezeptors von Bedeutung (Ngan et al. 1999; McDonald et al. 2016). Allgemein sind die Transkriptionsfaktoren SF-1, Pit-1 und Prop-Pit-1 sehr wichtig für die Entstehung und Entwicklung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Sowohl SF-1-defiziente Mäuse als auch Patienten mit Mutationen des Prop-Pit-1 Gens weisen deutliche Störungen der Gonadotropinsekretion auf.
Nach Bindung von GnRH an den Rezeptor kommt es zur Enstehung eines Hormon-Rezeptor-Komplexes. Der Hormon-Rezeptor-Komplex wirkt auf ein G-Protein (Gq), das wiederum zu einer Aktivierung des Inositol-3-Phosphat-Signaltransduktionsweges führt, d. h. es kommt zur Bildung von Diacylglyzerin und Inositolphosphaten, die eine Freisetzung von Kalzium aus intrazellulären Kalziumspeichern bewirken. Desweiteren kommt es auch zu einer Zunahme des Kalzium-Einstroms in die Zelle. Diacylglyzerin und Kalzium aktivieren die Proteinkinase C (PKC), die wiederum für Proteinphosphorylierungen und eine weitere Aktivierung des Kalzium-Influxes verantwortlich ist. Der erhöhte intrazelluläre Kalziumspiegel führt dann zu einer Freisetzung der Gonadotropine durch Exozytose und als länger anhaltender Effekt zu einer Stimulation der Synthese der Gonadotropine (Stamatiades et al. 2019). Danach wird der Hormon-Rezeptor-Komplex durch endozytotische Prozesse internalisiert und in den Lysosomen abgebaut.
Die Regulation des GnRH-Rezeptors kann direkt durch GnRH erfolgen. So ist die Rezeptorexpression hoch, wenn GnRH pulsatil verabreicht wird, und niedrig, wenn der Rezeptor einer ständigen Aktivierung durch GnRH unterliegt. Der Prozess der Down-regulation der Rezeptoren wird als Desensibilisierung bezeichnet und ist von therapeutischem Nutzen. Die Verwendung eines GnRH-Agonisten führt zwar zu einem kurzfristigen Anstieg der Gonadotropinsekretion, aufgrund der anhaltenden Stimulierung kommt es jedoch zu einer langsamen Rezeptordesensibilisierung und damit zu einem Abfall der Gonadotropinsekretion. Der molekulare Mechanismus der Rezeptordesensibilisierung ist noch nicht völlig verstanden. Bedingt durch das Fehlen des intrazellulären Bereichs im GnRH-Rezeptor sind Phosphorylierung und rasche Desensibilisierung durch GnRH-Agonisten nicht möglich.

Gonadotropine

Struktur der Gonadotropine

Sowohl LH als auch FSH sind Glykoprotein-Hormone, die mit dem TSH und dem humanen Chorion-Gonadotropin (hCG) strukturell eng verwandt sind. Diese Gruppe von Hormonen besteht aus jeweils zwei Polypeptidketten, einer α-Untereinheit und einer β-Untereinheit, und enthalten Kohlenhydratgruppen, die an die AS Asparagin gekoppelt sind. Die α-Untereinheit tritt bei allen diesen Hormonen auf, wohingegen die unterschiedlichen β-Untereinheiten für das jeweilige Hormon für die biologische Spezifität und Wirkung verantwortlich sind.
Obwohl die verschiedenen Untereinheiten strukturell sehr ähnlich sind, befinden sich die Gene für die Untereinheiten auf verschiedenen Chromosomen. Das Gen für die α-Untereinheit besteht jeweils aus vier Exons und drei Introns, wohingegen das Gen für die β-Untereinheit jeweils aus drei Exons und zwei Introns besteht. Das FSH-β-Gen ist auf dem Chromosom 11 lokalisiert und besitzt einen ungewöhnlich langen untranslatierten Bereich am 3′- Ende. Vermutlich führt dies zu einer Stabilisierung der mRNA. Das LH-β-Gen gehört zu einer komplexen Gruppe von Genen, zu denen auch sieben nicht-allelische hCG-ähnliche Gene gehören, die alle auf Chromosom 19 zu finden sind. Die Steuerung der Genexpression für LH und FSH ist intensiv untersucht und umfasst komplexe Interaktionen zwischen hypothalamischem GnRH, gonadalen Steroiden und Peptiden mit Wirkung auf hypophysärer und hypothalamischer Ebene (Burger et al. 2004).
Die gemeinsame α-Untereinheit enthält zwei Glykosilierungsstellen, nämlich an Position 52 und 78. Die Glykosilierungsstellen für die β-Untereinheit für FSH befinden sich an Position 7 und 24 und die für die β-Untereinheit von LH an Position 30. In Säugetieren wird die α-Untereinheit für hCG in der Plazenta synthetisiert. Sehr geringe Mengen an hCG werden auch von der Hypophyse produziert und können bei Männern im Blut nachgewiesen werden.
Die β-Untereinheiten von LH und hCG sind strukturell sehr eng miteinander verwandt und sowohl LH als auch hCG binden an denselben Rezeptor. Eine Besonderheit von hCG ist jedoch eine C-terminale Verlängerung von vier Zuckerresten, die zu einer Verringerung der Metabolisierung des Hormones und damit zu einer größeren Halbwertszeit führen. Diese strukturelle Besonderheit wurde zur Herstellung therapeutischer und experimenteller Gonadotropinanaloga genutzt, die einen dem hCG-ähnlichen C-Terminus enthalten. Durch diese Manipulation konnte die Halbwertszeit von FSH und LH erheblich verlängert werden.
In diesen Glykoproteinhormonen liegt ein zentrales Mannose-Molekül vor, das an die AS Asparagin (Asn) über zwei N-acetyl-Glucosamin Reste gebunden ist und an das Tetra-Saccharid-Verzweigungen gebunden sind, die beim FSH in Sialsäuren und beim LH in Sulfatgruppen enden. Veränderungen der Länge oder Zusammensetzung dieser Kohlenhydratstrukturen führen zur Heterogenität der Gonadotropine, die sich in trennbaren Isoformen unterschiedlicher Halbwertszeiten zeigt. LH, das einen hohen Prozentsatz an N-acetyl-Glukosaminsulfaten aufweist, wird über spezifische Sulfatrezeptoren in der Leber schnell aus dem Blut entfernt, woraus die die kurze Halbwertszeit von etwa 20 Minuten für LH resultiert, was wiederum die Pulsatilität der LH-Spiegel im Blut erklärt. FSH hingegen wird vorwiegend sialisiert und ist deshalb gegen den Abbau durch die Leber resistenter. Die Halbwertszeit für FSH ist deshalb mit zwei Stunden erheblich länger. Obwohl beide Gonadotropine, LH und FSH durch GnRH stimuliert werden, zeigt nur LH eine ausgeprägte, FSH aber eine geringe Pulsatilität (Stamatiades und Kaiser 2018).
Die Glykosilierung der Gonadotropine ist von entscheidender Bedeutung für ihre Sekretion: Nicht-glykosilierte Hormone werden nicht sezerniert und sind darüber hinaus unter in vivo Bedingungen nicht bioaktiv, da sie im peripheren Blut sehr rasch abgebaut werden.
Die Bedeutung der Glykosilierung für die biologische Aktivität der Gonadotropine konnte experimentell mittels nicht glykosilierter Hormonmoleküle gezeigt werden. Isoformen ohne Kohlenhydratreste können nicht sezerniert werden. In vitro konnte gezeigt werden, dass die Glykosilierung zwar nicht für die Rezeptorbindung erforderlich ist, jedoch für dessen Aktivierung. Rekombinante Varianten von hCG und FSH, die Defekte an den Sialisierungsstellen oder den Mannose-Verzweigungsstellen trugen, bewiesen, dass die Glykosilierung an Position 52 für die Auslösung der cAMP Antwort und die Steroidogenese erforderlich ist. Die Glykosilierung ist also ein fundamentaler Prozess für die Gonadotropin-Sekretion und – da sie die Halbwertszeit beeinflusst – auch für die Bioaktivität.
LH tritt in zwei unterschiedlichen polymorphen Varianten in der normalen Bevölkerung auf, von denen eine durch den Austausch von zwei Aminosäuren an den Stellen 8 und 15 des β-LH-Kette gekennzeichnet ist. Dies führt zur Einführung einer zweiten Glykosilierungsstelle an Position 13. Diese Allelvariante ist bei ungefähr 12 % der mitteleuropäischen Bevölkerung zu finden. Die zwei Aminosäure-Änderungen verleihen dem Gonadotropin erhöhte in vitro Bioaktivität und kürzere Halbwertszeit (Huhtaniemi et al. 2010; Punab et al. 2015).
Auch FSH kommt polymorph vor. Interessanterweise ist die Hormonvariabilität mit einem ebenso polymorphen Rezeptor balanciert, so dass sich insgesamt Zusammenhänge mit Einflüssen auf die Fertilität ergeben, etwa erniedrigten Konzentrationen des freien Testosterons, reduzierter Hodengröße und größeren Ejakulatvolumina sowie erhöhten Konzentrationen von Testosteron, Estradiol und SHBG. Diese Befunde haben in jüngerer Vergangenheit zu therapeutischen Vorschlägen geführt, diese Variabilität des FSHß/FSHR-System zur Behandlung von Infertilität mittels darauf abgestimmter FSH Gabe zu nutzen (Tüttelmann et al. 2012; Busch et al. 2015; Schubert et al. 2019).

Sekretion der Gonadotropine

LH und FSH werden nach der Synthese überwiegend in verschiedenen Granulae gespeichert, die auf einen GnRH-Stimulus hin exocytiert werden. Ein Teil der Moleküle wird jedoch nicht gespeichert, sondern direkt konstitutiv sezerniert. Die Speicherung ist allerdings der Hauptgrund dafür, dass die Freisetzung der Gonadotropine bevorzugt in Antwort auf einen GnRH-Stimulus erfolgt. Eine niedrige GnRH-Pulsfrequenz induziert vor allem die FSH-Freisetzung, was teilweise auf die unterschiedliche Expression der GnRH-Rezeptoren zurückzuführen ist (Ferris und Shupnik 2006).
Während der fetalen Entwicklung können LH und FSH bereits ab der 10. Gestationswoche in der Hypophyse und ab der 12. Woche im Blut nachgewiesen werden. Im fetalen Stadium und in der frühen Kindheit sind die FSH-Spiegel höher als die des LH; der FSH/LH-Quotient ist bei Frauen größer als bei Männern. Die relative Menge der beiden Gonadotropine ändert sich im Laufe der Entwicklung.
Fetales LH und mütterliches Choriongonadotropin (CG) stellen das gonadotrope Signal dar, das die Produktion von Testosteron bereits ab der 10. Gestationswoche im fetalen Hoden induziert. Diese Testosteronausschüttung ist essentiell für die initiale Phase der Wanderung des Hodens und die Entwicklung der externen Geschlechtsorgane. Dabei kann auch das mütterliche CG allein den Testosteroneanstieg in ausreichendem Maß induzieren, wie sich aus Experimenten mit mutiertem und biologisch inaktivem LH ableiten lässt. Trotz dessen Unwirksamkeit verlief die sexuelle Differenzierung normal. Fällt hingegen der LHCG-Rezeptor (LHCGR, 2.2.4.3) durch inaktivierende Mutationen aus oder ist in seiner Bindungsaffinität vermindert, entstehen verschiedene Phänotypen, die mit Störungen der Sexualentwicklung einhergehen, bis hin zur vollständigen Androgenresistenz mit einem weiblichen Phänotyp der äußeren Genitalien (Troppmann et al. 2013).
In den ersten Lebensjahren sind die Serumspiegel der Gonadotropine sehr niedrig; die pulsatile Sekretion der Gonadotropine setzt erst in der Pubertät ein. Die Pulsatilität der Gonadotropinfreisetzung tritt erstmalig während des nächtlichen Schlafes auf. Vor der Pubertät sind die Gonadotropinwerte niedrig und die Sekretion von GnRH ist nicht nachweisbar, obwohl geringe Mengen von Steroiden in den Gonaden produziert werden. Es ist anzunehmen, dass durch den negativen Feedback-Regulationsmechanismus der gonadalen Steroide der Hypothalamus supprimiert wird und damit die GnRH-Sekretion ausbleibt. Darüber hinaus spielen aber auch Faktoren wie körperliche Reife und Ernährungszustand – vermittelt wohl durch die Leptinspiegel – sowie zentralnervöse Steuerung eine Rolle.
Die Regulation der Genexpression der Gonadotropine durch Steroide ist komplex und wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Steroide wirken hauptsächlich im Hypothalamus über das Kisspeptin/GPR54-System, wo sie die Freisetzung von GnRH unterbinden. Die Effekte an der Hypophyse sind noch nicht vollständig aufgeklärt, doch sind wohl Estrogene an der Hemmung von GnRH-Freisetzung und Gonadotropinsynthese beteiligt.
An der Regulation der FSH-Sekretion sind weitere Faktoren beteiligt. Das Glykoprotein Inhibin-B spielt in der Feedback-Kontrolle der FSH-Sekretion ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Serumwerte des physiologisch relevanten Inhibin-B sind mit FSH-Werten, Hodenvolumen und Spermienkonzentration invers korreliert. Eine intakte Spermatogenese und funktionelle Sertoli-Zellen sind entscheidende Faktoren in der Regulation der Inhibin-B-Sekretion (Iliadou et al. 2015).

Wirkungsmechanismus der Gonadotropine

Die Wirkung von LH und FSH wird über spezifische Rezeptoren vermittelt. Wie der GnRH-Rezeptor gehören auch die Rezeptoren für LH und FSH zur Familie der G-Protein gekoppelten Rezeptoren. Ein besonderes Charakteristikum der Glykoproteinhormon-Rezeptoren ist die große extrazelluläre Domäne, die an der Hormonbindung beteiligt ist (Simoni et al. 1997, Abb. 11).
Die Gene für den LH- und FSH-Rezeptor befinden sich auf Chromosom 2 und bestehen aus 11 Exons für den LH-Rezeptor und 10 Exons für den FSH-Rezeptor. Das letzte Exon kodiert jeweils für die transmembrane und die intrazelluläre Domäne. Die extrazelluläre Domäne enthält eine hochaffine Hormonbindungsstelle und besteht aus vielen Leucin-reichen Regionen. Der Promotor der beiden Gene hat verschiedene Transkriptionsstartstellen und weist keine klassischen Bindungsstellen für Transkriptionsfaktoren auf. Da der LH-Rezeptor auch mit CG interagiert, findet sich in der neueren Literatur zunehmend häufig die Bezeichnung LH/CG-Rezeptor (LHCGR). Abweichend vom klassischen Rezeptor tritt in Primaten und Menschen eine Variante auf, in der ein kryptisches Exon mit der Bezeichnung Exon 6A vorliegt. Dieses Exon kann in seltenen Fällen zu einer LH-Resistenz führen (Troppmann et al. 2013). Ein Kennzeichen der Gonadotropinrezeptoren ist das Auftreten von Isoformen, die durch alternatives Spleißen des Primärtranskriptes entstehen, wobei allerdings unklar ist, ob diese RNA-Isoformen in Proteine mit biologischer Funktion translatiert werden. Außerdem sind Allelvarianten mit unterschiedlichen biologischen Aktivitäten bekannt. Für beide Gonadotropinrezeptoren sind aktivierende und inaktivierende Mutationen beschrieben (Piersma et al. 2007).
Die Bindungsspezifität der Gonadotropinrezeptoren wird durch die allgemein vorliegende α-Untereinheit und die hormonspezifische β-Untereinheit vermittelt. Nach Bindung des Liganden an den Rezeptor bildet sich ein Dimer, der FSH-FSH-Rezeptor-Komplex, der für Signaltransduktion entscheidend ist. Daraus resultiert eine Konformationsänderung mit Aktivierung eines G-Proteins. Die Signaltransduktion erfolgt über die Synthese von zyklischem Adenosin-Monophosphat (cAMP) und die Aktivierung der Proteinkinase A. Hierdurch kommt es zu einer Aktivierung von Proteinen durch Phosphorylierung. Der Signaltransduktionsweg für die Gonadotropine führt primär über cAMP und über intrazelluläres Kalzium. Diese Aktivierung des Kalzium-Signaltransduktionsweges scheint abhängig von der Gonadotropinkonzentration zu sein (Casarini und Crepieux 2019; Casarini et al. 2020).

Endokriner Regelkreis und relative Bedeutung von LH und FSH für die Spermatogenese

Die beiden Funktionen des Hodens, Androgenproduktion und Gametenbildung, werden generell über einen negativen Rückkopplungsmechanismus von Hypothalamus und Hyphophyse reguliert, wobei dieses System spezies-spezifisch moduliert sein kann. Testosteron wirkt hemmend auf die Ausschüttung von LH und FSH. Für das FSH existiert darüber hinaus noch ein weiterer Regulator, das Proteohormon Inhibin. Inhibin B zeigt beim Mann eine ausgeprägte inverse Korrelation zu den FSH-Konzentrationen und ist in Verbindung mit FSH ein Indikator der Spermatogeneseaktivität (Schlatt et al. 2016).
Bei der Interpretation von Hormonwirkungen auf die Spermatogenese müssen folgende Begriffe unterschieden werden:
  • Initiierung: hormonelle Induktion der erstmalig vollständig ablaufenden Gametogenese in der Pubertät
  • Erhaltung: Hormonbedarf der intakten Spermatogenese des Erwachsenen
  • Reinitiierung: Hormonbedarf für die Restimulierung der Gametogenese nach erfolgter Unterbrechung
  • qualitativ normale Spermatogenese: Alle Keimzellen vorhanden, jedoch u. U. in verminderter Anzahl
  • quantitativ normale Spermatogenese: Alle Keimzellen in normaler Zahl vorhanden
Die relative Bedeutung des Testosterons/LH und des FSH für die Initiierung, Erhaltung und Reinitiierung der qualitativ und quantitativ normalen Spermatogenese ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen (Abb. 12). Es wird allgemein angenommen, dass sowohl Testosteron/LH als auch FSH die Initiierung, Erhaltung und Reinitiierung einer qualitativ normalen Spermatogenese induzieren können (Schlatt et al. 2016). Für quantitative Effekte auf die Spermatogenese ist unter physiologischen Bedingungen die Wirkung beider Hormonsysteme notwendig (Schlatt und Ehmcke 2014).
Abb. 12
Steuerung der Spermatogenese durch Testosteron und FSH. A-pale Spermatogonien sind der Ausgangspunkt der Keimzellreifung. Die Entwicklungsrichtung ist mit Pfeilen markiert. A-dark Spermatogonien sind die testikulären Stammzellen. Testosteron und FSH erhöhen die Anzahl der A-pale Spermatogonien – dies führt zu einer Stimulation der nachfolgenden Keimzellenentwicklung. Diese positive Wirkung dieser Hormone resultiert aus einer Stimulation der Zellproliferation und einer Hemmung des programmierten Zelltods (Apoptose). Der Vorgang der Meiose wird nicht durch Hormone gesteuert. Die Rolle von Testosteron und FSH bei der Spermiogenese ist nicht eindeutig geklärt. Die Spermiation ist hormonabhängig wobei allerdings die relative Bedeutung der Hormonaktivitäten noch unklar ist. Ad = A-dark Spermatogonien, Ap = A-pale Spermatogonien, B = B Spermatogonien, Pl = präleptotäne Spermatozyten, L = leptotäne Spermatozyten, EP = frühe pachytäne Spermatozyten, MP = mittlere pachytäne Spermatozyten, LP = späte pachytäne Spermatozyten, II = 2. Meiotische Teilung, RB = Residualkörper, Sa1–Sd2 = Spermatidenreifungsstadien
Dass die hormonellen Wechselwirkungen entlang der reproduktiven Achse mit großer Empfindlichkeit reguliert werden, lässt sich anhand zahlreicher präklinischer Studien in nicht-humanen Primaten sowie kontrollierter klinischer Studien und verschiedener Fallberichte umfangreich illustrieren. So finden sich Foci zum Beispiel vollständiger Spermatogenese gelegentlich schon im Kindesalter in der unmittelbaren Umgebung von Testosteron-produzierenden Leydig-Zell-Tumoren und bei Patienten mit aktivierenden Mutationen des LH-Rezeptors; hohe lokale Testosteronkonzentrationen oder eine erhöhte Sensitivität gegen die Androgenwirkung können so die Spermienbildung induzieren (Abb. 11). Im Umkehrschluss kann bei Patienten mit unvollständiger Spermatogenese versucht werden ausreichend hohe intratestikuläre Testosteronkonzentrationen zu erzeugen, um Abhilfe zu schaffen. Eine exogene Verabreichung solcher Testosteron-Dosen ist jedoch nicht ratsam, da diese den Feedback-Mechanismus dahingehend verschiebt, dass sich die intratestikulären Konzentrationen verringern würden. Deshalb werden therapeutisch bei hypogonadotropem Hypogonadismus die Hodenfunktionen mit hCG und FSH stimuliert. Das als LH Surrogat verwendete hCG hat eine höhere Aktivität am LHCGR und erreicht damit eine hohe intratestikuläre Testosteronproduktion, die zusammen mit FSH die Spermatogenese stimuliert.
Patienten mit defekter FSH-β-Untereinheit und Azoospermie sind ebenfalls beschrieben worden (Lindstedt et al. 1998; Phillip et al. 1998). Diese Daten lassen vermuten, dass normalerweise FSH für die Initiierung der Spermatogenese notwendig ist. Da Patienten mit einem selektiven LH-Mangel (Pasqualini-Syndrom) eine qualitativ normale Spermatogenese haben, spricht dies dafür, dass FSH auch die komplette Spermatogenese initiieren kann. Die exogene Gabe hoher Testosteronmengen und die gleichzeitige Behandlung mit Gestagenen führt zu einer Hemmung der Gonadotropinfreisetzung und nachfolgend zu einem Abfall der Spermienkonzentrationen im Ejakulat. Für eine vollständige Suppression der Spermienprodution ist bei Primaten eine vollständige Hemmung der FSH-Sekretion notwendig (Weinbauer et al. 2001). Selbst bei vollständiger Suppression der LH-Bioaktivität führte eine kurze Episode der FSH-Ausschüttung zu einer teilweisen Erholung der Spermatogenese (Weinbauer et al. 2001).
Auch bei experimentell supprimierter Gonadotropinsekretion können also sowohl FSH als auch LH die Spermatogenese zumindest qualitativ aufrechterhalten (Matthiesson et al. 2006). Dies ist von Bedeutung für die hormonelle männliche Kontrazeption, bei der beide Hormone supprimiert werden müssen. Obwohl sowohl LH als auch FSH für sich das Potential haben, die Spermatogenese zu stimulieren, ist dies bei Patienten unter Therapie mit hCG nicht immer der Fall. Die Kombination mit FSH kann jedoch zu einer Reinitiierung der Spermatogenese führen (Bouloux et al. 2003).
Das Zusammenspiel von LH und FSH im Zusammenhang mit der Spermatogenese ist spezies-spezifisch unterschiedlich. In einigen Spezies, wie dem Djungarischen Hamster, ist FSH das Schlüsselhormon für die Spermatogenese, während Testosteron/LH für die Stimulation der androgenabhängigen Hormone und das Sexualverhalten notwendig sind. Im Gegensatz dazu sind bei Primaten LH und FSH für die Spermatogenese notwendig. In Marmosetten spielt allerdings das Testosteron für die Erhaltung der Spermatogenese verglichen mit Altweltaffen und Menschenaffen eine untergeordnete Rolle, hier ist die Gonadotropinwirkung entscheidend. Die biologische Relevanz dieser dualen Steuerung der Spermatogenese ist noch nicht abschließend geklärt (Wistuba et al. 2013; Schlatt und Ehmcke 2014):
Für alle praktischen klinischen Belange kann davon ausgegangen werden, dass für die Initiierung, Erhaltung und auch die Reinitiierung der normalen Spermatogenese der Synergismus von LH/Testosteron und FSH erforderlich ist.

Lokale Regulation der Hodenfunktion

Die Komplexität der Zelltypen und der Hodenarchitektur erfordert eine Vielzahl lokaler Steuerungsmechanismen und Interaktionen. Lokale Regulationsvorgänge können in mehrere Kategorien unterteilt werden: Der Terminus parakrin“ bezeichnete die Kommunikation und Interaktion zwischen benachbarten Zellen (überwiegend durch Diffusion) und wird zwischen den verschiedenen Kompartimenten des Hodens eingesetzt. „Autokrin“ umfasst jene Faktoren, die nach Freisetzung aus der Zelle wieder auf diese rückwirken. Intrakrin“ bezieht sich auf Faktoren und Substanzen, deren Produktion und Wirkort in ein und derselben Zelle liegen und die diese Zelle nicht verlassen.
Endokrine Mechanismen haben sicherlich Priorität bei der Regulation der Hodenfunktion. Vermutlich liegt die Bedeutung der lokal produzierten Faktoren darin, dass sie die Wirkung endokriner Faktoren modulieren, Hormonwirkungen vermitteln und der interzellulären Kommunikation dienen. Unter diesem Gesichtspunkt stehen sowohl die Gametogenese als auch die endokrine Funktion der Hoden auch unter lokaler Kontrolle. Dafür spricht zum Beispiel die Beobachtung, dass der Androgenrezeptor im menschlichen Hoden in den verschiedenen Spermatogenesestadien unterschiedlich exprimiert wird (Suarez-Quian et al. 1999).
Die Ansicht, dass die Sertoli-Zellen allein die Differenzierung der Keimzellen koordinieren und regulieren, ist der Erkenntnis gewichen, dass diese Vorgänge vielmehr ein Wechselspiel zwischen Keimzellen und Sertoli-Zellen darstellen, etwa bei der Einnischung ins Epithel und mitotischen und meiotischen Prozessen. Diese Annahme ist plausibel, da auch die Spermatogonien untereinander in Konkurrenz stehen und eine Beeinflussung der Sertoli-Zellen über bestimmte Faktoren (wie etwa das CXC-System und Wachstumsfaktoren (s. u.)) diese Vorgänge reguliert, die abhängig vom Differenzierungsgrad unterschiedliche Unterstützung der Sertoli-Zellen benötigen (Griswold 2018).
Unter den lokalen testikulären Faktoren, die in dieses Wechselspiel involviert sind befinden sich Wachstumsfaktoren (z. B. Fibroblast Growth Factor (FGF2)), Stammzellfaktoren, immunologische Faktoren, Opioide, Oxytozin und Vasopressin, Peritubular-cell-modifying-substance, Renin und Angiotensin, GHRH, CRH, ACTH, GnRH, Calmodulin, Caeruloplasmin, Transportproteine, Glykoproteine, Plasminogen Aktivator, Dynorphin, PACAP und Metalloproteasen. Es ist zudem davon auszugehen, dass weitere, noch nicht identifizierte Moleküle existieren, die die Kommunikation zwischen dem interstitiellen und dem tubulären Kompartiment, zwischen den Sertoli-Zellen und Keimzellen und auch zwischen den Keimzellen selbst vermitteln.

Steroidhormone

Unter den Sekretionsprodukten des Hodens, wie 5α-Dihydrotestosteron (DHT), Androsterone, Androstenedione, 17-Hydroxyprogesteron, Progesteron und Pregnenolon, ist Testosteron das Wichtigste. Die Bedeutung von Androsteron, 17-Hydroxyprogesteron und Progesteron für die Spermatogenese ist nicht vollständig geklärt. Progesteronrezeptoren wurden jedoch in peritubulären Zellen und auf Spermien nachgewiesen (Luetjens et al. 2006; Modi et al. 2007). Interessanterweise reagiert der Kalzium-Ionenkanal CatSper, der eine zentrale Rolle bei den Fertilisierungsprozessen spielt, auf die Progesteronkonzentrationen im weiblichen Trakt. Zumindest die Expression von Progesteronrezeptoren in Keimzellen wäre so plausibel zu erklären (Strünker et al. 2011).
Das Steroidhormon Testosteron hat neben seiner klassischen endokrinen Funktion auch Bedeutung als lokaler Regulator der Spermatogenese. Testosteron wird im Interstitium des Hodens in den Leydig-Zellen produziert und wirkt unmittelbar auf die Samenkanälchen. Diese lokale Wirkung des Testosterons ist nach Lehrmeinung unabdingbar für eine vollständig funktionierende Spermatogenese. Exogene Gaben von Testosteron, die den Serumspiegel erhöhen und so zur Unterdrückung der Gonadotropine führen, senken den intratestikulären Testosteronspiegel und arretieren die Keimzelldifferenzierung – aufgrund der lokalen Testosteronsenkung. Allerdings zeigen Studien an transgenen Mäusen, in denen der LH-Rezeptor ausgeschaltet wurde, dass auch exogene Testosterongaben die Spermatogenese antreiben können, selbst, wenn die normalen intratestikulären Werte nicht erreicht werden. Daraus wurde die Hypothese abgeleitet, dass möglicherweise hohe intratestikuläre Testosteronkonzentrationen nicht immer unbedingt notwendig sind. Da es sich hier aber um rein tierexperimentelle Studien handelt, sollte festgehalten werden, dass weitere Forschung notwendig sein wird, um diese Mechanismen weiter aufzuklären (Shiraishi und Matsuyama 2017; Huhtaniemi 2018). Dass die Situation beim Mann anders gelagert ist, dafür spricht die Tatsache, dass Bodybuilder, die höchste Dosen von Testosteron konsumieren, eine Azoospermie entwickeln (siehe Kap. „Missbrauch von Anabolen Androgenen Steroiden (AAS)“).
Obwohl außer Frage steht, dass Testosteron ein essentieller Regulator der Spermatogenese ist, besteht kein unmittelbarer quantitativer Zusammenhang zwischen dem Umfang der Keimzellproduktion und dem intratestikulären Testosteronspiegel.
Beim Mann liegen die testikulären Testosteronkonzentrationen etwa 200-fach über denen für die Bindungsproteine SHBG und ABP und verglichen mit den Serumspiegeln sind die testikulären Konzentrationen etwa 150-fach erhöht (Shiraishi und Matsuyama 2017). Im Gewebe wird Testosteron durch die 5α-Reduktase zu DHT und durch Aromataseaktivität zu Estradiol verstoffwechselt. Inwieweit diese Metabolite für die Spermatogenese wichtig sind, ist nicht eindeutig geklärt. Behandlungen mit 5α-Reduktase-Hemmern (Finasterid/Dutasterid) hatten entweder keinen Einfluss auf die Spermatogenese oder führten nur zu leichter Abnahme der Spermienzahlen (Kinniburgh et al. 2001; Overstreet et al. 1999; Amory et al. 2007).
Für Estradiol wird aus Experimenten an transgenen Mäusen eine Rolle beim extratestikulären Flüssigkeitstransport vermutet. Aromatase-Aktivität und Estrogen β-Rezeptoren wurden an Sertoli-Zellen und Keimzellen beim Mann identifiziert. Die lokalen testikulären Estrogenkonzentrationen können teilweise höher sein als die im weiblichen Serum. Obwohl nach wie vor viele mechanistische Details ungeklärt sind, sind in jüngerer Vergangenheit zahlreiche hodenphysiologische Prozesse in einen Zusammenhang mit direkter und indirekter Estrogenwirkung gestellt worden. Estradiol beeinflusst unter anderem die Proliferation von Gonozyten, Spermatogonien, Leydig- und Sertoli-Zellen, die Apoptose von Spermatozyten, Spermatiden und Sertoli-Zellen, den Androgen-Stoffwechsel und die Spermiation (Dostalova et al. 2017).
Außer der Wirkung auf die Keimzelldifferenzierung hat Testosteron noch weitere physiologische Funktionen innerhalb des Hodens. Es induziert in den peritubulären Zellen, die den Androgenrezeptor exprimieren, die Bildung von glattem Muskelfaseraktin während der präpubertären Hodenentwicklung. Dieser Testosteroneffekt wird durch FSH signifikant verstärkt, muss also von den Sertoli-Zellen lokal beeinflusst sein, da nur diese Rezeptoren für FSH zeigen (Mäkelä et al. 2019).
Testosteron vermittelt in den Hoden sowohl endokrine als auch lokale Effekte (parakrin und autokrin).

Insulin-like Faktor 3

Insulin-Like Factor 3 (INSL3) ist ein Relaxin-ähnliches Proteohormon, das in den Leydig-Zellen produziert wird (Sansone et al. 2019). Die Promotorregion des Gens weist Bindungstellen für steroidabhängige Modulatoren auf, so dass anzunehmen ist, dass Testosteron und Estrogene in die Regulation von INSL3 eingebunden sind. INSL3 wirkt über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor (RXFP2), der in Leydig-Zellen und Keimzellen exprimiert wird (Anand-Ivell et al. 2006). INSL3 ist auch am Decensus testis beteiligt und die Zellen des Gubernaculums exprimieren den RXFP2 Rezeptor. Als lokaler Regulator der Differenzierung der Leydig-Zellen markiert die Anwesenheit von INSL3 den Beginn der Pubertät. Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse zwar ist nicht direkt in die Regulation von INSL3 eingebunden, doch ist anzumerken, dass ein LH Stimulus notwendig ist, um die Bildung nennenswerter Mengen von INSL3 anzuregen, das postpubertär konstitutiv gebildet wird. Mutationen von INSL3 und seinem Rezeptor RXFP2 provozieren Kryptorchismus, sind aber nur für einen sehr geringen Anteil dieser Pathologien verantwortlich. Da die Rezeptoren für INSL3 auch auf meiotischen und postmeiotischen Keimzellen gefunden wurden, ist eine Rolle bei der Keimzellreifung wahrscheinlich, auch wenn die genauen Mechanismen noch nicht aufgeklärt sind (Sansone et al. 2019).

Wachstumsfaktoren

Wachstumsfaktoren binden an membranständige Rezeptoren und induzieren über Signaltransduktion zellspezifische Differenzierungsvorgänge. An der lokalen Regulation der Spermatogenese sind insbesondere Transforming Growth Factor-α und -β (TGF-α und -β), Inhibin und Aktivin, Nerve Growth Factor (NGF), Insulin-like Growth-Factor-I (IGF-I), Fibroblast-Growth-Factor (FGF), Epidermal Growth Factor (EGF) beteiligt. Inhibin und Aktivin finden sich bei Primaten in Sertoli-und Leydig-Zellen. Inhibine und Aktivine sind strukturverwandte Proteine, wobei Inhibin als Heterodimer aus einer α-Untereinheit und einer βA – oder βB-Untereinheit gebildet wird. Aktivine sind Homodimere (ββA und B). Aktivine stimulieren, Inhibine hingegen unterdrücken die Spermatogonienproliferation. Klinisch ist Inhibin B besonders interessant, da die Serumspiegel gut mit Hodengröße und Spermatogenesestatus korrelieren. Dieser Wachstumsfaktor kann als endokriner Indikator von Spermatogenesestörungen herangezogen werden (Iliadou et al. 2015).
Aus in vitro Studien lässt sich ableiten, dass die lokale Wirkung von Inhibin und Aktivin in einer Modulation der steroidogenen Aktivität der Leydig-Zellen liegt. Aktivin A induziert spezies-spezifisch entweder als Stimulator oder Repressor die Testosteronproduktion in Leydig-Zellen. IGF-I und TGF-α wirken in den Hoden generell stimulierend während TGF-ß hemmende Wirkungen zeigt. In Ratten wird die Entwicklung der Leydig-Zellen durch ein Wechselspiel zwischen TGF-α und TGF-β gesteuert. Die steroidogene Aktivität humaner Leydig-Zellen wird auch durch IGF stimuliert. Dieser Wachstumsfaktor beeinflusst die humane Spermatogenese direkt: die testikulären IGF-I Konzentrationen sind positiv mit der Anzahl der pachytänen Spermatozyten korreliert, in denen er am stärksten exprimiert wird und die DNA-Synthese der mitotischen Keimzellen stimuliert. NGF, der in peritubulären Zellen lokalisiert wurde, spielt offenbar eine wichtige Rolle in der strukturellen Organisation der menschlichen Samenkanälchen, da diese sich nur in seiner Gegenwart kultivieren lassen. Für FGF werden mitotische Wirkungen und Effekte auf die Sertoli-Zell-Keimzell-Interaktion vermutet.

Faktoren des Immunsystems

Die Blut-Hoden-Schranke und immunkompetente Zellen (Makrophagen) sorgen dafür, dass die Keimzellen vom Immunsystem nicht als körperfremd erkannt werden (siehe Kap. „Immunologisch bedingte Infertilität“). Es gibt Evidenz, dass Faktoren des Immunsystems an der Steuerung der Steroidogenese und Gametogenese beteiligt sind und eine Rolle bei Hodenfunktionsstörungen spielen (Albrecht et al. 2005; Fijak und Meinhardt 2006; Hedger 2002). Diese Faktoren umfassen sekretorische Produkte der Leukozyten, Makrophagen und Mastzellen.
Beispielhaft seien Zytokine (z. B. Interferon, Tumor-Necrosis-Factor [TNF], Interleukine, Leukemia-Inhibiting-Factor [LIF], Stem-Cell-Factor [SCF], Macrophage-Migration-Inhibitory-Factor [MIF]) genannt, die an membranständige Rezeptoren binden und in den Zielzellen proliferative und differenzierende Reaktionen bewirken (Hedger und Meinhardt 2003). TNF und LIF spielen eine Rolle bei der Sertoli-Zell-Keimzell-Interaktion und der autokrinen Kontrolle der Sertoli-Zell-Proliferation. MIF wird spezifisch von den Leydig-Zellen produziert. Werden die Leydig-Zellen experimentell eliminiert, findet sich Expression auch in Sertoli-Zellen, geringradig differenzierten Keimzellen und peritubulären Zellen; d. h. im Hoden existieren kompensatorische Mechanismen um die Zytokinproduktion zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu sind der SCF und dessen Rezeptor (c-kit) für die Besiedlung des Hodens durch die Keimzellen und deren Einnischung ins Epithel während der Individualentwicklung essentiell. Die Sertoli-Zellen synthetisieren und sezernieren SCF, der Rezeptor wird an Spermatogonien exprimiert. Damit ist das SCF/c-kit-System beispielhaft für die Relevanz lokaler Interaktionen innerhalb des Keimepithels.

Deszensus Testis

Lageanomalien der Hoden gehören mit einer Inzidenz von 1,8–8,4 % zum Zeitpunkt der Geburt zu den häufigsten kongenitalen Abnormalitäten und sind mit Spermatogenesestörungen sowie mit einem erhöhten Risiko für Hodentumoren assoziiert (Rodprasert et al. 2020, Abb. 13).
Abb. 13
Deszenzus testis. Zunächst liegt der Hoden (H) nahe an der Niere (N) angelagert und ist am kranialen Ende mit dem langausgestreckten Gubernaculum (G) verbunden (rechtes Bild). Während der Absenkungsphase in der 8.–17. Schwangerschaftswoche zieht sich das Gubernaculum (G) zusammen und zieht die Hoden mit in die Beckenhöhle herunter (rechtes Bild). Harnblase (B), Wolff’scher Gang (W)
Der Deszenus der männlichen Gonaden wird in zwei Phasen unterteilt, die Androgen-unabhängige und die Androgen-induzierte Phase. Zunächst senkt sich der Hoden von der Nähe der Urniere in die Beckenhöhle durch das Anschwellen und Verkürzen des Gubernaculums (transabdominale Phase des Deszensus). Dieses wird vom Nervus genitofemoralis gesteuert. Dabei verformt sich das Gubernaculum kegelartig die Gonade hinter sich herziehend und exkretiert extrazelleluläre Matrix, reich an Glykosaminglykanen und Hyaluronsäure. Im weiteren Wachstum des Fötus werden die sich entwickelnden Hodens in das Skrotum verlagert (inguino-skrotale Phase des Deszensus), induziert durch Androgene (Rodprasert et al. 2020). Das Auswachsen des Gubernaculums und die Durchdringung des Inguinal-Kanals geschehen zwischen der 26. und 35. Schwangerschaftswoche. Das Gubernaculum degeneriert zum Teil und wird zum skrotalen Ligament. Die Verkleinerung des Gubernaculums sowie der intraabdominale Druck tragen zur Verlagerung der Hoden bei. Bei der Geburt erreichen die Testes den Boden des Skrotums und bei 97 % der Jungen ist der Deszensus testis 12 Wochen danach abgeschlossen (Abb. 13).
Die physiologischen und endokrinologischen Mechanismen des Deszensus involvieren unter anderem Androgene und Calcitonin-ähnliches Peptid sowie epidermale und fibroblastäre Wachstumsfaktoren (Nightingale et al. 2008; Rodprasert et al. 2020). Weiterhin sind Hoxa-10 und INSL3 an dieser Regulation beteiligt, da sich – im Falle der experimentellen Ausschaltung dieser Faktoren – die Hoden nicht aus der Beckenhöhle heraus verlagern können. INSL3 wird unter androgener Induktion von Leydig-Zellen produziert und stimuliert das Wachstum des Gubernaculums (Sansone et al. 2019; Rodprasert et al. 2020), welches den INSL3 Rezeptor RXFP2 exprimiert und so normalerweise den Hoden „hinter sich herzieht“. In Hoxa-10 knockout Mäusen senken sich die Hoden zwar ab, erreichen aber das Skrotum nicht, so dass dieses Genprodukt offenbar spätere Prozesse reguliert, die erst nach der INSL3 indizierten Absenkung greifen. Endokrine Disruptoren wie Xeno- oder Phytoestrogene stehen im Verdacht, die Expression von INSL3 zu senken und so den Hodendeszensus zu stören (Fenichel et al. 2019).

Vaskularisierung, Temperaturregulation und Spermatogenese

Die Gefäßversorgung des Hodens erfüllt zwei Aufgaben: Den An- und Abtransport von endokrinen Faktoren und die Regulation der testikulären Temperatur. Die arterielle Versorgung des Hodenparenchyms folgt der lobulären Anordnung der Samenkanälchen. Jeder Lobulus wird von einer Arterie versorgt, von der in Abständen von etwa 300 μm segmentale Arterien abgehen und Teilbereiche der Lobuli mit Blut versorgen (Ergün et al. 1994a, b). Die segmentalen Arterien enden in Kapillargefäßen, die sich zwischen den Leydig-Zellen verzweigen und letztendlich in das venöse System einmünden.
Beim erwachsenen Mann liegt die Hodentemperatur um 3–4 °C unter der Körperkerntemperatur und um 1,5–2,5 °C unter der Temperatur der Skrotalhaut. Dem Hoden stehen zwei thermoregulatorische Systeme für die Aufrechterhaltung der physiologisch niedrigen Temperaturen zur Verfügung. Die Skrotalhaut ist sehr dünn, ohne subkutanes Fettgewebe und besitzt eine große Oberfläche, so dass über sie Wärme nach außen gut abgegeben werden kann.
Das zweite regulatorische System liegt im Samenstrang und wird als Plexus pampiniformis bezeichnet. Hier ist die stark gewundene Hodenarterie von mehreren abführenden Venen umgeben und das ankommende arterielle Blut wird nach dem Gegenstromprinzip gekühlt. Beide Kühlungssysteme stehen im Zusammenhang mit der notwendigen Herunterregulierung der Hodentemperatur, die wärmeinduzierte Spermatogenesestörungen verhindert, wie sie etwa im kryptorchen Hoden im Zusammenhang mit dem erhöhten Risiko für Keimzelltumore auftreten. Im Falle von zu niedrigen Außentemperaturen kann sich das Skrotum sehr effektiv zusammenziehen und der Hoden mit Hilfe des Musculus cremaster in die Bauchhöhle zurückgezogen werden. Bei manchen Säugetieren, z. B. bei Walen, Robben und Elefanten, sind innen liegende Hoden vorhanden (was darauf hinweist, dass die modernen Elefanten wasserlebende Vorfahren hatten (West 2001)). Hier gibt es Hinweise, dass ein weiteres System zur Kühlung der Hoden durch Aufbau und Abschmelzen von Körperfett existiert, allerdings ist die Evidenz noch unvollständig.
Bei der Varikozele, einer varikösen Störung im venösen Abfluss, findet sich eine Erhöhung der Skrotaltemperatur (Hassanin et al. 2018). Die Prävalenz klinisch relevanter Fälle in verschiedenen männlichen Populationen kann zwischen 5 und 20 % liegen und von diesen Patienten haben viele primäre oder sekundäre Infertilität und verminderte Spermienqualität (Zavattaro et al. 2018). Der venöse Abfluss sowie die damit einhergehende Temperaturerhöhung (Hyperthermie) tragen zu Spermatogenesestörungen bei. Bei einer induzierten Hodentemperaturerhöhung kann man die Spermienproduktion reversibel blockieren (Jung und Schuppe 2007). Allerdings müssen dabei deutliche Temperaturerhöhungen erreicht werden. Die Erwärmung des Skrotums um 0,8–1 °C bei gesunden Freiwilligen über einen Zeitraum von 52 Wochen zeigte keine negativen Auswirkungen auf Zahl und Qualität der Samenfäden im Ejakulat (Wang et al. 1997).
Eine solche nachhaltige Wärmetherapie aktiviert mitogen-aktivierte Proteinkinasen (MAPK13 und MAPK14). Die Aktivierung dieser Kinasen ist in Hodenlysaten begleitet von einem Anstieg des B-Zell Leukemia/Lymphom (BCL) 2 Proteins in den zytosolischen sowie den mitochondrialen Kompartimenten. Dieses Protein ist an der Regulierung anderer Zellproteine, die an der Zellapoptose, unter anderem auch in männlichen Keimzellen, beteiligt (Jia et al. 2007). Unter Einfluss von Wärme kann BCL2 durch eine Phosphorylierung eines Serinrestes inaktiviert werden. Dadurch wird die Balance zwischen apoptotischen und anti-apoptotischen Vorgängen in den Keimzellen gestört.

Testikuläre Androgene

Androgene sind für die Ausbildung des männlichen Phänotyps essentiell. Bildung und Funktion der Gonaden und der sekundären Geschlechtsmerkmale, die Formung des Muskel-Skelett-Apparates, die Libido, und die Stimulation der Spermatogenese sind von einer regulären Konzentration von Androgenen abhängig. Die physiologische Wirkung von Androgenen hängt von verschiedenen Faktoren ab: Der Anzahl der Androgenmoleküle in der Zelle; dem Grad der Umwandlung in andere Metaboliten innerhalb der Zelle; der Wechselwirkung mit dem Androgenrezeptor, Polymorphismen des Rezeptormoleküls und der eigentlichen Rezeptoraktivierung (Palazzolo et al. 2008). Die Konzentration der Androgene im Organismus wiederum ist abhängig von der Syntheserate, die in einem ausgeglichenen Verhältnis zur metabolischen Ausscheidungsrate und der Exkretion von Androgenen stehen muss.
Androgene können ihre steroide Wirkung sowohl über einen genomischen als auch einen nicht-genomischen Weg zeigen, wobei deren Effekte in Teilen überlappend auftreten können (Lorigo et al. 2020). Genomische Effekte der Androgene setzen in der Regel erst nach Stunden ein, während nicht-genomische Effekte oft schon nach Sekunden oder Minuten wirken. Diese Wirkungsweise lässt sich nicht mit üblichen Transkriptions- oder Translationinhibitoren aufheben, da sie vermutlich über die Interaktion mit membranständigen Faktoren vermittelt wird. Trotzdem modulieren Androgene über diesen schnellen Weg die Transkriptionsaktivität des Androgenrezeptors (AR) und anderer Faktoren, was zu überlappenden Effekten führt (Lorigo et al. 2020).
Beim Mann ist im Serum Testosteron das wichtigste Androgen. Mehr als 95 % der sezernierten Androgene stammen aus dem Hoden, der ungefähr 6–7 mg Testosteron pro Tag synthetisiert; die restlichen Androgene werden vorwiegend in der Nebenniere produziert. Serum Testosteron hat im Körper eine Lebensdauer von ca. 30 Minuten und wird zumeist in 17β-Estradiol und 5α-Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Syntheseort der testikulären Androgene ist die Leydig-Zelle. Sowohl die Synthese als auch die Sekretion unterliegen der Regulation durch hypophysäres LH und parakrine Faktoren (Lei et al. 2001; Sriraman et al. 2005).
Da die Leydig-Zellen Androgene nicht speichern können, erfolgt die Biosynthese immer de novo. Ausgangspunkt hierfür ist Cholesterin, ein Grundbaustein im Organismus, der das typische Steroid-Ring-System besitzt und in Androgene umgesetzt werden kann. In den meisten Zellen wird Cholesterin hauptsächlich für den Aufbau und Erhalt der Zellmembran benötigt (Abb. 14). In Leydig-Zellen ist es jedoch notwendig, über diesen Grundbedarf hinaus mehr Cholesterinmoleküle aufzunehmen, um aus diesen Vorläufern Steroide zu generieren. Das Cholesterin-Gleichgewicht und die Steroidogenese wird in den Leydig-Zellen durch das hypophysäre LH kontrolliert. Durch Rezeptor-vermittelte Endozytose von low-density Lipoproteinen (LDL) wird Cholesterin von der Leydig-Zelle entweder direkt aufgenommen oder aber es erfolgt eine de novo Synthese ausgehend von Acetyl-Koenzym A innerhalb der Zelle. Cholesterin wird in der Leydig-Zelle in Form von Lipidtröpfchen im Zytoplasma gespeichert. Das Hauptprodukt der Leydig-Zelle, Testosteron, reguliert seinerseits in einem Rückkopplungsmechanismus das Gleichgewicht an Lipidtröpfchen in der Leydig-Zelle. Dieser Mechanismus wirkt auch auf die Syntheserate von Cholesterin über die Kontrolle der Enzymexpression (Eacker et al. 2008). Die Anzahl der Lipidtröpfchen ist mit der Syntheseleistung der Leydig-Zelle korreliert, d. h. eine hohe Syntheseleistung führt zu einem geringeren Gehalt an Lipidtropfen und umgekehrt.
Abb. 14
A) Steroidbiosynthese in der Leydig-Zelle des Hodens. Durch eine Aktivierung der Adenylylzyklase durch LH wird die Biosynthese induziert. Ausgangsubstanz ist Cholesterin oder Azetat. Damit die verschiedenen enzymatischen Modifikationen und deren Lokalisation einfacher nachvollzogen werden können, sind die C-Atome im Cholesterin exemplarisch numeriert. Das Schlüsselprotein der Steroidbiosynthese StAR (Steroidogenic acute regulatory protein) ist an der inneren Mitochondrienmembran lokalisiert und ist für den Transport von Cholesterin verantwortlich. B) Zellaufnahme und Transport von Cholesterin in die innere mitochondriale Membran. Steroid-aktive Zellen nehmen normalerweise zirkulierendes low-density Lipoprotein (LDL) über Rezeptor-vermittelte Endozytose in Endosomen auf. Zur Aufbewahrung kann es dort über Acyl-CoA Cholesterin Transferase verestert und in Lipidtröpfchen gesammelt werden. Freies Cholesterin entweder aus dem endoplasmatischen Retikulum oder aus den Lipidtröpfchen durch eine Lipase freigesetzt, wird über das StAR-Protein durch die äußere mitochondriale Membran zur inneren Membran transportiert. Dort wird es dann durch P450scc in mehreren Schritten zu Pregnenolon katalysiert

Synthese der Androgene

Die Synthese von Androgenen erfordert die Konversion von Cholesterin zu Testosteron (Abb. 14). Fünf verschiedene enzymatische Prozessierungsschritte sind für diese Umwandlung erforderlich, in deren Verlauf die Seitenkette des Cholesterins in zwei Schritten oxidativ von 27 C-Atomen auf 19 C-Atome verkürzt wird. Hierbei wird der A-Ring des Steroids in Position 3 in eine Keto-Konfiguration überführt. Ausgangspunkt für die Überführung des Cholesterins in Testosteron ist die Seitenkettenverkürzung durch C22- und C20-Hydroxylasen gefolgt vom Aufbrechen der Kohlenstoffbrücke zwischen C20–C22, die zur Entstehung von Pregnenolon führt. Von Pregnenolon aus wird im endoplasmatischen Retikulum entweder der Δ4- oder Δ5-Syntheseweg beschritten.
Die Bezeichnung Δ4 oder Δ5 bezieht sich auf die Lokalisation der Doppelbindung der beteiligten Metaboliten. Beim Mann überwiegt der Δ5-Syntheseweg beim Aufbau des Testosterons. Im Δ4-Syntheseweg wird anschließend Pregnenolon zu Progesteron, der wichtigsten biologischen Schlüsselsubstanz, dehydriert. Der Δ4-Syntheseweg führt über die Zwischenstufe 17α-Hydroxyprogesteron. Wird die Seitenkette abgespalten, so entsteht Androsten-3,17-dion und durch weitere Reduktion am C-17 Atom, Testosteron. Im Δ5-Syntheseweg erfolgt die Synthese von Testosteron über die Zwischenstufen 17-Hydroxypregnenolon und Dehydroepiandrosteron.
Cholesterin ist von eminenter Bedeutung für die Biosynthese vieler Stoffgruppen, so neben den bereits erwähnten Steroiden auch die Oxysterine und Gallsäuren. In der Zelle wird Cholesterin verestert und im Lipidtröpfchen-Kompartiment gelagert bis der Verbrauch dieses Ausgangsmetaboliten in verschiedenen Synthesen das Gleichgewicht verschieben. Die Cholesterinester werden in der Leydig-Zelle durch die Stimulation des LH-Rezeptors hydrolysiert, um sie wieder in den Biosynthesekreislauf zu integrieren. Das dadurch entstehende Cholesterin kann nur in den Mitochondrien weiter metabolisiert werden, und muss daher zunächst über die mitochondrialen Membranen transportiert werden.
Das Steroidogenic Acute Regulatory (StAR) Protein (regulatorisches mitochondriales Protein) ist 30 kDa groß und für den Transport von Sterolen wie z. B. Cholesterin von der äußeren zur inneren Mitochondrienmembran verantwortlich. StAR mRNA Expression wird in vielen steroidogenen Geweben (z. B. in der Nebenniere oder dem Corpus luteum) unter endokriner Stimulation schnell ausgelöst. Cholesterin wird wahrscheinlich an der mitochondrialen Außenmembran unter Vermittlung von StAR aufgenommen. Dabei bildet sich eine Cholesterin-bindende Tasche durch eine Konformationsänderung (Miller 2007). Durch Phosphorylierung des StAR-Proteins wird der Rezeptor-Ligand Komplex in mit einem spannungsabhängigen Anionenkanal (voltage-dependent anion channel 1 (VDAC1)) assoziiert und zu einem kleineren phospo-StAR reduziert und kann so durch die Membranen geschleust werden. Kann das phospho-StAR seinen Partner VDAC1 nicht binden, wird es rasch von einer Cysteinprotease abgebaut (Bose et al. 2008). Die essentielle Rolle von StAR für eine normale Steroidogenese wird durch den Phänotyp bei Patienten mit einer inaktivierenden Mutation im StAR-Gen deutlich. Patienten mit solch einer Mutation leiden unter einer lebensbedrohenden kongenitalen Nebennierenhyperplasie, die dadurch provoziert wird, dass sie keine ausreichenden Mengen von Steroiden synthetisieren können.
An der inneren Membran der Mitochondrien wird das Cholesterin von Zytochrom P450 SSC (SSC = side chain cleavage) zu Pregnenolon umgesetzt. Zytochrom P450 gehört, wie andere an der Steroidbiosynthese beteiligten Enzyme, der Gruppe von Monooxygenasen an, die die prosthetische Häm Gruppe enthalten. Die Reaktionsfolge besteht aus drei sequentiellen Monooxygenierungen mit zwei Elektronen zur Aktivierung von molekularem Sauerstoff, der C22-Hydroxylierung, der C20-Hydroxylierung und einer Aufspaltung der C20–C22-Bindung. Das dabei gebildete Pregnenolon kann dann frei aus den Mitochondrien in das Zytoplasma diffundieren und anschließend im endoplasmatischem Retikulum vom Enzym Zytochrom P450 C17, das ebenfalls zur Gruppe der Monooxygenasen gehört, in Testosteron umgewandelt werden, wobei jedoch nicht alle Pregnenolonmoleküle zu Testosteron umgewandelt werden und so Intermediate auftreten können.
Neben Testosteron sekretiert der Hoden auch 5α-Dihydrotestosteron, Androsteron, Androstendion, 17-Hydroxyprogesteron, Progesteron und Pregnenenolon. Die Umwandlung von Testosteron zu DHT erfolgt in den Zielgeweben, z. B. der Prostata. Androstendion dient als Vorstufe zur extratestikulären Produktion von Estrogenen. Extratestikulär kann durch die Aromatisierung von Androstendion zu Estron und anschließender Reduktion in den peripheren Organen das bioaktive Estradiol entstehen. Im Hoden wird nur ein sehr geringer Teil des produzierten Testosterons gespeichert, der weitaus größte Teil wird ins Blut sezerniert.
Die Testosteronkonzentrationen in den testikulären Lymphgefäßen und im venösen Blut sind annähernd gleich, es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede bezüglich der Fließgeschwindigkeit der beiden Systeme. Deshalb erfolgt der Transport des Testosterons in die allgemeine Blutzirkulation zu einem großen Teil über die Vena spermatica. Androgene diffundieren durch das interstitielle Gewebe bis in die testikulären Venenkapillaren oder werden von Leydig-Zellen, die an Blutkapillaren liegen, direkt in die Venen sezerniert. Der Transportmechanismus von der Leydig-Zelle zum Blut oder zur Lymphe ist nicht vollständig bekannt. Wahrscheinlich verteilen sich lipophile Steroide innerhalb von Zellen oder kleineren Zellverbänden überwiegend durch passive Diffusion.

Transport des Testosterons im Blut

Im Plasma wird Testosteron überwiegend in gebundenem Zustand transportiert. Hierbei sind vor allem zwei Proteine von Bedeutung, das Albumin und das Sexual-Hormon-bindende-Globulin (SHBG), ein β-Globulin aus nicht-identischen Protein-Untereinheiten. Syntheseort sind der Hoden und die Leber. Plasmatisches SHBG hat ein Molekulargewicht von 95 kDa, besitzt einen hohen Anteil (30 %) an Kohlenhydraten und weist eine Androgenbindungsstelle pro Molekül auf. Im Hoden wird ein ähnliches Protein sezerniert und zunächst in Ratten und Kaninchen beschrieben, allerdings hat sich dort der Name Androgen-bindendes Protein (ABP) eingebürgert. Auch im Hoden des Mannes exprimieren Keimzellen SHBG, aber dieses ist ca. 4–5 kDa kleiner als das Plasma SHBG. Diese zweite Isoform des SHBGs zeichnet sich durch eine stark reduzierte Androgenbindungsfähigkeit aus (Selva et al. 2005). Das Plasma-SHBG. wird von Sertoli-Zellen exprimiert und hauptsächlich über die Tubuli in den Kopfteil des Nebenhodens von epithelialen Zellen aufgenommen, die androgenabhängig die Ausreifung der durchgeschleusten Spermien regulieren. Während dieser Reifung enthalten die Spermien testikuläres SHBG, das dann während der Kapazitierungsreaktion freigesetzt wird.
Im Blut liegen beim Mann normalerweise 2 % des Testosterons ungebunden vor (freies Testosteron), während 44 % an SHBG und 54 % an Albumin gebunden sind. Interessanterweise ist die Bindungsaffinität von Albumin etwa 100-fach niedriger als die von SHBG. Durch die hohe Albuminkonzentration im Plasma sind die absoluten Bindungskapazitäten für beide Proteine jedoch in etwa gleich. Das Verhältnis von SHBG-gebundenem Testosteron zu freiem SHBG ist proportional zur SHBG-Konzentration. Eine direkte Bestimmung des freien Testosterongehaltes im Serum ist schwierig und wird daher aus dem Gesamttestosteronwert kalkuliert.
Die Dissoziation des Testosterons vom Bindungsprotein erfolgt in den Kapillaren. Dort kommt es zu einer Interaktion der Bindungsproteine mit der endothelialen Glykokalyx, die zu einer Konformationsänderung der Proteine in der Hormonbindungstelle und damit zu einer Veränderung der Affinität führt. Testosteron wird daraufhin freigesetzt und kann in die Zielzelle diffundieren. SHBG hat damit eine zentrale Funktion in der Regulation des freien Testosterons. Steroide können auf verschiedenen Wegen an ihre Bestimmungsorte gelangen. Entweder direkt durch die Membran als freies Steroid oder gebunden an ein Steroidträgermolekül über einen membranständigen Rezeptor. Dabei kann der gesamte Komplex, wie beim Megalin-Protein, endozytotisch am LDL-Molekül aktiv aufgenommen oder über einen Steroidkanal in die Zelle eingeschleust werden (Hammes et al. 2005). Megalin wird in den Zielorganen der Sexualsteroide exprimiert und ist auch Mitglied der LDL-Superfamilie endozytotischer Proteine. Im Serum sind 98–99,5 % der Sexualhormone an Protein gebunden. Dabei spielt die endozytotische Stoffaufnahme für den Transport zu den Zielorganen im Vergleich zur freien Diffusion biologisch aktiver Hormone die weitaus wichtigere Rolle.
SHBG ist auch in der Lage Estradiol zu binden, daher auch die Bezeichnung „Testosteron-Estradiol Binding Globulin (TeBG)“. Diese Bindung wird allerdings durch verschiedene Isoformen des SHBG beeinflusst und Testosteron bindet ca. dreifach stärker als Estradiol. Posttranslationale Veränderungen in der Kohlenhydratzusammensetzung von SHBG können die Bindungsaffinitäten des Proteins zu Testosteron und Estradiol modulieren. Die Konzentration von SHBG im Serum unterliegt der hormonellen Regulation hauptsächlich durch gegensätzliche Wirkungen der Sexualsteroide auf Hepatozyten – Estrogene aktivieren, Androgene inhibieren. Auch andere Hormone, bspw. Schilddrüsenhormone, sind starke Aktivatoren der SHBG Produktion.
Bei Männern beträgt die SHBG Konzentration 30–50 % der weiblichen Konzentration. Im gesunden Mann mit einer intakten Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse führt ein Anstieg der SHBG-Plasmawerte zu einer kurzfristigen Verringerung des freien Testosterons bei gleichzeitiger Stimulation der Testosteronsynthese, solange, bis die Normalwerte wieder erreicht werden. Sowohl ein Anstieg als auch eine Verringerung des SHBG-Gehaltes können über diesen Regelkreislauf reguliert werden.

Extratestikulärer Metabolismus von Testosteron

Testosteron dient für zwei weitere wichtige Hormone als Prohormon: Durch 5α-Reduktion von Testosteron entsteht das biologisch hochaktive 5α-Dihydrotestosteron (DHT), durch Aromatisierung von Testosteron das Estradiol. Die stete Umsetzung von Testosteron bewirkt eine Halbwertszeit des Testosterons im Plasma von nur ca. 12 Minuten. Estrogene können synergistisch oder antagonistisch die Testosteronwirkung beeinflussen. Niedrige Konzentrationen von Estradiol bei der Frau und von Testosteron beim Mann stehen im Zusammenhang mit einer starken Zunahme des Knochenumsatzes und können offenbar die Knochendichte – bei gleichzeitiger Erhöhung von osteoporotisch bedingten Knochenfrakturen – senken (Vanderschueren et al. 2014). Darüber hinaus haben Estrogene andere spezifische Effekte. Estrogenrezeptor-inaktivierende Mutationen oder Aromatasemangel verhindern den Verschluss der Epiphysenfuge beim Knochenwachstum und können zum kontinuierlichen linearen Wachstum der Knochen und zum Riesenwuchs beitragen.
Eine synergistische Wirkung des Testosterons und des Estradiols wird an transgenen Mauslinien deutlich: In Aromatase- oder Estradiolrezeptor-knockout-Mäusen sind die Testosteronspiegel erhöht, der Estradiolgehalt hingegen erniedrigt – eine geschädigte Glukosetoleranz ist die Folge (Takeda et al. 2003). Das Fehlen von Aromatase geht auch in männlichen Patienten mit einer erhöhten Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2 und vermutlich auch mit einem (Teil-) Verlust neuroprotektiver Effekte auf das Gehirn einher. Hauptsächlich verantwortlich für die Glukoseintoleranz und die Insulinresistenz ist die Veränderung der Testosteron-Estradiol Balance, die zudem zu Gynäkomastie bei Männern führen kann.
Die Reduktion von Testosteron zu DHT durch das Enzym 5α-Reduktase findet im endoplasmatischen Retikulum statt. Beim Mann konnten zwei Isoformen der 5α-Reduktase identifiziert werden, die beide als NADP-abhängige Enzyme die Doppelbindung der vierten zur fünften Kohlenstoffringkette reduzieren und aus einem C19 Steroid ein C21 Steroid metabolisieren. Das 5α-Reduktase-Gen vom Typ 1 befindet sich auf Chromosom 5 und wird zu einem 259 Aminosäuren langen Protein translatiert, wohingegen sich das Gen für das etwas kürzere, 254 Aminosäuren lange, 5α-Reduktase Typ 2 auf Chromosom 2 befindet. Beide Isoformen weisen eine große Homologie auf, haben jedoch unterschiedliche biochemische Eigenschaften. So hat der Typ 1 sein Optimum im basischen, während das Optimum für den Typ 2 im sauren Bereich liegt. Die Verteilung dieser beiden Formen im Gewebe ist ebenfalls unterschiedlich. Typ 1 5α-Reduktase wurde in der Haut (mit Ausnahme der skrotalen Haut), der Leber und im Gehirn lokalisiert, während die Typ 2 5α-Reduktase in den klassischen Androgen-abhängigen Geweben wie Nebenhoden, Hoden, Skrotalhaut, Seminalvesikel und Prostata aktiv ist. Weiterhin ist es auch in Haarfollikeln und der Leber sowie bei der Frau in der Brust, dem Uterus und der Plazenta aktiv. Veränderungen der Aktivität der Typ II 5α-Reduktase können zum Partiellen Androgen Insensitvitäts Syndrom (PAIS) führen.
Beide Androgene, Testosteron und sein Metabolit DHT, binden intrazellulär an den gleichen genregulierenden Androgenrezeptor (AR). Die unterschiedlichen durch den AR vermittelten biologischen Wirkungsmechanismen beider Hormone sind jedoch immer noch nicht völlig verstanden. DHT hat auf zellulärer Ebene eine differenzierende und wachstumsfördernde Wirkung und ist eminent wichtig für die ungestörte männliche Geschlechtsentwicklung und Virilisierung. Es wirkt aber auch positiv auf die Muskelmasse und die tiefere Stimmlage. DHT transaktiviert den AR und bewirkt über die Expression in der Prostata und anderen Organen einen Wachstumsschub. DHT wird durch die 3α-HSD (Aldo-Keto-Reduktase (AKR) 1C2) metabolisiert, wobei 3α-Androstandiol entsteht. Diese reversible Reaktion kann in der Prostata durch das NADH-abhängige Enzym RoDH (HSD17B6) umgekehrt verlaufen und so zum Wachstum der Prostata beitragen (Penning et al. 2000). Es werden fünf verschiedene Isoformen der AKR in unterschiedlichen menschlichen Geweben exprimiert, die ihrerseits an der 3-, 17- und 20-ketosteroid Position angreifen. Allerdings wird hauptsächlich Isoform AKR1C12 mit der Reduktion von 5α-DHT zu 3α-Androstandiol angetroffen. Inaktivierte Metaboliten des DHT werden über den Urin ausgeschieden.
Einige Androgenmetaboliten werden frei ausgeschieden, andere werden vor der Exkretion in der Leber an Glukuronsäuren gekoppelt. In Dopingtests wird der potentielle Missbrauch anaboler Steroide anhand dieser ausgeschiedenen Metaboliten untersucht (Saudan et al. 2006). Eine Glukuronidase-Reaktion am C17 des DHT-Metaboliten Androstan-3α,17ß-diol wird mit einigen Risikofaktoren für den Mann in Verbindung gebracht, da das Verhältnis von diesem Metaboliten zu DHT mit der Fettverteilung assoziiert ist und daher die Bewertung hinsichtlich des Leberfettanteils, einer veränderten Lipidtröpchenzusammensetzung, von Insulinresistenz und Diabetes erlaubt (Vandenput et al. 2007).
Die eigentliche Testosteronwirkung besteht immer aus dem Zusammenspiel von Testosteron und dessen Metaboliten, Estradiol und DHT.

Wirkungsmechanismus der Androgene

An den Zielorganen dissoziieren die Testosteronmoleküle vom SHBG und diffundieren über die Membranen in die Zielzellen. Ob von Testosteron zu DHT konvertiert wird, ist organabhängig. Dies ist zum Beispiel in der Prostata der Fall, in der DHT das biologisch aktive Androgen darstellt. Hier vermitteln Hydroxysteroiddehydrogenasen in Verbindung mit dem Enzym RoDH die Bindung des Liganden DHT an den zytosolischen AR (Abb. 15). Steroidbindende Hormonrezeptoren nehmen ihren Liganden im Zytosol auf, durch eine Konfirmationsänderung der α-Helixposition. Gleichzeitig werden Chaperone freigesetzt und eine Dimerisierung des Rezeptors ermöglicht den Transport in den Kern, wo der für diese Rezeptoren charakteristische Wirkungsmechanismus einsetzt: Die Bindung an spezifische Sequenzen der genomischen DNA und induziert die Expression der Zielgene. Dieser Familie von Rezeptoren gehören auch die Mineralkortikoid-, Glucocortikoid-, Schilddrüsenhormon-, Retinoid-, sowie die Estrogen- und Progesteronrezeptoren an. Alle Rezeptoren der Familie weisen durchweg eine starke Homologie auf und stammen wahrscheinlich von einem gemeinsamen Urgen ab, das aufgrund der großen funktionalen Diversität schon sehr früh in der Evolution entstanden sein muss (Bertrand et al. 2004). Die Mitglieder dieser Rezeptorfamilie haben mehrere funktionale Untereinheiten; so besitzen sie eine N-terminale Domäne, eine DNA-bindende Domäne, eine Gelenkregion und eine hormonbindende Domäne (Abb. 16). Verglichen mit anderen nukleären Rezeptoren ist die Homologie der N-terminalen Domäne bei Steroidrezeptoren nur gering. Die Funktion dieses Bereiches besteht in der DNA-Bindung, der Transaktivierung und Transrepression des ARs (Klocker et al. 2004).
Abb. 15
Aufnahmemöglichkeiten der Zelle für Steroidhormone. A Das Steroidhormon liegt frei vor und diffundiert passiv durch die Zellmembran in die Zelle um dort an seinen Hormonrezeptor zu binden und im Kern die Genexpression zu regulieren. B Lipophiler Steroidträgerkomplexaufnahme durch einen membranständigen Rezeptor. Das Lipoprotein LDL bindet an einen Zellmembranrezeptor, wird in Lysosomen in seine Bestandteile zerlegt und das Cholesterin kann im Zytoplasma metabolisiert werden. C Rezeptor-vermittelte Endozytose des Hormon-gebundenen Trägerproteins. Der gesamte Komplex aus Hormon und plasmatischen Hormon-bindendem Protein wird von einem Zellrezeptor gebunden und über Endozytose aufgenommen. Der neue Komplex wird in der Zelle zerlegt und das Hormon kann die Genexpression im Kern zusammen mit seinem zellinternen Bindungsprotein regulieren. D Transportprotein vermittelte Aufnahme von Steroiden in die Zelle. Der Steroidträgerkomplex wird von einem Zellmembran-Rezeptor erkannt und der Steroidligand aktiv durch die Membran geschleust
Abb. 16
Die chromosomale Lokalisation des Androgenrezeptors und der Aufbau des Gens und des Proteins des Androgenrezeptors. Oben: Das Gen für den Androgenrezeptor befindet sich in der perizentrischen Region des Chromosoms X auf Xq11–12. Mitte: Das ganze Gen umfasst eine Region von etwa 80 Kilobasenpaaren (kbp) auf der genomischen DNA. Die verschiedenen Exons sind durch die Kästen 1 bis 8 dargestellt, die jeweiligen Introngrößen sind darunter angegeben. Exon 1 kodiert die N-terminale Region, Exon 2–3 die DNA-bindende Domäne und Exon 4–8 die Steroid-bindende Domäne. Unten: Schematische Darstellung des Androgenrezeptorproteins mit den verschiedenen funktionellen Domänen
Nukleäre Rezeptoren lassen sich abhängig von ihren Liganden in zwei Klassen aufteilen. Die erste Klasse bildet Homodimere mit jeweils einem gebundenen Liganden pro Monomer wie z. B. der AR und andere Steroid-Rezeptoren, die zweite Klasse bildet Heterodimere mit nur einem gebundenen Liganden wie z. B. der Thyroidhormon-Rezeptor. Die meisten nuklearen Rezeptoren haben 12 α-Helices am C-terminalen Ende. Die Bindung des Liganden führt zu einer Winkeländerung von einer der 12 α-Helices und zu einer Transaktivierung des Rezeptors so dass sich in der Tertiärstruktur eine Tasche in der hormonbindenden Proteinsequenz bildet. Diese Tasche erlaubt die Aufnahme von lipophilen Molekülen, denn sie umschließen den Liganden vollständig.
Ein wichtiges Merkmal der N-terminalen Domäne ist das Auftreten polymorpher Wiederholungen von CAG-Tripletts, die jeweils für verschieden lange Polyglutaminketten, und von polymorphen GGC-Tripletts, die für verschieden lange Polyglyzinketten kodieren. Beim gesunden Mann sind 17–29 Glutamin- und 13–17 Glyzin-Aminosäurewiederholungen vorhanden, während bspw. bei Patienten mit Kennedy-Syndrom, einer Erkrankung der motorischen Neurone, 37–72 solcher CAG Wiederholungen auftreten können. Die starke Verlängerung von beiden Aminosäurewiederholungen steht wohl mit einer Verminderung der Transaktivierungsmöglichkeiten in Verbindung. Je länger diese Ketten sind, desto weniger aktiviert der Rezeptor die Genexpression. Umgekehrt gilt, dass wenn die CAG Wiederholungen (<19) besonders gering sind, die Aktivität des Androgentezeptors steigt. Diese kurzen Ketten werden u. a. mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs, sowie beim Kennedy-Syndrom für frühes Einsetzen der physiopathologischen Symptomatik (und damit einhergehend einem fortgeschrittenen Krankheitsverlauf bei Diagnosestellung) sowie höherer Aggressivität in Verbindung gebracht (Shukla et al. 2016).
Das AR-Gen ist mit etwa 90 Kilobasenpaaren auf dem X-Chromosom lokalisiert und (Abb. 16) kodiert für zwei verschiedene Isoformen. Die kodierende Sequenz besteht aus 8 Exons und umfasst 2757 Basenpaare. Die N-terminale Domäne wird vollständig durch Exon 1, die DNA-bindende Domäne durch Exon 2 und 3, die steroidbindende Domäne durch Exon 4 bis 8 kodiert. Die Lokalisation des AR Gens ist konserviert und findet sich auch in ursprünglichen Säugergruppen wie den Schnabel- (Monotremata) und den Beuteltieren (Marsupialia). Solche konservierten Lokalisationen von Genen können darauf hindeuten, dass die kodierten Genprodukte entwicklungsrelevant sind und daher unter hohem selektiven Druck stehen.
Wie bei allen Steroidrezeptoren, so besteht auch die durch Exon 2 und 3 des AR-Gens kodierte DNA-bindende Domäne, die etwa 10 % des ARs ausmacht, aus zwei Zinkfingern. Die Domäne umfasst etwa 70 AS und ist zwischen der N-terminalen und androgenbindenden Domäne lokalisiert. In diesem Sequenzabschnitt sind 8 Cysteine mit ihren Schwefelatomen so ausgerichtet, dass jeweils vier Cysteinreste ein Zinkatom binden, wodurch die typische Struktur von zwei sich überlappenden Helices entsteht. Während der erste Zinkfinger, vom Exon 2 kodiert, vor allem an die DNA erforderlich ist, stabilisiert der zweite Zinkfinger, vom Exon 3 kodiert, aufgrund seiner basischen Natur die Rezeptor-DNA-Interaktion mit den negativ geladenen Phosphatgruppen der DNA sowie die Dimerisierung zweier Rezeptormoleküle zum Homodimer. In unmittelbarer Nachbarschaft zur DNA-bindenden Domäne befindet sich eine kurze Aminosäuresequenz, die ein Erkennungssignal darstellt, das den Rezeptor für den Transport in den Nukleus der Zelle markiert.
Die androgenbindende Domäne des ARs umfasst etwa 30 % des gesamten ARs. Die Domäne bildet eine lipophile Tasche, die von 24 Aminosäuren geformt wird und so die Bindung von Testosteron oder anderen Androgenen ermöglicht (Abb. 16). Die experimentelle Entfernung dieser Domäne führte in in vitro Studien zu einer verstärkten Gentranskription. Offensichtlich ist dieser Teil des Rezeptors für eine induzierbare und regulierbare Gentranskription erforderlich. Die Regulation des ARs erfolgt über viele Modulatoren, sowie über Phosphorylierungen an verschiedenen Proteinpositionen. AR-Antagonisten modulieren die Aktivität unterschiedlich, abhängig vom Phosphorylierungsumfang und -position, wohingegen agonistische Wirkungen nicht durch den Phosphorylierungsgrad beeinflusst werden. Die Phosphorylierung selbst wird durch Steroidhormone aber auch durch Forskolin und Phorbolester an verschiedenen Aminosäurenresten reguliert. DHT bindet zwar mit einer höheren Affinität an den Rezeptor als Testosteron, aber hauptsächlich deswegen, weil Testosteron schneller vom Rezeptor dissoziiert als DHT. Andere Steroide wie Androstendion oder auch Estradiol oder Progesteron binden an den AR mit wesentlich geringerer Affinität als Testosteron. Auch in der Gelenkregion des Rezeptors haben Phosphorylierungsprozesse entscheidenden Einfluss auf die Aktivität des Rezeptors und sind an der Signaltransduktion von zyklischem AMP und Proteinkinase C beteiligt.
Zur Inaktivierung komplexiert der AR mit Chaperonen wie z. B. dem Hitze-Schock Protein 90 (HSP90). Bei Auflösung dieses Komplexes kann HSP90 mit anderen homologen oder heterologen Liganden im Zytoplasma komplexieren und so apoptotischen Prozessen entgegenwirken. In transgenen Mäusen ohne funktionellem HSP90 wurde deutlich, dass dieses Protein auch für den Transport des AR in den Kern notwendig ist, ebenso wie von speziellen Importproteinen (Importine). Im Zytoplasma bindet der Androgenrezeptorligandkomplex an das Importin-α, das zusammen mit dem Komplex an Importin-β bindet. Dieser Importin-α-Importin-β-Androgen-Rezeptorkomplex kann seinerseits aktiv durch die nuklearen Poren mit Hilfe von GTPasen in das Innere des Kerns geschleust werden. Dort löst sich der Verband auf und der freigesetzte AR-Ligandkomplex kann an die DNA binden.
Die Anlagerung an die DNA wird durch die beiden Zink-Finger in der DNA-bindenden Dömane des Rezeptors ermöglicht. Sie erfolgt in Form des Homodimers, d. h. es besteht aus zwei identischen Hormonrezeptor-Komplexen. Die Bindung des Dimers erfolgt an DNA-Sequenzen, die als androgenbindende Elemente (androgen responsive elements) bezeichnet werden und typischerweise Palindrom-Sequenzen (Nukleotidsequenzen, die von der Leserichtung unabhängig sind) enthalten. Diese typischen Palindrome sind den Androgen Zielgenen vorgeschaltet und dienen als Erkennungssequenz für den AR. Die Bindung des Homodimers an die DNA kann erst erfolgen, nachdem Modifikationen der kovalenten Bindungen an ihren Histonen stattgefunden haben. Die DNA-Bindungseigenschaften der Histone werden durch Acetylierung, Phosphorylierung, Ubiquitinierung oder Methylierung des N-terminalen Endes reguliert, so dass die Genexpression entweder unterdrückt oder zugelassen wird. Die Methylierung von Arginin- oder Lysinresten der Histonproteine steht im Zusammenhang mit einer transkriptionalen Aktivierung oder Inhibierung bestimmter Steroidhormon-regulierter Gene. Die Lysinreste können monomethyliert, dimethyliert oder trimethyliert werden. Diese differentiellen Methylierungen dienen wiederum als Andockmöglichkeiten für Steuerproteine, die als Ko-Repressoren oder Ko-Aktivatoren fungieren.
Ist kein nukleärer Rezeptor präsent, wirkt das Enzym Lysin-spezifische Demethylase 1 (LSD1) der Gentranskription entgegen. Wenn ein steroidgebunderer Rezeptor anwesend ist, hat es LSD1 die Funktion Lysinreste zu demethylieren und somit die Expression des Gens zu fördern. Diese Aktivierung geschieht durch die Anlagerung des Enzyms an den Chromatin-gebundenen AR-Komplex. Die eigentliche Genexpression findet erst statt, wenn ein weiterer Ko-Aktivator, die Demethlyase JHDM2A, an diesen Komplex bindet. Zwei verschiedene Demethylase-Mechanismen sind also notwendig, damit der AR seine Zielgene zur Transkription frei geben kann (Metzger et al. 2006). Der vollständige Komplex induziert dann die Transkription der Zielgene durch mRNA-Synthese.
Die Aktivität des Transkriptionskomplexes ist durch rezeptorassoziierte Proteine, Ko-Aktivatoren oder Ko-Repressoren, das Alter, den spezifischen Zelltyp und das spezifische Gewebe moduliert. Weiterhin existieren Moleküle, die selektiven-Androgen-Rezeptor-Modulatoren (SARMs), die regulatorische Wirkung haben. Diese SARMs sind Kofaktoren, die nicht steroide Wirkungen auf den AR ausüben und in verschiedenen Geweben unterschiedliche Aktivitäten des Rezeptors bewirken können. Sie werden daher auch pharmakologisch verwendet.
Zur den bislang beschriebenen SARMs gehören Arylpropionide, bizyklisches Hydantoin, Quinolin und Tetrahydroquinolin-Analoga. Ihnen ist gemeinsam, dass sie keine Substrate für Aromatase oder 5α-Reduktase darstellen. Als AR-Liganden vermitteln sie dann bspw. nur auf Muskeln und Knochen anabole Effekte, nicht aber auf andere männliche Organe, wie Prostata oder Seminalvesikel. Die gewebespezifischen molekularen Wirkungen dieser SARMs umfassen liganden-abhängige rezeptorkonforme Änderungen, differenzielle Interaktionen mit DNA Promotorsequenzen und die Einbindung von AR-abhängigen Coregulatoren. Diese Modulatoren sollen verbesserte Behandlungoptionen für primären oder sekundären Hypogonadismus, Anämie, Osteopenie oder Osteoporose eröffnen. Auch in der Entwicklung einer hormonell basierten Kontrazeptionsmethode für den Mann könnten sie hilfreich sein.
Für das AR Gen sind bisher über 1000 Mutationen gefunden worden (http://www.androgendb.mcgill.ca), von denen etwa 10–15 % im Zusammenhang mit metastasierendem Prostatakrebs stehen. Andere maligne Tumoren sind offenbar seltener durch AR-Mutationen beeinflusst, etwa Hoden-, Leber- und Brustkrebsarten.
Inaktivierende Mutationen des ARs haben dramatische Effekte, unterbleibt doch jegliche Androgenwirkung (Abb. 17). Karyotypisch männliche Personen (46,XY) mit solchen Mutationen zeigen einen verweiblichten Phänotyp, wobei sich jedoch kein Uterus bildet und die Vagina nur teilweise ausgebildet sowie die postpubertäre Körperbehaarung oft kaum vorhanden ist. Dieses Syndrom wird als Komplettes Androgen Insensitivitäts-Syndrom (Complete Androgen Insensitivits Syndrome (CAIS)) bezeichnet (siehe Kap. „Varianten der Geschlechtsentwicklung“).
Abb. 17
Abstufungen der verschieden starken Ausprägung des Androgen Insensitvitäts Syndroms (AIS). Die stärkste Ausprägung (Stufe 7) wird als komplette AIS (CAIS) bezeichnet und die schwächste Ausprägung als partielle AIS (PAIS) Stufe 1 [verändert übernommen von Rajender et al. (2007)]
Klinische Konsequenzen haben auch Mutationen im Bereich der DNA-bindenden oder androgenbindenden Domäne, die die Funktion des ARs stark beeinträchtigen. Die CAIS geht meist auf inaktivierende Mutationen des AR-Gens zurück. Weiterhin sind auch Mutationen beschrieben, die die Ko-Aktivatoren oder Ko-Repressoren betreffen können und zu unterschiedlich starker Ausprägung des AIS führen. Mutationen im Bereich der N-terminalen Domäne, die die Funktion des ARs einschränken scheinen nur selten idiopathische männliche Infertilität zu provozieren (Zuccarello et al. 2008).
Die CAG-Wiederholungen im AR-Gen sind offenbar mit der Aktivität des AR assoziiert. In reproduktiv gesunden Männern mit kürzeren CAG-Repeats finden sich höhere Spermienkonzentrationen als bei solchen mit längeren (von Eckardstein et al. 2001). Obwohl Einigkeit darüber herrscht, dass die Repeats Einfluss auf nahezu alle AR vermittelten Effekte nehmen, ist der Mechanismus und die genaue Wirksamkeit noch immer ungeklärt. Während ethnische Unterschiede bestätigt sind, die offenbar mit populationspezifischer Vererbung zusammenhängen, sind die tatsächlichen Effekte auf die peripheren Wirkorte umstritten, was einer nach wie vor unvollständigen Datenlage geschuldet ist. So wurden z. B. keine klaren Verbindungen zur Infertilität gefunden (Tirabassi et al. 2015). Weitere Parameter und Charakteristika, die durch die CAG-Repeats beeinflusst werden, sind in Tab. 1 zusammengestellt (Hiort et al. 2012; Zitzmann 2020).
Tab. 1
Modulation der Testosteronwirkung durch Länge der CAG-Repeats des Androgenrezeptors
Einfluss
 
kürzer (<21)
länger (>22)
Wirkung
CAG Repeats
Kopfhaar
Muskelmasse
Knochendichte
Spermienproduktion
HDL-Cholesterin
Gefäßreaktivität
Koronare Herzkrankheit
Neigung zu Depression
Glatzenbildung
größer
größer
höher
niedriger
geringer
mehr
höher
häufiger
volles Haar
geringer
geringer
niedriger
höher
höher
weniger
niedriger
seltener

Biologische Wirkungen der Androgene

In Primaten kann der AR in den klassisch androgenabhängigen Organen wie Muskeln, Prostata, Samenblase, Nebenhoden und Hoden und auch in fast jedem anderen Gewebe wie z. B. Hypothalamus, Hypophyse, Niere, Milz, Herz und Speicheldrüsen gefunden werden. Testosteron induziert in allen diesen Organen Wirkungen (Übersicht in Nieschlag und Behre 2012). (Abb. 18).
Abb. 18
Zielorgane und Wirkungen des Testosterons beim Mann
Im Hoden findet sich der AR in den Sertoli-, den peritubulären und Leydig-Zellen, während der AR in den Keimzellen nicht exprimiert wird. Anhand von transgenen Mäusen konnte die Regulation durch Androgenwirkung nachvollzogen werden. Dabei benötigen die Sertoli-Zellen Androgene, um die Spermatogenese aufrecht zu erhalten. Die Reifung der Spermatozyten und Spermatiden steht dabei in direkter Abhängigkeit der Androgenwirkung, ebenso wie der passive Transport der testikulären Spermatozooen, da die Kontraktilität der peritubulären Zellen, die für diese Peristaltik entscheidend ist, ebenfalls an die Anwesenheit von Androgenen gebunden ist. Leydig-Zellen benötigen einen funktionalen AR, um die Produktion von Testosteron und somit die Drüsenfunktion des Hodens aufrecht zu erhalten.
Androgene bleiben während der verschiedenen Lebensphasen des Mannes permanent von Bedeutung. In der Embryonalphase determiniert Testosteron die sexuelle Differenzierung der Geschlechtsorgane, in der Pubertät die Entwicklung zum Mann und beim Erwachsenen den männlichen Phänotyp sowie wichtige anabole Funktionen.
Für Nebenhoden, Vas deferens, Samenblase und Prostata ist DHT das hauptsächlich wirksame Androgen. Die korrekte Funktion dieser Gewebe ist besonders abhängig von einer kontinuierlichen Androgeneinwirkung. Daneben spielt auch die Aromatisierung von Testosteron zu Estrogenen für das Prostatawachstum eine wichtige Rolle. Die Estradiol-Konzentration im Prostata-Stroma steigt bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) deutlich an. Estrogene entfalten ihre Wirkung in Kombination mit Androgenen und dem Estrogenrezeptor-β und sind notwendig für die Steuerung von Wachstum und Differenzierung der Prostata. In den Nebenhoden, Samenbläschen und im Samenleiter führt Testosteronmangel zu einer Regression des sekretorischen Epithels, wodurch es zu einer Aspermie (fehlende Ejakulatproduktion) kommen kann. Die Testosteronwirkungen in Nebenhoden, Samenbläschen und Vas deferens werden neben DHT auch über Testosteron und Estradiol vermittelt.
Für ein normales Peniswachstum während der Pubertät sind sowohl Testosteron als auch DHT notwendig; das Peniswachstum ist dabei mit der steigenden Testosteronkonzentration positiv korreliert. Danach gehen die Androgenrezeptoren im Penis allerdings verloren, so dass ein postpubertärer Testosteronmangel nur noch zu einer geringen Rückbildung der Penisgröße führt. Aus diesem Grund führen auch Testosterongaben beim Erwachsenen nicht zu einer weiteren Größenzunahme des Penis. Die Reifung des Wolff’schen Gangs ist hauptsächlich durch Testosteron, die Ausbildung der externen Genitalien, der Urethra und der Prostata sind überwiegend von DHT induziert.
Für die Muskulatur – mit einer niedrigen 5α-Reduktaseaktivität – ist Testosteron das entscheidende Androgen (Bhasin et al. 2012). Die Skelett-Muskulatur kann zirkulierendes Dehydroepiandrosteron (DHEA) in Testosteron und Estrogen umwandeln. Wahrscheinlich können die Skelettmuskelzellen auch DHT synthetisieren, um dadurch den Glukosemetabolismus anzutreiben. Testosteron führt AR vermittelt durch Hypertrophie der Muskelfibrillen sowohl in der glatten, als auch in der quergestreiften Muskulatur zu einer Zunahme der Muskelmasse. Die Zahl der Muskelfibrillen ändert sich dabei nicht. Testosteronmangel führt zur Atrophie der Muskulatur. Testosteron bewirkt in der quergestreiften Muskulatur eine gesteigerte mRNA- und Glykogensynthese. Auch am Herzmuskel hat Testosteron einen anabolen Effekt mit gesteigerter mRNA-Synthese (Kirby et al. 2019).
Sowohl Androgene als auch Estrogene führen zu einer Erhöhung der Knochendichte durch eine verstärkte Mineralisation, während ein Mangel zur Entwicklung einer Osteoporose führen kann. Das Skelettwachstum in weiblichen wie im männlichen Körper findet an den periostischen Membranen statt. Mit der Pubertät entwickelt sich die unterschiedliche geschlechtsspezifische Physiologie, die auch eine unterschiedliche Skelettentwicklung nach sich zieht. Im männlichen Geschlecht induzieren die steigenden Testosteronkonzentrationen zu Beginn der Pubertät ein vermehrtes Längenwachstum der Knochen. Geschlechtsunterschiede im Zusammenhang mit Knochendichte und – aufbau (hauptsächlich der Knochendurchmesser) werden durch die Feinabstimmung der beiden Hormone Testosteron und Estradiol reguliert. Zum Ende der Pubertät kommt es in Abhängigkeit vom Testosteronspiegel zu einem Verschluss der Epiphysenfugen, der bei niedrigen Testosteronkonzentrationen deutlich verzögert auftritt. Niedrige Testosteronkonzentrationen korrelieren bei Männern mit einem erhöhten Frakturrisiko, besonders gefährdet sind Hüft- und Extremitätenknochen (Rochira et al. 2018). Die Androgenwirkung auf den Knochenmetabolismus wird durch Estradiol vermittelt. Estradiol und Testosteron im Serum tragen zum Knochenaufbau bei, wobei Testosteron den Knochenaufbau verstärkt und umgekehrt Estradiol den Knochenabbau und Rückresorption induziert. Durch hohe externe Testosterongaben kann das Schließen der Epiphysenfugen bei einem übermäßigen Längenwachstum therapeutisch induziert werden. Neben den beiden Sexualhormonen kann offenbar auch SHBG unabhängig den Knochenaufbau stimulieren (Valimaki et al. 2004).
Die Auswirkungen der Androgene auf die Haut und deren Anhangsorgane hängen stark von ihrem konkreten Wirkort ab. Testosteron führt zu einem vermehrten Wachstum der Talgdrüsen und einer vermehrten Sebumproduktion vor allem im Gesichts-, oberen Rücken- und Brustbereich. Auch für die Entwicklung der Akne vulgaris kann Testosteron mitverantwortlich sein, während Estrogene die Sebumkonzentration senken können. Die Auswirkungen von DHT und Testosteron auf die Haarentwicklung werden durch die Androgensensitivität der Haarfollikel beeinflusst. Das DHT induziert die Synthese von NO in menschlichen Hautzellen, das als Signaltransduktionsmolekül wirkt und die Aktivität der Haarfollikel reguliert. Während die Achsel- und untere Schambehaarung schon auf geringe Androgenkonzentrationen mit Wachstum reagieren kann, sind für das Wachstum des Bartes, der oberen Schambehaarung und der Brustbehaarung höhere Androgenkonzentrationen notwendig.
Der Rückgang des frontotemporalen Ansatzes beim Haupthaar wird von genetischen Faktoren und der individuellen Verteilung der Androgenrezeptoren bestimmt und hängt von den zirkulierenden Androgenspiegeln ab. Bei Männern mit hohem Haaransatz oder Glatze konnten hohe 5α-Reduktaseaktivitäten in den betroffenen Kopfhautarealen nachgewiesen werden, während bei Patienten mit AR-Defekten, 5α-Reduktasemangel aber auch bei hypogonadalen Patienten kein frontaler und temporaler Haaransatzrückgang („Geheimratsecken“) festgestellt werden. Da das Wachstum der Kopfhaare mit einer vermehrten 5α-Reduktaseaktivität verbunden ist, könnte ein damit verbundener vorzeitiger Haarausfall eine vorzeitige Alterung der Haarfollikel anzeigen. Androgene sind nicht nur am Haarwachstum beteiligt, sie beeinflussen auch die Haarfarbe und -durchmesser (Randall 2012).
In Abhängigkeit vom Testosteron wächst der Kehlkopf während der Pubertät um ca. 1 cm. Diese Größenzunahme und die Längen- und Massenzunahme der Stimmbänder führt zu einer Senkung der Stimmlage. Die tiefere Stimme wird direkt durch Androgene vermittelt, so dass auch bei Frauen eine tiefere Stimmlage durch Testosteron induziert werden kann (Deuster et al. 2016; Glaser et al. 2016). Die Tiefe der Stimmlage eines Mannes korreliert mit der Dauer der Pubertätsphase, nach deren Abschluss die Androgenrezeptoren am Zielorgan verloren gehen. Die einmal erreichte Stimmlage bleibt erhalten, so dass auch bei postpubertären hypogonadalen Patienten keine Änderung der Stimmlage eintritt. Die geschlechtsspezifische Veränderung der Stimmlage korreliert mit dem Verknöcherungsgrad des Kehlkopfknorpels. Dieser Umbau ist verknüpft mit der Expression von alkalischer Phosphatase. Nur wenige der involvierten Chondrozyten exprimieren den AR zusammen mit der alkalischen Phosphatase und legen so einen Zusammenhang dieser beiden Knochenaufbaukomponenten nahe (Claassen et al. 2006). Wenn Jungen vor der Pubertät kastriert werden, bleibt ihre Stimme hoch. Dieser Effekt wurde in früheren Jahrhunderten missbraucht, um Sopranstimmen mit großem Volumen in Opern und Kirchenchören einzusetzen (Nieschlag und Nieschlag 2019).
Im zentralen Nervensystem (ZNS) wird Testosteron aromatisiert und auch in DHT umgesetzt. Die einzelnen Aktivitäten der unterschiedlichen Enzymsysteme und Verteilung der Rezeptoren sind dabei nicht homogen über das ZNS verteilt, sondern variieren je nach Hirnareal. Während der Schwangerschaft beeinflussen Androgene die Entwicklung des ZNS geschlechtsspezifisch, d. h. Gehirne von Jungen erfahren durch Testosteronwirkung ihre männliche Prägung. Bei Mädchen fehlt das Androgen und das ZNS kann sich weiblich entwickeln. Die Geschlechtsidentität, die sexuelle Orientierung und andere vom ZNS kontrollierte Verhaltensweisen werden also bereits intrauterin induziert. Sexualsteroide steuern das geschlechtsspezifische Verhalten lebenslang und sind maßgeblich daran beteiligt, dass weibliche und männliche Verhaltensweisen an die biologisch unterschiedlichen Funktionen der Geschlechter angepasst sind. Bei Männern stehen eine normale körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ebenso wie eine gute Stimmungslage in enger Beziehung zu normalen Androgenspiegeln (Zitzmann 2020).
Die Häufigkeit bzw. das Vorhandensein sexueller Phantasien, morgendlicher Erektionen, die Masturbations- und Coitusfrequenz und die sexuelle Aktivität korrelieren eng mit dem Testosteronspiegeln. Ein Androgenmangel hingegen ist häufig vergesellschaftet mit Antriebsschwäche, Lethargie, depressiven Verstimmungen, Libidoverlust und sexueller Inaktivität. Außerdem wird angenommen, dass Testosteron im erwachsenen Mann neuroprotektive Eigenschaften hat. Wie das Testosteron im ZNS wirkt, ist letztlich noch unverstanden, aber es wird angenommen, dass es bei kognitiven Erkrankungen, wie z. B. Demenz, an der neuronalen Regeneration beteiligt ist. Es scheint das kortikale Netzwerk zu aktivieren, und eine Behandlung mit Testosteron kann das räumliche Vorstellungsvermögen in jüngeren und älteren hypogonadalen Männern wieder verbessern. Umgekehrt kann ein niedriger Testosteronspiegel mit depressiven Erkrankungen assoziiert sein und ist möglicherweise auch vom AR-Genotyp (CAG Repeats) abhängig (Tirabassi et al. 2015; Zitzmann 2020).
Die Funktionen der Leber werden ebenfalls durch Steroidhormone beeinflusst. Sowohl für die von der Leber synthetisierten Proteine als auch für viele hepatische Enzymsysteme ist ein sexueller Dimorphismus bekannt. Dieser findet seinen Niederschlag in geschlechtsspezifischen Normwerten für die verschiedenen hepatischen Enzymsysteme. Hinsichtlich der Proteinproduktion agieren Estrogene und Testosteron/DHT häufig als Antagonisten (z. B. SHBG). Testosteron und Estrogene können aber auch synergistische Effekte haben, wie z. B. beim α-1-Antitrypsin.
Auf das hämatopoetische System haben Androgene auf zweierlei Weise Einfluss. Zum einen führen Androgene über eine rezeptorgesteuerte Erythropoetinsynthese zu einer gesteigerten Erythrozytenbildung. Zum anderen wirken Androgene auch direkt auf die hämatopoetischen Stammzellen ein und führen zu einer gesteigerten Synthese von Häm und Globin. Diese Effekte sind auch an granulopoetischen und thrombopoetischen Stammzellen in vitro nachweisbar.
Bereits gut untermauert ist die Abhängigkeit vom geschlechtsspezifischen Blutdruck von Androgenen. Da die Koronarsklerose des Herzens eine der häufigsten Todesursachen in den westlichen Industriestaaten und das Erkrankungsrisiko bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen ist, werden als eine Ursache geschlechtsspezifische Unterschiede der Hormonsekretionsmuster vermutet. Die häufigere Anwesenheit von Androgenrezeptoren in der postrematischen und der preoptischen Region lässt die Vermutung zu, dass dort in Abhängigkeit vom Androgenspiegel der geschlechtsspezifische Blutdruck und die Herzfrequenz reguliert werden. Die Unterschiede im Blutdruck zwischen Mann und Frau sind möglicherweise eine Folge der geschlechtsspezifischen unterschiedlichen Hirnentwicklung, da das ZNS den Blutdruck letztlich reguliert.
Die Suppression des Testosteronspiegels führt zu einem zeitlich gering verschobenen Anstieg der Konzentration des High-density-Lipoprotein (HDL). Auch Einflüsse des Testosterons und des Estradiols auf die Fibrinolyse werden diskutiert. Bei Testosteronmangel sind die Spiegel des Plasminogen-Aktivators Typ 1 erhöht. Dies kann zu einer verminderten Fibrinolyse führen. Andererseits kann die Behandlung mit Testosteron zur Erniedrigung des Gefäßdrucks führen, aber die Langzeiteffekte scheinen eine Vasokonstriktion zu bewirken. Dabei werden Thromboxan A2-Rezeptoren, Agiotensin II und Endothelin-1 exprimiert und das Norepinephrin synthetisiert. Androgene verstärken in diesem Zusammenhang die Arteriosklerose, den Gefäßumbau und induzieren renale prähypertensive Prozesse des Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems. Andererseits sind Effekte von Sexualhormonen auf verschiedene Teile des Renal-vaskulären Systems oft gegenläufig oder nicht vollständig verstanden. Eine Verbindung zwischen Androgenen und dem Blutdruck sowie eine Androgenwirkung auf kardiovaskuläre Erkrankungen sind unbestritten.
In westlichen Industriestaaten hat die Inzidenz des metabolischen Syndroms erheblich zugenommen, etwa ein Fünftel der Bevölkerung ist davon betroffen, wobei dieser Anteil mit höherem Lebensalter zunimmt. Männer, die an der Grunderkrankung Diabetes Typ II leiden, sind auch hypogonadal, übergewichtig und zeigen oft erhöhten Blutdruck. Die Erkrankung geht mit verändertem Körperfettgehalt, gestörtem Glukosestoffwechsel und einer Erniedrigung von antioxidanten Substanzen im Körper einher (Perez-Martinez et al. 2017). Der Polymorphismus des ARs scheint das Syndrom ebenfalls beeinflussen zu können. Fakt ist, dass Männer, die Diabetes und Übergewicht haben, auch ein erhöhtes Risiko haben, Hypogonadismus zu entwickeln, sei es durch Senkung der SHBG-Serumspiegel oder verminderte Androgenproduktion.

Androgensekretion und sexuelle Differenzierung

Der Gonadenentwicklung geht die Geschlechtsdetermination voraus, die in den sexuellen Dimorphismus mündet. Die Determination des Geschlechts steht unter genetischer Kontrolle und wird hauptsächlich von dem Transkriptionsfaktor „Sex-determining gene on the Y-chromosome“ (SRY) bestimmt, der dann die Aktivität weiterer Transkriptionsfaktoren induziert (Abb. 19). Das SRY Gen zusammen mit den anderen Transkriptionsfaktoren werden bereits in der Zygote exprimiert und bleiben bis ins Blastozystenstadium aktiv. Männer mit Kamptomelischem Syndrom, die eine SOX-9 (SRY HMG-box-related gene 9) Mutation tragen, zeigen in ihren Gonaden eine partielle Geschlechtsumkehrung. Dagegen zeigen Feten mit 46,XX, also einem weiblichen Karyotyp, die eine Duplikation des SOX-9 Gens tragen, eine Vermännlichung. SOX-9 hat die Aufgabe, die Expression von FGF9 zu regulieren, das die männliche Entwicklung vorantreibt und die weibliche unterdrückt. Die Gonade ist embryonal bipotent, d. h. sie ist so undifferenziert, dass sie sich sowohl in männliche oder weibliche Richtung differenzieren kann. Nur unter Testosteroneinfluss wird der männliche Differenzierungsweg beschritten, unterbleibt dieser hormonelle Reiz wird das weibliche Geschlecht angelegt – unabhängig vom Karyotyp.
Abb. 19
Geschlechtsbestimmung bei Säugetieren. SOX9 und FGF9 (fördern das männliche Geschlecht) sowie WNT4 und FST (fördern das weibliche Geschlecht), halten die frühe Gonade in einer Art Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Im Falle der Expression von SRY wird die Maskulinisierung durch eine Verschiebung dieses Gleichgewichts eingeleitet und die weiblichen Anteile werden unterdrückt. Bei fehlender Expression dieses Gens (und möglicherweise bei bestehender Expression eines feminisierenden Gens, z. B. FOXL2), werden SOX-9 und FGF9 unterdrückt und FST sowie WNT4 übernehmen die Determination der weiblichen Geschlechtsorgane
Im zweiten Abschnitt der Geschlechtsdifferenzierung erfolgt die endokrin regulierte Entwicklung und Reifung der sekundären Geschlechtsorgane. Im Verlauf der ersten Gestationswochen ist auch das äußere Genitale bei beiden Geschlechtern identisch und kann sich fakultativ in die weibliche oder in die männliche Richtung entwickeln. Unter dem Einfluss von DHT erfolgt ab der 8. Gestationswoche die Differenzierung der bipotenten Anlage zum männlichen Phänotyp, d. h. die Induzierung des Wachstums des Genitalhöckers und die Fusion der Genitalfalten und -wülste. Das Antimüller-Hormon (AMH) wird von den Sertoli-Zellen sekretiert und unterdrückt die Entwicklung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane (Tuben, Uterus, oberer Anteil der Vagina). Testosteron hingegen, Produkt der embryonalen Leydig-Zellen, stabilisiert den Wollf’schen Gang und induziert die weitere Entwicklung der inneren männlichen Geschlechtsorgane. Die externen männlichen Geschlechtsorgane, sowie die Prostata benötigen durch 5α-Reduktase Typ 2 gebildetes DHT. Die 5-α-Reduktase Typ 2 wird vorwiegend von der genitalen Haut und dem Sinus urogenitalis gebildet, so dass lokal DHT entsteht. Nach dem Abschluss der Differenzierung, etwa in der 14. Gestationswoche, erfolgt unter dem Einfluss von DHT ein kontinuierliches Wachstum der äußeren Geschlechtsorgane, insbesondere des Penis. Die fetale Testosteronproduktion erreicht zum Zeitpunkt der Differenzierung der äußeren Geschlechtsorgane und des Sinus urogenitalis zwischen der 9. und 14. Gestationswoche ihr Maximum und nimmt danach wieder ab. Hierdurch steht genügend Testosteron zur enzymatischen Umwandlung in DHT zur Verfügung. Die Stimulation der testikulären Testosteronproduktion scheint zu diesem Zeitpunkt überwiegend durch CG zu erfolgen. In der 2. Schwangerschaftshälfte übernimmt dann das fetale LH die Stimulation der Leydig-Zellen.
Beim männlichen Neugeborenen erreicht die Serumtestosteronkonzentration fast Erwachsenenwerte, fällt bis zum Ende der 1. Lebenswoche ab, erreicht dann aber bis zum 2. Lebensmonat erneut einen Gipfel und fällt bis zum 6. Monat auf Werte ab, die denen weiblicher Säuglinge entsprechen. Bis zum 7. Lebensjahr bleibt die Androgenserumkonzentration niedrig, allerdings steigt die freie, nichtproteingebundene Testosteronkonzentration merklich an. Die Leydig-Zellen können während dieser Phase durch exogene Gabe von CG zur Testosteronproduktion stimuliert werden.
Mit dem 7. Lebensjahr setzt zunächst vermehrt die Androgen – insbesondere die Dehydroepiandrosteronproduktion – der Nebennierenrinde ein (Adrenarche). Mit dem 10. Lebensjahr werden die ersten nächtlichen LH-Pulse messbar, die im Laufe der Pubertät in das regelmäßige pulsatile LH-Sekretionsmuster des erwachsenen Mannes übergehen. Nach einem, zunächst schwachen, FSH-Anstieg steigt auch die basale LH- und Testosteronkonzentration im Serum. Parallel dazu treten in charakteristischer Reihenfolge die verschiedenen Pubertätsmerkmale auf.
Die normale Konzentration des Testosterons im peripheren Blutserum des erwachsenen Mannes beträgt 12–40 nmol/l. Die Testosteronkonzentration im Blut unterliegt einer zirkadianen Rhythmik. Hohe Spiegel werden in den Morgenstunden registriert, am Abend liegen die Werte etwa 25 % tiefer. In der Seneszenzphase findet eine Abnahme des freien Testosterons bei gleichzeitiger Zunahme der SHBG-Konzentration statt. Bei einigen Männern kann diese Abnahme so stark sein, dass Symptome des spät-einsetzenden Hypogonadismus (late-onset hypogonadism) mit klinischen Folgen wie Gebrechlichkeit, Änderungen des Körperfettgehalts, kardiovaskuläre Erkrankungen, funktionelle Sexualstörungen und Osteoporose auftreten.

Zusammenfassung (Key Points)

  • Die Testes erfüllen zwei zentrale Funktionen, die Produktion der männlichen Gameten, der Spermien, und der Androgene, die den männlichen Phänotyp bedingen.
  • Die männliche Gonade bildet sich aus, wenn embryonal das Gen SRY exprimiert wird und ein Testosteronsignal auftritt.
  • Das Gewebe des Hodens lässt sich in zwei Kompartimente einteilen, die Tubuli seminiferi, die das Keimepithel beherbergen und das Interstitium, das die Leydig-Zellen enthält, die die Androgene produzieren.
  • Sertoli-Zellen bilden die Blut-Hoden-Schranke, die die differenzierteren Keimzellen immunologisch abschirmt und die Nische der spermatogonialen Stammzellen.
  • Die endokrine Funktion ist Bestandteil der Hypothalamus – Hypophysen – Gonadenachse, entlang derer Hormone und Rezeptoren in einem balancierten Feedback-Mechanismus wirken.
  • Kisspeptin und GnRH treiben die Sekretion der hypophysären Gonadotropine LH und FSH an.
  • LH stimuliert die Produktion von Testosteron, FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen und provoziert eine Inhibin-Antwort.
  • Testosteron und Inhibin regulieren in negativer Rückkoppelung die Gonadotropinsekretion. FSH und Androgenwirkung sind für eine quantitativ und qualitativ vollständige Spermatogenese essentiell.
  • Testosteron sowie die Metabolite Dihydrotestosteron und Estradiol sind für die normale männliche Ausbildung zahlreiche Zielorgane notwendig, darunter Knochenstoffwechsel, Muskulatur, Haar- und Bartwuchs, Stimmlage, Fettverteilung und bestimmte Hirnfunktionen.
  • Störungen der Hodenfunktion führen zu pathologischen Konsequenzen, wie Infertilität oder Hypogonadismus.
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