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Andrologie
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Publiziert am: 10.04.2022 Bitte beachten Sie v.a. beim therapeutischen Vorgehen das Erscheinungsdatum des Beitrags.

Therapie mit Testosteron

Verfasst von: Eberhard Nieschlag und Hermann M. Behre
Alle Formen des Hypogonadismus bedürfen einer Therapie mit Testosteron. Auch bei sekundärem Hypogonadismus ist langfristig eine Testosteronsubstitution indiziert, die lediglich beim Wunsch nach Zeugungsfähigkeit für die Zeit der GnRH- oder Gonadotropin-Therapie unterbrochen wird. Für viele Jahrzehnte war eine Substitution mit Testosteronenantat oder -cypionat die führende Form der Testosteronsubstitution. In den 1970er-Jahren kam das oral wirksame Testosteronundecanoat dazu und in den 1990er-Jahren die ersten transdermalen Präparate in Form von Membranen und Pflastern. Später kamen auch Testosterongele hinzu, mit denen sich physiologische Serumtestosteronspiegel erreichen lassen. Mit injizierbaremTestosteronundecanoat kam ein echtes Depotpräparat zur klinischen Anwendung. Die regelmäßige Überwachung der Testosteronsubstitution muss die positiven Effekte beobachten, und wegen möglicher unerwünschter Nebenwirkungen vor allem das rote Blutbild und die Prostata verfolgen.

Übersicht über Indikationen und Präparate

Alle Formen des Hypogonadismus, die in den vorhergehenden Kapiteln beschrieben wurden und mit einer Insuffizienz der Leydig-Zellen einhergehen, bedürfen einer Therapie mit Testosteron. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose des Hypogonadismus, die auf Symptomen des Androgenmangels und niedrigen Werten für Testosteron im Serum basiert. Auch bei sekundärem Hypogonadismus ist langfristig eine Testosteronsubstitution indiziert, die lediglich beim Wunsch nach Zeugungsfähigkeit für die Zeit der GnRH- oder Gonadotropintherapie unterbrochen wird.
Testosteron wurde erstmalig 1935 synthetisiert (Butenandt und Hanisch 1935; Ruzicka und Wettstein 1935; Nieschlag und Nieschlag 2019) und wurde kurz danach in die Klinik eingeführt, gehört also zu den ältesten klinisch verwandten Die Hauptindikation für Testosteron ist der Hypogonadismus des Mannes. Eine Übersicht über die weiteren Anwendungsmöglichkeiten liefert Tab. 1. Einigen dieser Verwendungen sind in diesem Buch spezielle Kapitel gewidmet, so dem Einsatz von Testosteron bei konstitutionell verzögerter Pubertät (Kap. „Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung“), beim Altershypogonadismus (Kap. „Seneszenz und Altershypogonadismus“), bei der männlichen hormonellen Kontrazeption (Kap. „Ansätze zur hormonellen männlichen Kontrazeption“), und beim Missbrauch zum Doping im Sport und bei Bodybuildern (Kap. „Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung“). Auch auf den obsoleten Einsatz bei idiopathischer Infertilität wird eingegangen (Kap. „Therapieversuche bei idiopathischer Infertilität“). Darüber hinaus geht das vorliegende Kapitel auf den Einsatz bei übermäßigem Längenwachstumein (Kap. „Therapie mit Testosteron“).
Tab. 1
Verwendung von Testosteron beim Mann
Klinische Anwendung
 
 Primärer Hypogonadismus
 
 Sekundärer Hypogonadismus
 
 Altershypogonadismus (LOH)
 
 Funktioneller Hypogonadismus
 
 Verzögerte Pubertät
Individueller Heilversuch
Übermäßiges Längenwachstum
Experimentelle Anwendung
Obsolete Anwendung
Missbräuchliche Anwendung
Hochleistungssport und Bodybuilding
Die Indikation für die Therapie mit Testosteron ist gegeben, wenn bei Symptomen des Androgenmangels (Tab. 1, Kap. „Anamnese und körperliche Untersuchung“) die in den Morgenstunden gemessene Testosteronkonzentration im Serum unter einen bestimmten Wert abfallen. In Deutschland gelten seit vielen Jahren allgemein 12 nmol/L als dieser untere Grenzwert. Überraschendenderweise lag dieser Wert in anderen Ländern tiefer, so in Spanien bei 9,0, in Großbritannien bei 7,5–8,0 und in Frankreich bei 7,5 nmol/L (Nieschlag et al. 2004). Eine zur Aufklärung dieser Unterschiede angelegte Studie bei älteren hypogonadalen Patienten kam zu dem Schluss, dass es nicht einen Grenzwert für das Auftreten der Symptome des Hypogonadismus, sondern dass es symptomspezifische Grenzwerte zwischen 15 und 8 nmol/L gibt (siehe Abb. 1). Verlust von Antriebskraft und Libido beginnt bereits unter 15 nmol/L, während testosteronmangelbedingter Erektionsverlust erst unter 8 nmol/L auftritt (Zitzmann et al. 2006). Die übrigen Symptome haben ihre Schwellenwerte zwischen diesen beiden Werten. Zu einem ähnlichen Schluss kam eine Studie an jüngeren hypogonadalen Männern (Kelleher et al. 2004). Die Frage, bei welchem Testosteronwert ein Hypogonadismus substituiert werden soll, hat sich also mehr an der subjektiven Perzeption der Diagnose Hypogonadismus durch die Ärzteschaft als an den Klagen der Patienten orientiert. Dass gleichzeitig Libidoverlust als das häufigste Symptom eines Testosteronmangels von befragten Ärzten angegeben wird (Gooren et al. 2007), lässt den geringen Krankheitswert erkennen, den Ärzte der Sexualität beimessen. Auch die internationalen Empfehlungen des Altershypogonadismus (LOH) geben noch 8 nmol/L als absoluten Grenzwert für eine Testosteronsubstitution und den Bereich zwischen 8 und 12 nmol/L als relative Indikation an (Nieschlag et al. 2005; Wang et al. 2008). Im Laufe der Zeit haben auch die inzwischen zahlreichen Richtlinien zur Testosteron-Therapie diesen unteren Grenzwert von 12 nmol/L akzeptiert. In unklaren Fällen kann auch das berechnete freie Testosteronunter 225 pmol/L als Indikator für eine Testosteronsubstitution herangezogen werden. (Tab. 2).
Abb. 1
Schwellenwerte der Testosteronkonzentrationen im Serum für das Auftreten einzelner Symptome des Altershypogonadismus bei 434 Patienten (Zitzmann et al. 2006)
Tab. 2
Untergrenzen für gesamtes und freies Testosteron entsprechend den Richtlinien verschiedener Organisationen
Organisation
gesamt T nmol/L
freies T pmol/L
ISA, ISSAM, EAU, EAA, ASA*
Wang et al. 2008
8–12
225
US Endocrine Society
Bhasin et al. 2018
9,2–10,5
 
International Consultation for Sexual Medicine
Morgentaler et al. 2019
12
225
European Academy of Andrology
Corona et al. 2020
12
 
European Association of Urology
Salonia et al. 2020
12
225
*ISA = International Society of Andrology, ISSAM = International Society for the Study of the Aging Male, EAU = European Association of Urology, EAA = European Academy of Andrology, ASA = American Society of Andrology
Eine Testosteronsubstitution muss sich also an den Symptomen des Patienten orientieren und symptomspezifische Schwellenwerte berücksichtigen. 12 nmol/L Testosteron im Serum sind weiterhin eine gute Orientierungshilfe als Untergrenze.
Da es sich um eine Substitutionstherapie handelt, kann die Effektivität der Behandlung direkt an den Testosteronkonzentrationen im Serum abgelesen werden.
Entsprechend internationalem Konsens (WHO et al. 1992), der heute immer noch Gültigkeit hat, sollte das unmittelbare Ziel einer Testosteronsubstitution darin bestehen, Testosteronkonzentrationen im Serum im mittleren Normalbereich zu erzielen. Ferner sollte möglichst das natürliche Testosteronmolekül zur Substitution verwandt werden, da so am ehesten das breite Wirkspektrum des Testosterons garantiert werden kann. An diesen Kriterien müssen die vorhandenen Testosteronpräparate gemessen werden.
In einigen Zielorganen wirkt Testosteron direkt, in anderen muss es erst in 5α-Dihydrotestosteron oder Estradiol umgewandelt werden, um wirksam zu werden (siehe Kap. „Physiologie der Hodenfunktion“). Um die physiologische Balance zwischen Testosteron und seinen wirksamen Metaboliten zu erreichen, liegt es nahe, natives Testosteron zur Substitution zu verwenden und nicht synthetische Androgene, die vorwiegend in die eine oder andere Richtung metabolisiert werden (z. B. 19-Nortestosteron) oder direkte Abkömmlinge eines Metaboliten sind (z. B. Mesterolon). Auch die direkte oder gar alleinige Verabreichung von Estrogenen an den hypogonadalen Mann kann eine Testosteronsubstitution nicht ersetzen. Für die Verwendung von Testosteronpräkursoren wie z. B. Dehydroepiandosteron (DHEA) oder Androstendion hat sich bisher keine rationale Basis finden lassen. Auch frühere und gegenwärtige Versuche der Pharmaindustrie durch synthetische Androgene bzw. Selektive Androgen-Rezeptor-Modulatoren (SARMs) Testosteron in der Substitutionstherapie zu ersetzen, haben bisher nicht in einem Ersatzpräparat resultiert. Durch die Verwendung von natürlichem Testosteron können am sichersten alle androgenabhängigen Funktionen induziert bzw. aufrechterhalten und eventuelle Nebenwirkungen vermieden werden.
Testosteron wurde erstmalig 1935 synthetisiert (Butenandt und Hanisch 1935; Ruzicka und Wettstein 1935) und wurde kurz danach in die Klinik eingeführt, gehört also zu den ältesten klinisch verwandten Hormonen (Nieschlag und Nieschlag 2019). Zunächst wurden Testosteronimplantate und seit den 1950er-Jahren bevorzugt Testosteronenantat oder – cypionat als intramuskuläre Injektionen eingesetzt. In den 1970er-Jahren kam das oral wirksame Testosteronundecanoat und in den 1990er-Jahren das erste transdermale Präparat hinzu, ein skrotal anwendbarer Testosteronfilm. Weitere auf der übrigen Haut anwendbare Pflaster folgten und schließlich kamen Testosterongele hinzu. Schließlich kam mit dem injizierbarenTestosteronundecanoat ein echtes Depotpräparat auf den Markt. Mit einer mucoadhäsivenbuccalen Testosterontablette wird das Spektrum der zur Verfügung stehenden Präparate ergänzt (Nieschlag und Behre 2012).
Basierend auf der klinischen Erfahrung des Arztes und der persönlichen Erfahrung des Patienten muss aus diesem Spektrum das für den einzelnen Patienten entsprechend Krankheitsbild und Lebensphase geeignetste Präparat ausgewählt werden. Oft wird auch erst nach Erprobung verschiedener Präparate das für den individuellen Patienten optimale gefunden.

Pharmakologie der Testosteronpräparate

Chemisch leitet sich Testosteron von der Grundstruktur aller Androgene, dem Androstan, ab. Seine spezifische biologische Aktivität verdankt Testosteron der Ketogruppe in Position 3, der Doppelbindung in Position 4 und der Hydroxygruppe in Position 17 des Androstan-Grundgerüstes (siehe Abb. 2 und Kap. „Physiologie der Hodenfunktion“).
Abb. 2
Molekulare Strukturen des Testosterons und verschiedener Testosteronpräparate
Um Testosteron in der Therapie einsetzen zu können, werden drei Wege beschritten:
1.
Chemische Modifikation des Moleküls,
 
2.
Veresterung in Position 17 und
 
3.
unterschiedliche Applikationsformen.
 
Da für klinische Belange insbesondere die Applikationsformen von Bedeutung sind, werden sie hier als Einteilungskriterium der Testosteronpräparate gewählt. Zusätzlich zu den hier aufgeführten Wegen kann Testosteron auch nasal, konjunktival oder rektal angewandt werden; diese Applikationsformen spielen jedoch gegenwärtig in der Klinik nur eine kleine Rolle.
In diesem Kapitel werden die klinisch relevanten Aspekte der Androgentherapie abgehandelt. Zur Vertiefung sei auf einschlägige Monografien verwiesen (z. B. Nieschlag und Behre 2012b). Eine Übersicht über verschiedene heute klinisch zur Verfügung stehende Testosteronpräparate liefert Abb. 3.
Abb. 3
Historische Entwicklung der Testosteronpräparate zur klinischen Anwendung (T = Testosteron)

Orale Testosteronpräparate

Der Versuch, natürliches Testosteron, wie es von den Testes sezerniert wird, zur Substitutionstherapie zu verwenden, liegt nahe. Tatsächlich wird oral verabreichtes, freies Testosteron auch gut aus dem Darm resorbiert, es wird jedoch in einem „First Pass Effekt“ vollständig in der Leber metabolisiert, so dass es die Zielorgane nicht erreicht. Erst wenn 400–600 mg Testosteron oral verabreicht werden, d. h. etwa 100 × mehr als normalerweise von den Testes pro Tag produziert wird, wird die Testosteron-metabolisierende Kapazität der Leber überschritten und werden periphere Serumspiegel im Normalbereich erzielt. Da die Verabreichung derartig großer Mengen von Testosteron unökonomisch erscheint und langfristige Nebenwirkungen derartiger Dosierungen schwer abschätzbar sind, hat diese Therapieform das experimentelle Stadium nie überschritten (Nieschlag und Behre 2012a).

Testosteronundecanoat

Um den „First Pass Effekt“ der Leber nach oraler Applikation zu vermeiden, wurde Testosteron mit Undecansäure in Position 17ß verestert. Durch diese lange aliphatische Seitenkette wird die Resorption des Moleküls in die Lymphbahnen gelenkt, so dass Testosteron durch den Ductus thoracicus und über die Venasubclavia in den Kreislauf gelangt und die Zielorgane vor Metabolisierung in der Leber erreicht. Die Resorption auf diesem Wege wird noch verbessert, wenn es gleichzeitig mit einer Mahlzeit mit Fettanteilen aufgenommen wird.
Testosteronundecanoat wird in Öl gelöst als Kapseln à 40 mg angeboten. Da 63 % des Molekulargewichtes auf Testosteron entfallen, enthält eine Kapsel etwa 25 mg Testosteron. Um eine gute Resorption zu erreichen, hat die Einnahme mit einer Mahlzeit zu erfolgen. Maximale Serumgipfel werden 2–6 Stunden nach Einnahme beobachtet (Behre und Nieschlag 2012). Daher sind zur Substitution 2–4 Kapseln über den Tag verteilt erforderlich. Obwohl somit relativ hohe Testosteronkonzentrationen verabreicht werden, wurden langfristig keine Nebenwirkungen oder toxische Effekte beobachtet (Gooren 1998).
Testosteronundecanoat eignet sich vor allem zur Substitutionstherapie, wenn noch eine gewisse Eigenproduktion an Testosteron vorhanden ist (z. B. Klinefelter-Patient in der Frühphase der Substitutionsnotwendigkeit) oder wenn wegen Koagulopathien (z. B. marcumarisierter Patient) intramuskuläre Injektionen nicht verabreicht werden können oder transdermale Gele nicht erwünscht sind. Der Nachteil dieser Therapie besteht vor allem in den kurzfristigen Schwankungen im Serumtestosteron, die nicht den physiologischen Verhältnissen entsprechen, und der schlechten Vorhersagbarkeit des individuellen Resorptionsmusters (Abb. 4).
Abb. 4
Testosteronkonzentration im Serum nach oraler Einnahme von 3 mal 80 mg Testosteronundecanoat bei hypogonadalen Männern (pharmakokinetische Computersimulation mit einer angenommenen basalen Testosteronsekretion von 7 nmol/l). Der Normbereich für Testosteron ist grau schattiert
Obwohl oral verabreichtes Testosteronundecanoat in einer Dosierung von 40 mg/Kapsel seit 1985 in den meisten Ländern und auch im benachbarten Canada für die klinische Anwendungzugelassen wurde, kam es nicht in den USA auf den Markt. Erst 2019 wurde in den USA Testosteronundecanoat in einer Kapsel mit Dosierungen von 158, 198 und 237 mg Testosteronundecanoatin einer emulgierten Lösung zugelassen. Die Dosierung sieht eine zweimalige tägliche orale Anwendung vor dem Frühstuck und dem Abendessen vor. Eine 237 mg Testosteronundecanoat-Kapsel ist äquivalent zu 150 mg Testosteron. In dieser empfohlenen Initialdosierung ist die applizierte Testosterondosis ca. 3 mal so hoch wie bei dem ursprünglich zugelassenen oralen Testosteronundecanoat, und bei hypogonadalen Patienten werden meist Serumwerte von Testosteron im Normalbereich erreicht (Swerdloff et al. 2020).

Methyltestosteron und Fluoxymesteron

17α-Methyltestosteron resultierte aus Versuchen zur chemischen Modifikation des Testosteronmoleküls, die bereits mit der Erstsynthese im Jahre 1935 einsetzten (Ruzicka und Wettstein 1935). Die Methylgruppe in 17α-Position schützt das Testosteronmolekül vor Metabolisierung in der Leber, so dass die Zielorgane nach oraler Gabe erreicht werden können. Langfristige Anwendung kann jedoch zu einem Anstieg der Leberenzyme, zu Cholostase und Peliose der Leber führen und wird deshalb in Europa nicht mehr klinisch angewandt.
Auch Fluoxymesteron enthält zusätzlich zu einem Fluoridatom und einer Hydroxylgruppe eine Methylgruppe in 17α-Position. Dadurch wird Fluoxymesteron zu einem stark wirksamen oralen Testosteronpräparat, die 17α-Methylgruppe führt jedoch auch bei diesem Präparat zu Lebertoxizität. Deshalb ist auch dieses Präparat zunächst als Reinpräparate und dann auch als Mischpräparate in Europa vom Markt verschwunden. Da sie jedoch in anderen Ländern noch auf dem Markt sind, muss vor ihren toxischen Nebenwirkungen gewarnt werden.
Abschließend sei erwähnt, dass die 17α-Methylierung bei allen Androgenen (auch bei anabolen Steroiden) zu Lebertoxizität führt und diese Präparate deshalb grundsätzlich als obsolet zu betrachten sind.

Mesterolon

Mesterolon leitet sich vom 5α-reduzierten Testosteronmetaboliten 5α-Dihydrotestosteron (DHT) ab und ist nach oraler Verabreichung ebenfalls vor dem unmittelbaren Metabolismus in der Leber geschützt. Als DHT-Derivat kann es jedoch nur die Funktionen des DHT übernehmen und z. B. nicht die direkten Wirkungen des Testosterons und die Wirkungen nach Aromatisierung zu Estrogenen. Daher entfaltet es nicht das volle Wirkspektrum des Testosterons, wie es zur Substitutionstherapie erforderlich ist und ist für die Substitution des Hypogonadismus nicht geeignet. Seitdem es eine Reihe von Testosteronpräparaten gibt, wird Mesterolon kaum noch verordnet, wird aber weiterhin für Dopingzwecke gehandelt.

Buccale Applikationsformen

Durch den Einbau von Testosteron in schwer wasserlösliche Polyethylenmatrices ist es gelungen, eine buccale Applikationen zu entwickeln. Die mucoadhäsiven Tabletten haften über viele Stunden an der Gingiva oberhalb der Schneidezähne und geben langsam Testosteron an die Zirkulation ab. Wenn zweimal täglich über gleiche Zeiträume genommen, resultieren gleichmäßige Serumspiegel (Korbonits et al. 2004; Nieschlag et al. 2004; Dinsmore und Wyllie 2012).

Intramuskuläre Testosteronpräparate

Testosteronenantat

Wird natürliches Testosteron intramuskulär verabreicht, hat es eine nur sehr kurze Halbwertszeit. Um die Wirkungsdauer zu verlängern, wurde Testosteron in Position 17β mit aliphatischen Seitenketten verestert. Die Dauer der Halbwertszeiten richtet sich nach der Länge und Struktur der Seitenkette.
Testosteronenantat wurde bereits 1952 zur Substitutionstherapie eingeführt und wird intramuskulär verabreicht. Testosteronenantat hat eine terminale Halbwertszeit von 4,5 Tagen (Tab. 3). Die Standarddosierung beträgt 250 mg Testosteronenantat. Wie die Pharmakokinetik (Abb. 5) zeigt, werden dadurch sehr schnell supraphysiologisch hohe Testosteronserumkonzentrationen erreicht, die für einige Tage bestehen bleiben (Behre und Nieschlag 2012). Danach fallen die Serumspiegel allmählich ab, um etwa am 12. Tag die untere Normalgrenze zu passieren. Bei wiederholten Injektionen, wie es für die Substitutionstherapie erforderlich ist, entsteht somit ein „Sägezahnprofil“, bei dem je nach Injektionsintervall Phasen mit supraphysiologischen, physiologischen und infraphysiologischen Werten aufeinander folgen (Abb. 5).
Tab. 3
Pharmakokinetische Kennzahlen verschiedener Testosteronpräparate
Präparat
Applikations-Weg
„Mean Residence Time“ (MRT)
Terminale
Halbwertszeit
(t ½)
p.o.
3,7 Stunden
1,6 Stunden
Testosteronpropionat
i.m.
1,5 Tage
0,8 Tage
Testosteronenantat
i.m.
8,5 Tage
4,5 Tage
Testosteronundecanoat:
   
     in Teesamenöl
i.m.
34,9 Tage
20,9 Tage
     in Rizinusöl
i.m.
36,0 Tage
33,9 Tage
Abb. 5
Testosteronserumspiegel nach intramuskulären Injektionen von 250 mg Testosteronenanthat mit Injektionsintervallen von 1, 2, 3 oder 4 Wochen bei hypogonadalen Männern. Der Normbereich für Testosteron ist grau schattiert
Während diese Substitutionsform für die Aufrechterhaltung der biologischen Wirkungen des Testosterons ausreichend ist, empfindet der Patient die starken Schwankungen als störend, da das allgemeine Wohlbefinden, die Stimmung und die sexuelle Aktivität diesem Auf und Ab folgen. Dennoch war Testosteronenantat für lange Zeit das am meisten eingesetzte Präparat, da es keine geeigneten Alternativen gab.
2019 wurde in den USA Testosteronenantat zur subkutanen Injektion zugelassen. Das Präparat wird in einem Autoinjektor in Dosen zu 50 oder 100 mg angeboten, die einmal wöchentlich appliziert werden. Die Pharmakokinetik entspricht der von intramuskulär injiziertem Testosteronenantat, die Patienten geben aber mehrheitlich Schmerzen über 24 Stunden an der Injektionsstelle an (Gittelman et al. 2019).
Testosteroncypionat und Testosteroncyclohexancarboxylat, die in einigen Ländern auf dem Markt sind, weisen dieselbe Pharmakokinetik und damit dieselben Vor- und Nachteile wie Testosteronenantat auf (Behre und Nieschlag 2012).

Testosteronpropionat

Testosteronpropionat hat entsprechend der kurzen Seitenkette eine kurze Halbwertszeit (Tab. 3). Die Anfangskonzentrationen im Serum nach intramuskulärer Injektion können ähnlich hoch wie bei Testosteronenantat sein, während die Injektionen wegen der kurzen Halbwertszeit alle 2–3 Tage wiederholt werden müssen, um eine volle Substitution zu erreichen. Wegen der Notwendigkeit zu häufigen Injektionen eignet sich daher Testosteronpropionat nicht zur Dauertherapie. Auch eine Kombination aus Testosteronpropionat und Testosteronenantat bringt keine Vorteile für die Therapie (Behre und Nieschlag 2012).

Testosteronundecanoat

Das in Europa bereits seit den 1970er-Jahren als orales Präparat eingeführte Testosteronundecanoat (siehe 2.1.1) wurde zunächst in China als injizierbares Präparat entwickelt. In China wurde Testosteronundecanoat in Teesamenöl gelöst. Wird Rizinusöl als Vehikel benutzt, kann die Halbwertzeit noch weiter verlängert werden (Behre et al. 1999a; Tab. 3). Neben der längeren Wirkungsdauer ist auch das Fehlen der anfänglichen supraphysiologischen Spitzenwerte gegenüber Testosteronenantat als Vorteil zu betrachten (Nieschlag et al. 1999) (Abb. 6).
Abb. 6
Vergleichende Pharmakokinetik nach viermaliger i.m. Injektion von 250 mg Testosteronenanthat (TE = schwarze Linien) bzw. eimaliger i.m. Injektion von 1000 mg Testosteronundecanoat TU = (grüne Linie) bei hypogonadalen Männern. Normbereich für Testosteron ist durch die grüne Fläche markiert
Zur Substitution werden 1000 mg Testosteronundecanoatin 4 ml etwa viermal im Jahr intramuskulär injiziert. Um schnell einen Steady State zu Beginn der Substitution zu erreichen, wird die zweite Injektion 6 Wochen nach der ersten gegeben, die weiteren Injektionen dann nach jeweils 10–14 Wochen (Abb. 7). Das individuelle Intervall richtet sich nach den Serumtestosteronwerten, die unmittelbar vor der nächsten Injektion gemessen werden. Diese Messungen werden dann in jährlichen Abständen wiederholt. Zu hohe Werte führen zu einer Verlängerung, zu niedrige zu einer Verkürzung der Injektionsintervalle.
Abb. 7
Testosteronkonzentration im Serum vor und unter einer langfristigen Therapie mit 1000 mg intramuskulärem Testosteronundecanoat (Injektionsintervall zwischen der ersten und zweiten Injektion 6–10 Wochen, danach alle 10–14 Wochen). Dargestellt sind die Serumspiegel in Form von Box-and-Whisker-Plots (rote Linie in der Box: Mittelwert; schwarze Linie in der Box: Median; 50 % der Einzelwerte innerhalb der Box; 10. und 90. Perzentile durch die jeweilige Antenne (Whisker) gekennzeichnet). 0 = basale Testosteronkonzentration vor Therapiebeginn, T2 = Testosteronkonzentration direkt vor der 2. Injektion usw. Die gestrichelte Linie gibt den unteren Normwert an
Nachdem 1000 mg Testosteronundecanoat zur intramuskulären Injektion kurz nach 2004 in den meisten Ländern zugelassen wurde, wurde Testosteronundecanoat zur intramuskulären Injektion in den USA erst 2015 zugelassen. Dieses US-amerikanische Präparat enthält 750 mg in 3 ml und muss entsprechend in kürzeren Intervallen injiziert werden (Krakowsky et al. 2017).
Die Injektionen sollten wegen des relativ großen Volumens langsam intragluteal erfolgen. Auch bei langjähriger Anwendung sind bisher keine ernsthaften Nebenwirkungen aufgetreten (Zitzmann und Nieschlag 2007). In seltenen Fällen kann die ölige Lösung in das Venensystem gelangen und in der Lunge Mikroembolien verursachen, die sich in Husten und Hustenreiz manifestieren (Middleton et al. 2015; Pastuszak et al. 2020). Daher ist auf eine korrekte Injektionstechnik zu achten.

Transdermale Testosteronpräparate

Testosteronpflaster

Die transdermale Applikation von Pharmaka hat wegen zahlreicher Vorteile gegenüber konventionellen Applikationsformen in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Im endokrinologischen Bereich hat insbesondere die transdermale Applikation von Estrogenen zur Behandlung klimakterischer Ausfallerscheinungen bei der Frau weite Verbreitung gefunden. Die Entwicklung eines transdermalen Systems zur Substitutionstherapie des hypogonadalen Mannes stieß jedoch auf Schwierigkeiten, da beim Mann Dosen im Bereich der normalen Eigenproduktion von Testosteron, d. h. etwa 6 mg pro Tag durch die Haut transportiert werden müssen, während die entsprechende Dosis für Estradiol bei der Frau im Mikrogrammbereich liegt. Unterschiedliche Hautpartien weisen jedoch unterschiedliche Resorptionsfähigkeit auf. Da wegen der physiologischen Aufgabe des Temperaturausgleichs die Skrotalhaut besonders stark und bis in die obersten Epithelschichten durchblutet ist, hat diese Hautpartie ein besonders hohes Resorptionsvermögen (im Vergleich zur Haut des Unterarms etwa 40 x höher). Diese Besonderheit wurde bei der Entwicklung eines transskrotalen Applikationssystems ausgenutzt. Wenn auch dieses Präparat inzwischen kaum mehr verwandt wird, sei es jedoch als erstes transdermales Präparat erwähnt.
Das transskrotale therapeutische System besteht aus 40 oder 60 cm2 großen, aus Polymer bestehenden Membranen, die mit 10 bzw. 15 mg reinem natürlichem Testosteron beladen sind. Wenn diese Membranen auf das Skrotum appliziert werden, geben sie genügend Testosteron in den Kreislauf ab, um physiologische Serumtestosteronspiegel für einen Tag zu garantieren. Wenn die Membranen in den Morgenstunden angebracht werden, kann sogar der physiologische Tagesrhythmus des Testosterons imitiert werden (Bals-Pratsch et al. 1986). Bei täglicher Erneuerung ergeben sich konstante Serumtestosteronwerte im Normbereich. Patienten, die zum Teil bis zu 10 Jahren auf diese Weise behandelt wurden, wiesen sehr gute Ergebnisse der Substitutionstherapie auf (Behre et al. 1999b). Da ein „Enhancer“ nicht verwandt werden muss, kommen Hautirritationen selten vor. Um engen Hautkontakt zu garantieren, muss das Skrotum von Zeit zu Zeit von Haaren befreit werden (Schere oder Rasur).
Nach dem transskrotalen wurde auch ein transdermales Testosteronpflaster entwickelt, das auf die nicht-skrotale Haut (z. B. Bauchhaut, Oberarm) appliziert werden kann. Um die erforderliche Testosteronmenge durch die Haut transportieren zu können, sind diese Systeme mit einem „Enhancer“ versehen, was zu Hautirritationen führen kann. Zur Substitution müssen zwei Systeme abends aufgetragen und für 24 Stunden belassen werden. Zur Dauersubstitution ist auch bei diesem Präparat tägliche Erneuerung erforderlich (Abb. 8). Ähnlich wie mit dem transskrotalen System lassen sich Testosteronwerte im Normalbereich und mit physiologischem Tagesprofil erzielen, wobei sich auch DHT und Estradiol im Normalbereich bewegen. Während die bisher genannten Testosteronpflaster kaum mehr benutzt werden, wurde ein weiteres Testosteronpflaster entwickelt, das kaum Hautirritationen auslöst und nur alle zwei Tage gewechselt werden muss, dafür aber müssen zwei Systeme mit entweder 1,8 oder 2,4 mg Resorptionsmenge/Tag angewandt werden (Raynaud et al. 2010). Der Hersteller hat jedoch das Präparat 2015 vom Markt genommen.
Abb. 8
Testosteronkonzentration im Serum (Mittelwert ± SEM) nach 90 tägiger Therapie mit transdermalem Testosterongel in einer Dosierung von 50 mg/d (Quadrate, 1 Beutel/d) oder 100 mg/d (Kreise, 2 Beutel/d) im Vergleich zu einem transdermalen therapeutischen System (Dreiecke, 5 mg/d). Dargestellt sind die Serumspiegel über 24 Stunden (0 = 8 Uhr morgens). Die gestrichelten Linien geben den Normalbereich an (modifiziert nach Swerdloff et al. 2000, mit Genehmigung der Endocrine Society, USA)

Testosterongele

Eine dermale Applikationsmöglichkeit besteht in der Anwendung von hydroalkoholischen Testosterongelen, die 1 bis 1,6 % Testosteron enthalten und daher auf größere Hautpartien aufgetragen werden, um genügend Testosteron-Resorption zu garantieren. Diese Gele werden morgens auf die Oberarme, die Schultern oder das Abdomen aufgetragen und dort bis zum Eintrocknen etwa 5 Minuten belassen. In dieser Zeit muss Kontakt mit Frauen und Kindern wegen der Gefahr der Übertragbarkeit vermieden werden. Danach ist die Gefahr der Kontamination gering, insbesondere wenn die Haut nach der Evaporation des Alkohols gewaschen wird (Rolf et al. 2002a). Wenn diese Gele morgens appliziert werden, resultieren physiologische Serumwerte im Normalbereich für mehrere Stunden (Swerdloff et al. 2015) (Abb. 8). Zuletzt wurden Gele mit höherer Testosteronkonzentration von 2 % und 2,5 % eingeführt, ohne dass das Risiko der Hautirritation aufkam (Arver et al. 2018; Kühnert et al. 2005). Da geringere Hautpartien zur Resorption benötigt werden, wird auch eine skrotale Applikation erwogen, bei der insgesamt weniger Gel benötigt wird, da die Skrotalhaut eine viel höhere Resorptionsfähigkeit als das übrige Integument aufweist, wodurch Testosteron sparsamer und umweltfreundlicher verwendet werden kann (Kühnert et al. 2005).
Insgesamt zeigen die verschiedenen Gele bei Langzeitanwendung über mehrere Jahre gute Ergebnisse.

Transdermales Dihydrotestosteron

In Frankreich ist ein weiteres transdermales Präparat auf dem Markt, das 5α-Dihydrotestosteronin einer Salbe oder in einem Gel enthält. Das DHT ist in einer Konzentration von 2,5 % in einem hydroalkoholischen Gel inkorporiert, aus dem Dihydrotestosteron in die Haut penetriert, wenn es auf genügend großen Flächen, z. B. Vorderwand des Rumpfes, aufgetragen wird. Im Serum werden supraphysiologische DHT-Werte gemessen. Auf diese Weise behandelte hypogonadale Patienten weisen kurzfristig ein befriedigendes Substitutionsergebnis auf (Schaison und Couzinet 1998). Allerdings trifft für diese Substitutionsform dieselbe Kritik wie für Mesterolon zu, da DHT nicht das volle Wirkspektrum des Testosterons entfalten kann, da die direkten Effekte des Testosterons und die Estradiol-vermittelten nicht zur Entfaltung kommen können. Daher wird dieses Präparat im individuellen Heilversuch zur Behandlung eines Mikropenis bei Jungen bzw. einer Gynäkomastie in der Adoleszenz angewandt. Auf mögliche Übertragbarkeit auf Kontaktpersonen muss wie bei den Testosterongelen geachtet werden.

Testosteronimplantate

Testosteronimplantate gehören zu den ältesten Testosteronpräparaten. Sie bestehen aus reinem Testosteron, das in zylindrische Formen von 12 mm Länge und 4,5 mm Durchmesser erhitzt gegossen ist. Ein Implantat enthält 200 mg. Die Implantate werden unter sterilen Bedingungen mittels eines Trokars durch eine 0,5–1 cm lange Inzision unter die Bauchhaut eingebracht. Die Wunde wird mit Pflaster oder Naht verschlossen. Patienten, die zu Infektionen neigen, erhalten prophylaktisch ein Antibiotikum. Wenn 3–6 Implantate appliziert werden, werden langsam abfallende Serumtestosteronspiegel im Normalbereich für 4–6 Monate erreicht (Behre und Nieschlag 2012; Pastuszak et al. 2012). Trotz der langen Depotwirkung und der günstigen Serumtestosteronspiegel ist ein entsprechendes Präparat nur in Großbritannien, Australien und Südafrika auf dem Markt. Der zur Implantation notwendige, kleine operative Eingriff, die in 8,5 % der Applikationen (n = 973 bei 221 Patienten über 13 Jahre) zu beobachtenden Extrusionen der Implantate und gelegentliche Blutungen (2,3 %) und Infektionen (0,6 %) bilden limitierende Faktoren (Kelleher et al. 1999).

Nasale Testosteronpräparate

Bereits in den 1970er-Jahren wurde mit einer nasalen Applikation von Testosteronpropionat experimentiert. In Pilotstudien wurden positive Effekte auf die Symptome des Androgenmangels berichtet (Danner und Frick 1980). Kürzlich wurde ein Testosterongel für die nasale Anwendung in den USA und Canada zugelassen. Das in einem Hub 5,5 mg Testosteron enthaltende Gel wird 4 mal täglich in jedes Nasenloch eingebracht. Auch wenn genügend Testosteron resorbiert wird, empfinden die Patienten die häufigen Applikationen irritierend, und als Nebenwirkungen wurden Sinusitis und Pharyngitis beobachtet (Rogol et al. 2016).

Kontraindikationen für eine Testosterontherapie

Bevor eine Testosterontherapie initiiert wird, müssen die Kontraindikationen ausgeschlossen bzw. therapeutisch beseitigt werden. Ein bestehendes Prostatakarzinom ist eine absolute Gegenanzeige, da Testosteron zwar kein Prostatakarzinom verursacht, aber das Wachstum eines bestehenden fördern kann. Ein Verdacht muss in jedem Fall abgeklärt werden. Ebenso muss ein Mammakarzinom ausgeschlossen werden, da dieses Karzinom beim Mann meist Androgen- und Estrogenrezeptor-positiv ist und daher durch Testosteron in seinem Wachstum gefördert würde. Eine chronische, schwere Herzinsuffizienz und eine Polyglobulie mit einem Hämatokrit > 54 % sind Gründe, von einer Testosteronsubstitution Abstand zu nehmen.
In einigen Ländern werden Sexualdelinquenten mit Antiandrogenen oder sogar mit Kastration vor Rückfällen geschützt. In diesen Fällen wäre es falsch, diese Personen mit Testosteron zu behandeln. Der verschreibende Arzt kann sogar juristisch zur Verantwortung gezogen werden.
Da Testosteron die Spermatogenese unterdrückt und deshalb experimentell als Kontrazeptivum für den Mann erprobt wird, ist eine Testosterontherapie bei Patienten mit Kinderwunsch kontraindiziert. Daher muss mit jedem Patienten abgeklärt werden, ob er akut oder in absehbarer Zeit Kinderwunsch hat. Diese Frage ist besonders wichtig bei Patienten mit sekundärem Hypogonadismus, bei denen dann eine Therapie mit Gonadotropinen oder GnRH vorzuziehen wäre. Auch bei Klinefelter-Patienten muss die Frage nach der Fertilität vor einer Testosterontherapie geklärt werden.
Falls bei einem Sportler, der an einer den Antidoping-Kontrollen unterliegenden Disziplin teilnimmt, ein Hypogonadismus festgestellt wird, darf nur Testosteron gegeben werden, wenn er von der nationalen Sportorganisation und der World Antidoping Agency (WADA) eine Ausnahmegenehmigung (TherapeuticUseExemption) erhalten hat.
Schließlich sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Testosteron nur bei durch Symptome und niedriges Testosteron gesichertem Hypogonadismus verabreicht werden darf (Tab. 4).
Tab. 4
Kontraindikationen für eine Testosterontherapie
Bestehendes Prostata-Ca
Viriles Mamma-Ca
Hämatokrit > 54 %
Chronische, schwere Herzinsuffizienz
Aktiver Kinderwunsch
Fehlende Diagnose Hypogonadismus

Überwachung der Testosterontherapie bei Hypogonadismus

Alle hier aufgeführten Therapieformen verfolgen denselben Zweck, nämlich den hypogonadalen Patienten optimal mit Testosteron zu versorgen. Aus den physiologischen Wirkungen des Testosterons, der Pharmakokinetik und der Pharmakodynamik ergeben sich die verschiedensten Parameter, mit denen die Effektivität einer Testosterontherapie überprüft werden kann, die auch Gegenstand der verschiedenen Leitlinien sind (z. B. Wang et al. 2008; Bhasin et al. 2018; Morgentaler et al. 2019; Corona et al. 2020; Salonia et al. 2020) und in den folgenden Abschnitten besprochen werden (Tab. 5).
Tab. 5
Überwachung der Testosteronsubstitutionstherapie
Psychische und sexuelle Parameter
Allgemeines Wohlbefinden
geistige und körperliche Aktivität
Stimmung
Libido
Erektionen
Sexuelle Aktivität
Somatische Parameter
Körperproportionen
Körpergewicht
Muskelmasse und Kraft
Fettmasse und – verteilung
Behaarung (Bart, Pubes, Stirnhaargrenze)
Sebum
Stimmbruch
lokale Nebenwirkungen an der
Applikationsstelle
Laborparameter
Testosteron im Serum
evtl. freies Testosteron
Gonadotropine (LH, FSH)
Erythropoese(Hk, Erys, Hb)
Ggf. Leberenzyme, Lipidwerte, HbA1c)
Prostata/Samenblasen
Ejakulatvolumen
Prostatagröße (Palpation und TRUS)
PSA im Serum
Knochen
Knochendichte (DXA, Röntgen)

Psyche und Sexualität

Das allgemeineWohlbefinden und die Aktivität des Patienten sind ein guter Parameter, um die Effektivität der Substitutionstherapie zu überprüfen. Bei ausreichender Testosterontherapie fühlt sich der hypogonadale Patient physisch und psychisch aktiver, aufgeweckt und bei guter Laune, während zu niedrige Testosteronspiegel von Inaktivität, Lethargie und depressiven Verstimmungen begleitet werden (Barratt-Connor et al. 1999; Christiansen 2004; Wang et al. 2004; Zitzmann 2020). Auch Elemente der Aggression wie Spannungen, Gereiztheit und Ärger werden durch Testosteronsubstitution günstig beeinflusst (O’Connor et al. 2002; Zitzmann 2020). Diese Besserung der Aggressivität hypogonadaler Männer durch Testosteronsubstitution muss deutlich von der unentschiedenen Frage differenziert werden, ob supraphysiologische Testosterongaben bei normalen Männern die Aggressivität steigern (Christiansen 2004). Beim Hypogonadalen bewirken normalisierte Testosteronwerte ferner einer bessere Sozialisierung und Integration in die Gemeinschaft. Ob bei hypogonadalen Männern durch Testosterongabe die kognitiven Leistungen verbessert werden, ist bisher nicht schlüssig nachgewiesen worden. In einer groß angelegten, Placebo-kontrollierten, randomisierten Studie bei 493 Männern mit einem Alter ≥ 65 Jahre und Einschränkungen der Merkfähigkeit zeigten sich durch eine Testosterontherapie im Vergleich zu Placebo keine signifikanten Verbesserungen der verbalen oder visuellen Merkfähigkeit, des räumlichen Vorstellungsvermögens oder anderer kognitiver Variablen (Resnick et al. 2017).
Während Verlust von Libido und sexuellerAppetenz Zeichen erniedrigter Testosteronwerte sind, geht eine ausreichende Substitution mit sexuellenGedanken und Phantasien einher und die Häufigkeit dieser Gedanken korreliert mit den Testosteronwerten bis in den Normbereich hinein. Die einsetzende oder zurückgewonnene Libido ist eines der ersten Anzeichen einer wirksamen Testosteronsubstitution (Saad et al. 2011) (Abb. 9). Spontane nächtliche bzw. morgendliche Erektionen sind ein weiteres Zeichen einer guten Substitution. Selbst bei noch niedrigen Testosteronwerten können Erektionen durch visuelle und taktile Stimulation ausgelöst werden. Insgesamt hat die Testosteronsubstitution einen positiven Effekt auf Frequenz und Qualität der Erektionen (Ponce et al. 2018). Im normalen bis leicht subnormalen Bereich korrelieren die Frequenz der Ejakulationen und des
Abb. 9
Zeit- und symptomspezifische Wirkung von Testosteron bei Hypogonadismus (modifiziert nach Saad et al. 2011)
Geschlechtsverkehrs mit den Testosteronwerten. Allerdings besteht eine derartige Korrelation nicht mehr oberhalb des unteren Normbereiches, so dass eine weitere Steigerung der Testosteronserumwerte nicht zu vermehrter sexueller Aktivität führt.
Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass die ausführliche Exploration und – zumindest zeitweise – das Führen eines Sexualtagebuches nützliche Hinweise für die Beurteilung der Testosterontherapie geben. Durch Sexualfragebögen, die Auskunft über sexuelle Gedanken und Fantasien, sexuelle Appetenz, Zufriedenheit mit der Sexualität, Häufigkeit der Erektionen und Ejakulationen geben, kann das Therapieergebnis objektiviert werden. Bei der pharmakologischen Senkung der Testosteronspiegel mittels GnRH-Antagonisten stellte sich heraus, dass adäquate Sexualfunktionen noch bei relativ niedrigen und bereits leicht subnormalen Testosteronwerten gefunden werden (Behre et al. 1994a), während andere Funktionen höherer Testosteronspiegel bedürfen. Demnach liefert die Sexualität des Patienten zwar einen wichtigen Parameter für die Therapieüberwachung, der aber nicht der einzige sein darf.

Somatische Parameter

Muskelmasse und Kraft des hypogonadalen Patienten nehmen unter Testosteronbehandlung zu und der Patient entwickelt einen „kräftigeren“ Phänotyp (Rolf et al. 2002b; Bhasin et al. 2012). Der anabole Effekt des Testosterons bewirkt eine Zunahme des Körpergewichtes um etwa 5 %. Daher gehört der einfach zu erfassende Parameter des Körpergewichtes zur Routine der Überwachung. Die relative Zunahme der Muskelmasse zu Lasten des Fettes kann gemessen werden, gehört aber nicht zur Standardüberwachung der Testosterontherapie. Auch die Verteilung des subkutanen Fetts an Unterbauch, Hüften und Gesäß, die beim hypogonadalen Patienten eher feminine Züge aufweisen, ändern sich unter Testosterontherapie zum männlichen Phänotyp (Allan et al. 2008).
Die Testosterontherapie hat neben der Gewichtsabnahme auch metabolische Effekte. So konnte in einer nicht-randomisierten Studie gezeigt werden, dass Testosteron bei hypogonadalen Männern die Entwicklung eines metabolischen Syndroms und eines Diabetes Typ2 verhindern kann (Yassin et al. 2019). Ferner kann bei bestehendem Diabetes Typ 2 und Testosteronmangel eine Substitution lebensverlängernd wirken (Hackett et al. 2019). Dies bedeutet nicht, dass auf eine konventionelle Therapie verzichtet werden kann, aber Testosteron kann als adjuvante Therapie bei Diabetes Typ 2 bei Hypogonadalen betrachtet werden.
Die Entwicklung und Erhaltung der männlichen Behaarung ist ein guter Parameter zur Überwachung der Testosterontherapie (Randall 2012). Insbesondere das Bartwachstum und die Häufigkeit der Rasur lassen sich leicht erfassen. Das Haarwachstum im oberen Pubesdreieck ist ein wichtiger Indikator für eine ausreichende Testosteronsubstitution. Während Frauen, Jungen vor der Pubertät und unbehandelte hypogonadale Patienten eine gerade Stirnhaargrenze haben, geht die Androgenisierung mit Ausbildung von Geheimratsecken und bei entsprechender genetischer Disposition mit Glatzenbildung einher. Dies wird von manchen Patienten als unangenehmer Effekt empfunden, über den sie möglichst vor Therapiebeginn aufzuklären sind und der der besonderen Führung des Patienten mit Aufklärung über dieses Symptom der Männlichkeit bedürfen mag. Das Muster der männlichen Behaarung ist von größerer diagnostischer Bedeutung als deren Intensität. Bei Patienten mit langen CAG-Repeats des Androgenrezeptors muss eventuell eine höhere Testosterondosis eingesetzt werden, um einen zufriedenstellenden Bartwuchs zu erzielen. Ein gut substituierter Patient wird über die Notwendigkeit zu täglicher Rasur berichten oder kann einen guten Vollbart entwickeln. Bei manchen Patienten führen jedoch auch normale Serumtestosteronspiegel nicht zu einem Bartwachstum. In diesen Fällen kann der Androgen-Rezeptor-Polymorphismus von Bedeutung sein.
Hypogonadale Patienten habe eine kindlich-trockene Haut. Mit der Testosteronsubstitution wird auch die Sebumproduktion und die Aktivität der Schweißdrüsen stimuliert. In der Frühphase der Therapie klagen einige Patienten über die zunehmende Fettigkeit ihrer Haut, insbesondere im Kopfbereich, die häufigere Haarwäsche erforderlich macht. Aufklärung über dieses normale Symptom der Männlichkeit ist erforderlich. Akne kann zu Beginn einer Testosteronsubstitution beim Jugendlichen als Zeichen der eingeleiteten Pubertät auftreten, wird aber auch beim Erwachsenen unter Substitution gelegentlich beobachtet. Dies tritt vor allem auf, wenn Präparate wie Testosteronenantat benutzt werden, die supraphysiologische Testosteronserumwerte produzieren, und wird unter Gelen und Testosteronundecanoat i.m. selten beobachtet. Präparatewechsel und/oder Dosisreduzierung können zur Besserung der Akne erforderlich sein.
Gynäkomastie kann unter zu hoch dosierter Testosterontherapie, insbesondere bei Testosteronenantat, auftreten und eine Dosisreduzierung erforderlich machen. Eine präexistierende Gynäkomastie bei Klinefelter-Patienten wird durch die Testosteronsubstitution meist kaum beeinflusst (siehe Kap. „Gynäkomastie“).
Bei Patienten, die noch nicht die Pubertätsentwicklung durchgemacht haben, kommt es kurz nach Initiierung der Testosteronsubstitution zum Stimmbruch(Akcam et al. 2004). Dieses Phänomen stärkt das Selbstbewusstsein des Patienten deutlich und hilft ihm, sich sozial anzupassen, da der Hiatus zwischen chronologischem und biologischem Alter geschlossen wird. Es ist für das Selbstbewusstsein des Patienten von enormer Wichtigkeit, an der Stimme als Mann erkannt zu werden, dies wird insbesondere bei Telefonaten deutlich. Wenn der Stimmbruch einmal eingetreten ist, liefert die Stimme keinen Parameter zur Überwachung der Testosterontherapie mehr, da die einmal erreichte Größe des Larynx und der Stimmbänder und damit der Stimmlage auch ohne weitere Testosteronsubstitution erhalten bleibt.
Patienten mit präpubertärem Hypogonadismus entwickeln im Laufe der Jahre eunuchoide Körperproportionen, da sich die Epiphysenfugen der langen Röhrenknochen verlangsamt schließen. Mit Beginn der Testosteronsubstitution kommt es noch zu einem kurzen Wachstumsschub, dann aber schließen sich die Epiphysenfugen schnell und das Wachstum kommt zum Stillstand. Bei diesen Patienten sollte das Knochenalter der linken Hand vor Beginn der Pubertät bestimmt werden und regelmäßige Kontrollen des Knochenalters werden zeigen, ob die Knochenreifung vollzogen wurde. Auch das Verhältnis der Spannweite gegenüber der Körperlänge und der Rumpflänge gegenüber der Beinlänge sollte verfolgt werden, bis die Proportionen fixiert sind. Weitere Zunahme der Spannweite deutet auf insuffiziente Testosterontherapie hin.

Laborparameter

Bei der Benutzung der Testosteronkonzentrationen im Serum zur Beurteilung der Substitutionstherapie müssen die pharmakokinetischen Profile der unterschiedlichen Präparate berücksichtigt werden. Ferner ist es für die langfristige Beurteilung der Testosterontherapie mittels der Bestimmung von Serumkonzentrationen wichtig, dass die benutzten Bestimmungsmethoden einer strikten Qualitätskontrolle unterliegen, damit zuverlässige Werte über längere Zeiträume geliefert werden (siehe Kap. „Endokrine Labordiagnostik“).
Grundsätzlich sollte Serumtestosteron unmittelbar vor der nächsten Applikation eines Testosteronpräparates gemessen werden. Insbesondere bei oralen oder transdermalen Präparaten ist der exakte Zeitpunkt der letzten Anwendung zu vermerken.
  • Werte unterhalb des Normalwertes 3 Wochen nach der Injektion von 250 mg Testosteronenantat sollten zu einer Verkürzung des Injektionsintervalls führen. Wenn die Werte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch in hohen physiologischen Bereichen liegen, kann das Intervall verlängert werden.
  • Sechs Wochen nach der ersten Injektion von 1000 mg Testosteronundecanoat i.m. erfolgt die zweite und zwölf Wochen später die dritte Injektion. Zwölf Wochen später unmittelbar vor der vierten Injektion wird Testosteron im Serum gemessen. Wenn der Wert noch hoch liegt, wird das Injektionsintervall auf > 12 Wochen verlängert, wenn der Wert niedrig ist, wird das Intervall bis zu 10 Wochen verkürzt. Diese Messungen und Adjustierungen sollten dann jährlich erfolgen.
  • Niedrige Serumtestosteronwerte 2–4 Stunden nach der Einnahme von oralem Testosteronundecanoat sollten zunächst Anlass geben, den Patienten an die Notwendigkeit einer Einnahme mit einer Mahlzeit zur besseren Resorption zu erinnern. Wegen der erheblich intra- und interindividuell schwankenden Resorptionsmuster ist es jedoch schwierig, eine orale Testosteronundecanoat-Therapie durch Serumtestosteronspiegel zu überwachen und andere Parameter sind heranzuziehen.
  • Wenn bei transdermaler Testosteronapplikation mittels eines Gels unbefriedigende Serumwerte gemessen werden, sollte Testosteron etwa 4 bis 6 Stunden nach der Applikation und unmittelbar vor der nächsten Anwendung gemessen werden, um einen Eindruck von der Pharmakokinetik des Patienten zu erhalten. Wenn die Werte zu niedrig sind, kann die Dosis des Gels erhöht werden, und wenn die Werte zu hoch sind, kann die Dosis verringert oder das Intervall verlängert werden.
Bis die richtige Substitutionsform gefunden ist, müssen eventuell wiederholt Testosteronmessungen vorgenommen werden. Wenn der Patient einmal eingestellt ist, genügen Überprüfungen in 6 bis 12-monatigen Abständen. Der Patient sollte dann jeweils so einbestellt werden, dass die Blutabnahme am Ende eines Therapieintervalls erfolgt.
Grundsätzlich genügt die Bestimmung von Gesamttestosteron im Serum, und die Bestimmung von freiem, nicht an Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG) gebundenes Testosteron erübrigt sich, da freies und Gesamttestosteron eng miteinander korrelieren. Bei Hyperthyreose und unter der Einnahme von Antiepileptika kann es jedoch zu einem Anstieg des SHBG kommen, so dass auch das Gesamttestosteron ansteigt. Umgekehrt führt starke Adipositas zu einer Verminderung des SHBG und damit auch zu einer Verminderung des Gesamttestosterons. In diesen Fällen ist die Bestimmung von SHBG indiziert, um die Situation abzuklären (siehe Kap. „Endokrine Labordiagnostik“).
Bei Patienten, die unter der Therapie eine Gynäkomastie entwickeln, ist die gleichzeitige Bestimmung von Estradiol und Testosteron indiziert, um eine erhöhte Konversion zu Estradiol festzustellen. Wenn dies der Fall ist, sollte die Dosis reduziert oder zu einem physiologische Serumwerte produzierenden Präparat gewechselt werden.
Während die Gonadotropine von entscheidender Bedeutung für die Differenzialdiagnose zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus sind, spielen sie bei der Überwachung der Testosterontherapie des (primären) Hypogonadismus eine weniger wichtige Rolle. Bei einigen Formen des primären Hypogonadismus, z. B. bei Anorchie, besteht eine relativ gute Korrelation zwischen den Testosteronserumspiegeln und LH, aber auch FSH. In diesen Fällen kann es zu einer Normalisierung der Gonadotropine kommen. Bei der häufigsten Form des primären Hypogonadismus, beim Klinefelter-Syndrom, zeigen die LH- und FSH-Werte jedoch häufig keine mit den Testosteronserumwerten korrelierende Suppression, obwohl alle übrigen Parameter auf eine gute Testosteroneinstellung hinweisen. Ferner hat die orale und transdermale Testosterontherapie nur wenig Einfluss auf die Gonadotropine. Daher können die Gonadotropine nur bedingt als Parameter zur Überwachung der Testosterontherapie – und dann nur bei primärem Hypogonadismus – herangezogen werden.
Die leichte Anämie des hypogonadalen Patienten normalisiert sich unter Testosterontherapie. Daher bilden Hämoglobin, Erythrozytenzahl und Hämatokrit gute Parameter für die Therapieüberwachung. Bei zu hoher Testosterondosierung bewegen sich die Werte für Hämoglobin, Erythrozytenzahl und Hämatokrit in den supraphysiologischen Bereich und eine Polyglobuliekann sich entwickeln; ein Hämatokritwert > 54 % muss als ein Alarmzeichen gewertet werden (Ponce et al. 2018). Das wird vor allem unter Testosteronenantat beobachtet (Calof et al. 2005). Dann muss die Testosterondosis reduziert werden. Sollte der Hämatokrit über 54 % ansteigen, kann eventuell ein Aderlass erforderlich sein. Insbesondere ältere und adipöse Patienten und solche mit kurzen CAG-Repeats im Androgenrezeptor reagieren eher mit einer Polyglobulie (Zitzmann und Nieschlag 2007) (Abb. 10).
Abb. 10
Hämatokrit bei 66 hypogonadalen Männern unter Testosteronlangzeitsubstitution in Abhängigkeit von den Testosteronwerten (Spitzenwerte) im Serum und den CAG Repeats des Androgenrezeptors (AR[CAG]n). Insgesamt wurden 515 Injektionen von Testosteronundecanoat 1000 mg über mehrere Jahre in 10–14wöchigen Abständen verabreicht (Zitzmann und Nieschlag 2007)
Da Testosteron einen deutlichen Effekt auf die Erythropoese hat, wird unter Testosterontherapie in vielen Fällen eine vorher unerklärbare Anämie behoben (Roy et al. 2017). Wenn jedoch trotz ausreichend erscheinender Testosterontherapie keine Besserung der Anämie zu beobachten ist, muss an andere Ursachen, z. B. Eisenmangel, gedacht werden, die dann zusätzlich behandelt werden müssen.
Zu Beginn der Therapie sollte das rote Blutbild alle drei Monate, später in jährlichen Abständen kontrolliert werden.
Eine case-control-Studie mit 19.215 Patienten in UK fand ein minimal erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse bei Testosteron-behandelten Patienten, vornehmlich innerhalb von 6 Monaten nach Therapiebeginn, wobei die zur Behandlung verwandten verschiedenen Präparate nicht differenziert wurden (Martinez et al. 2016). Eine spätere Analyse kam jedoch zu dem Schluss, dass es sich bei den betroffenen Patienten um solche handelt, die an einer Thrombophilie und Hypofibrinolysis litten, und empfiehlt deshalb wie die European Medicines Agency (EMA), eine Thrombophilie vor Therapiebeginn auszuschließen (Corona et al. 2017; www.ema.europa.de).
Die hier empfohlenen Testosteronpräparationen haben auch bei langfristiger Anwendung keinen negativen Einfluss auf die Leberfunktion, obwohl diese Meinung nach wie vor bei manchen Ärzten vorherrscht (z. B. Gooren et al. 2007). Dies geht auf die obsolete Verabreichung von 17α-Methyltestosteron und 17α-alkylierter anaboler Steroide zurück, die tatsächlich lebertoxisch sind. Dies trifft jedoch nicht für natives Testosteron zu. Überwachung der Leberfunktion ist jedoch von besonderer Bedeutung bei Patienten mit gleichzeitig die Leber beeinflussenden Erkrankungen oder bei Hypogonadismus, der durch allgemeine Erkrankungen bedingt ist (siehe Kap. „Hypogonadismus, Infertilität und sexuelle Dysfunktion bei systemischen Erkrankungen“). In diesen Fällen kann die zusätzliche Medikation die Leberfunktion beeinflussen und damit den Testosteronmetabolismus, z. B. durch eine Erhöhung der SHBG-Konzentration verlangsamen. Dies muss dann bei der Beurteilung der Testosteronwerte mitberücksichtigt werden. Routinemäßig sollten Leberwerte bei der jährlichen Kontrolle überprüft werden.
Testosteron beeinflusst den Lipidstoffwechsel. Wenn es auch schwierig ist, bioäquivalente Dosen beim Vergleich verschiedener Präparate zu finden, so fallen die Effekte für einzelne Präparate doch unterschiedlich aus. Die Beeinflussung dieser Parameter bei hypogonadalen Patienten unter Testosterontherapie sollte jedoch nur zu einer Verschiebung in den normalen männlichen Bereich führen, und es bleibt unklar, ob ein Abfall des HDL und ein Anstieg des LDL innerhalb des Normalbereichs irgendeinen biologischen Effekt auf das Gefäßsystem hat. Insgesamt scheinen sich die pro- und anti-atherogenen Effekte des Testosterons die Waage zu halten (Channer und Jones 2012). Eine Metaanalyse fand keinen Zusammenhang zwischen Testosterontherapie und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko in 7/8 Studien (Clavell-Hernández und Wang 2018). Vielmehr scheinen subnormale Testosteronwerte das kardiovaskuläre Risiko und Mortalität zu erhöhen (Kirby et al. 2019). Bei gefährdeten Patienten muss unter Umständen das Präparat herausgesucht werden, das am wenigsten zu pathologischen Veränderungen dieser Parameter führt.

Prostata und Samenblasen

Unter Testosterontherapie wachsen Prostata und Samenbläschen des hypogonadalen Patienten in den Normalbereich und erlangen regelrechte Funktion. Dies kann am einfachsten durch den Anstieg des Ejakulatvolumens in den Normalbereich dokumentiert werden. Ein normales Ejakulatvolumen (≥ 1,5 ml) ist daher ein guter Parameter zur Überprüfung der Effizienz einer Testosterontherapie.
Durch die Testosteronbehandlung wird das Prostatavolumen nicht über den Normalbereich hinaus stimuliert – auch nicht durch die Testosteronenantat-Therapie mit zeitweise supraphysiologischen Testosteronserumwerten (Abb. 11), die Werte für PSA steigen leicht an, bleiben aber im Normalbereich und der Uroflow wird nicht negativ beeinflusst (Behre et al. 1994b).
Abb. 11
Prostatavolumen (planimetrisch gemessen durch transrektale Sonografie) bei hypogonadalen Patienten vor einer Testosterontherapie, hypogonadalen Patienten unter langfristiger effektiver Testosteronsubstitution und bei normalen Männern
In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis verfestigt, dass Testosteron nicht Ursache eines Prostatakarzinoms ist, wie mehrere epidemiologische und Therapiestudien gezeigt haben (z. B. Shores et al. 2012; Debruyne et al. 2017). Dennoch kann ein bestehendes Prostatakarzinom durch Testosteron stimuliert werden.
Da benigne Prostatahyperplasie (BPH) und Prostatakarzinom mit höherem Alter zunehmen und damit die Gefahr einer Stimulation eines existierenden Prostatakarzinoms wächst, sollte jeder Patient vor einer Testosterontherapie gründlich untersucht werden und sollte bei Patienten über 45 Jahren mindestens eine jährliche Kontrolle der Prostata vorgenommen werden.
Die rektale Untersuchung der Prostata auf Größe, Oberfläche und Konsistenz gehört zur regelmäßigen Überwachung einer Testosterontherapie. Wenn möglich, sollte die rektale Palpation durch die transrektale Ultrasonographie (TRUS)ergänzt werden, da sie eine nicht-invasive Beurteilung des gesamten Organs erlaubt. Das exakt gemessene Volumen ist ein Parameter für die Effizienz der Testosteronsubstitution und hängt nicht nur von den Serumtestosteronspiegeln, sondern auch vom Polymorphismus des Androgenrezeptorsab (Zitzmann et al. 2003). PSA (Prostataspezifisches Antigen) im Serum gehört zur Routineüberwachung der Prostata. Anstiege über 4 ng/ml oder ein Anstieg unter einer langjährigen Dauertherapie um mehr als 0,4 ng/ml pro Jahr sind Alarmzeichen für die Möglichkeit eines Karzinoms. Allerdings kann ein Karzinom auch bei niedrigen PSA- Werten vorliegen, das durch eine Testosteronsubstitution demaskiert wird. Daher sind Kontrollen 3–6 Monate nach Beginn einer Testosteronsubstitution und dann jährlich erforderlich (Wang et al. 2008). Bei Verdacht auf ein Karzinom muss der Patient einer urologischen Konsultation zugeführt werden, bei der die Diagnostik u. U. durch eine Prostatabiopsie ergänzt wird.
Der Frage, ob ein Patient nach erfolgreicher Behandlung eines Prostatakarzinoms je wieder Testosteron erhalten dürfte, haben sich die urologischen Onkologen vorsichtig genähert. Da die Folgen eines vollständigen Androgenentzugs immer deutlicher und für den Patienten unerträglicher wurden, wurde in den Leitlinien zunächst ein „angemessenes Intervall“ mit ausbleibendem PSA-Anstieg als Kriterium für eine Testosteronsubstitution angesetzt. Dann wurde überraschend eine hoch dosierte Intervalltherapie für das Kastrations-resistente Prostatakarzinom empfohlen (Isaacs und Denmeade 2012). Inzwischen wird festgestellt, dass eine Testosterontherapie nach einer radikalen Prostatektomie die Zeit bis zu einem Rezidiv und die Lebenserwartung verlängert (Ahlering et al. 2020). Damit wird das Postulat von Charles B. Huggins (1901–1997), dass Testosteron Prostatakarzinom verursacht, mit gegengeschlechtlichen Hormonen (= Estrogenen) behandelt werden kann und dafür 1966 den Nobelpreis erhalten hat, obsolet (Morgentaler und Caliber 2019).

Knochen und Muskel

Die verminderte Knochenmasse des hypogonadalen Patienten kann durch die Testosterontherapie normalisiert werden (Behre et al. 1997; Snyder et al. 2017) (Abb. 12). Bei guter therapeutischer Einstellung nehmen sowohl die kortikale wie die trabekuläre Knochenmasse zu, während die Wirbelkörperfläche (im QCT) unverändert bleibt. Wenn jedoch die Testosterontherapie erst sehr spät einsetzt, wird vorwiegend die kortikale Knochenmasse zunehmen. Die vertebrale Knochendichte kann auch bei Patienten, bei denen die Therapie erst im fortgeschrittenen Alter erforderlich wird, vermehrt und sogar normalisiert werden (Behre et al. 1997; Snyder et al. 2017).
Abb. 12
Knochendichte, gemessen mittels QCT der Lendenwirbelkörper, bei 72 hypogonadalen Patienten vor und unter Testosteronsubstitution bis zu 16 Jahren Dauer. Die Kreise indizieren Patienten, bei denen das erste QCT vor Therapiebeginn durchgeführt wurde, die Quadrate zeigen Patienten, bei denen erst während der Therapie QCT-Messungen angefertigt wurden. Die rote Fläche zeigt den Bereich mit hohem Frakturrisiko, die weiße Fläche den Bereich ohne besonderes Risiko und die hellrote Fläche den Bereich, wo Frakturen vorkommen können
Die Leitlinie zur Osteoporose der European Academy of Andrology (EAA) (Rochira et al. 2018) sieht vor, dass jeder hypogonadale Patient vor einer Testosterontherapie eine DXA-Untersuchung zur Knochendichte erhalten sollte. Falls eine Osteoporose erkennbar wird, sollte diese durch eine Röntgenuntersuchung der Wirbelkörper und der Hüften verifiziert werden. Bei manifester Osteoporose sollte die Testosterontherapie durch Vitamin D und Calcium ergänzt werden. Bei hohem Frakturrisiko sollten antiresorptive Medikamente hinzugegeben werden (z. B. Bisphosphonate). Eine Zunahme der Knochendichte kann frühestens ein halbes Jahr nach Therapiebeginn beobachtet werden (Snyder et al. 2017). Grundsätzlich sollten hypogonadale Patienten unter Testosteronsubstitution alle 2 Jahre einer DXA-Untersuchung der Knochendichte unterzogen werden.
Unter einer Testosteronsubstitution nimmt auch die Muskelmasse zu, während gleichzeitig die Fettmasse zurückgeht (Bhasin et al. 2012). Die vermehrte Muskelmasse resultiert aus einer Hyperplasie der vorhandenen Muskelzellen und gleichzeitiger Neubildung von Muskelzellen aus mesenchymalen Zellen. Die Zunahme der Muskelmasse beeinflusst wiederum die Knochendichte positiv. Subjektiv wird die verstärkte Muskelbildung vom Patienten als sichtbarer, das Selbstwertgefühl hebender Therapieerfolg gewertet.

Bewertungder Testosteronsubstitutionstherapie bei Hypogonadismus

Durch Testosteronmangel entsteht keine unmittelbare Lebensbedrohung, Testosteronmangel führt jedoch zu einer drastisch verminderten Lebensqualität und den verschiedensten Gesundheitsstörungen. Die oft geäußerte Vermutung, Testosteron sei für die kürzere Lebenserwartung von Männern gegenüber Frauen verantwortlich, lässt sich experimentell kaum überprüfen. Die gleich lange Lebensdauer von präpubertär kastrierten und intakten Männern (Nieschlag et al. 1993) spricht jedoch dafür, dass andere Faktoren als Testosteron für die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter verantwortlich sind (siehe Kap. „Anorchie und Polyorchie“). Niedrige Serumtestosteronwerte wurden sogar als Prädiktoren für eine kürzere Lebenserwartung beschrieben (Shores et al. 2006). Zumindest gibt es keinen Grund, einem Patienten eine Testosteronsubstitution vorzuenthalten.
Testosteron zeichnet sich durch eine hohe therapeutische Sicherheit aus, die nicht zuletzt auch durch das Fehlen ernsthafter langfristiger Nebenwirkungen nach hoch dosierter Anwendung wie z. B. bei übermäßigem Längenwachstum (siehe dieses Kap. „Anamnese und körperliche Untersuchung“) und illegaler Anwendung im Sport (siehe Kap. „Missbrauch von anabolen androgenen Steroiden (AAS)“) belegt wird. Die wichtigsten Gegenindikationen sind ein manifestes Prostatakarzinom oder ein sehr seltenes Mamma-Karzinom.
Der unmittelbare Nutzen der Testosteronsubstitutionstherapie ist schwer zu quantifizieren. Unbestritten steigt jedoch die Lebensqualität des Patienten unter Testosteron erheblich an. Gehobenes Selbstwertgefühl sowie Bestätigung durch sexuelle Aktivität und Befriedigung sind nicht zu unterschätzende Faktoren bei der sozialen Integration eines Patienten. Durch Förderung der physischen und psychischen Aktivität wird die Leistungsfähigkeit des Patienten angehoben bzw. erhalten, durch Beseitigung der Anämie, Kräftigung des Stützapparates und der Muskulatur sowie Reduzierung des Frakturrisikos wird Invalidität und Siechtum vorgebeugt.
Durch eine adäquate Substitutionstherapie werden die Patienten zu integrierten Mitgliedern der Gesellschaft mit zufriedenstellender Lebensqualität.
Wenn auch der eine oder andere Patient anfänglich vom Nutzen der geplanten Therapie überzeugt werden muss, da ihm die Vorstellungskraft für die Vorteile fehlt, so gibt es langfristig kaum einen Patienten, der freiwillig auf eine Substitutionstherapie verzichten möchte. Durch vermehrte Diskussion der Effekte des Testosterons in der Öffentlichkeit und durch Anregungen aus immer zahlreicher werdenden Selbsthilfegruppen Betroffener fällt es den Patienten zunehmend leichter, ihre Vorstellungen von einer adäquaten Therapie selber zu formulieren. Aufgabe des Arztes bleibt es, den Patienten zu führen, die verschiedenen Parameter zu überwachen und eine optimale Therapieeinstellung für den individuellen Patienten zu finden.

Testosterontherapie bei übermäßiges Längenwachstum

Testosteronmangel, wenn er bereits zur Zeit der Pubertät auftritt, bedingt eunuchoiden Hochwuchs, während normalerweise Testosteron durch rechtzeitigen Schluss der Epiphysenfugen zu proportionierten Körperwachstum führt. Durch Testosteron kann bereits vor der Pubertät ein Schluss der Epiphysenfugen und damit Minderwuchs bewirkt werden, wie z. B. bei Pubertaspraecox. Diese Tatsachen macht man sich zunutze, um bei Jungen mit einem erwarteten übermäßigen Längenwachstum (über 2 m Körperlänge) eine Verminderung der Endgröße zu erzielen. Denn durch eine frühzeitige hoch dosierte Testosterontherapie kann es zum Wachstumsstillstand kommen.
Meist werden in einem Alter von 12–16 Jahren wöchentlich 250 mg oder alle 2 Wochen 500 mg Testosteronenantat intramuskulär für etwa 1 Jahr verabreicht. Die einzusetzende Dosis ist also mindestens doppelt so hoch als sie zur Substitution verwandt würde. Zu kurze Therapiephasen mit Absetzen vor vollständigem Epiphysenfugenschluss macht den gewünschten Therapieerfolg zunichte. Bevor es zum Wachstumsstillstand kommt, kann der mögliche Therapieerfolg an der Entwicklung des Knochenalters abgelesen werden. Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto effektiver ist die angestrebte Größenreduktion. Wenn das Knochenalter über 14 Jahre beträgt, ist der Einsatz von Testosteron meist zwecklos (Drop et al. 1998). Ein zu früher Einsatz der Therapie verbietet sich aus psychosozialen Gründen wegen der induzierten frühzeitigen Pubertätsentwicklung.
Auch wenn Testosteron für diese Indikationen nicht zugelassen ist, wird eine derartige Behandlung im Sinne eines Heilversuches relativ häufig und seit Beginn der 1950er-Jahre durchgeführt. Dabei ist bemerkenswert, dass bisher keine kontrollierten Studien durchgeführt wurden, um den eigentlichen Therapieeffekt zu überprüfen. Darum erscheint es auch wichtig, sich mit der Frage eventueller Langzeitwirkungen auseinanderzusetzen.
Während der Behandlung mit pharmakologischen Testosterondosen wird die Entwicklung der Testes unterdrückt (siehe Kap. „Ansätze zur hormonellen männlichen Kontrazeption“), und es erhebt sich die Frage, ob diese vorübergehende Suppression der Testes und die hoch dosierte Testosterongabe im (früh-)pubertären Alter Folgen nach sich zieht. Eine ähnliche Frage stellt sich auch bei auf Testosteron basierenden Studien zur männlichen Kontrazeption, jedoch mit dem Unterschied, dass das Längenwachstum im nicht ausgereiften Organismus unterdrückt werden soll. Nach Absetzen der Therapie normalisiert sich die endokrine Hypophysen-Gonaden-Achse schnell.
Langfristige Nachuntersuchungen von so behandelten Jungen ergaben bisher ebenfalls keine Auffälligkeiten gegenüber Vergleichs- bzw. Kontrollkollektiven, die als Folge der Behandlung betrachtet werden könnten (de Waal et al. 1995; Lemcke et al. 1996). Insbesondere ergaben sich keine Hinweise auf Veränderungen des kardiovaskulären Systems und der Lipide im Serum sowie der Prostata (gemessen an Volumen, Binnenechos und PSA). Die bei den Nachuntersuchungen gehäuft gefundenen Einschränkungen der Ejakulatparameter sind eher auf die höhere Inzidenz von Lageanomalien der Testes und Varikozelen bei diesen Patienten als auf die Testosterontherapie zurückzuführen (Lemcke et al. 1996). Eine im Mittel 21 Jahre nach der Behandlung durchgeführte Untersuchung ergab, dass die Wahrscheinlichkeit zur Konzeption innerhalb eines Jahres bei 36 behandelten Patienten ebenso hoch war wie bei 30 unbehandelten Kontrollen (Hendriks et al. 2010). Im Hinblick auf die therapeutische Sicherheit des Testosterons haben die bisherigen Nachuntersuchungen ergeben, dass die Anwendung relativ hoher Dosen im Pubertätsalter ohne langfristige erfassbare Nebenwirkungen bleibt.
Wenn somit auch die langfristigen Nachbeobachtungen, soweit bisher durchgeführt, keine Einwände gegen eine derartige Therapie liefern, so muss bedacht werden, dass diese Testosterontherapie zu einer beschleunigten Pubertätsentwicklung mit allen psychischen und physischen Konsequenzen führt. Da es ferner kaum medizinische, sondern überwiegend psychologische Gründe für diese Therapie gibt, sollte sie in jedem Einzelfall sorgfältig überlegt werden und möglichst nur bei Extremfällen der zu erwarteten Körpergröße angewandt werden. Da die betroffenen Jungen (und ihre Eltern!) unter der übermäßigen Körpergröße vorwiegend in der Wachstumsphase leiden, später jedoch recht gut integriert sind, ist eine adäquate ärztliche bzw. psychologische Betreuung zur besseren Adaptation indiziert. Oft wird eine derartige Führung des Patienten ausreichen und zusätzliche Testosterontherapie überflüssig machen.

Zusammenfassung

  • Alle Formen des Hypogonadismus bedürfen einer Therapie mit Testosteron.
  • Auch bei sekundärem Hypogonadismus ist langfristig eine Testosteronsubstitution indiziert, die lediglich beim Wunsch nach Zeugungsfähigkeit für die Zeit der GnRH- oder Gonadotropin-Therapie unterbrochen wird.
  • Für viele Jahrzehnte war eine Substitution mit Testosteronenantat oder – cypionat die führende Form der Testosteronsubstitution.
  • In der 1970er-Jahren kam das oral wirksame Testosteronundecanoat dazu und in den 1990er-Jahren die ersten transdermalen Präparate in Form von Membranen und Pflastern.
  • Später kamen auch Testosterongele hinzu, mit denen sich physiologische Serumtestosteronspiegel erreichen lassen.
  • Mit injizierbarem Testosteronundecanoat kam ein echtes Depotpräparat zur klinischen Anwendung.
  • Die regelmäßige Überwachung der Testosteronsubstitution muss die positiven Effekte beobachten, und wegen möglicher unerwünschter Nebenwirkungen vor allem das rote Blutbild und die Prostata verfolgen.
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