Raynaud-Phänomen
Wenn Anamnese, klinische Untersuchung, Labordiagnostik und apparative Verfahren keine Grundkrankheit erkennen ließen, kann man von einem primären
Raynaud-Phänomen mit günstiger Prognose ausgehen; bei jungen Frauen mit geringen Symptomen ohne sonstige Krankheitszeichen wird man sich meist schon aufgrund der Klinik für diese Einstufung entscheiden. Sie sollte überprüft werden, wenn sich die Beschwerden verstärken oder anderweitige Symptome (vor allem einer
Sklerodermie) hinzutreten.
Meist reicht es aus, die betroffenen Patient(inn)en über die Harmlosigkeit ihrer Erkrankung aufzuklären. Allerdings muss man den Heranwachsenden von kälteexponierten Berufen abraten. Wichtig ist in jedem Falle eine konsequente Kälteprophylaxe, was das Tragen von Handschuhen bereits bei weniger kalten Außentemperaturen umfasst. Hierbei sind Fäustlinge vorzuziehen, in denen sich die Finger gegenseitig wärmen. Empfehlenswert sind beheizbare Handschuhe, vor allem mit Elementen für die Finger; der Einsatz ist freilich durch eine kurze Laufzeit der Batterien eingeschränkt.
Sport bessert im Allgemeinen die Raynaud-Symptomatik nicht, da er die Sympathikusaktivität verstärkt. Hilfreich kann der Einsatz spezieller Trainingsverfahren sein, die besonders die Finger beanspruchen. Beim Griptrainer schließt man die Faust gegen Widerstand und fordert speziell die Durchblutung der Fingermuskulatur, außerdem unterbleibt die Aktivierung des Sympathikus.
Für das autogene Training oder Biofeedbackmethoden ist eine Steigerung der Fingerdurchblutung vor allem beim primären
Raynaud-Phänomen beschrieben, in Vergleichsstudien war ihr Effekt aber gering. Auch Akupunktur kann hilfreich sein. Es ist von einem hohen Plazeboeffekt auszugehen.
Auch Medikamente, beispielsweise Ginkgopräparate, haben einen hohen Plazeboeffekt. Eine darüber hinausgehende Effektivität zur Reduktion der Anfallshäufigkeit und -dauer des
Raynaud-Phänomens ist für die
Kalziumantagonisten belegt (Ennis et al.
2014). Allerdings sprechen nur etwa die Hälfte der Behandelten gut an, ein größerer Teil verlässt die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen (
Kopfschmerzen, Tachykardien, Blutdruckabfälle, periphere
Ödeme).
Andere Medikamente (
Prostaglandine, PDE-Hemmer, Botulinus) können in schweren Fällen versucht werden, sind aber generell den sekundären Formen vorbehalten, insbesondere der
Sklerodermie.
Ist ein Medikament andererseits als (Mit-)Auslöser des
Raynaud-Phänomens identifiziert worden, wird man es nicht immer ersetzen können. Dies gilt namentlich für
Betablocker. Präparate mit hoher β
1-Selektivität und peripherer NO-Freisetzung wie Nebivolol haben theoretische Vorzüge, die bisher aber nicht anhand klinischer Studien nachgewiesen sind.