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Publiziert am: 12.12.2023 Bitte beachten Sie v.a. beim therapeutischen Vorgehen das Erscheinungsdatum des Beitrags.

Impfungen

Verfasst von: Frederike Waldeck und Simone Wolff
Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zur Verhütung von Infektionserkrankungen des modernen Gesundheitswesens. Sie haben seit Mitte des letzten Jahrhunderts zu einem drastischen Rückgang von verschiedenen Infektionserkrankungen geführt. In diesem Kapitel wird auf die Unterschiede zwischen aktiver und passiver Immunisierung, Tod- und Lebendimpfstoffen und die Pathophysiologie von Impfungen eingegangen. Des Weiteren wird über die Indikationen und Kontraindikationen sowie das praktische Vorgehen beim Impfen berichtet. Ein Fokus liegt auf den Indikationen bei Risikopopulationen wie Immunsupprimierten und durch den Beruf exponierte Personen.

Definitionen und Einleitung

Impfungen sind biologische Produkte, die eine Immunreaktion und damit einen Schutz gegen Infektionserkrankungen bei erneuter Exposition mit dem Krankheitserreger auslösen. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und weisen nur in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen auf. Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zur Verhütung von Infektionserkrankungen des modernen Gesundheitswesens (epidemiologisches Bulletin 04/2022). Das Ziel von Impfungen ist es den Geimpften vor einer Infektionserkrankung zu schützen. Seit Einführung von Impfprogramme in den 1950–60er-Jahren sind die Inzidenzen von verschiedenen Infektionserkrankungen (z. B. Diphtherie, Polio, Masern, Pertussis) drastisch gesunken (Pollard und Bijker 2021). Bei einer hohen Durchimpfungsrate der Bevölkerung ist es zudem möglich, eine Infektionskrankheit zu eliminieren. Dies konnte am Beispiel der Pockenviren gezeigt werden, die seit 1979 als ausgerottet gelten. So ist die Ausrottung von Masern, Polio und Röteln das erklärte Ziel der Bundesrepublik Deutschland (epidemiologisches Bulletin 04/2022).
Man unterscheidet eine aktive von einer passiven Immunisierung. Bei einer passiven Immunisierung enthält der angewendete Impfstoff bereits die passgenauen Antikörper. Passive Impfungen werden eingesetzt, um bei bereits erfolgtem Erregerkontakt den Ausbruch einer Erkrankung zu verhindern (z. B. nach Tollwutexposition). Die aktive Immunisierung setzt eine körpereigene Immunantwort in Gang, an deren Ende die Ausbildung von spezifischen Antikörpern sowie eines immunologischen Gedächtnisses steht. Die passive Immunisierung wirkt sofort, allerdings werden die dem Körper zugeführten Antikörper schnell abgebaut. Passive Impfungen führen nicht zu einem Immungedächtnis.
Aktive Impfstoffe werden in Lebend- und Totimpfstoffe unterteilt. Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber replikationsfähige Erreger, während Totimpfstoffe lediglich einzelne Komponenten der Erreger bzw. nicht mehr replikationsfähige abgetötete Erreger enthalten. Ergänzend zu den klassischen Totimpfstoffen wurden über die letzten Jahrzehnte eine Vielzahl anderer Impfstoffklassen entwickelt, wie z. B. Impfstoffe basierend auf viralen Vektoren (Ebola), Virus ähnliche Partikel (HPV, Hepatitis B); Protein-Polysaccharid-Konjugat-Impfstoffe (Haemophilus influenzae Typ B, Pneumokokken, Meningokokken) und aktuell auch mRNA-Impfstoffe (SARS-CoV-2).

Pathophysiologie

Lebendimpfstoffe können bei Immunkompetenten eine starke und dauerhafte Immunantwort auslösen, ohne zu einer Manifestation der Erkrankung zu führen. Bei Immunsupprimierten und Schwangeren sind sie kontraindiziert, da sie die geimpfte Erkrankung auslösen können. Bei Totimpfstoffen sind häufig Adjuvantien (z. B. Aluminiumsalz, Öl-in-Wasser-Emulsion) notwendig, um die Immunantwort zu verstärken.
Die adaptive Immunantwort erfolgt über das Zusammenspiel des zellulären (B/T-Zellen, Plasmazellen) und humoralen Immunsystems (spezifische Antikörper). Ein im Impfstoff enthaltenes Antigen wird zunächst von dendritischen Zellen, die mithilfe von Warnsignalen der Impfstoff-Adjuvantien über PRRs (pattern recognition receptors) aktiviert wurden, aufgenommen. Anschließend wird es über MHC-II-Moleküle (major histocompability complex II) auf der Oberfläche von dendritischen Zellen präsentiert. Die aktivierten dendritischen Zellen wandern in die drainierenden Lymphknoten. Hier werden CD4+-T-Zellen über den T-Zellrezeptor/MHC-II-Komplex und CD8+-T-Zellen über den T-Zellrezeptor/MHC-I-Komplex aktiviert. Die CD4+-T-Zellen stimulieren über Zytokine in Kombination mit der Bindung des Impfstoffantigens an den B-Zell-Rezeptor die Proliferation und Reifung von B-Zellen. B-Zellen mit der höchsten Antigenspezifität werden zu Antikörper produzierenden Plasmazellen oder Gedächtniszellen. Die Gedächtniszellen vermitteln bei einer späteren erneuten Antigenpräsentation eine schnellere spezifischere Immunantwort.
Das immunologische Gedächtnis spielt eine wesentliche Rolle beim Schutz vor einer Infektion. Nach einer ersten induzierten Impfantwort sinken die Antikörperspiegel häufig unter einen für den Schutz vor einer Erkrankung benötigten Spiegel. Ob die Gedächtnisfunktion des Immunsystems zum Schutz vor einer Infektion nach primärer Immunantwort ausreicht, hängt von der Inkubationszeit (also der Zeit zwischen Antigenexposition und erstem Auftreten der Symptome), der Qualität der Gedächtnisantwort und dem von den Gedächtniszellen induzierten Antikörperspiegel ab.
Bei einer kurzen Inkubationszeit des Erregers (z. B. Haemophilus influenzae Typ B) kann die Antwort des immunologischen Gedächtnisses nicht ausreichend und schnell genug sein, um eine Erkrankung zu verhindern. Mehrfache Impfungen/Auffrischimpfungen sind in diesem Fall notwendig, um einen ausreichenden und dauerhaften Schutz zu erreichen. Bei anderen Erkrankungen (z. B. Gelbfieber) bleiben die Antikörperspiegel in der Regel auch nach einer nur einmaligen Impfung ausreichend hoch und gewährleisten eine lebenslange Immunität (Clem 2011).

Impfkalender

Die ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expertengremium, welches im Infektionsschutzgesetz verankert ist und aus berufenen Mitgliedern des Bundesministeriums für Gesundheit besteht (epidemiologisches Bulletin 4/2022). Die STIKO ist für die evidenzbasierten Empfehlungen zu Impfungen und prophylaktischen Maßnahmen von übertragbaren Infektionserkrankungen verantwortlich. Für die Empfehlungen werden die vorhandene Evidenz zu den Impfstoffen, zu erwartende Effekte auf Bevölkerungsebene sowie eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt. Anhand dessen wird jährlich ein Impfkalender formuliert. Dieser ist zudem entscheidend dafür, ob eine Schutzimpfung als Pflichtleistung der Krankenkassen übernommen wird.
Man unterscheidet eine Grundimmunisierung, die bei Kindern und Säuglingen durchgeführt wird, von Standardimpfungen und Auffrischimpfungen bei Jugendlichen und Erwachsenen. Ferner gibt es Indikationsimpfungen für Risikogruppen mit erhöhtem Risiko für eine Infektion, Komplikation oder zum Schutz Dritter, sowie Impfungen bei erhöhter beruflicher Exposition gemäß Arbeitsschutzgesetz/Biostoffverordnung und Impfungen bei Reisen. Zu den aktuell empfohlenen Impfungen der Grundimmunisierung gehören Impfungen gegen Rotaviren, Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Pertussis, Haemophilus influenza Typ B, Hepatitis B, Varizella-zoster-Virus, Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken), Masern, Mumps, Röteln und humane Papillomaviren. Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis und Pertussis werden bei Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt. Die Standardimpfungen gegen Pneumokokken und Influenza werden bei Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr empfohlen sowie die Impfung gegen Masern bei nach 1970 geborenen Personen ohne dokumentierte Impfung oder bei unklarem oder unzureichendem Impfstatus. Für die genauen Impfintervalle wird auf den aktuellen Impfkalender der STIKO auf der Seite des Robert-Koch Instituts verwiesen (epidemiologisches Bulletin 04/2022). Jede ärztliche Konsultation eignet sich zur Überprüfung und Vervollständigung des Impfstatus. Verpasste Impfungen sollten zum frühestmöglichen Zeitpunkt nachgeholt werden.

Praktische Hinweise zum Impfen

Vor der Durchführung der Impfung besteht die ärztliche Pflicht zur Aufklärung über die Impfung, die zu verhütende Krankheit, Nebenwirkungen, Nutzen, Durchführung, Kontraindikationen und Beginn und Dauer des Impfschutzes. Intramuskuläre Impfungen werden klassischerweise in den Musculus deltoideus verabreicht. Bei Kindern und Säuglingen erfolgt die intramuskuläre Impfung in den Musculus vastus lateralis (anterolateraler Oberschenkel). Bei Antikoagulation darf eine intramuskuläre Impfung erfolgen, es muss allerdings auf eine gute Kompression der Impfstelle nach Applikation der Impfung geachtet werden. Zu beachten ist, dass eine intramuskuläre Impfung immer intramuskulär verabreicht werden muss, um eine ausreichende Wirkung des Impfstoffes zu gewährleisten. Wann immer möglich, sollte man auf Kombinationsimpfstoffe zurückgreifen, um die Anzahl an Infektionen zu vermindern. Nach Applikation der Impfung muss diese im gelben Impfpass dokumentiert werden.
Prinzipiell handelt es sich bei den empfohlenen Impfabständen um Mindestabstände, die nicht unterschritten werden sollen, um eine gute Wirkung der Impfung zu erzielen. Eine Verlängerung des Impfabstandes ist dagegen problemlos möglich. Jede Impfung zählt, d. h. bei Verlängerung des Impfabstandes muss eine Impfserie nicht neu begonnen, sondern kann wieder aufgenommen werden. Dies gilt auch bei seit vielen Jahren unterbrochenen Impfserien.
Impfungen dürfen gleichzeitig verabreicht werden. Dafür muss bei der Applikation der Impfung ein ausreichender Abstand der Injektionsstelle eingehalten werden. Zudem sollte der Geimpfte über eine mögliche verstärkte Impfreaktion informiert werden. Allerdings muss nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff ein Impfabstand zur nächsten Impfung mit einem Lebendimpfstoff von mindestens vier Wochen eingehalten werden. Bei Todimpfstoffen müssen keine Mindestabstände zu anderen Impfungen eingehalten werden.

Kontraindikationen von Impfungen

Allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten von Inhaltsstoffen stellen mögliche Kontraindikationen von Impfungen dar. Beispiele dafür sind allergische Reaktionen auf Hühnereiweiß, Streptomycin und Neomycin. Personen mit anaphylaktischen Reaktionen auf Hühnereiweiß sollten nicht mit Impfungen geimpft werden, die dieses enthalten (z. B. die Influenza-Impfung). Außerdem besteht bei angeborener oder erworbener Immunschwäche, Immunsuppression sowie Schwangerschaft eine Kontraindikation für Lebendimpfstoffe. Dies muss im Einzelfall geprüft werden. Zudem kann in diesem Patientenkollektiv eine Überprüfung des Impferfolges mithilfe von Impftitern sinnvoll sein (z. B. Covid-19). Eine Risiko-Nutzen-Abwägung sollte bei der Varizellenimpfung des Kindes einer seronegativen schwangeren Mutter erfolgen, da Übertragungen auf die Schwangere beschrieben wurden. Stillende Mütter sollten nicht gegen Gelbfieber geimpft werden, da weltweit vereinzelte Fälle von Übertragungen auf gestillte Säuglinge und konsekutive Enzephalitiden beschrieben worden sind (Lactmed 2021).
Keine Kontraindikationen für Impfungen stellen banale Infekte, Einnahme von Antibiotika oder niedrig-dosierten Steroiden, Krampfanfälle oder Fieberkrämpfe in der Anamnese, neurodegenerative Erkrankungen, lokale Hautinfektionen, Frühgeburtlichkeit, Neugeborenenikterus, gestillte Säuglinge und andere dar.

Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Gemäß STIKO wird eine übliche Impfreaktion wie folgt definiert: Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle (Dauer bis drei Tage, gelegentlich länger), Fieber < 39,5 °C, Allgemeinsymptome (u. a. Kopf-/Gliederschmerzen), Lymphknotenschwellung für ca. drei Tage und das Auftreten einer Impfkrankheit 1–3 Wochen nach Impfung (z. B. leichte gastrointestinale Beschwerden nach Rotavirusimpfung, leichtes Exanthem nach Masern/Mumps/Röteln Impfung). Auch Krankheitserscheinungen mit offensichtlich anderer Ursache sind nicht meldepflichtig. Eine Impfreaktion, die über das übliche Maß hinausgeht, ist gemäß § 6 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes innerhalb von 24 Stunden namentlich meldepflichtig. Die Meldung muss an das zuständige Gesundheitsamt erfolgen. Meldungen können über die behandelnden Ärzte oder den Verbraucher erfolgen. Die Gesundheitsämter sind verpflichtet, die gemeldeten Verdachtsfälle den zuständigen Behörden (u. a. Paul-Ehrlich Institut, PEI) weiterzuleiten. Alternativ kann die Meldung direkt an das PEI (https://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit/pharmakovigilanz/meldeformulare-online-meldung/meldeformulare-online-meldung-node.html) oder den Hersteller erfolgen. Erfasste Nebenwirkungen sind auf der Internetseite des PEI einsehbar.
Sehr seltene, aber relevante Nebenwirkungen sind anaphylaktische Reaktionen auf Impfbestandteile (Hühnereiweiß, Latex). Zudem besteht ein sehr niedriges Risiko für eine idiopathische Thrombozytopenie nach Impfungen gegen Masern (Farrington et al. 1995). Weiterhin nicht endgültig geklärt ist der Zusammenhang von Narkolepsie mit der H1N1-Impfung während der Influenzaepidemie 2009 (Nohynek et al. 2012). Kein Zusammenhang besteht zwischen der Masern-/Mumps-/Röteln-Impfung und Autismus Ende der 1990er-Jahre, wie es häufig berichtet wird (Taylor et al. 2014). Nebenwirkungen von Impfungen sind besonders gut anhand der während der Covid-19 Pandemie entwickelten Impfungen dokumentiert. So stellt die Peri-/Myokarditis eine sehr seltene, aber relevante Nebenwirkung bei Covid-19-Impfung mit Comirnaty, Spikevax oder Nuvaxovid dar. Auch Veränderungen der Hämostase wie z. B. Immunthrombozytopenien, thrombotisch thrombozytopenische Purpura oder venöse (zentrale) Thrombose sind seltene Nebenwirkungen von den Covid-19-Impfstoffen Vaxzevria und Jcovden (Paul-Ehrlich-Institut 09/2022).

Impfungen bei speziellen Populationen

Impfungen bei Schwangeren

Impfpräventive Erkrankungen, z. B. durch Röteln und Varizellen, stellen ein Risiko für die Schwangere während der Schwangerschaft und Peripartalzeit sowie für die intrauterine Entwicklung des Fetus und das Neugeborene dar. Daher sollte der Impfstatus vor Planung einer Schwangerschaft überprüft und vervollständigt werden. Totimpfstoffe sind während der Schwangerschaft sicher (Munoz und Jamieson 2019). Lebendimpfstoffe sind während der Schwangerschaft kontraindiziert, wegen denen eine Schwangerschaft in den vier Wochen nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff verhütet werden sollte. Die Gelbfieberimpfung sollte nur nach genauer Risiko-Nutzen-Abwägung während der Schwangerschaft erfolgen und ist während der Stillzeit kontraindiziert (s. o.). Allerdings muss bei versehentlich applizierten Lebendimpfstoffen während der Frühschwangerschaft kein Abort durchgeführt werden. Bisherige Metaanalysen zeigen bei > 3500 Schwangerschaften kein erhöhtes Risiko für eine Rötelnembryopathie, bei einer Impfung in der Schwangerschaft (Mangtani et al. 2020).
Schwangere sollten ab dem zweiten Trimenon gegen Influenza und bei fehlendem Impfschutz gegen Covid-19 geimpft werden. Zudem besteht die Indikation für eine Pertussisimpfung im dritten Trimenon um die 28. Schwangerschaftswoche, um einen idealen Nestschutz für das Neugeborene durch den Anstieg der Antikörper zur Geburt zu haben. Die Pertussisimpfung im dritten Trimenon wird bei wiederholter Schwangerschaft jeweils empfohlen.

Impfungen bei Risikopatienten

Patienten mit einer Immunsuppression sollten gemäß den STIKO-Empfehlungen geimpft werden – wenn immer möglich vor Beginn der Immunsuppression, um ein besseres Impfansprechen zu garantieren. Aufgrund des verminderten Impfansprechens – abhängig von der Immunsuppression – sollte insbesondere auch auf die Impfung von Haushaltkontakten und weiteren direkten Kontaktpersonen (Pflegepersonen u. a.) geachtet werden. Die Kontrolle und Vervollständigung des Impfschutzes stellen daher eine wichtige Aufgabe bei jeder ärztlichen Konsultation dar. In Tab. 1 sind die empfohlenen Impfungen anhand von Risikofaktoren aufgeschlüsselt dargestellt.
Tab. 1
Impfungen bei Risikopatienten
Kategorie
Krankheit
Pneumo-kokken2
Meningo-kokken3
Varizellen
Herpes Zoster4
HAV
HNO
Cochleaimplantat
 
PCV13 + PPSV23
     
Lunge
COPD, Asthma, CF
1x/Jahr
PPSV23 1x
  
≥ 50 J. (nicht CF)
  
Leber
Leberzirrhose, chronische Lebererkrankung
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
   
2–3x
2–3x
Herz
1x/Jahr
PPSV23 1x
     
Milz5
Asplenie
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
indiziert
    
Niere
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23 (+nephrotisches Syndrom)
  
≥ 50 J.*
 
2–3x
Haut
   
2x
   
GI
CED
    
≥ 50 J.
  
Blut
 
PCV13 + PPSV23
indiziert
    
      
2–3x
 
Stoffwechsel
Diabetes mellitus
1x/Jahr
PPSV23 1x
  
≥ 50 J.
  
 
andere
1x/Jahr
PPSV23 1x
     
Transplantation
Geplante SOT
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
Seronegative 2x
≥ 50 J.
2–3x nach LTX
2–3x nach LTX
 
Erfolgte SOT
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
Kontraindiziert
≥ 50 J.
  
 
HSCT
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
Kontraindiziert, nach 24 Monaten
≥ 50 J.
  
Neoplasien
Lymphom, Leukämie, Myelom
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
Kontraindiziert
≥ 50 J.
  
ZNS
Schädelbasisfraktur/Liquorfistel
 
PCV13 + PPSV23
     
 
1x/Jahr
      
  
PPSV23 1x
     
Immunsuppression
Medikamentöse Immunsuppression
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
Kontraindiziert, vor Start 2x
≥ 50 J.
  
CD-4 Zellen > 200 (15 %)
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
  
≥ 50 J.
 
2–3x
 
CD-4 Zellen < 200 (15 %)
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
 
kontraindiziert
≥ 50 J.
 
2–3x
Immun-defizite
Angeboren oder erworben
1x/Jahr
PCV13 + PPSV23
indiziert
kontraindiziert
≥ 50 J.
  
Neugeborene
Mutter Hbs-Ag pos.
      
3–4x, zusätzlich passive Immunisierung
MSM
      
2–3x
2–3x
IVDA
      
2–3x
2–3x
HAV Hepatitis-A-Virus, HNO Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, GI gastrointestinale Erkrankungen, ZNS Erkrankungen des zentral nervöses System, HIV Humanes Immunodefizienzvirus; MSM Männer, die Sex mit Männern haben, IVDA intravenöser Drogenabusus, COPD chronisch obstruktive Bronchitis, CF cystische Fibrose, CED chronische entzündliche Darmerkrankungen, SOT solid organ transplantation (Organtransplantation), HSCT hämatopoetische Stammzelltransplantation, Hbs-Ag Hepatitis-B-Surface-Antigen, CKD chronische Niereninsuffizienz, LTX Lebertransplantation
1ab 6 Monaten, quadrivalenter Impfstoff. Ab ≥ 60 Jahren hoch dosierter quadrivalenter Impfstoff. 2Sequenzielle Impfung mit 13-kovalenten Konjugatimpfstoff (PCV 13) gefolgt von PPSV23 nach 6–12 Monaten. 3Impfungen gegen Meningokokken der Serogruppen ACWY und B. 4Totimpfstoff (Shingrix). 51x Hämophilus influenza TypB bei fehlender Grundimmunisierung. *auch bei chronischer Niereninsuffizienz. Empfehlungen der STIKO 20221

Impfungen bei beruflicher Exposition

Impfungen stellen eine effektive Möglichkeit dar, Infektionserkrankungen bei beruflicher Exposition zu verhindern. In Tab. 2 sind die wichtigsten Impfungen bei beruflicher Exposition dargestellt.
Tab. 2
Impfungen bei beruflicher Exposition
Beruf
Gelb-fieber
HAV
HBV
MMR*
Meningo-kokken
Pneumo-kokken
Polio
Toll-wut
VZV**
Labor-personal
×
Bei Exposition in Forschungslaboren
 
im Gesundheitswesen
 
×
×
  
×
×
 
Land-/Forst-wirtschaft
In Risikogebieten
   
Bei Kontakt zu Vögeln, Geflügel
     
×, inkl. Jäger
 
Personen des Gesundheits-wesens
  
×
×
×
×
 
×
 
×
 
×
Personen mit Abwasser-kontakt
  
×
         
Tätigkeiten in der Kinder-betreuung, Behinderten-heimen, Asylheimen
  
×
×
Bei Betreuung von Risikopersonen
×
 
×
 
In Asyl-/Flüchtlingsheimen
 
×
Küchen-personal
  
im Gesundheitswesen
         
Reinigungs-personal
  
im Gesundheitswesen
im Gesundheitswesen
        
Polizei
   
×
        
Personal von Gefängnissen
   
×
 
×
 
×
   
×
Betriebliche Ersthelfer
   
×
        
Fach-/Berufs-/Hoch-schulen
     
×
      
Metall-arbeiter, Schweißer
        
PPSV23, Auffrischung nach 6 Jahren
   
Tierärzte
          
×
 
× Indiziert, HAV Hepatitis-A-Virus, HBV Hepatitis-B-Virus, FSME Frühsommermeningoenzephalitis, MMR Masern/Mumps/Röteln, VZV Varizella-zoster-Virus
*nach 1970 geborene Personen ohne nachweisbaren Impfschutz
**seronegative Personen. Empfehlungen der STIKO 20221

Reiseimpfungen

Vor Beginn einer Auslandsreise sollte eine reisemedizinische Beratung erfolgen, um das persönliche Risiko für die Expositionen zu Infektionserregern einzuschätzen, den Impfstatus zu überprüfen und zu vervollständigen sowie über medikamentöse (z. B. Malaria) und verhaltensprophylaktische Maßnahmen (z. B. Mückenschutz) zu informieren. Zu den Reiseimpfungen gehören Hepatitis A und B, Frühsommermeningoenzephalitis, Gelbfieber, Polio, Typhus, Influenza, Tollwut, Cholera, Japanische Enzephalitis und Meningokokken, die abhängig von dem individuellen Risiko, geplanter Reiseroute und Art und Dauer der Reise indiziert sind.
Literatur
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