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Publiziert am: 13.03.2024
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Pankreaskarzinom: Klinik, Labordiagnostik und bildgebende Diagnostik
Verfasst von: Markus Casper, Claus Mai und Manfred Lutz
Über 90 % aller soliden Pankreastumoren sind duktale Adenokarzinome. Typische Erstsymptome sind persistierende, dumpfe Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken und bei Karzinomen im Pankreaskopf auch ein Verschlussikterus durch Obstruktion des Gallenganges. Spezifische laborchemische Tests fehlen. Tumormarker (insbesondere CA 19-9) dienen v. a. zur Verlaufsbeurteilung bei bereits gesichertem Tumor, da auch bei benignen cholestatischen Erkrankungen deutlich erhöhte Werte beobachtet werden. Von den bildgebenden Verfahren stellt die Abdomensonografie das Basisverfahren zum Screening dar. Die kontrastverstärkte Computertomografie in hochauflösender Dünnschichttechnik gilt aufgrund der hohen Sensitivität und Spezifität als Standardverfahren beim Verdacht auf ein Pankreaskarzinom und kann sehr gut zur Beurteilung der Operabilität herangezogen werden. Die MRT ist ein sinnvolles Alternativverfahren bei Kontraindikationen gegen eine CT oder zur weitergehenden Abklärung v. a. bei zystischen Befunden. Die Endosonografie eignet sich wegen ihrer hohen Ortsauflösung hervorragend zur Beurteilung der lokalen Tumorsituation, zur Detektion kleiner solider Tumoren und zur differenzialdiagnostischen Klärung unklarer Befunde mit der Möglichkeit zur gezielten Punktion. Ist eine OP geplant, sollte zum Ausschluss von kleinen Lebermetastasen ergänzend ein MRT der Leber mit Diffusionswichtung durchgeführt werden.
Über 90 % aller soliden Pankreastumoren sind duktale Adenokarzinome des exokrinen Pankreas. In Deutschland erkranken jährlich über 19.000 Personen am Pankreaskarzinom. Damit nimmt das Pankreaskarzinom bei Männern den 7. und bei Frauen den 6. Platz der Krebsneuerkrankungen ein. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren für Männer und 76 Jahren für Frauen (RKI 2021). Die Prognose des Pankreaskarzinoms ist mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 10 % nach wie vor schlecht, v. a. weil die Mehrzahl der Tumoren bereits bei Erstdiagnose lokal fortgeschritten oder metastasiert ist. Allein die frühzeitige komplette chirurgische Resektion, in Kombination mit (neo)adjuvanter Chemotherapie, bietet die Chance auf ein längeres Überleben (Lutz et al. 2017). Differenzialdiagnostisch vom duktalen Adenokarzinom abzugrenzen sind zystische und neuroendokrine Tumoren oder Azinuszellkarzinome sowie Papillen- bzw. Gallenwegskarzinome, die eine meist bessere Prognose aufweisen. Pankreasmetastasen anderer Primärtumoren finden sich in bis zu 5 % aller Resektionspräparate.
Klinik
Die Symptome (s. nachfolgende Übersicht) eines duktalen Pankreaskarzinoms sind uncharakteristisch. Eindeutige Frühsymptome fehlen. Meist berichten die Patienten über persistierende tiefe Oberbauch- oder Rückenschmerzen seit Wochen oder Monaten, oft assoziiert mit Inappetenz, Völlegefühl, Schwäche und Gewichtsverlust. Bereits kleine Tumoren verursachen mitunter dumpfe, ziehende Schmerzen, die gürtelförmig über den gesamten Oberbauch oder in den Rücken ausstrahlen. Die Beschwerden halten meist auch nachts an und können sich durch Nahrungsaufnahme verstärken. Gelegentlich kann ein Lagewechsel, insbesondere in die Hocke oder durch Anziehen der Beine, Linderung verschaffen (Bakkevold et al. 1992; Seufferlein et al. 2021).
Das klinische Bild wird durch die Lokalisation des Tumors beeinflusst. Ungefähr 70 % der Pankreaskarzinome sind im Pankreaskopf lokalisiert, ca. 20 % im Pankreasschwanz. Tumoren im Pankreaskopf manifestieren sich meist mit einem Verschlussikterus ohne akutes Schmerzereignis und lassen sich so von einem Gallensteinleiden oder einer akuten Pankreatitis differenzieren. Ein neu aufgetretener, schmerzloser Ikterus sollte daher immer diagnostische Untersuchungen in Hinblick auf ein Pankreaskarzinom auslösen (Seufferlein et al. 2021). Verdauungsstörungen als Zeichen einer exokrinen Insuffizienz sind häufig. Eine Steatorrhö wird bei knapp 30 % der Patienten beobachtet. Tumoren im Pankreaskorpus oder -schwanz sind oft oligosymptomatisch und häufig bereits bei der Erstdiagnose peritoneal oder hepatisch metastasiert.
Es besteht lediglich ein mäßiger kausaler Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus Typ 2 und Pankreaskarzinom. Ein neu aufgetretener Diabetes mellitus Typ 2 sollte bei Fehlen weiterer Symptome für ein Pankreaskarzinom daher bis auf eine Abdomensonografie keine diagnostischen Untersuchungen für ein Pankreaskarzinom auslösen. Demgegenüber sollte eine erstmalige idiopathische Pankreatitis bei Patienten > 50 Jahre eine weitergehende bildgebende Diagnostik triggern (Mujica et al. 2000; Munigala et al. 2014; Seufferlein et al. 2021).
Als Spätsymptom der Tumorerkrankung kommt es gehäuft zu paraneoplastischen venösen Thrombosen und Thrombophlebitiden.
Labordiagnostik
Ein spezifischer laborchemischer Test für die Diagnose eines Pankreaskarzinoms ist nicht verfügbar. Bei tumorbedingtem Verschlussikterus sind Gamma-Glutamyltransferase (GGT), alkalische Phosphatase und direktes Bilirubin erhöht. Nach längerer Cholestase kann – durch die reduzierte Resorption des fettlöslichen Vitamin K – die als INR oder Quick-Wert gemessene, plasmatische Gerinnung eingeschränkt sein. Eine aregeneratorische Tumoranämie ist häufig. Wesentlich seltener sind Erhöhungen von Lipase oder Amylase. Einzige Ausnahme sind die Azinuszellkarzinome mit Lebermetastasen, bei denen die Lipase exzessiv erhöht sein kann. Jede primär unklare Lipasämie sollte deshalb als Hinweis auf eine mögliche Pankreasraumforderung weiter abgeklärt werden.
Wichtigster Tumormarker im Serum ist das Carbohydrat-Antigen 19-9 (CA 19-9, auch „cancer antigen 19-9“), das v. a. zur Verlaufskontrolle bei gesichertem Pankreaskarzinom eingesetzt wird. Andere Marker werden wesentlich seltener exprimiert und besitzen aktuell keinen klinischen Stellenwert. Die Sensitivität und Spezifität von CA 19-9 zur Diagnose des Pankreaskarzinoms wird mit 73 % bzw. 86 % angegeben (Zhao et al. 2022). Die Bestimmung von CA 19-9 ist somit weder zur Früherkennung noch zur Differenzialdiagnose geeignet.
Die Höhe von CA 19-9 korreliert direkt mit der Tumorgröße und die Expression ist an das Antigen der Lewis-Blutgruppe gebunden (Tempero et al. 1987; DiMagno et al. 1999). Patienten mit kleinen Tumoren und die 5–10 % der Bevölkerung ohne Lewis-Antigen weisen entsprechend nur niedrige Werte auf bzw. exprimieren kein CA 19-9. Auch kann das CA 19-9 bei anderen Lebererkrankungen, bei Cholestase und bei der akuten und chronischen Pankreatitis z. T. deutlich erhöht sein. Werte bis über 1000 U/ml sind, bei einem Normwert von 37 U/ml, bei benignen Erkrankungen durchaus möglich. Ferner kann auch bei Tumoren von Kolon, Magen und Gallenwegen CA 19-9 erhöht sein (O’Neill und Stoita 2021).
Als Verlaufsparameter und prognostischer Faktor bei gesichertem Tumor ist CA 19-9 etabliert. Werte über 500 U/ml bei anderweitig als operabel eingeschätzten Patienten sind häufig Zeichen einer unterschätzten Tumorlast (z. B. einer Peritonealkarzinose). Postoperativ eignet sich CA 19-9 zur Bewertung der Vollständigkeit der Resektion, zur Erkennung von Rezidiven und zur Abschätzung des Ansprechens auf eine (neoadjuvante) Chemotherapie (Bauer et al. 2013; Hartlapp et al. 2022).
Unter Patienten mit hohem klinischen Verdacht auf Vorliegen eines Pankreaskarzinoms (Schmerzen, Gewichtsverlust, Ikterus) zeigte sich in einer prospektiven Studie für einen CA-19-9-Grenzwert von > 50 U/ml lediglich ein positiver Vorhersagewert (PPV) von 71 % bei einem negativen Vorhersagewert (NPV) von 81 %. Werte > 120 U/ml hatten einen positiven Vorhersagewert von 85 % in der Gesamtpopulation und 100 % bei Patienten ohne Ikterus (Malesci et al. 1992). Dennoch kann in der Regel eine CA-19-9-Bestimmung allein die erforderliche bildgebende Diagnostik nicht ersetzen und damit den diagnostischen Algorithmus nicht signifikant abkürzen.
Der Nutzen von CA 19-9 zur Früherkennung wurde auch in 2 großen Serien an asymptomatischen Personen getestet. In 1,5 % der 70.000 Proben wurden erhöhte CA-19-9-Werte gemessen, aber bei weniger als 0,01 % (4 von 70.000 Probanden) wurde ein Pankreaskarzinom festgestellt. Somit beträgt der positive Vorhersagewert eines erhöhten CA-19-9-Werts bei sonst asymptomatischen Personen lediglich 0,9 % (Kim et al. 2004; Grossberg et al. 2020).
Die Rolle weiterer Biomarker (z. B. Nachweis von tumorassoziierten Faktoren wie zellfreier DNA, microRNA oder Exosomen im Blut) bei der Früherkennung des Pankreaskarzinoms wird zunehmend wissenschaftlich evaluiert. Diese besitzen aktuell aber noch keinen gesicherten Stellenwert in der klinischen Routinediagnostik. Innovative Ansätze unter Einbeziehung solcher neuer molekularer Biomarker und Nutzung von Algorithmen der künstlichen Intelligenz könnten zukünftig vielversprechende Ansätze zur Optimierung der Diagnostik darstellen, müssen jedoch noch in größeren Kohorten prospektiv evaluiert werden (Wu et al. 2021; Mahajan et al. 2022).
Bildgebende Diagnostik
Abdomensonografie
Bei allen Patienten mit Verdacht auf Vorliegen eines Pankreaskarzinoms ist die transkutane abdominelle Sonografie als erste bildgebende Basisdiagnostik sinnvoll (Seufferlein et al. 2021). Sie ist breit und schnell verfügbar, kostengünstig und ohne Strahlenbelastung durchführbar. Neben der direkten Darstellung einer Pankreasraumforderung wird hierdurch auch die Diagnose von metastasenverdächtigen Leberläsionen ermöglicht. Vor allem bei ikterischen Patienten ist die Sonografie gut dazu geeignet, eine tumorbedingte extrahepatische Cholestase mit Aufstau des Gallengangs von anderen Ursachen, wie z. B. einer Lebererkrankung, zu differenzieren. Die Aussagekraft der Abdomensonografie ist stark untersucher- und patientenabhängig. Häufigste Einschränkung ist die Überlagerung mit Darmgasen bei bis zu 40 % der Patienten, insbesondere im Pankreaskorpus und -schwanz.
Zum sicheren Ausschluss eines Pankreaskarzinoms ist die Sonografie wegen ihrer begrenzten Sensitivität von 76 % und der Spezifität von 75 % nur bedingt geeignet, v. a. weil kleinere Tumoren meist nicht direkt darstellbar sind. Die Sensitivität für größere Tumoren (> 3 cm) beträgt über 95 %. Typische Tumorkriterien sind Konturunregelmäßigkeiten des Organs, eine inhomogene Echostruktur und gelegentlich zystische Einschmelzungen (Vassos et al. 2012). Hilfreich ist die Beurteilung sekundärer Tumorkriterien, wie z. B. die Dilatation des Pankreasgangs mit Atrophie des Restparenchyms.
Endosonografie
Die endoskopische Ultraschalluntersuchung (EUS) erlaubt eine hochauflösende Darstellung der Pankreasregion. Durch die unmittelbare Nähe des Schallkopfs zum Pankreas ist sie v. a. bei kleinen Tumoren (< 2 cm) der Computertomografie und auch der Kernspintomografie zum Ausschluss eines Pankreaskarzinoms überlegen (Shrikhande et al. 2012; Canto et al. 2012).
Aufgrund ihrer hohen Auflösung und der Möglichkeit zur gezielten Punktion mit Feinnadelaspiration bzw. Feinnadelbiopsie (EUS-FNA/FNB) auch kleiner Läsionen ist die Endosonografie das etablierte Standardverfahren bei der Charakterisierung zystischer Läsionen und zur Differenzialdiagnose kleiner Läsionen unter 2 cm (Dietrich et al. 2008).
Die Endosonografie erlaubt zusätzlich die Abschätzung der Tumorausbreitung, z. B. in den Gallengang, in das Duodenum oder in Lymphknoten, aber auch die Beurteilung der Tumorinfiltration von Vv. portae und lienalis oder die Ummauerung des Truncus coeliacus. Weniger gut darstellbar sind die Arteria und Vena mesenterica superior.
Nachteil der Endosonografie ist ihre Invasivität mit einem zwar geringen, aber durchaus vorhandenen Komplikationsrisiko.
Computertomografie (CT)
Die kontrastverstärkte Dünnschicht-CT der Pankreasregion gilt als Standardverfahren zum Staging bzw. zur präoperativen Diagnostik beim Verdacht auf ein Pankreaskarzinom. Ein wesentlicher Vorteil der CT ist die reproduzierbare Beurteilbarkeit der abdominellen Gefäße. Ihre Spezifität beträgt ca. 90 %, erreicht in einigen Serien sogar 100 %. Die Sensitivität variiert mit der Tumorgröße zwischen 76–96 %.
Technischer Mindeststandard ist die Darstellung des Pankreas nach intravenöser Kontrastmittelgabe mit einem zumindest biphasischen Kontrastmittelprotokoll unter Einschluss einer Parenchymphase und einer portalvenösen Phase. Die Schichtdicken sollten mindestens ≤ 3 mm (Seufferlein et al. 2021), optimalerweise jedoch maximal 0,5–1 mm betragen (Lutz et al. 2017). Die meisten Pankreaskarzinome stellen sich dabei als hypodense Areale, bis zu 11 % auch als isodense Läsionen dar. Limitierend ist die unzureichende Darstellung kleiner Raumforderungen, die oft nur indirekt über sekundäre Tumorphänomene, wie z. B. die Dilatation des Gallen- oder Pankreasgangs mit Atrophie des Restparenchyms, darstellbar sind (Tummala et al. 2011; Vassos et al. 2012).
Magnetresonanztomografie (MRT)
Die diagnostische Genauigkeit von MRT und CT bei der Tumordetektion ist in etwa identisch (84 % vs. 86 %) (Takakura et al. 2011; Grossberg et al. 2020). Bei der MRT ist der Weichteilkontrast besser bei etwas verminderter Ortsauflösung. Ergänzend zu den reinen Schnittbildern erlaubt die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) die Darstellung des Pankreas- und Gallengangsystems ähnlich wie bei der endoskopisch-retrograden Cholangiopankreatikografie (ERCP). Relevante Einschränkungen ergeben sich durch Bewegungsartefakte, z. B. bei der Atmung oder durch die Darmmotilität. Vor allem bei älteren oder schwerkranken Patienten lassen sich diese gelegentlich schlecht beherrschen. Indikationen für ein MRT sind im Wesentlichen die Klärung nichteindeutiger Vorbefunde, die Differenzierung zystischer Läsionen sowie Kontraindikationen für ein CT.
Technischer Standard der MRT bzw. MRCP sind Feldstärken von mindestens 1,5 Tesla mit Standardwichtungen (T1 und T2) und Schichtdicken zwischen 5 und 7 mm (Seufferlein et al. 2021). Wegen der geringeren Ortsauflösung und Atemartefakten ist die Beurteilung der Tumorausdehnung und Operabilität im Vergleich zu CT oder Endosonografie meist weniger eindeutig (Lauenstein und Adamek 2012). Zur präoperativen Beurteilung der lokalen Tumorausdehnung bzw. zur Beurteilung der Resektabilität sind daher die Multidetektor-CT und die Endosonografie zu bevorzugen (Seufferlein et al. 2021).
Eine diagnostische endoskopisch-retrograde Darstellung des Gallen- und Pankreasgangsystems wird nur in seltenen Einzelfällen zur weiteren Diagnostik benötigt. Gelegentlich kann sie zur Differenzierung eines Pankreaskarzinoms von einer chronischen Pankreatitis oder zur Sicherung der Diagnose mittels Biopsie bzw. Bürstenabstrich nützlich sein. Charakteristische Veränderungen beim Pankreaskopfkarzinom sind hochgradige Stenosen sowohl des Gallen- als auch des Pankreasgangs mit prästenotischer Dilatation beider Gänge („double-duct sign“). Allerdings hat auch das „double-duct sign“ für das Pankreaskarzinom nur eine Spezifität von 80 % (Menges et al. 2000).
Hauptindikation der ERCP ist die biliäre Dekompression mittels Stenteinlage bei inoperablen Tumoren und in Einzelfällen vor einer geplanten Resektion, v. a. bei Cholangitis.
Weitere bildgebende Verfahren
Weitere bildgebende Verfahren wie die Kontrastmittelsonografie (transabdominell oder endosonografisch), die Endosonografie mit Elastografie und die Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomografie (FDG-PET) haben in der klinischen Routinediagnostik noch keinen breiten Einsatz zur Beurteilung des Primärtumors gefunden.
Vorgehen bei klinischem Verdacht auf ein Pankreaskarzinom
Wird aufgrund von Warnsymptomen (Schmerzen, Inappetenz, Gewichtsverlust, Schwäche) differenzialdiagnostisch ein Pankreaskarzinom vermutet, sollte sich die weiterführende Diagnostik einerseits an den klinischen Symptomen, andererseits auch am Alter und an der Erkrankungswahrscheinlichkeit ausrichten (Seufferlein et al. 2021; Grossberg et al. 2020). Bei niedriger Erkrankungswahrscheinlichkeit (z. B. bei Oberbauchschmerzen ohne Gewichtsverlust bei Patienten < 50 Jahren) sind die klinische Untersuchung und eine Abdomensonografie in der Regel zunächst ausreichend.
Zum sicheren Ausschluss eines Pankreaskarzinoms (z. B. bei typischen Schmerzen und/oder Gewichtsverlust bzw. bei positiver Familienanamnese oder bei anhaltenden Beschwerden nach unauffälliger Sonografie) braucht es jedoch bildgebende Untersuchungen mit hoher Sensitivität (Tab. 1), in diesem Falle die CT oder – wenn verfügbar – auch die Endosonografie (Cheong et al. 2013). Im Allgemeinen präferieren wir den in Abb. 1 dargestellten klinischen Algorithmus (Lutz und Pourebrahim 2008).
Tab. 1
Sensitivität verschiedener bildgebender Verfahren zur Diagnose des Pankreaskarzinoms. (Singhi et al. 2019)
Verfahren
Sensitivität (%)
Abdomensonografie
ca. 75
Dünnschicht-Computertomografie des Pankreas
76–96
Endosonografie
72–90
Magnetresonanztomografie
83–94
Abb. 1
Algorithmus bei klinischem Verdacht auf ein Pankreaskarzinom
Früherkennung und Risikogruppen
Aufgrund der relativ niedrigen Inzidenz des Pankreaskarzinoms gibt es keine epidemiologischen Daten, die einen Nutzen von Vorsorge- bzw. Screeninguntersuchungen für die asymptomatische Normalbevölkerung belegen könnten, sodass für diese Gruppe weder bildgebende noch laborchemische (z. B. CA 19-9) oder molekularbiologische (Mutationsanalysen) Screeninguntersuchungen empfohlen werden (Seufferlein et al. 2021).
Personen mit familiärer Häufung von sporadischen Pankreaskarzinomfällen, haben auch ohne zugrunde liegendes, genetisch definiertes Tumorsyndrom ein erhöhtes Risiko. Dies betrifft Personen, die folgende Kriterien erfüllen: 1.) zwei Blutsverwandte mit Pankreaskarzinom, die erstgradig miteinander verwandt sind und von denen mindestens einer mit dem zu evaluierenden Individuum erstgradig verwandt ist; 2.) mindestens zwei Blutsverwandte auf einer Seite der Familie und hiervon einer erstgradig mit der zu evaluierenden Person verwandt (Seufferlein et al. 2021). Patienten mit zwei oder mehr erstgradigen Verwandten mit einem Pankreaskarzinom (Definition des familiären Pankreaskarzinoms) haben das größte Risiko (Tersmette et al. 2001).
Auch Patienten mit verschiedenen erblichen Tumorsyndromen weisen ein erhöhtes Risiko auf (Stoffel et al. 2019). Hierzu zählen: die familiäre adenomatöse Polyposis (APC-Mutation), das familiäre atypische multiple Muttermal- und Melanom-Syndrom (CDKN2A-Mutation), der familiäre Brust- und Eierstockkrebs (BRCA2-Mutation), das hereditäre Brust- und Ovarialkarzinom-Syndrom (BRCA1-Mutation), das Lynch-Syndrom (MMR-Gen Mutationen), das Li-Fraumeni-Syndrom (TP53-Mutation), das Peutz-Jeghers-Syndrom (STK11-Mutation) sowie PALB2- und ATM-Mutationsträger.
Bei diesen Personengruppen mit familiär gehäuftem sporadischen Pankreaskarzinom bzw. hereditären Tumorsyndromen mit erhöhtem Risiko für ein Pankreaskarzinom werden vom CAPS (International Cancer of the Pancreas Screening Consortium) aufgrund des deutlich erhöhten Risikos Screeninguntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr oder 10 Jahre vor dem Auftreten des jüngsten Pankreaskarzinomfalls empfohlen. Methoden der Wahl sind hierbei die MRT mit MRCP oder die Endosonografie. Bei unauffälligem Befund wird eine jährliche Wiederholung empfohlen (Goggins et al. 2020).
Patienten mit langjähriger chronischer Pankreatitis haben, wie auch Patienten mit hereditärer Pankreatitis, ein erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko. Klare Empfehlungen zur Überwachung dieser Patientengruppen existieren jedoch bislang nicht.
Präoperatives Staging
Zur Evaluation der Tumorausbreitung wird eine kontrastmittelgestützte Computertomografie von Lunge und Abdomen/Becken empfohlen. Zum Ausschluss von Lebermetastasen sollen Patienten mit resektablem Primärtumor ergänzend ein MRT der Leber mit Diffusionswichtung erhalten, da hierdurch insbesondere kleine Lebermetastasen (< 1 cm) mit höherer Sensitivität detektiert werden können (Seufferlein et al. 2021). Alternativ zum MRT kann ein FDG-PET-CT erfolgen, um eine Fernmetastasierung mit höherer Sicherheit ausschließen zu können. Hierbei muss jedoch die nichtflächendeckende Verfügbarkeit dieser Methode und die Problematik der Beantragung der Kostenübernahme für diese Indikation mit potenzieller Verzögerung einer kurativen Operation bedacht werden. Eine Skelettszintigrafie wird nicht regelhaft im Rahmen des Tumorstagings empfohlen (Seufferlein et al. 2021).
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