Low-risk-Fälle
Low-risk-Fälle haben eine exzellente Prognose mit einer Remissionsrate von nahezu 100 %, daher kann den meisten Patientinnen eine aggressive Polychemotherapie mit dem Risiko der entsprechenden Nebenwirkungen erspart werden. Therapie der Wahl ist die Mono-Chemotherapie mit
Methotrexat (MTX) oder Dactinomycin/Aktinomycin-D (Lurain 2003). Es existieren unterschiedliche MTX-Therapieschemata, die als gleich effektiv anzusehen sind. Direkte, kontrollierte Vergleichsstudien fehlen.
Folgende Schemata gelten als Standard in der
MTX-Monotherapie (Tempfer et al.
2016):
Die MTX-Chemotherapie in den üblichen Dosierungen weist ein günstiges Morbiditätsprofil auf. An 250 Patientinnen mit MXT-Therapie (50 mg MTX i.m., Tag 1, 3, 5, 7, +
Folsäure 7,5–15 mg p.o., Tag 2, 4, 6, 8) konnte gezeigt werden, dass mit Grad-III/IV-Toxizitäten im Rahmen des 1. Therapiezyklus nur in 4 % und in den folgenden Therapiezyklen in 5,2 % zu rechnen ist. Grad-III/IV-Toxizitäten waren mit folgender Häufigkeit zu beobachten: Vaginale Blutung (6 Patientinnen), Myelosuppression (5 Patientinnen), Abdominalschmerzen (3 Patientinnen), Mukositis/Stomatitis (3 Patientinnen), pleuritischer Thoraxschmerz (3 Patientinnen), Hautausschläge (2 Patientinnen),
Pleuraerguss (1 Patientin). 11 Patientinnen (4 %) wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Therapie schließlich doch hysterektomiert (Khan et al.
2003).
Folgende Schemata mit
Dactinomycin gelten als Standard für die initiale Therapie bzw. sind bei MTX-Versagen angezeigt:-
1,25 mg/m
2 Körperoberfläche Dactinomycin i.v., Tag 1, Wiederholung 2-wöchentlich.
-
10 μg/kg Körpergewicht (oder 0,5 mg Gesamtdosis) Dactinomycin i.v., Tag 1–5, Wiederholung 2-wöchentlich.
Von einer
MTX-Resistenz spricht man, wenn ≥ 4 hCG-Werte mit einer Plateaubildung in einer Zeitspanne von mindestens 3 Wochen (Tag 0, 7, 14, 21) gemessen werden oder wenn ein kontinuierlicher Anstieg der hCG-Werte über zwei Woche verzeichnet wird (Tempfer et al. 2016).
Welche Art von Monotherapie bevorzugt verabreicht werden soll, ist in der Literatur bislang nicht eindeutig geklärt. Zahlreiche Studien haben MTX und Dactinomycin in der Primärtherapie hinsichtlich Heilung, Resistenzentwicklung und Rezidivrate miteinander verglichen. Dactinomycin dürfte mit einer etwas höheren Erfolgsrate assoziiert sein, weist jedoch auch ein schwerwiegenderes Nebenwirkungsprofil auf (Lawrie et al.
2016; Osborne et al.
2011).
Bei abgeschlossener Familienplanung kann die Hysterektomie als Initialtherapie in Erwägung gezogen werden. In einer Studie mit 74 Patientinnen kam es bei 82 % nach der alleinigen Operation ohne Chemotherapie zu einer Normalisierung des hCG im
Serum. Ungünstig für den Therapieerfolg war ein FIGO-Score von 5 oder 6 und das Vorliegen eines Chorionkarzinoms (Bolze et al.
2018).
Die Monotherapie wird fortgesetzt, bis 3 aufeinander folgende hCG-Werte in wöchentlichem Abstand unter der
Nachweisgrenze liegen. Danach sollten noch 3 Sicherheitszyklen (Konsolidierungszyklen
) verabreicht werden (Lybol et al. 2012). Nach Beendigung der Chemotherapie werden die bis zu diesem Zeitpunkt wöchentlichen hCG-Kontrollen konsequent monatlich über 1 Jahr fortgesetzt, um ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen (Tempfer et al. 2016).
High-risk-Fälle
Ein Versagen der MTX-Monotherapie bzw. der nachfolgenden bzw. initialen Dactinomycin-Behandlung liegt vor (McNeish et al.
2002; Golfier et al.
2007),
-
wenn Metastasen auftreten bzw. wenn bei bereits metastasierten Fällen neue hinzukommen,
-
wenn sich ein hCG-Plateau (+/− 10 %) einstellt, das länger als 3 Wochen anhält,
-
wenn die hCG-Werte erneut steigen.
In diesem Fall und bei Patientinnen, die bereits ursprünglich als Hochrisikofälle (modifizierter WHO-Score ≥7) eingestuft wurden, kommen Polychemotherapie-Schemata zur Anwendung.
Als Standard gilt mittlerweile das EMA-CO-Schema
(Ngan et al. 2003):
Etoposid 100 mg/m2 KOF i.v., über 30 min
MTX 100 mg/m2 KOF i.v., Bolus, nachfolgend
MTX 200 mg/m2 KOF i.v., Infusion über 12 h
Dactinomycin 0,5 mg i.v., Bolus
Etoposid 100 mg/m2 KOF i.v., über 30 min
Dactinomycin 0,5 mg i.v., Bolus
Folsäure 15 mg i.m. oder p.o., beginnend 24 h nach dem MTX-Bolus, 4-malig im Abstand von 12 h
Cyclophosphamid 600 mg/m2 KOF i.v., über 30 min
Vincristin 1 mg/m
2 KOF i.v., Bolus.
Beginn des nächsten Zyklus mit Tag 1.
Während der Behandlung soll vor jedem Zyklus eine hCG-Kontrolle durchgeführt und bei einem hCG-Anstieg oder bei Bildung eines hCG-Plateaus die Polychemotherapie auf ein anderes Schema umgestellt werden. Die Behandlung wird fortgesetzt, bis 3 aufeinander folgende hCG-Werte in wöchentlichem Abstand unter der
Nachweisgrenze liegen. Danach sollten noch mindestens 3 Sicherheitszyklen verabfolgt werden (Tempfer et al.
2016).
Das EMA-CO-Schema ist die präferierte Polychemotherapie, obwohl ein Review der Cochrane Database nicht beweisen konnte, dass das EMA-CO-Schema das effektivste Schema in der Primärtherapie der High-risk-GTN ist. Die Gesamtüberlebensrate:GTN
von Patientinnen mit GTN liegt bei 95 %, wobei 20 % der Patientinnen nicht auf die EMA-CO-Therapie ansprechen und die Umstellung auf ein anderes Polychemotherapie-Schema notwendig ist. Bei Resistenz wird am häufigsten eine Variation des EMA-CO-Schemas angewendet, bei dem Cisplatin hinzugefügt wird und Etoposid und Dactinomycin nur an einem Tag verabreicht werden (EMA-EP-Schema) (Ngan et al. 2003).
Als mögliche weitere Regimes bei EMA-CO-Resistenz können unter anderem folgende Kombinationen erwogen werden:
-
Bleomycin, Etoposid, Cisplatin (BEP-Schema)
-
Paclitaxel, Cisplatin/Paclitaxel, Etoposid (TP/TE-Schema)
-
Ebenso wie in der Nachsorge der Low-risk-Fälle sollen nach Beendigung der Chemotherapie die hCG-Kontrollen monatlich über 1 Jahr fortgesetzt werden. In diesem Zeitraum soll die Patientin eine orale hormonelle Kontrazeption einnehmen (Tempfer et al.
2016).
Bei Vorliegen von
Hirnmetastasen setzt sich die Therapie aus Bestrahlung, Erhöhung der intravenösen MTX-Dosis, zusätzlicher intrathekaler MTX-Applikation im Rahmen des EMA-CO-Schemas, sowie lokaler Resektion, soweit operativ zugänglich, zusammen. Hirnmetastasen finden sich selten bei Patientinnen mit GTN und sind assoziiert mit einer Gesamtüberlebensrate von 51 % (Neubauer et al. 2012).
Um dem erhöhten Risiko einer neuerlichen Molenschwangerschaft gerecht zu werden, sollten bei eingetretener Schwangerschaft folgende Untersuchungen durchgeführt werden: