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Enzyklopädie der Schlafmedizin
Info
Verfasst von:
Stefan Cohrs
Publiziert am: 08.03.2022

Hypnotika

Unter dem Begriff Hypnotika werden Arzneimittel verstanden, die eine schlafförderliche Wirkung auf den Menschen ausüben. Im engeren Sinne zählen hierzu die Benzodiazepine, die Non-Benzodiazepin-Hypnotika, Chloralhydrat sowie Antihistaminika. Weiterhin werden auch andere Stoffgruppen als schlafförderliche Substanzen eingesetzt; hierzu zählen pflanzliche Sedativa und sedierende Antidepressiva, Antipsychotika und Neuroleptika sowie körpereigene Substanzen wie Tryptophan, Serotonin und Melatonin.

Synonym

Schlafmittel

Englischer Begriff

hypnotics

Definition

Unter dem Begriff Hypnotika werden Arzneimittel verstanden, die eine schlafförderliche Wirkung auf den Menschen ausüben. Im engeren Sinne zählen hierzu die „Benzodiazepine“, die „Non-Benzodiazepin-Hypnotika“, „Chloralhydrat“ sowie „Antihistaminika“. Weiterhin werden auch andere Stoffgruppen als schlafförderliche Substanzen eingesetzt; hierzu zählen „pflanzliche Sedativa“ und sedierende „Antidepressiva“, „Antipsychotika und Neuroleptika sowie körpereigene Substanzen wie „Tryptophan und Serotonin“ und Melatonin. Als Schlafmittel sind die früher häufig verwendeten Barbiturate, Bromsalze und Bromureide, Piperidindione, Chinazolinderivate, Aldehyde und Glykolderivate nicht mehr zu empfehlen.

Grundlagen

Ein ideales Hypnotikum sollte rasch wirken, den Schlaf sowohl subjektiv als auch objektiv verbessern, das natürliche Schlafmuster erhalten bzw. wiederherstellen, die Tagesbefindlichkeit nicht durch einen Medikamentenüberhang beeinflussen, keine Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen Substanzen aufweisen, keiner Toleranzentwicklung unterliegen, eine anhaltende Effektivität gewährleisten und damit zu keiner Dosissteigerung führen, kein Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial besitzen, keine Absetzeffekte entwickeln und deshalb problemlos abrupt abzusetzen sein, altersneutral auch bei älteren Patienten ohne besondere Richtlinien anzuwenden sein und eine große therapeutische Breite mit geringer Intoxikationsgefahr bei einer Überdosierung aufweisen. Keines der bisher eingesetzten Schlafmittel erfüllt diese Anforderung in vollständig befriedigendem Maße, sodass jeweils die Indikation zum Einsatz eines Pharmakons und die Auswahl einer für den individuellen Patienten am besten geeigneten Substanz sorgfältig geprüft werden müssen. Nach genauer Diagnostik der Schlafstörung sollte eine möglichst ursachenorientierte Therapie eingeleitet werden.
Bei der Auswahl des Schlafmittels sollten eine Reihe von Patientenkriterien berücksichtigt werden. Hierzu zählen der Phänotyp der Schlafstörung, die Dauer der Schlafstörung, Tagesbeschwerden, die erforderliche Leistungsfähigkeit am Tage, der Schweregrad der Schlafstörung, das Alter des Patienten, das Vorliegen einer Suchtanamnese, die Medikamentenanamnese, Vorerkrankungen und Nebenwirkungen, Suizidalität, die Compliance des Patienten und die Vorbehandlung. Der Einsatz von Schlafmitteln sollte immer im Rahmen eines Gesamtbehandlungskonzepts unter Berücksichtigung schlafhygienischer Maßnahmen, Entspannungsverfahren und psychotherapeutischer Komponenten erfolgen.
Als allgemeine Regeln zum Einsatz von Schlafmitteln sollten eine klare Indikation zur medikamentösen Behandlung der Schlafstörung bestehen, die kleinstmögliche Dosierung benutzt werden, der Behandlungszeitraum möglichst kurz sein, die Medikation keinesfalls abrupt abgesetzt werden und vor Auswahl der Substanz alle Kontraindikationen beachtet werden.
Siehe auch „Neuroleptika“; „Fragebögen zur Insomnie“; „Primäre Insomnien“; „Extrinsische Insomnien“; „Insomnie bei Hypnotikaabhängigkeit“; „Psychologische und psychiatrische Ursachen bei Schlafstörungen“; „Differentialdiagnostischer Leitfaden“; „Kognitive Verhaltenstherapie“; „Schlafhygiene“; „Entspannung“.
Literatur
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