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Feinstone et al. entdeckten den Erreger der Hepatitis A1973 in Stuhlproben von Hepatitis A-Patienten. Es handelt sich um ein sphärisches, ca. 30 nm großes Virus ohne Hüllmembran mit einzelsträngigem RNA-Genom. HAV ist eine Spezies der Gattung Hepatovirus und gehört zur Familie Picornaviridae. Es ist ubiquitär verbreitet, besonders in Ländern mit niedrigen Hygienestandards. Hauptwirt ist der Mensch. Das Virus ist äußerst stabil gegenüber thermischen Einflüssen, Säuren oder Desinfektionsmitteln. Nach der offiziellen Taxonomie ist das Virus seit 2014 als Hepatovirus A zu bezeichnen.
Erkrankungen
Die Übertragung der Hepatitis A-Viren erfolgt fäkal-oral (Schmierinfektion, kontaminierte Nahrung, z. B. Meeresfrüchte und gefrorene Beeren). Via Gastrointestinaltrakt gelangt das Virus in die Hepatozyten, wo es sich vermehrt und anschließend über die Galle mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Auch eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr ist möglich.
Besonders betroffen sind hierbei Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Die Infektion verläuft unterschiedlich. Vor allem bei Kindern sind asymptomatische Verläufe beschrieben. Typischer Verlauf: nach einer Inkubationszeit von ca. 15 bis 50 Tagen treten allgemeines Krankheitsgefühl und gastrointestinale Symptome, gelegentlich begleitet von erhöhten Temperaturen, auf. Anschließend kann eine ikterische Phase folgen, in der es zu Transaminaseerhöhungen, Ikterus, Cholestase, Hepato- und häufig auch Splenomegalie kommt. Diese Phase kann Tage bis einige Wochen andauern. In einigen Fällen sind auch über Monate anhaltende Verläufe bekannt, die in der Regel ohne Komplikationen ausheilen. Sehr selten kommt es zu fulminanten Hepatitiden mit letalem Ausgang. Die Therapie erfolgt symptomatisch. Ungefähr zwei Wochen vor und bis etwa eine Woche nach der ikterischen Phase ist der Erkrankte als infektiös zu betrachten. Nach einer Infektion besteht lebenslange Immunität. Prophylaktisch ist eine Impfung möglich (s. aktuelle STIKO-Empfehlungen).
Analytik
Kultur: Die kulturelle Anzucht ist als Routineverfahren nicht geeignet.
Direktnachweis: HAV-Antigen lässt sich im Stuhl mittels Immunoassay, HAV-RNA mittels NAT (Nukleinsäureamplifikationstechnik) in Stuhl (bevorzugtes Material) und Blut nachweisen. Der Antigennachweis wird zunehmend durch die NAT verdrängt.
Serologie: Je nach Hersteller und Testsystem werden Immunoassays zum Nachweis von HAV-IgG-Ak oder Total HAV-Ak (IgG und IgM-Ak) und zusätzlich HAV-IgM-Ak zum Nachweis einer akuten Infektion angeboten.
Untersuchungsmaterial und Probenstabilität
Direktnachweis: Lagerung der Stuhlproben bei +4 °C oder −20 °C; EDTA-Blut bei +4 °C, besser zentrifugieren und Plasma bei −20 °C einfrieren
Serologie: Serum, Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 4 Wochen und bei −20 °C ein Jahr stabil
Diagnostische Wertigkeit
Bei einer akuten Infektion sind HAV-IgM- und -IgG-Ak meist schon zu Beginn der klinischen Symptomatik nachweisbar. HAV-IgM-AK persistieren für drei bis vier Monate. Auch kurz nach einer Impfung gegen Hepatitis A sind HAV-IgM-Ak häufig nachweisbar. Ein positives Ergebnis im HAV-IgM-Assay spricht somit für eine akute oder kurz zurückliegende Infektion oder Reaktion auf eine kürzliche Hepatits-A-Impfung (Impfanamnese!). Der alleinige Nachweis von HAV-IgG-Ak oder Total HAV-Ak (IgG und IgM-Ak) bei negativem IgM-Ak spricht in der Regel für eine Immunität nach zurückliegender HAV-Infektion oder -Impfung (aktiv oder passiv durch Immunglobulingabe). Bei Säuglingen ist auch an mütterliche Leihantikörper zu denken. Der direkte Erregernachweis ist beweisend für eine akute Infektion. Der HAV-RNA-Nachweis gelingt bereits vor Beginn der klinischen Symptomatik. Im Stuhl ist HAV-RNA früher und länger nachweisbar als im Blut, weshalb Stuhl das bevorzugte Probenmaterial für den Nukleinsäurenachweis ist.
Die Abb. 1 zeigt den Verlauf der Titer von Hepatitis-A-Virus in Stuhl und Blut sowie der HAV-IgM- und -IgG-Antikörper nach einer Hepatitis-A-Virus-Infektion.
Ein X-Y-Diagramm zeigt den Verlauf verschiedener Parameter nach einer Hepatitis-A-Infektion über die Zeit. Die x-Achse repräsentiert die Tage nach der Infektion, während die y-Achse den Titer angibt. Die Kurven zeigen die Konzentrationen von HAV im Stuhl, HAV im Blut, HAV-IgM-Antikörpern im Serum, HAV-IgG-Antikörpern im Serum und ALT (GPT) im Serum. Die Kurven verdeutlichen die zeitliche Entwicklung der jeweiligen Parameter, wobei jede Kurve eine unterschiedliche Farbe hat, um die Unterscheidung zu erleichtern.
Abb. 1
Titerverlauf von Hepatitis-A-Virus in Stuhl und Blut sowie der HAV-IgM- und -IgG-Antikörper nach einer Hepatitis-A-Virus-Infektion. ALT, Alanin-Aminotransferase als Marker der hepatozellulären Schädigung (nach: Bekanntmachung des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit Hepatitis-A-Virus 2001)
Feinstone SM, Kapikian AZ, Purceli RH (1973) Hepatitis A: detection by immune electron microscopy of a viruslike antigen associated with acute illness. Science 182(4116):1026–1028CrossRefPubMed
RKI, Infektionsschutz, RKI-Ratgeber (o.J.). http://www.rki.de. Zugegriffen am 23.09.2023