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Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Info
Verfasst von:
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt
Publiziert am: 13.04.2018

Salivatestung

Salivatestung
Synonym(e)
Speicheltestung
Englischer Begriff
saliva testing
Definition
Nachweis der Anwesenheit der Blutgruppenantigene A, B und H (s. Blutgruppenantigene, erythrozytäre) sowie des Lewis-Antigens im Speichel.
Beschreibung
Funktion: Die Salivatestung dient in der Transfusionsmedizin zum Nachweis von ABH-Blutgruppensubstanzen und Lewis-Antigenen (Lewis (Le)-Blutgruppensystem) im Speichel. Personen, bei denen diese Substanzen im Speichel nachweisbar sind, werden als Sekretoren bezeichnet, während sie bei Non-Sekretoren nicht im Speichel, sondern nur auf der Erythrozytenoberfläche vorhanden sind. Der Sekretorstatus einer Person wird bestimmt über die Aktivität der Fucosyltransferase 2 (Se-Transferase), einer Glykosyltransferase, die vom FUT2-Gen auf Chromosom 19q13.3 kodiert und in sekretorischen Drüsen exprimiert wird. Durch die Aktivität der Se-Transferase wird ein lösliches H-Antigen (H-Substanz) mit endständiger Fucose synthetisiert, das im Speichel und anderen Körperflüssigkeiten nachweisbar ist. Personen, die mindestens eine funktionsfähige Kopie des FUT2-Gens aufweisen, können die lösliche Form des H-Antigens bilden und im Speichel exprimieren. Die Zugehörigkeit zu den Blutgruppen A, B, 0 oder AB (Blutgruppe) ist jedoch unabhängig vom Sekretorenstatus.
Methode: Bei der Salivatestung wird Speichel gewonnen, in dem die Existenz der entsprechenden Antigene durch einen Neutralisationstest mit Anti-A-, Anti-B-, Anti-H-, Anti-Le(a)- und Anti-Le(b)-spezifischen Antiseren nachgewiesen wird. Zur Gewinnung des Probenmaterials wird der Mund des Probanden mit Wasser ausgespült. Anschließend lässt man ca. 1 ml Speichel aus dem Mund in ein Probengefäß tropfen, um es danach für 10 Minuten auf ca. 95 °C zu erhitzen, um die im Speichel vorhandenen Enzyme zu inaktivieren. Nach Zentrifugation wird der klare Überstand 1:1 mit isotoner Natriumchloridlösung verdünnt und im Neutralisationstest eingesetzt.
Der Sekretionsnachweis beruht auf der Hemmung von z. B. Anti-A-Seren durch die im Speichel vorhandenen korrespondierenden Antigene. So bindet beispielhaft die A-Substanz im Speichel eines Sekretors der Blutgruppe A an Antikörper der Spezifität Anti-A und neutralisiert bzw. inhibiert diese. Diese Antikörper reagieren dann nicht mehr oder nur noch schwach mit Erythrozyten der Blutgruppe A, was in einem Agglutinationstest nachweisbar ist. Bei einem Non-Sekretor der Blutgruppe A ist keine A-Substanz im Speichel vorhanden, sodass es nicht zur Neutralisation von Antikörpern der Spezifität Anti-A durch Zusatz von Speichel kommt. Diese Antikörper können dann direkt mit Erythrozyten der Blutgruppe A reagieren. Analog ist das Vorgehen, um die anderen Antigene durch Antiseren der Spezifität Anti-B, Anti-H, Anti-Le(a) und Anti-Le(b) nachzuweisen.
Literatur
American Association of Blood Banks (2014) Technical manual, 18. Aufl.
Kiefel V (Hrsg) (2010) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 4. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New York
Metaxas-Bühler M (1993) Blutgruppen und Transfusionsmedizin. Verlag Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto/Seatle