Eine immunologische Diagnostik ist indiziert, wenn die Anamnese und klinischen Leitsymptome an einen Immundefekt denken lassen. Die folgenden Empfehlungen orientieren sich an einer AWMF-Leitlinie zur Diagnostik von Immundefekten, die 2017 von einer interdisziplinären Expertengruppe publiziert worden ist. Die Empfehlungen betreffen die Indikationen zur Diagnostik sowie die in allen Laboreinrichtungen üblicherweise verfügbare Basisdiagnostik. Die weiterführende immunologische Diagnostik ist hoch spezialisiert und wird bei den spezifischen Erkrankungen zusammengefasst. Eine über die Basisdiagnostik hinausgehende Immundefektdiagnostik sollte zudem stets in enger Abstimmung mit einem pädiatrischen Immundefekztentrum (
www.kinderimmunologie.de) erfolgen.
Eine pathologische Anfälligkeit für Infektionen ist meistens das führende Symptom eines angeborenen Immundefekts. Die Abgrenzung zur „physiologischen Infektanfälligkeit des Kleinkindalters“ ist schwierig. Charakteristisch sind rezidivierende und protrahierte Infektionen, auch mit niedrig-pathogenen Erregern, die schwere Verläufe induzieren und manchmal an ungewöhnlichen Lokalisationen auftreten. Die wesentlichen Parameter einer pathologischen Infektanfälligkeit werden in der AWMF Leitlinie unter dem Akronym ELVIS (Erreger, Lokalisation, Verlauf, Intensität, Summe) zusammengefasst. Genetische Störungen von Abwehrvorgängen betreffen jedoch nicht nur die Infektabwehr, sondern beeinträchtigen oft auch die Regulation des
Immunsystems. Klinisch häufige Manifestationen einer gestörten Immunregulation bei
primären Immundefekten beschreibt die AWMF Leitlinie unter dem Akronym GARFIELD (Granulome,
Autoimmunität, rezidivierendes
Fieber, ungewöhnliche Ekzeme, Lymphoproliferation, chronische Darmentzündung). Auch maligne Erkrankungen, insbesondere
Lymphome, können die erste Manifestation von Immundefekten sein. Darüber hinaus können einige syndromale Erkrankungen mit einer Abwehrschwäche verbunden sein. Klinische Hinweise wie Dysmorphien,
Albinismus, Mikrozephalie,
Kleinwuchs oder eine ektodermale Dysplasie können daher wichtige Beobachtungen sein, die zur Diagnose eines Immundefekts führen. Schließlich sind auch Laborbefunde wie Neutropenie, Lymphopenie oder ein Antikörpermangel bei klinisch noch unauffälligen Patienten manchmal ein früher Hinweis.