Bei der Beurteilung der zuschreibbaren Letalität durch eine nosokomiale
Pneumonie auf Intensivstationen zeigt die Studienlage ein besonders heterogenes Bild. In einigen Studien konnte keine erhöhte Letalität gefunden werden (Rello et al.
2002,
2003; Melsen et al.
2009). Bei anderen Untersuchungen verstarb jeder dritte oder vierte Patient mit nosokomialer Pneumonie (Sopena et al.
2014; Behnia et al.
2014); wenn man sich bei den betrachteten Erregern nur auf Pseudomonaden oder
Acinetobacter spp. beschränkte, betrug die Exzessletalität sogar 42,8 % (Fagon et al.
1993). In einer späteren Studie konnte diese stark erhöhte Letalität bei Pneumonien durch
Acinetobacter spp. im Vergleich zu anderen Erregern jedoch nicht bestätigt werden (Garnacho et al.
2003). Insgesamt wird diese Problematik aktuell kontrovers diskutiert (Behnia et al.
2014), und sicherlich müssen in neueren Studien weitere Faktoren wie Komorbiditäten genauer einbezogen werden (Guzman-Herrador et al.
2014). Das Erregerspektrum nimmt also entscheidend Einfluss auf die Prognose der Pneumonie, und es variiert stark je nach Disziplin. Umso wichtiger zur Wahl der kalkulierten Therapie ist daher die Kenntnis über die lokale Epidemiologie inklusive der Resistenzsituation. Einheitliche Diagnosekriterien für
nosokomiale Infektionen sind zudem erforderlich, um deren Vergleichbarkeit gewährleisten zu können (Timsit et al.
1996; Lewis
1995; Roberts et al.
1998).
Für nosokomiale
Harnwegsinfektionen wurde (selbst bei Intensivpatienten) zumeist in älteren Studien keine (Bueno-Cavanillas et al.
1994; Daschner et al.
1978; Gross und Van Antwerpen
1983; Laupland et al.
2002) oder nur eine mäßig (5 %) erhöhte attributive Letalität beschrieben (Rosenthal et al.
2003). Ob die Resistenzentwicklung bei Erregern von Harnwegsinfektionen hier zukünftig zu Veränderungen führen wird, bleibt abzuwarten (Kanerva et al.
2012).