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Migration und Flucht – Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

Verfasst von: Laura Fragner, Tobias Schiffler und Paul L. Plener
Migration und Flucht gehen für Kinder und Jugendliche mit enormen Herausforderungen einher, da sie neben allgemeinen physischen, emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklungsaufgaben zusätzliche Anpassungsleistungen erbringen müssen. Sie stehen häufig in einem Spannungsfeld zwischen Akkulturation, Integration, sich dadurch verändernden familiären Dynamiken, rechtlichen und finanziellen Bedrohungen sowie struktureller Benachteiligung im Bildungs- und Gesundheitssektor. Bei der Flucht aus Kriegs- oder Krisengebieten bestehen zusätzliche Belastungen durch traumatische Erfahrungen und Sorgen um Hinterbliebene. Wenn auch viele betroffene Kinder und Jugendliche ein hohes Maß an Resilienz und Ressourcen aufweisen, so tragen diese Probleme zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung psychischer Symptome bei. Im Rahmen der psychiatrischen Versorgung sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund daher eine besonders vulnerable Gruppe mit außerordentlichen Behandlungsanforderungen.

Einleitung

Bei den Begriffen „Flucht“ und „Migration“ handelt es sich um Konzepte, die gemeinsam haben, dass sie eine Form von Ortswechsel beschreiben und daher alltagssprachlich oftmals synonym verwendet werden. Eine Begriffsabgrenzung ist dennoch essenziell, da „Flucht“ und „Migration“ in ihrer Konzeption eklatante Unterschiede aufweisen und im sensiblen Kontext von psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen differenziert betrachtet werden müssen.
Etymologisch ist „Migration“ dem lateinischen „migratio“ bzw. „migrare“ entlehnt und bedeutet „Wanderung“ bzw. „wandern“ oder „wegziehen“ (Kunkel-Razum 2020). Im heutigen Sinne meint Migration schlicht die persistente räumliche Veränderung des Hauptaufenthaltsorts von Individuen, Familien, Gruppen oder ganzen Bevölkerungen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr (UNHCR 2023). Diese Verschiebung des Lebensmittelpunkts muss dabei nicht – wie gemeinhin oft fälschlicherweise angenommen – zwangsläufig über Staatsgrenzen hinweg geschehen, sondern kann beispielsweise auch der Wohnsitzwechsel in eine andere Gemeinde sein (Treibel 2008). Gemäß dieser Definition sind temporäre Aufenthalte zu beruflichen, studentischen oder touristischen Zwecken ausgeschlossen. Entgegen der theoretischen Bedeutung von Migration umfasst der Begriff in seiner landläufigen Auffassung sowohl Emigration bzw. Auswanderung aus einem Ursprungsland als auch Immigration bzw. Einwanderung in ein Zielland (Tab. 1). Migration kann durch unterschiedliche Motive geleitet sein, z. B. Arbeitsmigration (zur Aufnahme von Erwerbstätigkeit), Kulturmigration (Umzug in kulturell attraktivere Orte) oder Wohlstandsmigration (finanziell weitgehend unabhängige Menschen, die aus klimatischen oder gesundheitlichen Gründen auswandern).
Tab. 1
Migrationsformen. (Modifiziert nach Virupaksha et al. 2014)
Migrationsform
Beschreibung
Binnenwanderung
Migration von einem Ort zum anderen innerhalb eines Staates, Landes oder Kontinents
Außenwanderung
Verlegung des Wohnsitzes von einem Ort zum anderen, in der Regel in einen anderen Staat, ein anderes Land oder einen anderen Kontinent
Immigration
Vorgang, bei dem Menschen in ein neues Land ziehen. Menschen, die aus ihrem Herkunftsland auswandern, werden in ihrem Zielland als Immigranten bezeichnet
Emigration
Vorgang, bei dem Menschen ihr Herkunftsland verlassen, um sich in einem anderen Land niederzulassen. Menschen, die aus ihrem Herkunftsland auswandern, werden in ihrem Herkunftsland als Emigranten bezeichnet
Bevölkerungstransfer
Menschen wandern in großen Gruppen von einem Ort zum anderen, nachdem eine Regierung sie aufgrund ihrer Religion/Ethnizität dazu zwingt. Dies wird auch als unfreiwillige/erzwungene Migration bezeichnet
Zwangsmigration
Menschen werden nicht zum Verlassen ihres Landes gezwungen, sondern tun dies aufgrund widriger Umstände wie Kriege, politische Probleme oder religiöser Verfolgung. Dies entspricht auch dem Begriff der Flucht
Stufenmigration
Beschreibt eine Reihe von Migrationen im Leben einer Person, die kürzer und weniger extrem sind
Kettenmigration
Beschreibt eine Reihe von Migrationen innerhalb einer Familie oder einer Gruppe von Menschen. In der Regel beginnt die Kettenmigration mit einem Gruppenmitglied, das später anderen Gruppenmitglieder dabei hilft an den Zielort zu gelangen bzw. sie dorthin bringt
Rückkehrmigration
Vorgang der freiwilligen Rückkehr von Migranten an ihren Herkunftsort. Dies wird auch als zirkuläre Migration bezeichnet
Saisonwanderung
Beschreibt den Vorgang der Migration an einen neuen Ort für eine bestimmte Zeit als Reaktion auf den Mangel von Arbeitsplätzen oder ungünstige klimatische Bedingungen
Während Migration demnach eine allgemeine Sammelbezeichnung für die längerfristige Verschiebung des primären Aufenthaltsorts einer Person oder Gruppe darstellt, ist Flucht vielmehr eine dieser unterzuordnenden Subkategorie. Flucht wird dabei zusammen mit Vertreibung, Deportation und organisierter Umsiedlung im Bereich der Zwangswanderung subsumiert – Phänomene, die wiederum durch die alternativlose Notwendigkeit zur Abwanderung aus der Heimat (z. B. aufgrund politischer, ethno-nationaler, rassistischer oder religiöser Ursachen) charakterisiert sind (Oltmer 2012). Die Unterscheidung zwischen freiwilliger und erzwungener Migration, wie sie im Zusammenhang mit dem Fluchtbegriff elementar ist, ist dabei aber keinesfalls klar zu treffen und sorgte bereits in der Vergangenheit – zuletzt im Jahr 2015 als Millionen von Menschen Asyl und Schutz in europäischen Ländern suchten – für zahlreiche Kontroversen unter Experten im Bereich der Flucht- und Flüchtlingsforschung (Kleist 2019). Das Migrationskonzept lässt sich aufgrund seiner Mannigfaltigkeit in verschiedene Formen gliedern, die sich in ihren wesentlichen Charakteristiken und Prozessen unterscheiden (Tab. 1).

Migrationsprozess und Belastungsfaktoren

Dass eine klare Distinktion der Begriffe „Migration“ und „Flucht“ speziell im Kontext der psychischen Gesundheit notwendig ist, illustriert das sog. PARI-Modell („Psychological Antecedents of Refugee Integration“) von Echterhoff et al. (2020). Das Modell postuliert zwei Schlüsselfaktoren, die geflüchtete Menschen von Personen, die eine andere Form von Migration erlebt haben, abgrenzt (Abb. 1): Einerseits haben Menschen mit Fluchterfahrungen eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Migration als erzwungen zu erleben, andererseits weisen sie auch ein erhöhtes Risiko auf, sowohl vor dem als auch während des Migrationsprozesses Gefahren zu erleben. Mögliche Gefahren vor der Migration können gewaltsame Konflikte, Armut, Verfolgung oder die illegale Beschaffung finanzieller Mittel (z. B. durch Prostitution) darstellen. Zu den Gefahren während des Migrationsprozesses gehören lebensbedrohliche Situationen, in die betroffene Menschen im Rahmen ihrer Reise geraten (z. B. auf überfüllten Booten auf offenem Meer), Hunger und schlechte Behandlung durch Behörden (z. B. aufgrund diskriminierender Verhaltensweisen) und Schlepper (Brücker et al. 2016b; Sirries et al. 2016). Erzwungene Migration bedeutet im Allgemeinen eine abrupte, überstürzte Abreise ohne angemessene Möglichkeit zur Reiseplanung (Stein 1981). Aufgrund dieser Umstände haben betroffene Menschen oft keine andere Wahl als sich in die Hände von Schleusern zu begeben und zu riskieren, Staatsgrenzen ohne Einreiseerlaubnis zu passieren (Brücker et al. 2016a).
Dass diese Erfahrungen eminenten Einfluss auf die psychische Gesundheit geflüchteter Menschen nehmen, konnte bereits in zahlreichen Forschungsarbeiten bestätigt werden (Kirmayer et al. 2011; Knausenberger et al. 2022; Mwanri et al. 2022). Die Exposition gegenüber traumatischen Ereignissen kann dabei in drei Schlüsselphasen auftreten: vor der Migration (prämigratorisch), im Übergangszeitraum bzw. Transit (perimigratorisch) und nach der Migration (postmigratorisch) (Zimmerman et al. 2011). Im Zuge von Flucht erleben Individuen sowohl vor als auch während der Migration vielfältige Formen von Traumata, darunter Verfolgung, körperliche und sexualisierte Gewalt oder lebensbedrohliche Situationen (Foster 2001). Diese Erfahrungen können in weiterer Folge schwere und langfristige Konsequenzen für die psychische Gesundheit Betroffener mit sich ziehen. So konnte unter Gemeinschaften von Menschen mit Fluchterfahrungen beispielsweise ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen und Angststörungen festgestellt werden (Fazel et al. 2005; Lindert et al. 2009). Zusätzlich zu psychischen Traumata, die vor oder während der Transition entstehen, sind geflüchtete Menschen auch innerhalb der postmigratorischen Phase einer Reihe von Stressoren ausgesetzt, die mit der Wiederansiedlung und der Akkulturation (kultureller Anpassungsprozess) in einem anderen Land assoziiert sind. Aufgrund der ohnehin erhöhten Vulnerabilität unter dieser Personengruppe bedeutet dies eine unverhältnismäßig hohe Zusatzbelastung (Kim 2016; Li 2016). Dementsprechend haben Menschen mit Fluchterfahrungen auch nach erfolgter Migration ein weiterhin erhöhtes Risiko für eine schlechtere psychische Gesundheit und die Entwicklung psychischer Probleme als Menschen ohne solche Erfahrungen (Sangalang et al. 2019).
Speziell im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit ergibt sich aber zwischen geflüchteten Menschen und jenen, die eine andere Form von Migration erlebt haben (z. B. Arbeitsmigration), ein Kontrast, wenngleich die Auswirkungen von Trauma und Stress auf die psychische Gesundheit von Migranten ohne Fluchterfahrungen aus longitudinaler Perspektive bisher nur unzureichend erforscht wurden (Gambaro et al. 2020). In der Regel verlassen nicht geflüchtete Migranten ihre Herkunftsländer freiwillig – auf der Suche nach sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten – während geflüchtete Personen auf der Suche nach Sicherheit vor Konflikten und Verfolgung zur Migration gezwungen sind. Studien haben gezeigt, dass Migration zumeist ein Risikofaktor für die negative Entwicklung psychischer Gesundheit ist (Bhardwaj et al. 2012; Nakash et al. 2012). Aufgrund des latenten Unsicherheitsgefühls und der Nichtverfügbarkeit der eigenen Community manifestieren sich die akuten Belastungen betroffener Menschen in psychischen oder somatischen Symptomen. Will man die Position von Minderjährigen beschreiben, müssen diese Belastungen auch im familiären Kontext gedacht werden. Neben den eigenen Belastungen, die sich durch den Verlust des vertrauten Wohnorts und sozialer wie familiärer Bindungen in Verbindung mit Akkulturationsstress ergeben, findet sich häufig auch eine Verunsicherung durch die psychischen Belastungen, die sich bei Eltern manifestieren können. Einerseits schafft dies eine Unsicherheit bei betroffenen Kindern, andererseits ergibt sich hierdurch häufig die Gefahr einer Parentifizierung – insbesondere dann, wenn Kinder durch den schnelleren Erwerb sprachlicher Kompetenzen im neuen Land zum „Sprachrohr“ der Eltern werden und somit eine nicht entwicklungsgemäße Rolle im familiären System einnehmen.
Migration ist ein komplexes Phänomen, dessen wichtigste Absicht es ist, vorherrschende Lebensumstände zu verbessern oder sich von ungünstigen Lebenssituationen und -faktoren zu entfernen. In diesem Sinne muss Migration nicht zwingend stressbehaftet sein, kann aber durch nicht angemessene Vorbereitung während der prämigratorischen Phase, das Nichtvorhandensein sozialer Unterstützung sowie das Erleben von Schwierigkeiten, Barrieren oder Disparitäten zu einer existenziellen Bedrohung ausarten und eine hohe Belastung für betroffene Menschen darstellen (Virupaksha et al. 2014). Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um internationale Migration handelt oder die Migration innerhalb eines Landes geschieht. Da staatliche Bemühungen diese Probleme zu bewältigen oftmals unzureichend und mangelhaft sind, besteht ein immenser Bedarf, öffentliche Gesundheits- und Sozialdienste für Menschen mit Migrationshintergrund zugänglich zu machen (Ostrom 2010).

Migrationsströme und demografische Entwicklung in Europa

Die geschätzte Zahl der internationalen Migranten ist in den letzten fünf Jahrzehnten gestiegen (Tab. 2). Im Jahr 2020 lebten weltweit fast 281 Millionen Menschen in einem anderen Land als ihrem Geburtsland. Dies sind etwa 128 Millionen mehr Personen als 30 Jahre zuvor, im Jahr 1990 (153 Millionen) und mehr als das Dreifache der geschätzten Zahl im Jahr 1970 (84 Millionen) (United Nations 2022). Wenngleich der Anteil der internationalen Migranten an der gesamten Weltbevölkerung sukzessive zugenommen hat, lebt die Mehrheit der Menschen nach wie vor in dem Land, in dem sie geboren wurde.
Tab. 2
Internationale Migranten weltweit. (United Nations 2008, 2021)
Jahr
Zahl internationaler Migranten
Relativer Anteil der Migranten an der Weltbevölkerung
1970
84.460.125
2,3 %
1975
90.368.010
2,2 %
1980
101.983.149
2,3 %
1985
113.206.691
2,3 %
1990
152.986.157
2,9 %
1995
161.289.976
2,8 %
2000
173.230.585
2,8 %
2005
191.446.828
2,9 %
2010
220.983.187
3,2 %
2015
247.958.644
3,4 %
2020
280.598.105
3,6 %
In Europa lebten im Jahr 2020 fast 87 Millionen internationale Migranten, was einem Anstieg von fast 16 % seit 2015 entspricht (United Nations 2022). Etwa die Hälfte von ihnen (44 Millionen) wurde in Europa geboren, lebt aber an einem anderen Ort innerhalb Europas. Im Jahr 1990 lebten etwa gleich viele Europäer außerhalb Europas wie Nichteuropäer in Europa. Entgegen der Zunahme der Zuwanderung nach Europa ging die Zahl der außerhalb Europas lebenden Europäer in den letzten 30 Jahren jedoch weitgehend zurück und erreichte erst in den letzten Jahren wieder das Niveau von 1990. Im Jahr 2020 lebten rund 19 Millionen Europäer außerhalb des Kontinents, vor allem in Asien und Nordamerika.
Viele Länder im Osten Europas – wie die Russische Föderation, die Ukraine, Polen und Rumänien – haben einige der größten Emigrationsbevölkerungen innerhalb Europas (United Nations 2022). Mit fast 11 Millionen Emigranten im Jahr 2020 hatte Russland die größte im Ausland lebende Bevölkerung Europas. Nach Russland und der Ukraine (rund 6 Millionen) wiesen Polen und das Vereinigte Königreich die dritt- bzw. viertgrößte europäische Emigrationsbevölkerung auf (4,8 Millionen bzw. 4,7 Millionen). Bosnien und Herzegowina hatte im Jahr 2020 den größten Anteil an Emigranten an seiner Bevölkerung, von denen viele während des Zerfalls Jugoslawiens auswanderten.
Mit fast 16 Millionen Migranten im Jahr 2020 hatte Deutschland die größte Zahl im Ausland geborener Bevölkerung aller europäischen Länder (United Nations 2022). Die Zahl der Immigranten in Deutschland stieg zwischen 2015 und 2020 um über 5 Millionen Personen. Die größten Gruppen kamen aus Polen, der Türkei, Russland, Kasachstan und Syrien. Weitere hochfrequentierte Immigrationsländer Europas (und ihre jeweils wichtigsten Emigrationsländer) sind das Vereinigte Königreich (Indien, Polen, Pakistan), Frankreich (nordafrikanische Länder) sowie Spanien und Italien (Rumänien, Albanien, Marokko, Kolumbien, Ecuador). Als wichtigstes Migrationsland in der europäischen Region hatte allerdings die Schweiz den größten Anteil an Migranten an ihrer Bevölkerung (29 %), gefolgt von Schweden (20 %), Österreich (19 %) und Deutschland (19 %).
Die Auswirkungen von COVID-19 auf die globale Population internationaler Migranten lassen sich bislang nur schwer abschätzen, da aktuell verfügbare Bevölkerungsdaten nur bis Mitte 2020 vorliegen, einem frühen Stadium der Pandemie. Dennoch wird geschätzt, dass COVID-19 den Anstieg der globalen Zahl internationaler Migranten um etwa 2 Millionen verringert haben könnte (United Nations 2022). Infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine wurden in Russland bis Oktober 2022 beinahe 2,9 Millionen geflüchtete Menschen aus der Ukraine registriert (Statista 2023). Darüber hinaus sollen bis Mitte Februar 2023 etwa 1,6 Millionen Ukrainer nach Polen geflohen sein. Insgesamt wurden in ganz Europa mehr als 8 Millionen ukrainische Geflüchtete registriert, wobei der Großteil dieser Menschen über die Grenze zu Polen floh. Bis Ende Januar 2023 wurden mehr als 1 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland registriert.

Migration und Folgen für Kinder und Jugendliche

Flucht und Traumatisierung

In den vergangenen Jahrzehnten mussten Millionen von Kindern und Jugendlichen vor bestehenden oder neu aufflammenden gewaltsamen Konflikten in ihren Heimatländern fliehen. Die Hälfte der Geflüchteten weltweit sind Minderjährige unter 18 Jahren (UNHCR 2022). Zwangsvertriebene Kinder sind eine besonders vulnerable Gruppe für die Entwicklung psychischer Probleme, wie posttraumatische Symptome, Depression und Angststörungen (Eruyar et al. 2018a). Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung, sowie deren Angehörige befinden sich in einer Ausnahmesituation, die mit vielen Umbrüchen und existenziellen Unsicherheiten einhergeht. Allerdings sind die Erfahrungen, die geflüchteten Menschen gemacht haben, sehr heterogen und die Auswirkungen variieren je nach Alter und Verständnis der Ereignisse, sowie durch kulturelle und soziale Einflüsse.
Viele geflüchtete Personen haben bereits vor der Flucht lang anhaltende Einschränkungen ihrer Lebensqualität und Sicherheit, sowie häufig ein hohes Maß an Gewalt erfahren. Häufige traumatische Erlebnisse sind das Erleben oder auch die Zeugenschaft von physischer Gewalt, sexueller Gewalt oder Tötungen, Kriegserlebnisse, der Verlust wichtiger Bezugspersonen und Naturkatastrophen (Sukale et al. 2020). Auf der anderen Seite des Kontinuums stehen Kinder und Jugendliche, die von Krieg, Gewalt und Bedrohung in ihrem Heimatland gehört haben, deren Familien es jedoch noch gelingt unversehrt auszureisen.
Die Migrationswege und Erfahrungen auf der Flucht sind sehr unterschiedlich und von sozioökonomischen Faktoren abhängig. Einige Geflohene rechnen mit einem drohenden Krieg und Verfolgung und planen ihre Ausreise (Hodes und Vostanis 2019). Sofern Familien über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, können sie mit regulären Verkehrsmitteln (z. B. Zug, Flugzeug) ausreisen und sind nicht auf Schlepper angewiesen. Andere erleben lange und beschwerliche Reisen über Wochen, Monate oder sogar Jahre.
Flüchtende Menschen sind auf der Flucht meist einer großen Schutz- und Orientierungslosigkeit und physischen Gefahren ausgesetzt (z. B. lange Fußmärsche, Flucht auf Booten), leiden Hunger und Durst, verfügen über keine medizinische Versorgung, erleiden Überfälle, Übergriffe und Misshandlungen (Hodes und Vostanis 2019). Auf der Flucht kann es passieren, dass Familienmitglieder voneinander getrennt oder gar inhaftiert werden. Auch die Bedingungen im Aufnahmeland spielen in Bezug auf die Beeinträchtigung mentaler Gesundheit eine wichtige Rolle. Es ist naheliegend, dass Faktoren wie etwa begrenzte materielle Ressourcen und die Abhängigkeit von Sozialleistungen, die Unterbringung in provisorischen Unterkünften und überfüllten Asylheimen, Schwierigkeiten mit Behördenwegen, die Zuordnung des Wohnorts bei gleichzeitig eingeschränkter Mobilität, Diskriminierungen, ein unklarer Aufenthaltsstatus oder eine drohende Abschiebung – teilweise trotz langjährigem Aufenthalt im jeweiligen Land – zu hohem psychischen Stress und psychischen Symptomen führen kann (Machleidt und Graef-Calliess 2019).
Für Kinder und Jugendliche kann aber auch der Zugang zu einem Ausbildungsplatz einen erheblichen Stressor darstellen. Möglicherweise haben sie in ihrem Herkunftsland keine formale Bildung erhalten oder hatten jahrelang unterbrochene Bildungserfahrungen. Neben den Herausforderungen sich im neuen Bildungssystem zu integrieren, können sich Unterbrechungen oder häufige Wechsel der Bildungseinrichtungen im Ankunftsland fortsetzen, sofern sie nur einen kurzen Aufenthaltsstatus haben, nur provisorisch untergebracht sind und häufiger umziehen müssen (Hodes und Vostanis 2019).
Zusammenfassend kann bei geflohenen Kindern und Jugendlichen in vielen Fällen von einer sequenziellen Traumatisierung ausgegangen werden, die durch multiple traumatische Erfahrungen prä-, peri-, und postmigratorisch bedingt ist. Es ist davon auszugehen, dass begleitete minderjährige Geflüchtete im Durchschnitt mindestens drei, unbegleitete minderjährige Geflüchtete acht traumatische Ereignisse erleben (Sukale et al. 2020).

Unbegleitete minderjährige Geflüchtete

Im Jahr 2021 stieg die Zahl der Asylerstanträge unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter in Deutschland um 46 % an (Karpenstein und Rohleder 2022). 2021 wurden 3249 Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen gestellt. Dies entspricht ca. 5 % aller minderjährigen MigrantInnen. Antragsteller sind überwiegend männlich (70–80 %), wobei der Anteil geflüchteter Mädchen kontinuierlich zunimmt. Hauptherkunftsländer unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter in Deutschland sind Afghanistan und Syrien. Im selben Jahr wurden in Deutschland 17.974 junge Geflüchtete (Jugendliche und junge Erwachsene) im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe betreut und untergebracht. Auch in Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier waren 2022 20 % aller Asylanträge von Minderjährigen gestellt worden, 12 % davon von unbegleiteten Minderjährigen – großteils männlich (97 %) und in einem Alter zwischen 14 und 18 Jahren (Bundesministerium für Inneres 2022).
Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung von erwachsenen Bezugspersonen aus ihren Heimatländern fliehen müssen, sind aufgrund ihres Alters, der Trennung von wichtigen Bezugspersonen und der Entfernung von ihrem Zuhause eine besonders vulnerable und schutzbedürftige Gruppe. Sie leiden unter Heimweh, dem Verlust der Familie und/oder der Unkenntnis über deren Verbleib und machen weitaus häufiger traumatisierende Erfahrungen als begleitete Kinder und Jugendliche (extreme Formen von Gewalt, Ausbeutung, Menschenhandel, physischer, psychischer und sexueller Missbrauch) (Busch et al. 2018). Häufig erfolgt die Flucht auch in Erwartung einer Verbesserung der familiären Situation (z. B. Geldrücksendung, Hoffnung auf Initiieren eines Familiennachzugs).
Unbegleitete Minderjährige werden mitunter leichter durch ihre Umwelt beeinflusst und es besteht die Gefahr, dass sie häufiger Opfer von Ausgrenzung und Diskriminierung, in strafbare Handlungen verwickelt oder radikalisiert werden (European Asylum Support Office 2018). Insbesondere unbegleitete Mädchen können auch von sexueller Gewalt und Zwangs- und Frühverheiratung bedroht sein. Unbegleitete Minderjährige mit Behinderungen oder bereits vorbestehenden psychischen Erkrankungen sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden.
Entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 haben unbegleitete Minderjährige unabhängig von ihrem Migrations- und Flüchtlingsstatus Anspruch auf alle Rechte des Kindes und eine sofortige Beurteilung der Schutzbedürftigkeit, der besonderen Bedürfnisse und Risiken (UNICEF 2022). In Deutschland müssen unbegleitete minderjährige Geflüchtete nach dem ersten Behördenkontakt an das Jugendamt weitergeleitet werden. Neben dem Jugendamt können auch Pflege- bzw. Gasteltern deren Obsorge übernehmen. Dennoch leben viele Betroffene mitunter monatelang in Erstaufnahme- und Clearingstellen, ohne Struktur und Betreuung und ohne Möglichkeiten einer alters- und kindgerechten Beschäftigung nachzugehen. Oft sind nur wenige Mitarbeiter für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen ausgebildet. Kinder haben möglicherweise bereits traumatisierende Erfahrungen mit Polizei und Behörden gemacht, sind jedoch nach den Asylgesetzen mit 16 Jahren verfahrensfähig und müssen oft in behördlichen Anhörungen ihre traumatischen Erlebnisse schildern (United Nations 2023).
Ein weiterer Aspekt sind Altersstreitigkeiten, wenn Behörden die Minderjährigkeit von Geflüchteten anzweifeln bzw. überprüfen. Infolgedessen erhalten Jugendliche, bei denen das Alter umstritten ist, möglicherweise nicht die Unterstützung, auf die Kinder Anspruch haben und sind durch Inhaftierung und Abschiebung bedroht (Hodes und Vostanis 2019). In diesem Zusammenhang sei zu erwähnen, dass eine beträchtliche Zahl von verschwundenen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten besteht, die sich initial zum Asylverfahren anmelden, jedoch noch vor der Klärung der Obsorge aus dem Aufnahmeland abgängig sind und deren Verbleib unklar bleibt (European Asylum Support Office 2018).
Wenn unbegleitete Kinder und Jugendliche in entsprechenden Einrichtungen untergebracht werden, erhalten sie im Idealfall eine kindgerechte Betreuung und Förderung, sowie soziale, psychologische und rechtliche Beratung. Dennoch müssen auch in diesem Fall viele Anpassungsleistungen erbracht und belastende Situationen ertragen werden.
Eine Herausforderung stellt sowohl für die unbegleiteten Minderjährigen selbst als auch für Betreuungspersonen eine häufig bestehende Ambivalenz zwischen Autonomie und extremer Hilfsbedürftigkeit der Kinder und Jugendlichen dar. Sie haben einerseits viel Selbstständigkeit benötigt, um die Flucht zu schaffen, andererseits sind sie meist nur schwer in der Lage, ihren Alltag alleine zu gestalten. Dadurch entstehen häufig Probleme beim Einfordern und Annehmen von Unterstützung und dem Akzeptieren von Regeln und Strukturen. Dies ist auch in einem Behandlungssetting zu beachten, um Abbrüche möglichst zu vermeiden (Busch et al. 2018; Sukale et al. 2020).

Familiendynamik und Belastungen bei migrierten Familien

Familiendynamiken können in migrierten Familien je nach Art der Migration sehr unterschiedlich sein. Es macht beispielsweise einen Unterschied, ob es sich um einen Familiennachzug nach der Arbeitsmigration eines Elternteils handelt, oder etwa um die „Pioniermigration“ eines Kindes als Flüchtling mit dem Ziel eines Familiennachzugs, sodass prinzipiell unterschiedliche Erwartungen an einzelne Familienmitglieder bestehen können (Busch et al. 2018). Gemeinsam migrierte Familien können belastende Ereignisse mitunter teilen und besser verarbeiten.
Eltern, die aufgrund von Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat fliehen mussten, sind meist selbst schwer traumatisiert und leiden unter posttraumatischen Symptomen (Sukale et al. 2020). Sie sind durch die Herausforderungen der Bewältigung eigener Symptomatik häufig mit der Erziehung überfordert und es fällt ihnen schwer ein sicheres und stabiles Umfeld für ihre Kinder zu schaffen. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch, dass es in diesen Familien häufiger zu Vernachlässigung, physischem und emotionalem Missbrauch und Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt. Die elterliche Psychopathologie und Misshandlungserfahrungen sind mit emotionalen und Verhaltensproblemen der Kinder assoziiert (Eruyar et al. 2018b). So wird ein strenger und kontrollierender Erziehungsstil mit wenig emotionaler Wärme und Unterstützung mit Internalisierungs- und Externalisierungsproblemen und ein unsicheres Bindungsverhalten der Eltern mit einer höheren Ausprägung von Symptomen einer PTBS bei deren Kindern in Zusammenhang gebracht (Scharpf et al. 2021). Im Gegenzug sind ein positiveres, d. h. wärmeres und stabileres Familienklima mit einem geringeren Maß an internalisierenden Problemen assoziiert und ein familiäres Umfeld, in dem der direkte Ausdruck von Emotionen gefördert wird, führt zu einem geringeren Risiko für PTBS bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen.
Auch die Gesellschaftsstrukturen der Herkunftskultur migrierter Familien spielen im Zusammenhang mit postmigratorischen Belastungen eine Rolle. Während im deutschsprachigen Raum die Gesellschaft eher individualistisch geprägt ist, zeigen sich in vielen Kulturen zugewanderter Familien (z. B. aus der Türkei oder Syrien) soziozentristische Strukturen, die einen hohen Stellenwert der Familie und enge Bindungen, auch über Kernfamilie hinaus, mit sich bringen (Busch et al. 2018). Dies kann einerseits einen starken Zusammenhalt und Unterstützung innerhalb der Familie fördern, andererseits besteht häufig auch eine starke Autorität der Eltern und anderer wichtiger Familienmitglieder gegenüber den Kindern. Konflikte mit Familienmitgliedern können dadurch als bedrohlicher erlebt und nicht offen ausgetragen werden. Fehlverhalten von Kindern wird als Schande bewertet und Probleme eher externen Ursachen zugeschoben, um die Familie nicht zu belasten. In Bezug auf psychosoziale Probleme besteht häufig die Annahme, dass diese innerhalb der Familie gelöst werden müssen und außerfamiliäre Personen kein Mitspracherecht haben oder in diese einbezogen werden dürfen. In Kontrast zu den mitunter klaren Rollenbildern und Erziehungsvorstellungen der Eltern kommt es in migrierten Familien oft zu einer Verschiebung von Rollenstrukturen, sodass Kinder und Jugendliche früh elterliche Aufgaben und Funktionen (z. B. Dolmetschen, Behördengänge, medizinische Versorgung) übernehmen müssen (Sukale et al. 2020). Hingegen können sich Eltern oft aufgrund verschiedener Barrieren (emotional-kulturell, Sprache, Wissen) nicht effektiv für Gesundheits- und Bildungsbedürfnisse ihrer Kinder einsetzen. In Bezug auf Schule und Bildung geraten Kinder und Jugendliche häufig unter Druck, da für viele Eltern mit Migrationshintergrund der Schulerfolg ihrer Kinder einen Maßstab dafür darstellt, ob sich die Migration gelohnt hat (Busch et al. 2018).
Die kulturelle Adaptation (Akkulturation) und Integration von zugewanderten Eltern kann oft viele Jahre dauern. Akkulturationsstress ist ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen bei migrierten Eltern und deren Kindern. Einen wesentlichen Einfluss auf die Akkulturation haben sowohl der postmigratorische sozioökonomische Status der Familien (finanzielle Unterstützungsleistungen, Beschäftigungsstatus der Eltern, Wohnsituation etc.), als auch der Grad an sozialer Unterstützung, z. B. durch Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, aber auch Lehrer oder andere Professionisten (Scharpf et al. 2021). Soziale Unterstützung kann Akkulturation erheblich fördern und das Risiko für die Ausbildung psychischer Symptome nach Migration reduzieren.

Psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Resilienz und Vulnerabilität

Wenn Familien von Immigranten in die Aufnahmegesellschaft kommen, beeinflussen politische, wirtschaftliche und soziale Faktoren im Kontext der Migration sowohl die kurzfristige Anpassung als auch die langfristigen Entwicklungspfade (Dryden-Peterson 2016; Portes 2001). Bessere wirtschaftliche Chancen prägen die Erfahrung der Zuwandererfamilien auf verschiedene Weise, einschließlich der Art und Stabilität der für Erwachsene und Jugendliche verfügbaren Arbeitsplätze. Ein protektiver Faktor sind Gesellschaften, die kulturelle Vielfalt schätzen, multikulturelle Ideologien übernehmen und Zuwanderern Rechte und Unterstützung gewähren, um das Zugehörigkeitsgefühl der immigrierenden Personen zu fördern. Durch politische Unterstützung der Integration von Einwanderer- und Flüchtlingsfamilien kann in das schulische, psychische und allgemeine Wohlbefinden und die Resilienz von betroffenen Kindern und Jugendlichen investiert werden (Suárez-Orozco und Suárez-Orozco 2013). Insbesondere Kinder und Jugendliche, die kulturelle Prozesse beobachten, bei denen eine Kongruenz zwischen der Herkunfts- und der Aufnahmekultur besteht, weisen eine höhere Resilienz auf (Caqueo-Urízar et al. 2021). Zu den Schutzfaktoren gehören interpersonelle Bindungen (d. h. eine stabile Bezugsperson), bedeutsame Bindungen zu anderen Menschen, die als gleichwertig angesehen werden (aufgrund derselben kulturellen Herkunft oder des Migrationsstatus), Konfliktlösungsfähigkeiten und ein gutes Verhältnis zu Gleichaltrigen und Lehrern. Diese Faktoren kommen auch dann unterstützend zum Tragen, wenn Teilaspekte des Lebens (z. B. im Kontext von Schule, Familie oder Community) als problematisch oder bedrohlich empfunden werden.
Auch heute noch sind Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung im Rahmen von Migration jedoch vorherrschend und richten sich auf globaler Ebene vor allem gegen Muslime (Sirin 2008). In Gesellschaften, die sich zum Großteil aus weißen Personen zusammensetzen, sind Einwanderer, die sich in ihrer Hautfarbe von der Mehrheit unterscheiden, einem größeren Risiko ausgesetzt, diskriminiert zu werden, als diejenigen, die als Weiße „durchgehen“ (APA Presidential Task Force 2012). Dieses einwandererfeindliche, nationalistische Ethos kann sich in offenen und subtilen Formen manifestieren, wie in der offenen Diskriminierung von Zuwanderern (insbesondere Minderheiten) durch Gesetze und Praktiken, in der Aufrechterhaltung negativer Stereotypen und in der Förderung versteckter Formen der Diskriminierung (z. B. Mikroaggressionen) (Lopez et al. 2010). Auch in Hinblick auf unbegleitete minderjährige Geflüchtete konnte in einer deutschen Stichprobe gezeigt werden, dass die Akzeptanz gegenüber geflüchteten Jugendlichen aus dem Nahen Osten größer war als die Akzeptanz gegenüber Geflüchteten aus Afrika (Plener et al. 2017).
Eine negative Überwahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit, gepaart mit der täglichen Erfahrung des „sozialen Spiegels“ negativer Mediendarstellungen und Stereotypen über Einwanderer, schafft ein nachteiliges Umfeld für die kindliche Entwicklung (Suárez-Orozco 2017). Ein derartiges Aufnahmeumfeld beeinträchtigt den Entwicklungsfortschritt von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (z. B. im Hinblick auf den Aufbau von Beziehungen zu Gleichaltrigen und gute schulische Leistungen) sowie die psychische Adaptation (z. B. vermindertes Selbstwertgefühl) und kann akkulturative Aufgaben (z. B. Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls) unterbrechen. Feindseligkeiten im Zuge der Immigration können für geflüchtete Menschen, die bereits multipel traumatisiert sind, besonders problematisch sein und ihre psychische Gesundheit und psychologische Anpassung gefährden. Kinder und Jugendliche sind in dieser Hinsicht besonders gefährdet langfristige Folgen zu entwickeln (Schneider et al. 2014). Die Wertschätzung des kulturellen Pluralismus bzw. die Akzeptanz kultureller Identitäten von Minderheiten durch die Gesamtgesellschaft ermöglicht es Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund hingegen ihre Identitäten und kulturellen Praktiken positiv zu entwickeln (z. B. neue bikulturelle Orientierungen anzunehmen).
Verschiedene Ereignisse und Erfahrungen tragen prä-, peri- und postmigratorisch zu erhöhter Vulnerabilität bei Kindern und Jugendlichen bei und können traumaassoziierten Stress hervorrufen (Carlson et al. 2012). Postmigratorisch bedeuten Asylverfahren eine zusätzliche Belastung. Viele Migrantenfamilien haben permanente Angst vor einer erzwungenen Trennung und entwickeln Notfallpläne für den Fall, dass die Eltern inhaftiert oder abgeschoben werden, was das Sicherheitsgefühl der betroffenen Kinder untergräbt (Suárez-Orozco 2017).
Wahrgenommene Diskriminierung steht im Zusammenhang mit negativen psychischen und physischen Auswirkungen und schlechteren schulischen Leistungen bei Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Einwanderergruppen (Motti-Stefanidi und Asendorpf 2012). Weibliche Migrantinnen sind tendenziell reagibler gegenüber wahrgenommener Diskriminierung, wohingegen diese bei Menschen mit höherem Akkulturationsgrad weniger psychosoziale Auswirkungen hat (Umaña-Taylor und Updegraff 2007). Der Zusammenhang zwischen wahrgenommener Diskriminierung und negativer psychologischer Adaptation in Kombination mit Fremdenfeindlichkeit – mit Fokus auf nationale Herkunft, sprachliche Unterschiede und wahrgenommene kulturelle Distanz – bedeutet eine unverhältnismäßig höhere Belastung für migrierte Kinder und Jugendliche (APA Presidential Task Force 2012). Tab. 3 fasst diverse Faktoren zusammen, die zum Risiko und Schutz der psychischen Gesundheit von geflüchteten Kindern und Jugendlichen beitragen.
Tab. 3
Risiko- und Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen. (Modifiziert, nach Scharpf et al. 2021)
 
Individuum
Familie
Community
Gesellschaft/Kultur
Prämigration
Risiko:
Exposition gegenüber kriegsassoziierten traumatischen Ereignissen
Risiko:
Verlust eines Elternteils
  
Risiko für internalisierende Symptome und PTBS:
weiblich sein
   
Risiko für internalisierende Symptome:
männlich sein
   
Schutz:
längere Schulzeit
   
Perimigration
Risiko:
Dauer des aktuellen Aufenthalts in einem Notaufnahmelager
Risiko:
Trennung von nahestehenden Familienangehörigen
 
Risiko:
Inhaftierung
 
Schutz:
sozioökonomischer Status in einem Notaufnahmelager
  
Postmigration
Risiko:
Symptome einer PTBS, Depression oder Angststörung
Schutz:
Zusammenleben mit mindestens einem biologischen Elternteil
Schutz:
Unterstützung durch Peers
Risiko:
wahrgenommene Diskriminierung
Schutz:
besser wahrgenommene Schulleistung
Risiko:
Eltern mit psychischen Problemen
Schutz:
enge Beziehungen mit Freunden
Schutz:
integrativer Akkulturationsstil
Risiko:
vermeidende Bewältigungsstrategien
Risiko:
negative elterliche Verhaltensweisen
Schutz:
Verbundenheit mit der Schule
Risiko:
Exposition gegenüber akkulturativen Stressoren
Schutz:
individuelle Resilienz
Risiko:
elterlicher Missbrauch
Risiko:
kumulative Exposition gegenüber täglichen Stressoren
Risiko:
Wiederansiedlung in einer armen Region
 
Schutz:
familiärer Zusammenhalt
 
Risiko für unbegleitete Minderjährige:
Wohnformen mit geringem Unterstützungsangebot
 
Schutz:
warmherzige Eltern-Kind-Beziehung
 
Schutz:
Gewährung von Asyl im Aufnahmeland

Psychische Symptome und Erkrankungen

Migration ist per se ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen. Die häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund stellen posttraumatische Stresssymptome, PTBS, Depressionen und Angststörungen dar (Witt et al. 2015). Bezogen auf unbegleitete minderjährige Geflüchtete wurden in einer systematischen Übersichtsarbeit Prävalenzraten zwischen 20 und 81,5 % für psychische Erkrankungen berichtet (Witt et al. 2015). In einem weiteren systematischen Review zur Situation unbegleiteter minderjährige Geflüchtete in Europa wurden die Prävalenzraten von PTBS zwischen 4,6 % und 43 % angegeben, für Depression zwischen 2,9 % und 61,6 % und für Angststörungen zwischen 32,6 % und 38,2 % (Daniel-Calveras et al. 2022). Unbegleitete minderjährige Geflüchtete weisen hierbei noch ein weitaus höheres Risiko für die genannten psychischen Erkrankungen auf – bis zu 71 % von ihnen leiden unter einer psychischen Erkrankung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur psychischen Belastung von minderjährigen Geflüchteten und Asylsuchenden berichtet von einer Prävalenz der posttraumatischen Belastungsstörung von 22,7 % der Depression von 13,8 %, von Angststörungen von 15,8 % und der ADHS von 8,6 % (1,08−16,12) (Blackmore et al. 2020). Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die Krieg und Gewalt erlebt haben, besteht eine höhere Prävalenz der PTBS, die mit der zunehmenden Anzahl der traumatischen Erlebnisse, Dauer der Exposition und der örtlichen Nähe zu den Ereignissen korreliert. In dieser Gruppe bestehen zusätzlich zu den Kernsymptomen der PTBS (Wiedererleben, Erregung und Vermeidung) häufig auch Störungen der Affektregulation, des Selbstkonzepts, der zwischenmenschlichen Beziehungen und Dissoziation (komplexe PTBS). Unbegleitete Minderjährige leiden auch häufiger an somatoformen Störungen, dissoziativen Störungen, Suchterkrankungen, selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität. In dieser Population zeigt sich auch ein hoher Grad an Chronifizierung psychischer Erkrankungen (Hodes und Vostanis 2019). Bei Erstvorstellung nennen Kinder und Jugendliche zumeist primär somatische Beschwerden (z. B. Kopf-, Bauchschmerzen), Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen. Oft wird der Zusammenhang zwischen Trauma und Beschwerden nicht erkannt und es werden alternative Krankheitstheorien und Beschreibungen von Symptomen angeführt (Sukale et al. 2020).
Insgesamt zeigen sich bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund häufiger internalisierende als externalisierende Störungen, wobei ein überwiegender Teil der Studien mit älteren Kindern und Jugendlichen über 11 Jahren durchgeführt wurde und nur sehr wenige Daten über jüngere Kinder vorliegen (Belhadj Kouider et al. 2015; Scharpf et al. 2021). Migration gilt auch als Risikofaktor für die Entwicklung psychotischer Störungen, wobei sozialen Umgebungsfaktoren (Erleben von Diskriminierung, Einschränkungen der Lebensgestaltung etc.) neben genetisch-biologischen Faktoren eine bedeutende Rolle beigemessen wird (Machleidt und Graef-Calliess 2019). Bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund scheint sich das Risiko, eine Psychose zu erleiden durch eine zusätzlich bestehende dysfunktionale Familiendynamik deutlich zu verstärken – bei Kombination der Faktoren Migration und dysfunktionale Familie zeigte sich ein vierfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer psychotischen Symptomatik (Patino et al. 2005).
Auch bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in zweiter Generation besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen im Vergleich zu nicht migrierten Minderjährigen. In dieser Population zeigen sich ebenfalls erhöhte Raten an depressiven Erkrankungen, Angststörungen (spezifische Phobien, generalisierte Angststörung, soziale Phobien und Trennungsängste), somatoformen Störungen, sowie PTBS (Ceri et al. 2017; Özlü-Erkilic et al. 2022). Zudem gibt es kulturelle Unterschiede in Bezug auf Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten. In einer Studie mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus der Türkei, Bosnien, Serbien, Kroatien und Österreich zeigte sich ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko für Suizidversuche bei türkischsprachigen Jugendlichen (Özlü-Erkilic et al. 2020). Jugendliche mit türkischer Herkunft sprachen weniger mit anderen über ihre Suizidgedanken und wählten eher „risikoarme Methoden“ (Medikamentenintoxikationen und Schnittverletzungen) für ihren Suizidversuch als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Zudem wurden als Auslöser für Suizidversuche von türkischstämmigen Jugendlichen fast dreimal häufiger interfamiliäre Konflikte angegeben. Jugendliche mit Migrationshintergrund frequentieren häufiger psychiatrische Notfallambulanzen, was vermutlich auf eine geringere Inanspruchnahme von frühzeitigen Behandlungsangeboten zurückzuführen ist (Özlü-Erkilic et al. 2020; Özlü-Erkilic et al. 2022).

Psychische Symptome und Syndrome im kulturellen Kontext

Kultur hat einen wichtigen Einfluss auf die Wahrnehmung, Interpretation und Beschreibung von Leiden und Krankheit. Darüber hinaus haben kulturelle Faktoren Einfluss auf die Phänomenologie von Erkrankungen und dadurch entstehende Missverständnisse in Diagnostik und Therapie (Schouler-Ocak et al. 2015). Häufig bestehen andere Konzepte von Krankheit und Gesundheit, die auch die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten beeinflussen. In kollektivistischen Kulturen besteht die Annahme, dass Probleme innerhalb der Familie bzw. Gemeinschaft gelöst werden sollten, was eine skeptische und zurückhaltende Haltung von Betroffenen in Bezug auf die Behandlung mit sich bringen kann. Dies bildet sich auch im Kommunikationsstil ab, der in kollektivistischen Kulturen oft nicht „linear-problemfokussiert“, sondern „einkreisend-annähernd“ gestaltet sein kann, sodass Probleme nicht direkt angesprochen werden (Sukale et al. 2020). In vielen Kulturen besteht ein anderes, ganzheitliches Verständnis von Schmerzerleben, in welchem keine Trennung zwischen seelischem und körperlichem Leid vorgesehen ist. Psychische Krisen und depressive Erkrankungen erscheinen häufig mit einer stärkeren Fokussierung auf somatische Beschwerden (vegetative Störungen, Missempfindungen, Schlaf- und Appetitstörungen). Körperliche Symptome sind dabei nicht immer als objektive Beschwerden zu sehen, sondern können auch als „Organmetaphern“ oder „Organsprache“ dienen („Meine Brust schmerzt“, „Mein Kopf pulsiert“), die schwer formulierbaren seelischen Missempfindungen Ausdruck verleihen (Busch et al. 2018). In vielen Sprachen gibt es auch keine gleichwertigen Wörter zur Beschreibung psychischer Symptome. So existiert beispielsweise der Begriff „Depression“ nicht in allen Kulturen, wenn auch Umschreibungen wie „Traurigkeit“ oder „Unglücklichsein“ genutzt werden können.
Deutliche kulturelle Einflüsse auf die Symptomausprägung zeigen sich auch bei psychotischen Erkrankungen. Halluzinationen und paranoide Wahninhalte treten in nicht westlichen Kulturen häufiger auch unabhängig von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis auf. So findet sich in afrikanischen, aber auch asiatischen Kulturen eine Häufung von vorübergehenden akuten psychotischen Störungen. Zudem können sich auch Angst- und dissoziative Störungen mit überwiegend psychotischer Symptomatik präsentieren. Wahninhalte und akustische und visuelle Halluzinationen können in anderen Kulturen mitunter als religiöse oder magische Grenzerfahrungen gedeutet werden (böse Geister, Djins etc.). Zudem sind psychotische Symptome, wie eine desorganisierte Sprache bei bestehenden Sprachbarrieren oft nicht beurteilbar. Differenzialdiagnostisch ist daher häufig schwer zwischen akuten psychosenahen Krisen, z. B. im Rahmen einer akuten Belastung oder PTBS und einer schizophrenen Erkrankung zu unterscheiden. Um transkulturellen Fehleinschätzungen vorzubeugen ist es daher relevant, kulturbezogene Hinweise zu kennen und in diagnostische Prozesse einzubeziehen (Machleidt und Graef-Calliess 2019). Im DSM-5 wurde dem Rechnung getragen und der Einfluss individueller und kultureller Aspekte des Patienten in Bezug auf seine Erkrankung mitberücksichtigt. Mit Hilfe des Cultural Formulation Interview des DSM-5 können Behandler bei der Beurteilung der psychischen Gesundheit Aspekte wie die kulturelle Definition des Problems, die kulturelle Wahrnehmung über mögliche Gründe und Kontext der Problematik, mögliche dem Patienten zur Verfügung stehende Unterstützungen und kulturelle Einflussfaktoren in Bezug auf Bewältigungsstrategien und Hilfesuchverhalten beurteilt werden (Schouler-Ocak et al. 2015).

Klinische Implikationen für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Barrieren im Zugang zu Versorgung

Wenn Migranten Hilfe für allgemeinmedizinische Probleme suchen, gibt es einige Hürden, die ihnen den Zugang zu den entsprechenden Angeboten erschweren. Dazu gehören (Salami et al. 2020):
  • kulturelle Unterschiede,
  • mangelnde soziale Unterstützung,
  • der sozioökonomische Status,
  • die Struktur des Gesundheitssystems,
  • das Fehlen einer allgemeinen Gesundheitsversorgung bei der ersten Ankunft im Zielland,
  • Sprachbarrieren,
  • begrenzte Kenntnisse über Angebot an Gesundheitsdienstleistungen,
  • Behandlungspräferenzen und
  • die örtliche Entfernung zu Gesundheitsdiensten.
Darüber hinaus können Migranten im Bereich der psychosozialen Versorgung sowohl im ambulanten als auch stationären Setting auf folgende zusätzliche Barrieren stoßen (Machleidt et al. 2007):
  • häufigere Inanspruchnahme von Notfallleistungen statt frühzeitiger Behandlung oder Prävention,
  • Aufsuchen von Notfalldiensten erst bei Auftreten starker Beschwerden,
  • zu seltenes oder zu spätes Hinzuziehen von Psychiatern,
  • unzureichende medikamentöse Behandlung,
  • mangelhafte Reflexion seitens der Gesundheitsexperten in Bezug auf migrationsspezifische psychosoziale Umständem
  • unklare Differenzialdiagnostik aufgrund mangelhafter Differenzierung psychischer Befindlichkeiten und Störungen im kulturellen Kontext,
  • überwiegend unfreiwillige stationäre Aufenthalte,
  • kürze Verweildauern von Migranten im Versorgungssystem,
  • Beendigung der Behandlungen seltener nach regulären Therapieschemata,
  • weniger ambulante psychotherapeutische Behandlungen für Migranten,
  • weniger rehabilitative Angebote für Migranten.
Speziell in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ergeben sich durch diese Barrieren eklatante Versorgungsdefizite. Studien, die mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt wurden, offenbarten bemerkenswerte Unterschiede bei der Inanspruchnahme von Betreuungsleistungen zwischen unbegleiteten Minderjährigen, begleiteten Minderjährigen und Kindern, die aus den entsprechenden Aufnahmeländern stammten. Eine im Vereinigten Königreich durchgeführte Studie zeigte, dass unbegleitete Minderjährige vor ihrer Neuansiedlung mit größerer Wahrscheinlichkeit traumatische Ereignisse erlebt hatten als begleitete Minderjährige (Michelson und Sclare 2009). Obwohl sie später häufiger an einer PTBS litten, nahmen sie weniger Termine wahr und versäumten mehr Behandlungssitzungen als begleitete Minderjährige. Geflüchtete Kinder in Dänemark hatten weniger Erstkontakte mit psychiatrischen Diensten als in Dänemark geborene Gleichaltrige (Barghadouch et al. 2016). In einer norwegischen Studie wurden ursprünglich norwegische Kinder eher als geflüchtete Kinder von den medizinischen Diensten an psychosoziale Unterstützungsangebote weiterverwiesen. Im Gegensatz dazu wurden Kinder mit Fluchterfahrungen eher von nicht medizinischen Fachkräften wie Sozialarbeitern, Mitarbeitern von Asylzentren oder Lehrern betreut (Vaage et al. 2007).

Interkulturelle Kompetenz

Obwohl Menschen mit Migrationshintergrund häufig in psychiatrischen Settings in Behandlung kommen, zeigen sich bei diesen schlechtere Therapie-Outcomes als bei nicht migrierten Personen. Therapeutische Erfolge sind durch individuelle und kulturelle Konzepte von Krankheit und Gesundheit, traditionelle Werte und Überzeugungen und den Grad der erreichten Akkulturation mitbeeinflusst. In diesem Zusammenhang besteht auch eine Bringschuld der Behandler, die interkulturelle Kompetenzen erwerben müssen, um ihre Patienten mit Migrationshintergrund adäquat versorgen zu können. Interkulturelle Kompetenz ist definiert als die Fähigkeit, kulturelle Faktoren in der therapeutischen Interaktion zwischen Behandler und Patient miteinzubeziehen und kulturelle Barrieren zu überwinden (Schouler-Ocak et al. 2015). Dies beinhaltet nicht nur ein Bewusstsein über die kulturellen Vorurteile und die Weltsicht des Patienten, sondern auch über die Auswirkungen der eigenen ethno-kulturellen Identität und Vorurteile des Behandlers gegenüber seinen Patienten.
Neben der Bereitschaft zur Reflexion eigener Wertvorstellungen und Stereotype und einer offenen, wertfreien Haltung gegenüber dem kulturellen und religiösen Hintergrund ist auch eine Sensibilisierung für die spezifische psychosoziale Situation und Lebenswelt der Patienten relevant. In der Anamnese sollten daher kulturelle und migrationsspezifische Einflussfaktoren, berücksichtigt werden. Dazu zählt das Erfragen folgender Informationen (Busch et al. 2018; Machleidt und Graef-Calliess 2019):
  • Gründe für die Migration,
  • belastende Migrationserfahrungen,
  • Diskriminierungserfahrungen (z. B. auch die Zugehörigkeit zu Minderheit im Herkunftsland),
  • aktuelles Stadium des Migrationsprozesses,
  • rechtliche Situation (z. B. Status des Asylverfahrens),
  • sozio-ökonomische Lebensumstände (z. B. finanzielle oder Wohnsituation),
  • im Vorfeld bestehenden Erkrankungen und der bisherige Umgang mit diesen,
  • subjektives Krankheitsverständnis des Patienten und innerhalb dessen Familie,
  • soziale Ressourcen (z. B. familiäre Strukturen, soziale Beziehungen außerhalb der Familie, professionelle soziale Unterstützung).
In der Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, trotz sprachlicher und kultureller Barrieren die Eltern in die Diagnostik zentral einzubeziehen und beispielsweise Elterninterviewleitfäden oder Fragebögen in der Herkunftssprache zu nutzen. Im diagnostischen Prozess sollten immer auch Akkulturationsprobleme der Eltern und die Strukturen und Hierarchien innerhalb der Familie erfragt werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, ein gemeinsames Modell der Symptomatik zu erarbeiten. Zentrale Ziele einer Behandlung sollten eine Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung mit der Förderung einer kulturellen Identität und eines positiven Selbstbildes des Kindes, sowie der Gesundheitskompetenz der Eltern (Wissen über Versorgungsangebote, Sensibilisierung für Gesundheitsförderung, wie z. B. Ernährung) sein (Busch et al. 2018). Im Vorfeld der Behandlung bzw. in der Behandlungsplanung ist ein transparentes Vorgehen unter Einbeziehen aller Beteiligten relevant. Erwartungen und mögliche Vorbehalte in Bezug auf die Behandlung sollten direkt angesprochen werden. Zudem ist es Aufgabe der Behandler das Behandlungskonzept ausführlich und verständlich erklären. Dazu zählt beispielsweise auch die Aufklärung über die jeweiligen Berufsgruppen im psychosozialen Bereich (z. B. Unterschiede zwischen psychiatrischer Behandlung und Psychotherapie) oder das Prinzip der Schweigepflicht (Sukale et al. 2020).
Empfehlungen der World Psychiatric Association (Bhugra et al. 2011) und European Psychiatric Association (Bhugra et al. 2014) fassen den Begriff der interkulturellen Kompetenz noch etwas weiter und fordern die Beseitigung von Versorgungsbarrieren auf systemischer, organisatorischer und institutioneller Ebene, um psychosoziale Zentren für Patienten mit Migrationshintergrund besser zugänglich zu machen.
Empfehlungen der World Psychiatric Association (Bhugra et al. 2011) und European Psychiatric Association für Psychiater
  • Obligatorische Aus- und Weiterbildung aller Berufsgruppen im psychosozialen Bereich in interkulturellen Kompetenzen (Verständnis von Diagnosen, Krankheitsverhalten und kultursensiblen Interventionen)
  • Wissen von Psychiatern über
    • Kulturell unterschiedliche Familienstrukturen
    • Auswirkungen von Diskriminierung
    • Auswirkungen von Arbeitslosigkei,
    • Generationenübergreifende Unterschiede in der der Akkulturation
    • Unterschiedliche Symptomvorstellungen und Erklärungsmodelle von Erkrankungen
    • Behandlungserwartungen
    • „Idiome der Not“ (z. B. „Organmetaphern“)
  • Kenntnisse von Psychiatern in Bezug auf den Einsatz von Dolmetschern oder Kulturmittlern
  • Zurverfügungstellung von Informationsmaterialien für Minderheitengruppen in ihren jeweiligen Muttersprachen über ihre Rechte, psychiatrische Erkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten
  • Förderung spezifischer Forschung, die sich mit den Bedürfnissen von Minderheitengruppen befasst
Bei allem Bemühen um kulturelles Verständnis ist es jedoch auch wichtig, nicht vorschnell unverständliche Reaktionen von Patienten unmittelbar der Kultur zuzuordnen. Insgesamt ist es schwierig, Hintergrundwissen und Kompetenz in Bezug auf verschiedene Kulturen zu erlangen. Hierbei können Sprach- und Kulturmittler eine wesentliche Unterstützung darstellen. Relevant ist jedenfalls das persönliche Bemühen um Verständnis und die Authentizität der behandelnden Person (Busch et al. 2018).

Zusammenarbeit mit Dolmetschern

Sprachbarrieren verstärken systemische Barrieren im Zugang zu Gesundheitsinformationen und -ressourcen. Zudem können sie ein wesentlicher Grund für die Nichtbeteiligung, erhöhte Unzufriedenheit und Abbrüche in Behandlungsprozessen sein (Schouler-Ocak et al. 2015). Selbst wenn Kinder von migrierten Familien bereits im jeweiligen Land aufgewachsen sind, können ihre sprachlichen Kompetenzen begrenzt sein. Affekt ist häufig an die Ausdrücke in der Muttersprache gekoppelt, sodass bei der Formulierung in der Zweitsprache emotionale Informationen verloren gehen können. Bei den Eltern ist zudem ein möglicherweise aus Scham nicht angesprochener Analphabetismus zu berücksichtigen (Busch et al. 2018). Psychiatrische und psychotherapeutische Kontakte sollten daher im Idealfall durch gleichsprachige Behandler erfolgen – falls dies nicht umsetzbar ist, mit professionellen Dolmetschern.
Dolmetschen im Gesundheitswesen erfolgt über unterschiedliche Modelle, wie beispielsweise Ad-hoc-Dolmetschen, Tele- und Videodolmetschen oder Übersetzung durch geschultes bilinguales Personal vor Ort. Meist handelt es sich dabei um linguistisches Dolmetschen (Wort-für-Wort). Deutlich seltener stehen sog. Gemeindedolmetscher (Community Interpreters) zur Verfügung, die neben der Übersetzung des Gesagten als Kulturmittler auch in Bezug auf soziokulturelle Unterschiede und interkulturelle Kommunikation geschult sind, und Missverständnisse und kulturelle Hintergründe aufklären. Geschulte Dolmetscher im psychosozialen Bereich sollten neben sprachlichen Kompetenzen auch Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Diagnostikern/Behandlern erwerben, im Gespräch die Führung den Behandlern überlassen, sich von familiären Dynamiken abgrenzen und Missverständnisse diskret aufklären (Busch et al. 2018). Behandler und Dolmetscher sollten sich im Vorfeld einer Interaktion darüber bewusst sein, welches Modell zum Einsatz kommt. Leider ist der Zugang zu professionellen Dolmetschern in vielen psychiatrischen und therapeutischen Settings nicht immer gegeben, sodass nicht professionelle Übersetzer (Familienmitglieder und Angehörige, Krankenhauspersonal usw.) zum Einsatz kommen. Dies kann sich allerdings durch fehlerhafte Übersetzungen, Auslassen oder Hinzufügen von Informationen und mögliche persönliche Befangenheit negativ auf die medizinische Behandlung auswirken (Schouler-Ocak et al. 2015). Daher ist der Einsatz von professionellen Dolmetschern jedenfalls vorzuziehen.
Die Zusammenarbeit mit Sprachmittlern kann, insbesondere in Gesprächen mit mehreren Personen (z. B. Kinder und ihre Eltern) sehr herausfordernd sein und benötigt eine angemessene Vorbereitung und Anleitung auf Seite der Behandler. Dolmetscher sind sehr unterschiedlich ausgebildet und erfahren und die Kenntnis von Konzepten der psychiatrischen Diagnostik und Behandlung kann nicht immer vorausgesetzt werden. Psychiater und anderes psychosoziales Fachpersonal sollten daher nach Möglichkeit Fähigkeiten und Erfahrungen in der Durchführung von sprachübergreifenden Gesprächen und der Zusammenarbeit mit Dolmetschern erwerben.
Empfehlungen und Hinweise für die Zusammenarbeit mit Dolmetschern (Busch et al. 2018; Machleidt und Graef-Calliess 2019; Sukale et al. 2020)
  • Vor- und Nachbesprechung von Gesprächen zwischen Behandlern und Dolmetschern – z. B. Klärung der teilnehmenden Personen (Patient, Familienangehörige) und des geplanten Vorgehens im Gespräch (Diagnostik, Aufklärung, Behandlung)
  • Absprache der Sitzordnung während des Gesprächs (Blickkontakt sollte primär zwischen Behandler und Patient gehalten werden)
  • Schaffen von Transparenz von Regeln und Abläufen für alle Beteiligten – z. B. Hinweis auf die Schweigepflicht von Dolmetschern
  • Auf Seite der Behandler einfache Formulierungen und kurze Sätze wählen, die unmittelbar übersetzt werden können
  • Einfordern von unmittelbaren und wortwörtlichen Übersetzungen der Dolmetscher zu allen Redebeiträgen der Beteiligten (keine Zusammenfassungen oder Interpretationen)
  • Beachtung von nonverbalen Signalen der Beteiligten
  • Beachtung potenzieller kultureller Konflikte zwischen Dolmetschern und Patienten – wenn der Dolmetscher z. B. einer Volksgruppe angehört, die mit der Volksgruppe der Familie des Patienten in Konflikt steht, sollte dieser nicht zum Einsatz kommen
  • Abklärung von Loyalitäts- oder Wertkonflikten auf Seite des Dolmetschers
  • Sensibilisierung auf mögliche Belastungen des Dolmetschers, sofern dieser ähnliche Traumatisierungen wie der Patient oder dessen Familie erlebt hat
  • Nach Möglichkeit Einsatz von gleichgeschlechtlichen Dolmetschern
  • Nach Möglichkeit Schaffen kontinuierlicher Gesprächsbedingungen durch den wiederholten Einsatz derselben Dolmetscher

Kultursensitive Diagnostik

Abgesehen von den zuvor beschriebenen Anforderungen an die transkulturelle Kompetenz und die Berücksichtigung der spezifischen Gesprächssituationen, die sich im Umgang mit Dolmetschern ergeben können, existieren auch verschiedene Erhebungsverfahren, die in der Diagnostik bei geflüchteten Minderjährigen einen hohen Stellenwert einnehmen können, um sich einen ersten Überblick über den psychischen Zustand verschaffen zu können. Der Vorteil kann bei validierten standardisierten Fragebögen auch darin liegen, dass eine muttersprachliche Erhebung zumindest im Screening möglich wird, wenn die minderjährigen Geflüchteten in der Lage sind einen Text in Ihrer Muttersprache oder einer von ihnen beherrschten Fremdsprache lesen zu können. Von Rassenhofer et al. (2016) wurde eine Übersichtsarbeit zu validierten Verfahren für die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten vorgelegt, wobei fünf Instrumente, die in verschieden Sprachversionen eine Selbst- und Fremdeinschätzung erlauben, identifiziert wurden. Während der Rections of Adolescents to Traumatic Stress Questionnaire (RATS), ebenso wie die Hopkins Symptom Checklist-37 (HSCL-37A) und die Stessfull Life Events Checklist (SLE) frei zugänglich sind, unterliegen die ebenfalls in dieser Population angewandte Child Behavior Checklist (CBCL) und der Teacher Report Form (TRF) der Notwendigkeit Lizenzen zu erwerben. Bei den beiden letztgenannten, weitverbreiteten Verfahren handelt es sich um diagnostische Instrumente, die eine große Bandbreite an Symptomen erfassen, während bei den ersten drei genannten Instrumenten die Erfassung traumatisierender Erlebnisse stark im Fokus steht.
Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung wurde im Rahmen des PORTA-Projekts eine kostenfrei online zur Verfügung stehende Diagnostikbatterie geschaffen, die mehrsprachig bereitgestellt wird (Sukale et al. 2017). Unter https://porta-refugees.de/ können diagnostische Erhebungen in Deutsch, Arabisch, Englisch, Dari/Farsi, Französisch, Paschto, Russisch, Somali, Tigrinya und Ukrainisch durchgeführt werden. Eine für diese Population relevante Neuentwicklung stellt hier der kostenfreie, online verfügbare1 Child and Adolescent Trauma Screen 2 (Sachser et al. 2022) dar, der ebenfalls bei geflüchteten Minderjährigen zum Einsatz kam (Pfeiffer et al. 2019b) und in verschieden Sprachversionen verfügbar ist.

Versorgungsmodelle und Behandlung

Von Bürgin et al. (2022) wurde basierend auf dem Modell des Inter-Agency Standing Committee (2007) ein mehrstufiges Versorgungsmodell für geflüchtete Minderjährige vorgeschlagen (Abb. 2), wobei auf die Notwendigkeit verwiesen wurde, dass die Unterstützung auf mehreren Ebenen, resilienzorientiert, multidisziplinär und auf Subgruppen und Individuen angepasst sein muss.
In einem ersten Schritt muss es darum gehen, Basisbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Unterkunft zu stillen, wobei es vor allem wichtig ist, ein Gefühl der Sicherheit herzustellen. Hier geht es auch darum möglichst viel „Normalität“ wieder lebbar zu machen, etwa durch das Angebot von Spiel- oder Schulmöglichkeiten und einer Tagesstruktur. Im Sinne einer seelischen „Ersten Hilfe“ ist in dieser Phase auch auf Stabilisierung, die Zurverfügungstellung von Information, Unterstützung in Alltagsbelangen und die Vernetzung mit sozialen Bezügen und anderen Unterstützungsangeboten wertzulegen. Für das weitere Vorgehen eignen sich Stepped-Care-Modelle am besten, die an die jeweiligen individuellen Bedürfnisse adaptiert sind. Das macht ein initiales Screening für die Bedürfnisse notwendig, dem dann auf die jeweiligen identifizierten Bedürfnisse abgestimmte Interventionen folgen. Das kann vom Angebot stabilisierender Techniken, über die Anwendung digitaler Interventionen (etwa mittels Apps), bis hin zu Gruppenangeboten oder auch Angeboten der individualisierten Psychotherapie unter besonderer Berücksichtigung des Stellenwerts evidenzbasierter Traumatherapieverfahren reichen. Solche Ansätze sind aufgrund der individualisierten Anpassung und der besseren Skalierbarkeit auch als kosteneffektiv zu bezeichnen (Böge et al. 2022). Betrachtet man die traumatherapeutischen Interventionen vor allem in Umständen, in denen eine große Zahl an hilfsbedürftiger Menschen einer geringen Zahl an Helfenden gegenübersteht, so findet sich eine breite Evidenz für deren Wirksamkeit. Häufig werden diese Interventionen auch in Gruppen angeboten und bei einigen Verfahren konnte auch die wirkungsvolle Durchführung der Gruppen durch spezifisch geschulte Laien nachgewiesen werden. Ebenso finden sich in Ergänzung zu traumaspezifischen Behandlungsformen vermehrt Hinweise auf die Wirksamkeit von Gruppenprogrammen, die an der Bewältigung von stressassoziierten Symptomen mit Minderjährigen arbeiten und auch aufgrund multilingualer Materialien schnell und effektiv für verschiedene Gruppen adaptiert werden können. Beispiele stellen das Manual „Mein Weg“ (Pfeiffer et al. 2019a) oder das START-Programm (Dixius und Möhler 2020) dar. Betrachtet man spezifische traumatherapeutische Interventionen, so konnte in einer Meta-Analyse zu 36 Studien bei Kindern und Jugendlichen die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie (CBT), Eye-Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), der Narrativen Expositionstherapie für Kinder (KIDNET) und einiger anderer Gruppeninterventionen mit durchwegs hohen bis mittleren Effektstärken beschrieben werden (Brown et al. 2017). Ein traumainformierter Umgang sollte aber auch immer einen Blick auf die postmigratorische Situation beinhalten. Dies schließt die Lebenssituation und das Ankommen im neuen Land mit ein. Hier geht es um Berücksichtigung finanzieller Faktoren, ebenso wie darum einen Anschluss an die Gesellschaft im Sinne von Beschulung und Arbeit zu finden. Zudem ist es wichtig die psychische Gesundheit von begleitenden Elternteilen nicht unbeachtet zu lassen, da diese einen wesentlichen Stabilitätsfaktor für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen darstellen.

Fazit

Geflüchtete Kinder und Jugendliche stellen eine vulnerable Gruppe dar, die vielen Stressoren in der Vergangenheit ausgesetzt war und auch im neuen Land weiterhin ist. Neben Traumatisierungen im Herkunftsland sind auch belastende Ereignisse während der Flucht und nach dem Ankommen im neuen Land im Sinne des Akkulturationsstresses zu beachten. Innerhalb dieser Gruppe müssen unbegleitete minderjährige Geflüchtete als besonders vulnerabel beschrieben werden, da ihnen familiäre Netzwerke zur Stabilisierung fehlen und sie allein mit vielen neuen, herausfordernden Situationen fertig werden müssen. Bei begleiteten minderjährigen Geflüchteten muss in der Behandlung auch – neben dem Fokus auf die minderjährigen Patient:innen – die Belastung der erwachsenen Bezugspersonen im Blick bleiben. In den letzten Jahren, die von zahlreichen weltweiten Konflikten mit zunehmenden globalen Fluchtbewegungen gekennzeichnet waren, hat sich die Verfügbarkeit von diagnostischen Instrumenten, wie auch das Wissen um therapeutische Hilfe verbessert. Hier ist auch im Rahmen einer fortschreitenden Digitalisierung die Möglichkeit gegeben schnell (was im Anlassfall zumeist notwendig ist), wie auch kostenfrei auf multilinguale Diagnostikinstrumente zurückzugreifen. In der therapeutischen Behandlung haben sich zunehmend individualisierte Stepped-Care-Ansätze etabliert, die darauf abzielen, neben der Befriedigung physiologischer Grundbedürfnisse vor allem Sicherheit und Stabilisierung zu bieten, um dann abgestimmt auf die Bedürfnisse geflüchteter Minderjähriger Basisfertigkeiten zur Stressregulation zu vermitteln oder im Bedarfsfall Angebote hin zu einer traumaspezifischen Intervention zur Verfügung zu stellen.
Fußnoten
1
Dowload unter: https://ulmer-onlineklinik.de/course/view.php?id=1701 (Zugriffsdatum: 16.03.2023).
 
Literatur
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