Skip to main content

Unterstützung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in und nach gesellschaftlichen Krisen

Die Rolle der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Verfasst von: Jörg M. Fegert, Katrin Erlewein und Emily Gossmann
Krisen und ihre direkten sowie indirekten Folgen können die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachhaltig beeinflussen und zu Teilhabebeeinträchtigungen im Lebensverlauf führen. Nach den Jahren der Corona-Pandemie und der Infektionsschutzmaßnahmen belasten weitere kumulative krisenhafte Ereignisse und deren Auswirkungen, wie der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der Klimawandel, die Inflation und Naturkatastophen, die psychische Verfasstheit der jungen Generation in Deutschland. Um das Risiko für psychische Belastungen und Erkrankungen bei Heranwachsenden in aktuellen, unmittelbar bevorstehenden oder auch unvorhergesehenen Krisen zu reduzieren, sind Vorkehrungen im Sinne einer „Preparedness“ und „Rapid Response“ notwendig. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie nimmt eine zentrale Rolle ein, um psychische Belastungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in und nach gesellschaftlichen Krisen frühzeitig zu erkennen, sie gezielt in passgenaue psychosoziale Hilfen zu vermitteln und die erwartbaren direkten und indirekten Folgen präventiv abzupuffern. Durch Verbesserung von Information, Aufmerksamkeit, Prävention und sektorenübergreifende Vernetzung kann die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie einen Beitrag bei der gesellschaftlichen Krisenbewältigung leisten.

Einleitung

Zur Abwehr von Gesundheitsgefahren durch die Corona-Pandemie gab es sowohl im internationalen als auch im nationalen Kontext rasche politische Reaktionen. Hygiene- und Distanzierungsmaßnahmen, Kindertagesstätten- und Schulschließungen sowie Lockdowns wurden durchgesetzt, um die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen und die Menschen vor seinen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu schützen.
Europäische Experten und Expertinnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie haben auf Basis der empirischen Evidenz und bisherigen Erfahrungen mit lokalen Epidemien, Lockdowns und Wirtschaftskrisen schon früh zu Beginn der Corona-Pandemie darauf hingewiesen, dass schwere und langanhaltende psychosoziale Belastungen auf Familien, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zukommen werden (Fegert et al. 2020a). Die Ergebnisse der COPSY-Studie, die die Folgen der Corona-Pandemie für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht hat, haben diese Befürchtungen bereits zu Beginn der Pandemie auch hierzulande wissenschaftlich untermauert (Ravens-Sieberer et al. 2020). Anlässlich der darauffolgenden Corona-Infektionswellen, die von restriktiven Pandemiemaßnahmen begleitet wurden, konnten die Ergebnisse in zwei weiteren Erhebungszeiträumen im Jahr 2021 repliziert werden (Ravens-Sieberer et al. 2021, 2022). So sank während der Corona-Pandemie besonders die gesundheitsbezogene Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen, während gleichzeitig depressive Symptome sowie Angstsymptome zunahmen (Ravens-Sieberer et al. 2022). Schließlich hat sich auch nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie in Deutschland gezeigt, dass psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu präpandemischen Zeiten insgesamt angestiegen sind (Ravens-Sieberer et al. 2022).
Obwohl die Corona-Pandemie zunehmend in den Hintergrund gesellschaftspolitischer Entwicklungen und Aktualität tritt und die meisten Infektionsschutzmaßnahmen aufgehoben sind, sind die psychischen Belastungen, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene während der Pandemie erfahren haben, nicht einfach spurlos verschwunden. Psychische Belastungen können in manifesten psychischen Erkrankungen resultieren oder chronifizieren (Campion et al. 2012; Wang et al. 2007). Das Risiko für psychische Erkrankungen und Chronifizierungen besteht besonders dann, wenn psychische Belastungen nicht professionell und frühzeitig behandelt werden (Campion et al. 2012; Wang et al. 2007).
Die Daten der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit verdeutlichen schon jetzt einen Inzidenzanstieg von Depressionen, Angst- und Essstörungen unter den 10- bis 17-Jährigen in Deutschland in den Jahren 2020 und 2021 im Vergleich zu 2019 (Witte et al. 2022). Darüber hinaus waren während den coronabedingten Infektionsschutzmaßnahmen frühe Hilfen für psychisch belastete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vielfach nicht effektiv erreichbar (Deutscher Ethikrat 2022). Das lag unter anderem daran, dass Beratungsangebote der freien Jugendhilfe gerade anfangs in den Corona-Verordnungen der jeweiligen Länder als nicht systemrelevant anerkannt wurden (Fegert et al. 2022). Auch wurden Handlungsmöglichkeiten von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe bei der Aufrechterhaltung von Kontakten mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen, ihrer Unterstützung und Betreuung aufgrund der sozialen Distanzierungsmaßnahmen eingeschränkt (Fegert et al. 2020a, 2022; Jentsch und Schnock 2020). Anfänglich wurden vor allem niedrigschwellige psychosoziale und psychiatrische Hilfsangebote vorübergehend reduziert oder diese aus Angst vor einer Infektion nur zögerlich nachgefragt (Fegert et al. 2022). Erst im Laufe der Pandemie wurde die digital unterstützte Psychotherapie ermöglicht, welche allerdings auch strukturelle Schwierigkeiten mit sich brachte, beispielsweise wenn Kinder und Jugendliche keinen Zugang zum Internet haben oder ihre häusliche Umgebung keine sichere und vertrauensvolle Nutzung des Angebots gewährleistet, z. B. bei Misshandlungs- und Missbrauchserfahrungen im Haushalt (Fegert et al. 2022).
Obwohl Deutschland über ein umfassendes und differenziertes Hilfesystem zur Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher verfügt, bestanden auch schon vor der Corona-Pandemie beträchtliche Versorgungslücken (Deutscher Ethikrat 2022; Fegert et al. 2017a). Defizite in Form eines allgemeinen Mangels an geeigneten professionellen und niedrigschwelligen Hilfen sowie an Personal sind angesichts des durch die Folgen der Corona-Krise gestiegenen Beratungs- und Behandlungsbedarfs von Kindern und Jugendlichen noch größer geworden (Deutscher Ethikrat 2022). Zusätzlich erschwerend wirken sich darauf auch die langen Wartezeiten für Diagnostik und therapeutische Behandlungsplätze für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus (Deutsches Ärzteblatt 2022; Deutscher Ethikrat 2022; Rabe-Menssen 2021). Langfristig kann diese defizitäre Situation zu Beeinträchtigungen der Chancengleichheit und gesellschaftlichen Teilhabe der jungen Generation führen (Deutscher Ethikrat 2022; Hölling et al. 2014).
Aber auch schon andersgeartete gesellschaftliche Krisen vor der Corona-Pandemie haben eindrücklich gezeigt, dass dem steigenden Bedarf an psychosozialer Versorgung und Angeboten im Kinderschutz oftmals nicht nachgekommen werden kann oder der Zugang zu diesen eingeschränkt ist (Fegert et al. 2017b, 2020b, 2022; Gustavsson und MacEachron 2013). Nicht nur die Corona-Pandemie hat ihre Spuren auf der psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hinterlassen. Es zeigt sich mehr denn je, dass sich Deutschland nun schon seit gut mehr als 20 Jahren im Krisenmodus befindet. Die Wirtschaftskrise von 2008/2009, die Katastrophe in Fukushima im Jahr 2011 sowie die Flüchtlingskrise 2015 haben das Leben vieler junger Menschen in der Generation Z1 geprägt (Schnetzer 2022a). Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen im Jahr 2022, die maßgeblich durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ausgelöst wurden, ist im Winter 2022/2023 die größte Sorge der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland die Inflation, gefolgt von einem Krieg in Europa, dem Klimawandel, der Wirtschaftskrise, der Energieknappheit und der drohenden Altersarmut (Hurrelmann 2022). Diese Sorgen scheinen sich auch in ihrer psychischen Verfassung widerzuspiegeln. So bewerten im Jahr 2022 im internationalen Vergleich von zehn Ländern 19 % der befragten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Generation Z in Deutschland ihre psychische Gesundheit als (sehr) schlecht (Fegert et al. 2023). Dies weist auf einen beachtlichen Unterschied in der Bewertung der eigenen psychischen Gesundheit in der jüngsten Generation im Vergleich zu den vorangegangenen Generationen Y (13 %), X (12 %) und den Babyboomern (4 %) hin (Fegert et al. 2023). In Bezug auf die gesamtgesellschaftliche Situation im Jahr 2022 gaben 21 % der Befragten aus der Generation Z in Deutschland an, dass sich ihre psychische Gesundheit in den letzten drei Jahren verschlechtert hat, was mehr als doppelt so hoch ist als bei den Babyboomern (Fegert et al. 2023).
Vor dem Hintergrund der stetigen Verschlechterung der psychischen Gesundheit der jungen Generation und der kumulativen Zunahme von Krisen ist eine Verbesserung der psychosozialen Beratungs- und Versorgungssituation für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene umso relevanter. Auf politischer Ebene ist dafür die Stärkung der Arbeitsfähigkeit von zentralen Einrichtungen durch den Ausbau von personellen Ressourcen, den Abbau von strukturellen Hürden und eine verlässliche Finanzierung von Angeboten auch in Krisenzeiten notwendig (Deutscher Ethikrat 2022). Aber auch das Engagement und die Aufmerksamkeit einzelner Akteure und Akteurinnen in verschiedenen Berufsgruppen im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich ist ausschlaggebend, um im Alltag psychische Belastungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erkennen, sensibel auf ihre Bedürfnisse einzugehen und sie frühzeitig mit den richtigen psychosozialen Hilfen zu unterstützen. Dementsprechend nimmt in und nach gesellschaftlichen Krisen auch die Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie eine zentrale Rolle ein. Hierbei geht es allerdings nicht nur darum, spezialisierte Versorgung, Unterstützung und Begleitung bei psychischen Belastungen zu leisten, sondern auch darum, die erwartbaren direkten und indirekten Folgen von aktuellen oder drohenden Krisen für die psychische Gesundheit der jungen Generation präventiv abzupuffern.

Folgen von Krisen für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Welche direkten und indirekten Folgen gesellschaftliche Krisen für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben, macht ein Vergleich von Studien und Übersichtsarbeiten deutlich, die sich mit Krisen im Kontext von Pandemien (Fegert et al. 2020a; Lange et al. 2022), Krieg und Flucht (Bürgin et al. 2022), Naturereignissen (Kousky 2016; Witt et al. 2022) und Wirtschaft (Fegert et al. 2017b; Kokkevi et al. 2014) befasst haben. Empirische Befunde zum direkten Erleben einer Krise, wie beispielsweise beim Krieg im eigenen Land und durch Fluchterfahrungen (Blackmore et al. 2020; Charlson et al. 2019), bei einer Naturkatastrophe (Witt et al. 2022) oder dem Klimawandel (Clemens et al. 2022) zeigen, dass diese Erlebnisse u. a. in posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen sowie Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen resultieren können (Amiri 2020; Blackmore et al. 2020; Witt et al. 2022). Dabei können sich nicht alle Kinder und Jugendlichen langfristig von dem Erleben einer Katastrophe erholen. Auch verzögerte psychische Symptome oder chronische Verläufe können auftreten, wie eine Übersichtsarbeit im Kontext von Naturkatastrophen demonstriert hat (Witt et al. 2022).
Neben den direkten Folgen einer Krise können aber auch indirekte Folgen mit Einschränkungen und Teilhabebeeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene einhergehen und ihre psychische Gesundheit nachhaltig belasten (Clemens et al. 2022; Fegert et al. 2017b).
So entstehen beispielsweise oft finanzielle Beeinträchtigungen für Familien in Krisenzeiten. Während der Corona-Pandemie resultierten die finanziellen Beeinträchtigungen unter anderem aus einem Arbeitsplatzverlust bzw. aus Kurzarbeit der Eltern als Folge der Reduzierung des öffentlichen Lebens mit einer gleichzeitigen Mietpreiserhöhung (Lange et al. 2022). Auch in Hinblick auf Wirtschaftskrisen erscheint es klar ersichtlich, dass die mit der Krise einhergehenden Folgen (z. B. Rezessionen, Entlassungen und Inflationen) Familien finanziell belasten und zu wirtschaftlichen Engpässen, Arbeitslosigkeit und Armut führen können (Fegert et al. 2017b; Kokkevi et al. 2014). Solche Belastungen und Herausforderungen finanziellen Charakters in Familien können zu einer Steigerung des Stressempfindens und einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Eltern sowie zunehmendem Drogen- und Alkoholkonsum im Haushalt führen, was Einfluss auf die psychische Gesundheit und emotionale Entwicklung des Kindes haben kann (Fegert et al. 2017b, 2020a; Köhler-Dauner et al. 2021). Betrifft die Arbeitslosigkeit in einer ökonomischen Krise Jugendliche oder junge Erwachsene direkt, stellt dies ohnehin einen Risikofaktor für ihre psychische Gesundheit dar (Fegert et al. 2017b). Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage ist es dieser Altersgruppe in einer Finanzkrise oftmals nicht möglich, finanziell unabhängig zu sein und einen eigenen Haushalt zu gründen, wobei gleichzeitig der Zugang zu Unterstützung durch das Sozialsystem eingeschränkt ist (Fegert et al. 2017b). Diese Risikofaktoren, gekoppelt mit einem Perspektivenverlust, können die psychische Gesundheit von Jugendlichen im Übergang zur Adoleszenz in dieser vulnerablen Lebensphase nachhaltig belasten (Fegert et al. 2017b; Karow et al. 2019). Bei kriegsbedingten Krisen oder Naturkatastrophen liegt auf der Hand, weshalb betroffene Menschen unter den finanziellen Auswirkungen der Katastrophen leiden und zunächst durch die oftmalige Zerstörung von Gebäuden, ihrem Zuhause und der Infrastruktur im Land ihre Existenz sichern müssen. Ist ein Land nicht direkt vom Krieg betroffen, können aber auch Kriegsberichterstattungen in den Medien und die vor allem für Eltern spürbaren Auswirkungen im Heimatland, wie beispielsweise Preiserhöhungen und Versorgungsengpässe, Sicherheitsängste bei Kindern auslösen und Einfluss auf ihre psychische Gesundheit nehmen (Bürgin et al. 2022).
Des Weiteren kann es in Zeiten von Krisen durch unterschiedliche Gründe oftmals zu einer Reduktion des Sozial- und Familienkontaktes für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kommen. Geringere soziale Unterstützung ist ein Risikofaktor für psychische Belastungen (Klineberg et al. 2006; Turner und Brown 2010) und gerade im Kindes- und Jugendalter ist der Kontakt und Austausch mit Gleichaltrigen wichtig für die psychische Gesundheit und Entwicklung (Gifford-Smith und Brownell 2003; Reisman 1985). Bei einem Krieg, der Flucht aus einem Kriegsgebiet oder nach einer Naturkatastrophe erschweren die Geschehnisse selbst und die existenziellen Folgen Kontakte in das gewohnte soziale Umfeld (Bürgin et al. 2022; Kousky 2016; Yule 2000). In einer pandemischen Krise, wie der Corona-Pandemie, finden Einschränkungen des Kontaktes mit Familien und Freunden aufgrund der Distanzierungsmaßnahmen oder z. B. aufgrund von Kita-, Schul- und Vereinsschließungen statt (Fegert et al. 2020a). Aber auch Wirtschaftskrisen und daraus resultierende finanzielle Einbußen können zu Einschränkungen der sozialen Teilhabe und Mobilität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen führen, wenn beispielsweise Freizeitaktivitäten aufgrund fehlender Finanzmittel nicht mehr nachgegangen werden kann oder Umzüge stattfinden müssen (Kokkevi et al. 2014; Lietzmann und Wenzig 2020).
Edukative Einschränkungen kommen in Krisenzeiten oftmals durch einen verminderten Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu Stande. So kam es während der Corona-Krise zu Schulschließungen (Fegert et al. 2020a; Team ICC-R 2020; Lange et al. 2022), die dazu geführt haben, dass viele Kinder und Jugendliche oftmals nicht mehr ihre gewohnte (Aus-)Bildung weiterverfolgen konnten. Beeinträchtigungen im schulischen Bereich während der Pandemie bekamen vor allem die Kinder zu spüren, deren häusliche Umgebung nicht zum Home-Schooling geeignet war (Clemens et al. 2020; Fegert et al. 2022). Die Gründe hierfür waren unter anderem, dass kleine Kinder im Haushalt betreut wurden, keine ausreichende technische Ausstattung vorlag oder Eltern aufgrund fehlender Ressourcen oder ihrer Tätigkeit in einem systemrelevanten Beruf weniger Möglichkeiten hatten, die Kinder im Schulalltag zu unterstützen (Clemens et al. 2020; Fegert et al. 2022). Während in den Ausbildungsbetrieben in der Corona-Pandemie die Ausbildung von jungen Erwachsenen und Jugendlichen im Übergang zur Adoleszenz grundsätzlich weitergeführt werden konnte (Biebeler und Schreiber 2020), zeigte sich jedoch bei der verringerten Zahl der Anfängerinnen und Anfänger für eine duale Berufsausbildung und eines Studiums ein deutlicher „Corona-Effekt“ im Jahr 2020 gegenüber 2019 (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2021). Auch 2021 blieben die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutlich unterhalb des Vor-Corona-Niveaus und die Zahl der Studienanfänger und -anfängerinnen ging noch weiter zurück (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2022). Auch während Kriegen und der Flucht aus dem Heimatland (Alexander et al. 2010; UNICEF 2009) sowie Naturkatastrophen und einer damit einhergehenden oftmaligen Zerstörung von Gebäuden (Kousky 2016), ist es für Kinder und Jugendliche im Allgemeinen oftmals nicht möglich, ihre gewohnte Bildung zu erhalten. Eine Folge von wirtschaftlichen Krisen ist, dass Investitionen in das Bildungssystem gesenkt werden (Fegert et al. 2017b). Weniger Unterstützung und Anstrengungen in Bildungsangelegenheiten sind ein Risikofaktor für die psychische Gesundheit, besonders bei Schulkindern und Jugendlichen (Fegert et al. 2017b). Eine ökonomische Krise kann also dazu führen, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr in den Nachhilfeunterricht gehen können (Kokkevi et al. 2014) oder die mit der finanziellen Krise einhergehenden Belastungen der Eltern für sie zu psychischen Problemen und zusätzlichen Herausforderungen im Haushalt führen können (Fegert et al. 2017b). Im schlimmsten Fall kann dies zur Folge haben, dass der Unterrichtsstoff nicht mehr bewältigt werden kann und die Schule abgebrochen wird. Bildungseinschränkungen gehen nicht nur mit schlechteren Jobchancen, sondern auch mit einem höheren Risiko der Arbeitslosigkeit in Krisen einher (Ionescu und Cuza 2012). Zusammenfassend können finanzielle Krisen somit langfristige Teilhabebeeinträchtigungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Folge haben (Fegert et al. 2017b).
Es ist bereits deutlich geworden, dass Krisen und ihre Auswirkungen auch das Potenzial haben, Eltern psychisch zu belasten und zu zusätzlichen stressreichen Herausforderungen in der Bewältigung des Alltags beitragen können (Fegert et al. 2022). Dies hat in Krisenzeiten oftmals eine Zunahme von familiärer Spannung (Ravens-Sieberer et al. 2020; Kokkevi et al. 2014), häuslicher Gewalt oder Gewalt bei der Erziehung von Kindern (Amaral et al. 2020; Clemens et al. 2020; Fegert et al. 2020a, b; Schneider et al. 2016), Kindesmisshandlung (Fegert et al. 2017b, 2020a; Huang et al. 2011; Schneider et al. 2017) und ein erhöhtes Risiko der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Internet (Fegert et al. 2020a) zur Folge. Es gibt bereits zahlreiche empirische Evidenz, dass solche frühen Kindheitsbelastungen Risikofaktoren für die psychische und physische Gesundheit von Betroffenen bis hin ins Erwachsenenalter darstellen (Felitti et al. 1998; Witt et al. 2019). Zudem trat gerade in der Corona-Krise deutlich zutage, dass nicht alle Familien von den Auswirkungen einer Krise gleich getroffen werden. Besonders in Familien, in denen schon vor Beginn der Pandemie Beeinträchtigungen oder Risiken aufgetreten waren, haben sich die Probleme wie unter einem Brennglas verstärkt (Fegert et al. 2020a, 2022). Kinder und Jugendliche mit vorbestehenden Vulnerabilitäten wie frühen Kindheitsbelastungen, zu denen beispielsweise Misshandlungs- und Gewalterfahrungen im Haushalt oder psychisch kranke Eltern zählen, werden durch Krisen insgesamt stärker psychosozial belastet (Calvano et al. 2021; Fegert et al. 2017b, 2020a, 2022). Weitere vorbestehende Risiken in Familien, wie ein niedriger sozioökonomischer Status, geringe soziale Teilhabe, körperliche Vorerkrankungen oder Behinderungen, werden durch die Auswirkungen von Krisen verstärkt (Fegert et al. 2017b, 2022). Aufgrund der zusätzlichen Herausforderungen und Stressoren in Krisenzeiten, wie z. B. eingeschränkten Unterstützungsangeboten, einem niedrigeren Haushaltseinkommen, dem Wegfall schützender Ressourcen und einem eingeschränkten Zugang zur Sozial- und Jugendhilfe, haben vorbelastete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein größeres Risiko für eine Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit (Fegert et al. 2017b, 2022; Lange et al. 2022). Das betrifft besonders auch Kinder von Eltern, die belastende Kindheitserfahrungen gemacht haben (Clemens et al. 2021) sowie Kinder von alleinerziehenden Elternteilen oder Eltern mit niedriger Bildung (Fegert et al. 2017b). Solche Risikofaktoren für psychische Belastungen kumulieren oft miteinander und verstärken sich gegenseitig (Fegert et al. 2020a) und auch die Kumulation von Krisenereignissen kann dazu beitragen, dass vorbestehende Ungleichheiten in Familien fortgeführt und weiter verstärkt werden.

Handlungsbedarfe: „Crisis Preparedness and Rapid Response“ bei Risiken für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Übersichten und Analysen der empirischen Evidenz und bisherigen Erfahrungen mit krisenhaften Ereignissen können als Anhaltspunkte für die Folgen und Auswirkungen drohender, wahrscheinlicher oder unmittelbarer gesellschaftlicher Krisen auf die psychische Gesundheit von Familien, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dienen. Präventive Maßnahmen sollten auf diesen Erkenntnissen aufbauen und folglich eine schnelle, nachhaltige und verteilungsgerechte Verbesserung der Versorgungssituation für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ermöglichen (Deutscher Ethikrat 2022). Auch die Gesundheitspolitik zur Pandemiebewältigung griff immer wieder diesen Gedanken auf und fasste sie unter die Begriffe „Preparedness“ und „Response“ (G7 Germany 2022), obwohl sich diese Termini anfänglich maßgeblich auf die körperliche Gesundheit und physische Gesundheitsgefahren in der Allgemeinbevölkerung bezogen.
Der international standardisierten Terminologie der „United Nations International Strategy for Disaster Reduction (UNISDR)“ (2009) zufolge wird „Preparedness“ als Wissen und Kapazitäten definiert, die von Regierungen, professionellen Hilfsorganisationen, Gemeinschaften und Individuen entwickelt werden, um effektiv die Folgen von wahrscheinlichen, unmittelbar bevorstehenden oder aktuellen Gefahrenereignissen zu antizipieren, auf sie zu reagieren und sich von ihnen zu erholen. Das Konzept „Preparedness“ basiert also auf einer Analyse der Katastrophenrisken, um schnell und angemessen auf die Katastrophe reagieren zu können (UNISDR 2009). Dieser nachgelagerte Schritt, der von der UNISDR (2009) als „Response“ definiert wird, hat das Ziel, Notfalldienste und öffentliche Unterstützung während und direkt nach einer Katastrophe anzubieten, um Leben zu retten, die Gesundheitsfolgen zu reduzieren und die öffentliche Sicherheit und existenzielle Bedürfnisse von betroffenen Menschen zu sichern. In der Corona-Pandemie stand für die Katastrophenfolgenreduktionsstrategie exemplarisch die Einberufung des Gremiums „The Independent Panel for Pandemic Preparedness & Response“ (2022) der Weltgesundheitsorganisation (nachfolgend: WHO) oder die Veröffentlichung ihrer beiden „Strategic Preparedness and Response Plans“ für den internationalen Kontext (World Health Organization 2020, 2021b). Auch der G7-Gipfel 2022 wurde unter dem Motto „Pandemic Readiness“ abgehalten (G7 Germany 2022). Diese Anstrengungen können durchaus als Schritte in die richtige Richtung gedeutet werden, um Infektionskrankheiten und epidemisch bedeutsame Lagen künftig besser und frühzeitig zu erkennen, zu bewerten, auf sie vorbereitet zu sein und sie zu bewältigen (Robert Koch-Institut 2022).
Für den Bereich der psychischen Gesundheit wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Pandemie spezifische COVID-19-Maßnahmenempfehlungen zu „Preparedness“ und „Rapid Response“ veröffentlicht (vgl. World Health Organization 2021a). Zurückblickend kann festgestellt werden, dass der spezifischen Vulnerabilität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und den Gefahren für ihre psychische Gesundheit zu lange zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde (Deutscher Ethikrat 2022). Krisenstrategien zu „Preparedness“ und „Rapid Response“ im Bereich der psychischen Gesundheitsgefahren sollten auch nicht nur kontextuell, d. h. ausschließlich pandemiebedingt gedacht und umgesetzt werden. Entsprechende „Best Practices“ wurden beispielsweise auch schon im Falle von Naturkatastrophen diskutiert (Paton 2003; Tekeli-Yeşil 2006). Allerdings haben nur die wenigsten Länder Vorkehrungen für eine „Mental Health Preparedness“ bei Naturkatastrophen getroffen und es mangelt auch dahingehend an validen Tools, Programmen und Wissen (Roudini et al. 2017). Nicht nur anlässlich der erschütternden Ereignisse im Ahrtal 2021 sowie des voranschreitenden Klimawandels, der Naturkatastrophen auch in Deutschland immer wahrscheinlicher macht, sollte das Fehlen einer Risikoreduzierungsstrategie für die psychische Gesundheit bei Naturkatastrophen bedenklich stimmen. Vielmehr unterstreichen die wissenschaftlichen Befunde im zweiten Abschnitt zu den Folgen von Krisen für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die dringende Notwendigkeit eines „Mental-Health-Preparedness-and-Response-Konzeptes“ mit gezielten praktischen Unterstützungsangeboten im Kontext von Krisen unterschiedlicher Art. Neue Krisen bringen aber auch neue Risiken und neue Herausforderungen für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sich, die es gilt frühzeitig zu erkennen und durch wissenschaftliche Evidenz zu sichern. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis in Krisenzeiten ist daher unerlässlich.

Auf Krisen besser vorbereitet sein, um Risiken frühzeitig abzupuffern: Die Rolle der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Konstante wissenschaftliche Ressourcen und Strukturen, die wissenschaftlich gesichertes (Grundlagen-)Wissen auch in unvorhergesehenen Krisensituationen kurzfristig inter- bzw. multidisziplinär bereitstellen können (Deutsche Forschungsgemeinschaft 2022; Salvador-Carulla et al. 2020), sind für die künftige Krisenbewältigung im Sinne einer "Preparedness" und "Rapid Response" essenziell.  Besonders praktischen Akteuren und Akteurinnen in der psychosozialen, psychologischen und psychiatrischen Versorgung sollte dieses Wissen zugutekommen. So können Unsicherheiten bei (drohenden) Krisen im Bereich der psychischen Gesundheit reduziert werden, indem kurzfristig, zeitnah und gezielt auf einen bereits bestehenden Fundus an wissenschaftlichem Wissen zurückgegriffen werden kann, welcher durch neue Erkenntnisse, Recherchen und Analysen stets erweitert wird (European Centre for Disease Prevention and Control 2022; Salvador-Carulla et al. 2020). Gegenstand dessen sollten vor allem die Folgen von Maßnahmen zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen und deren Angemessenheit für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein, wie es eindrücklich am Beispiel der Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie verdeutlicht werden kann (Deutscher Ethikrat 2022). Auf Basis einer kontinuierlichen Förderung wissenschaftlicher Strukturen mit spezieller Zuständigkeit auf diesem Gebiet können Angebote der Prävention, Beratung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation vorbereitet, verbessert und in gezielte praktische Hilfen für Betroffene übersetzt werden (Deutscher Ethikrat 2022). Durch einen interdisziplinären Austausch zwischen wissenschaftlichen Strukturen, den zuständigen Sektoren und Professionen in der Praxis sowie der Zielgruppen in der Bevölkerung können darüber hinaus Anpassungen bei den Präventionsmaßnahmen und Hilfsangeboten vorgenommen werden, die durch die neuen Herausforderungen neuer Krisen entstehen (Abb. 1). Dies kann beispielsweise auf Basis von Rückmeldungen zu Unterstützungsbedarfen und der Wirksamkeit von Angeboten geschehen. Gerade die kinder- und jugendpsychotherapeutischen oder -psychiatrischen Angebote nehmen hier eine gewisse Vermittlungsrolle ein, da sie sich oftmals an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis befinden und somit zu nachhaltigen Vernetzungen zwischen Hilfesystemen, Zivilgesellschaft, Betroffenen und Wissenschaft beitragen können.
Des Weiteren müssen sich Prävention und Hilfe ganz an den individuellen Bedarfen und Lebenslagen von Familien und jungen Menschen orientieren, um psychische Belastungen und Teilhabebeeinträchtigungen in gesellschaftlichen Krisen möglichst frühzeitig präventiv abzupuffern. Das erfordert zu allererst erhöhte und besondere Aufmerksamkeit für die individuellen Bedarfe der jungen Generation durch die Menschen, die in alltäglichem Kontakt mit ihnen stehen (sog. Bystander). Berufsgruppen in den Hilfesystemen, wie Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten und -therapeutinnen sowie Kinder- und Jugendpsychiater und -psychiaterinnen sollten in gesellschaftlichen Krisen hierfür besonders sensibel sein.
Präventions- und Unterstützungsangebote sollten darauf aufbauend zielgruppenbezogen ausgerichtet werden (Abb. 2). Die Klassifizierung von Präventionsmaßnahmen für psychische Erkrankungen und Belastungen nach universellen, selektiven und indizierten Angeboten hat das Institute of Medicine bereits 1994 vorgeschlagen. Während universelle Angebote die Allgemeinbevölkerung adressieren, zielen selektive Maßnahmen eher auf (Hoch-)Risikogruppen für psychische Belastungen und Erkrankungen ab, wie beispielsweise junge Menschen in Transitionsphasen, z. B. beim Übergang in die Adoleszenz (Karow et al. 2019), oder Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen (Felitti et al. 1998; Witt et al. 2019). Schließlich erfolgen indizierte Präventionsmaßnahmen meist individuumbezogen, wie etwa bei Kindern und Jugendlichen, bei denen bereits psychische Auffälligkeiten festgestellt wurden (Institute of Medicine 1994) oder die bereits mit psychiatrischen oder psychotherapeutischen Institutionen Kontakt hatten. Hier spielen dann vor allem psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Hilfen im Bereich der Beratung, Begleitung, Behandlung und Nachsorge eine Rolle.
Die in der Generation Z in Deutschland weitverbreitete Scham, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen (Fegert et al. 2023), macht niedrigschwellige Angebote im Bereich der universellen und selektiven Prävention immer zentraler. Das betrifft sowohl Beratungs-, Screenings- und Psychoedukationsmaßnahmen im digitalen Bereich, etwa durch Websites oder Apps, als auch Angebote, die in der analogen Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verankert sind. Der flächendeckende Ausbau schulpsychologischer Angebote bzw. psychosozialer Unterstützungsangebote in Schulen, Ausbildungsstätten, Hochschulen und Universitäten ist deshalb maßgeblich (Deutscher Ethikrat 2022). Dazu gehört auch die Unterstützung und Schulung der in diesen Bereichen tätigen Fachkräfte hinsichtlich der Früherkennung von psychischen Belastungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie der Weitervermittlung an passgenaue Angebote (Deutscher Ethikrat 2022). Die Ausweitung dieser niedrigschwelligen Angebote ist aber nur effektiv, wenn verschiedene Berufsgruppen und Professionen an den Schnittstellen der Hilfesysteme ihre Zusammenarbeit verbessern und krisenfest machen. Konstante Vernetzungen und Kooperationen mit Angeboten der öffentlichen und der freien Jugendhilfe, der Suizidprävention und vor allem auch den hochschwelligeren Angeboten im Gesundheitswesen (z. B. in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) sind notwendig, um Übergänge in passgenaue Hilfen für psychisch belastete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu gestalten (Deutscher Ethikrat 2022).
Der Begriff „Übergänge“ lässt bereits anklingen, dass Präventions- und Hilfemaßnahmen nicht isoliert voneinander gedacht werden sollen. „Stepped Care“-Ansätze im Bereich der psychischen Gesundheit folgen dem Gedanken, dass niedrigschwellige, leicht zugängliche Angebote mit geringer Intensität für psychisch Belastete ebenso effektiv sein können wie intensivere Behandlungen (Bower und Gilbody 2005; Scogin et al. 2003; Simon et al. 2001). Gleichzeitig werden aber im Sinne eines gestuften Behandlungsmodells (Härter et al. 2015) verschiedenschwellige Angebote gemacht (Abb. 3), die sich an den persönlichen Bedürfnissen, dem Schweregrad der psychischen Belastung und an den verfügbaren Ressourcen der Betroffenen orientieren (Fegert et al. 2022; Härter et al. 2015; Watzke et al. 2014). Die Unterstützung beginnt mit der geringsten Behandlungsintensität und wird durch den Übergang in intensivere Hilfen begleitet, wenn diese für die Behandlung der psychischen Belastung oder Erkrankung als geeignet erscheinen (Härter et al. 2015). Auch Übergänge in niedrigere Intensitätsstufen sind damit jederzeit möglich (Watzke et al. 2014). Voraussetzung für den notwendigen Ausbau von Stepped-Care-Ansätzen ist die Balance zwischen ambulanten und stationären Versorgungsangeboten sowie deren Verknüpfung (Deutscher Ethikrat 2022). Gleichzeitig darf bei dem Modell die Beteiligung der Betroffenen in Form von Psychoedukation und Förderung des Selbstmanagements beispielsweise durch digital unterstütze Angebote nicht fehlen (Fegert et al. 2022; Härter et al. 2015).
Ein intelligent gestuftes Versorgungsmodell in und nach gesellschaftlichen Krisen, das dem Gedanken von individuell maßgeschneiderten Hilfen folgt, ist nur komplett, wenn die Angebote auch sektorenübergreifend und multiprofessionell regional ausgebaut, stärker miteinander verknüpft, weiterentwickelt, regelmäßig evaluiert und den Zielgruppen bekannt gemacht werden (Deutscher Ethikrat 2022; Fegert et al. 2022). Dafür sind Informationskampagnen über verschiedenschwellige und verschieden gerichtete Beratungs- und Hilfsangebote (z. B. speziell für Kinder und Jugendliche in (Hoch-)Risikogruppen), Wissen zu psychischer Gesundheit und Risikofaktoren im Allgemeinen nötig, die in nicht stigmatisierender Weise und kultursensibel aufklären (Deutscher Ethikrat 2022). Passende Orte können schließlich sowohl öffentliche Räume und Einrichtungen im Gesundheitswesen als auch gezielt Lebensorte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein, wie Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Jugend- und Freizeiteinrichtungen oder der digitale Raum (Deutscher Ethikrat 2022). Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sollte hier aktiv ihre zentrale Stellung nutzen, um Informationen bei den Zielgruppen zu verbreiten und gleichzeitig in der Zivilgesellschaft, in Institutionen und der Politik auf die Belastungen und Bedarfe der jüngsten Generation in und nach gesellschaftlichen Krisen aufmerksam zu machen.

Fazit

Die Kumulation krisenhafter Ereignisse und bevorstehende Krisen machen Investitionen in die Prävention und Versorgung von psychischen Belastungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dringend notwendig. Der zeitnahe und krisenfeste Ausbau sektorenübergreifender, multiprofessioneller und gestufter Hilfsangebote ist nur ein zentraler Baustein. Künftig müssen vor allem die Belange der Jüngeren auf gesamtgesellschaftlicher Ebene stärker gewichtet und darauf geachtet werden, dass eine Krisenbewältigungsstrategie nicht ihre Lebensentfaltung und psychische Gesundheit beschränken darf (Deutscher Ethikrat 2022). Viel mehr gehört es zur „Crisis Preparedness and Rapid Response“ jetzt die richtigen Vorkehrungen für künftige Krisen zu treffen (Deutscher Ethikrat 2022). Dazu sollten nicht nur die Politik und Zivilgesellschaft, sondern vor allem auch Akteure und Akteurinnen, die in ständigem Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen, deren Sorgen, Wünsche und Interessen stärker in den Blick nehmen, gewichten und entsprechend unterstützend handeln (Deutscher Ethikrat 2022). Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, die sich gemäß ihrer Profession dem Ziel verschrieben hat, besonders belasteten und vulnerablen jungen Menschen zu helfen, ist eine tragende Säule für die junge Generation. Sie muss durch Verbesserung von Information, Aufmerksamkeit, Prävention und Vernetzung ihren Beitrag bei der gesellschaftlichen Krisenbewältigung leisten.
Fußnoten
1
Als „Generation Z“ werden die Menschen bezeichnet, die um die Jahrtausendwende bzw. zwischen den Jahren 1995 bis ca. 2010 geboren wurden (Fegert et al. 2023; Schnetzer 2022b). In der Regel sind diese Menschen seit der frühesten Kindheit mit digitalen Medien aufgewachsen und damit die erste Generation dieser Art (Schnetzer 2022b). Dieses Kriterium macht besonders die Abgrenzung zur Vorgängergeneration Y (Jahrgang 1980–1994) aus, da digitale Medien, Experten und Expertinnen zufolge, fundamental das Verhalten und den Alltag der Generation Z prägen (Schnetzer 2022b).
 
Literatur
Alexander J, Boothby N, Wessells M (2010) Education and protection of children and youth affected by armed conflict: an essential link. In: UNESCO (Hrsg) Protecting education from attack: a-state-of-the-art review. UNESCO, Paris, S 55–70
Amaral S, Endl-Geyer V, Rainer H (2020) Familiäre Gewalt und die COVID-19-Pandemie: Ein Überblick über die erwarteten Auswirkungen und mögliche Auswege. Ifo Schnelld 73:52–56
Amiri S (2020) Prevalence of suicide in immigrants/refugees: a systematic review and meta-analysis. Arch Suicide Res 26(2):370–405PubMedCrossRef
Biebeler H, Schreiber D (2020) Ausbildung in Zeiten von Corona: Ergebnisse einer empirischen Studie zu Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Ausbildungsbetriebe (Wissenschaftliche Diskussionspapiere). Verlag Barbara Budrich; Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Leverkusen. Abgerufen am 06.03.2023. http://​nbn-resolving.​de/​urn:​nbn:​de:​0035-0883-3. Zugegriffen am 06.03.2023
Blackmore R, Boyle JA, Fazel M, Ranasinha S, Gray KM, Fitzgerald G, Misso M, Gibson-Helm M (2020) The prevalence of mental illness in refugees and asylum seekers: a systematic review and meta-analysis. PLoS Med 17:1–24CrossRef
Bower P, Gilbody S (2005) Stepped care in psychological therapies: access, effectiveness and efficiency. Br J Psychiatry 186:11–17PubMedCrossRef
Bundesministerium für Bildung und Forschung (2021) Berufsbildungsbericht 2021. https://​www.​bmbf.​de/​bmbf/​shareddocs/​downloads/​files/​21-04-28-bbb-2021.​pdf?​_​_​blob=​publicationFile&​v=​1. Zugegriffen am 06.03.2023
Bundesministerium für Bildung und Forschung (2022) Berufsbildungsbericht 2022. https://​www.​bmbf.​de/​SharedDocs/​Downloads/​de/​2022/​berufsbildungsbe​richt-2022.​pdf?​_​_​blob=​publicationFile&​v=​1. Zugegriffen am 06.03.2023
Bürgin D, Anagnostopoulos D, Vitiello B, Sukale T, Schmid M, Fegert JM (2022) Impact of war and forced displacement on children’s mental health – multilevel, needs-oriented, and trauma-informed approaches. Eur Child Adolesc Psychiatry 31:1–9CrossRef
Calvano C, Engelke L, Di Bella J, Kindermann J, Renneberg B, Winter SM (2021) Families in the COVID-19 pandemic: parental stress, parent mental health and the occurrence of adverse childhood experiences-results of a representative survey in Germany. Eur Child Adolesc Psychiatry 31:1–13PubMedPubMedCentralCrossRef
Campion J, Bhui K, Bhugra D (2012) European Psychiatric Association (EPA) guidance on prevention of mental disorders. Eur Psychiatry 27:68–80PubMedCrossRef
Charlson F, van Ommeren M, Flaxman A, Cornett J, Whiteford H, Saxena S (2019) New WHO prevalence estimates of mental disorders in conflict settings: a systematic review and meta-analysis. Lancet 394(10194):240–248PubMedPubMedCentralCrossRef
Clemens V, Deschamps P, Fegert JM, Anagnostopoulos D, Bailey S, Doyle M, Eliez S, Hansen AS, Hebebrand J, Hillegers M, Jacobs B, Karwautz A, Kiss E, Kotsis K, Kumperscak HG, Pejovic-Milovancevic M, Christensen AMR, Raynaud JP, Westerinen H, Visnapuu-Bernadt P (2020) Potential effects of „social“ distancing measures and school lockdown on child and adolescent mental health. Eur Child Adolesc Psychiatry 29(6):739–742PubMedPubMedCentralCrossRef
Clemens V, Köhler-Dauner F, Ziegenhain U, Fegert JM (2021) Predictors of parental coping during the Covid-19 pandemic: a survey in Germany. Front Psychol 12:715327PubMedPubMedCentralCrossRef
Clemens V, von Hirschhausen E, Fegert JM (2022) Report of the intergovernmental panel on climate change: implications for the mental health policy of children and adolescents in Europe – a scoping review. Eur Child Adolesc Psychiatry 31:701–173PubMedCrossRef
Deutscher Ethikrat (2022) Pandemie und psychische Gesundheit: Aufmerksamkeit, Beistand und Unterstützung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in und nach gesellschaftlichen Krisen. AD-HOC-EMPFEHLUNG. Berlin. Deutscher Ethikrat. https://​www.​ethikrat.​org/​fileadmin/​Publikationen/​Ad-hoc-Empfehlungen/​deutsch/​ad-hoc-empfehlung-pandemie-und-psychische-gesundheit.​pdf. Zugegriffen am 06.03.2023
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2022) DFG-Kommission für Pandemieforschung: „Pandemic Preparedness“ für die Zukunft stärken. Pressemitteilung Nr. 37, 08. September 2022. https://​www.​dfg.​de/​service/​presse/​pressemitteilung​en/​2022/​pressemitteilung​_​nr_​37/​index.​html. Zugegriffen am 06.03.2023
Deutsches Ärzteblatt (2022) Folgen der Coronapandemie bringen Psychotherapeuten an ihre Grenzen. https://​www.​aerzteblatt.​de/​nachrichten/​135951/​Folgen-der-Coronapandemie-bringen-Psychotherapeute​n-an-ihre-Grenzen. Zugegriffen am 06.03.2023
European Centre for Disease Prevention and Control (2022) Preparedness planning. Online verfügbar unter https://​www.​ecdc.​europa.​eu/​en/​about-us/​what-we-do/​preparedness/​preparedness-planning. Zugegriffen am 06.03.2023
Fegert JM (2021, 30. September) Fachtag „Dazugehören Baden-Württemberg“: Kinder und Jugendliche auf dem Weg aus der Pandemie. Universitätsklinikum Ulm, Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie. Dazugehören, Ulm
Fegert JM, Kölch M, Krüger U (2017a) Sachbericht zum Projekt: Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland – Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse. https://​www.​bundesgesundheit​sministerium.​de/​fileadmin/​Dateien/​5_​Publikationen/​Praevention/​Berichte/​Abschlussbericht​_​Versorgung_​psychisch_​kranke_​Kinder_​u_​Jugendliche.​pdf. Zugegriffen am 06.03.2023
Fegert JM, Harsch D, Kölch M (2017b) Poverty hits children first? Psychiatrie 14(02):67–74
Fegert JM, Vitiello B, Plener PL, Clemens V (2020a) Challenges and burden of the Coronavirus 2019 (COVID-19) pandemic for child and adolescent mental health: a narrative review to highlight clinical and research needs in the acute phase and the long return to normality. Child Adolesc Psychiatry Ment Health 14(1):1–11CrossRef
Fegert JM, Berthold O, Clemens V, Kölch M (2020b) COVID-19-Pandemie: Kinderschutz ist systemrelevant. Deutsches Ärzteblatt 117(14):A-703–A-706
Fegert JM, Gossmann E, Sophie H, Clemens V (2022) Herausforderungen psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Was hat sich durch die COVID-19-Pandemie verändert und wie kann die Situation verbessert werden? In: 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland – Eine Bilanz, UNICEF. https://​www.​unicef.​de/​informieren/​materialien/​30-jahre-kinderrechtskonv​ention/​265966. Zugegriffen am 06.03.2023
Fegert JM, Deetjen U, Hartenstein L (2023) Wie sehen junge Menschen der Generation Z psychische Gesundheit? Psychosoziale Umschau (1):16–17
Felitti VJ, Anda RF, Nordenberg D, Williamson DF, Spitz AM, Edwards V, Koss MP, Marks JS (1998) Relationship of childhood abuse and household dysfunction to many of the leading causes of death in adults. The Adverse Childhood Experiences (ACE) study. Am J Prev Med 14(4):245–258PubMedCrossRef
Gifford-Smith ME, Brownell CA (2003) Childhood peer relationships: social acceptance, friendships, and peer networks. J Sch Psychol 41(4):235–284CrossRef
Gustavsson N, MacEachron AE (2013) Managing child welfare in turbulent times. Soc Work 58(1):86–89PubMedCrossRef
Härter M, Heddaeus D, Steinmann M, Schreiber R, Brettschneider C, König H-H, Watzke B (2015) Collaborative und Stepped Care bei depressiven Erkrankungen : Entwicklung eines Modellprojektes im Hamburger Netz psychische Gesundheit (psychenet.de) [Collaborative and stepped care for depression: development of a model project within the Hamburg Network for Mental Health (psychenet.de)]. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 58(4–5):420–429CrossRef
Hölling H, Schlack R, Petermann F, Ravens-Sieberer U, Mauz E (2014) Psychische Auffälligkeiten und psychosoziale Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland – Prävalenz und zeitliche Trends zu 2 Erhebungszeitpunkten (2003–2006 und 2009–2012): Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) [Psychopathological problems and psychosocial impairment in children and adolescents aged 3–17 years in the German population: prevalence and time trends at two measurement points (2003–2006 and 2009–2012): results of the KiGGS study: first follow-up (KiGGS Wave 1)]. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 57(7):807–819CrossRef
Huang MI, O’Riordan MA, Fitzenrider E, McDavid L, Cohen AR, Robinson S (2011) Increased incidence of nonaccidental head trauma in infants associated with the economic recession. J Neurosurg Pediatr 8(2):171–176PubMedCrossRef
Hurrelmann K (2022, 21. November) Fünfte trendstudie jugend in deutschland sieht ende der wohlstandsjahre. Hertie School. https://​www.​hertie-school.​org/​de/​magazin/​detail/​content/​fuenfte-trendstudie-jugend-in-deutschland-sieht-ende-der-wohlstandsjahre. Zugegriffen am 06.03.2023
Institute of Medicine (1994) Reducing risks for mental disorders: frontiers for preventive intervention research. In: Mrazek PJ, Haggerty RJ (Hrsg) Committee on prevention of mental disorders, division of biobehavorial sciences and mental disorders. National Academy Press, Washington, DC
Ionescu AM, Cuza AI (2012) How does education affect labour market outcomes. Rev Appl Socio-Econ Res 4(2):130–144
Jentsch B, Schnock B (2020) Kinder im Blick? Kindeswohl in Zeiten von Corona. Soz Extra 44(5):304–309CrossRef
Karow A, Holtmann M, Koutsouleris N, Pfennig A, Resch F (2019) Früherkennung und Frühintervention bei psychotischen Störungen in der Transitionsphase [Psychotic disorders in the transition phase: early detection and early intervention]. Fortschr Neurol Psychiatr 87(11):629–633PubMedCrossRef
Klineberg E, Clark C, Bhui KS, Haines MM, Viner RM, Head J, Woodley-Jones D, Stansfeld SA (2006) Social support, ethnicity and mental health in adolescents. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 41(9):755–760PubMedCrossRef
Köhler-Dauner F, Clemens V, Lange S, Ziegenhain U, Fegert JM (2021) Mothers’ daily perceived stress infuences their children’s mental health during SARS-CoV-2-pandemic – an online survey. Child Adolesc Psychiatry Ment Health 15(31)
Kokkevi A, Stavrou M, Kanavou E, Fotiou A (2014) The repercussions of the economic recession in Greece on adolescents and their families. Innocenti working paper no.2014-07. UNICEF Office of Research, Florence
Kousky C (2016) Impacts of natural disasters on children. Futur Child 26(1):73–92
Lange S, Altrock CM, Gossmann E, Fegert JM, Jud A (2022) COVID-19 – what price do children pay? An analysis of economic and social policy factors. Int J Environ Res Public Health 19(13):7604PubMedPubMedCentralCrossRef
Paton D (2003) Disaster preparedness: a social-cognitive perspective. Disaster Prev Manag Int J 12(3):210–216CrossRef
Rabe-Menssen C (2021, Februar) Patientenanfragen während der Corona-Pandemie. Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung. https://​www.​dptv.​de/​fileadmin/​Redaktion/​Bilder_​und_​Dokumente/​Wissensdatenbank​_​oeffentlich/​Umfragen/​DPtV_​Umfrage_​Corona-Patientenanfrage​n_​Februar_​2021.​pdf. Zugegriffen am 06.03.2023
Ravens-Sieberer U, Kaman A, Otto C, Adedeji A, Devine J, Erhart M, Napp A-K, Becker M, Blanck-Stellmacher U, Löffler C, Schlack R, Hurrelmann K (2020) Mental health and quality of life in children and adolescents during the COVID-19 pandemic-results of the COPSY study. Dtsch Arztebl Int 117(48):828–829PubMedPubMedCentral
Ravens-Sieberer U, Kaman A, Erhart M, Otto C, Devine J, Löffler C, Hurrelmann K, Bullinger M, Barkmann C, Siegel NA, Simon AM, Wieler LH, Schlack R, Hölling H (2021) Quality of life and mental health in children and adolescents during the first year of the COVID-19 pandemic: results of a two-wave nationwide population-based study. Eur Child Adolesc Psychiatry:1–14. https://​doi.​org/​10.​1007/​s00787-021-01889-1
Ravens-Sieberer U, Erhart M, Devine J, Gilbert M, Reiss F, Barkmann C, Siegel NA, Simon AM, Hurrelmann K, Schlack R, Hölling H, Wieler LH, Kaman A (2022) Child and adolescent mental health during the COVID-19 pandemic: results of the three-wave longitudinal COPSY study. J Adolesc Health 71(5):570–578PubMedPubMedCentralCrossRef
Reisman JM (1985) Friendship and its implications for mental health or social competence. J Early Adolesc 5(3):383–391CrossRef
Roudini J, Khankeh HR, Witruk E (2017) Disaster mental health preparedness in the community: a systematic review study. Health Psychol Open 4:1–12CrossRef
Salvador-Carulla L, Rosenberg S, Mendoza J, Tabatabaei-Jafari H (2020) Rapid response to crisis: health system lessons from the active period of COVID-19. Health Policy and Technol 9(4):578–586CrossRef
Schneider D, Harknett K, McLanahan S (2016) Intimate partner violence in the great recession. Demography 53(2):471–505PubMedCrossRef
Schneider W, Waldfogel J, Brooks-Gunn J (2017) The Great Recession and risk for child abuse and neglect. Child Youth Serv Rev 72:71–81PubMedCrossRef
Schnetzer S (2022a) Veröffentlichung: Jugend in Deutschland – Trendstudie Sommer 2022. https://​simon-schnetzer.​com/​blog/​pressemitteilung​-zur-trendstudie-sommer-2022/​. Zugegriffen am 06.03.2023
Schnetzer S (2022b) Generation Z verstehen – wie tickt Sie und warum? https://​simon-schnetzer.​com/​generation-z/​#wer-ist-die-genz. Zugegriffen am 06.03.2023
Scogin FR, Hanson A, Welsh D (2003) Self-administered treatment in stepped-care models of depression treatment. J Clin Psychol 59(3):341–349PubMedCrossRef
Simon GE, Katon WJ, VonKorff M, Unützer J, Lin EH, Walker EA, Bush T, Rutter C, Ludman E (2001) Cost-effectiveness of a collaborative care program for primary care patients with persistent depression. Am J Psychiatry 158(10):1638–1644PubMedCrossRef
Team ICC-R (2020) Estimating the number of infections and the impact of nonpharmaceutical interventions on COVID-19 in 11 European countries. https://​www.​imperial.​ac.​uk/​media/​imperial-college/​medicine/​sph/​ide/​gida-fellowships/​Imperial-College-COVID19-Europe-estimates-and-NPI-impact-30-03-2020.​pdf. Zugegriffen am 06.03.2023
Tekeli-Yeşil S (2006) Public health and natural disasters: disaster preparedness and response in health systems. J Public Health 14(5):317–324CrossRef
The Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response (2022) The independent panel for pandemic preparedness and response. https://​theindependentpa​nel.​org/​. Zugegriffen am 06.03.2023
Turner RJ, Brown RL (2010) Social support and mental health. In: Scheid TL, Brown TN (Hrsg) A handbook for the study of mental health: social contexts, theories, and systems. Cambridge University Press, New York, S 200–212
UNICEF (2009) Machel study 10-year strategic review: children and conflict in a changing world. UNICEF, New York
United Nations International Strategy for Disaster Reduction (UNISDR) (2009) UNISDR terminology on disaster risk reduction. Genf, Schweiz
Wang PS, Angermeyer M, Borges G, Bruffaerts R, Chiu WT, De Girolamo G, Fayyad J, Gureje O, Haro JM, Huang Y, Kessler RC, Kovess V, Levinson D, Nakane Y, Oakley Brown MA, Ormel JH, Posada-Villa J, Aguilar-Gaxiola S, Alonso J, Lee S, Heeringa S, Pennell BE, Chatterji S, Ustün TB (2007) Delay and failure in treatment seeking after first onset of mental disorders in the World Health Organization’s World Mental Health Survey Initiative. World Psychiatry 6(3):177–185PubMedPubMedCentral
Watzke B, Heddaeus D, Steinmann M, Sänger S, Härter M (2014) Gestuftes Vorgehen (Stepped-Care) bei der Behandlung von Patienten mit Depressionen. Bericht über das Gesundheitsnetz Depression im psychenet & Hamburger Netz psychische Gesundheit. Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis 46(2):455–458
Witt A, Sachser C, Plener PL, Brähler E, Fegert JM (2019) Prävalenz und Folgen belastender Kindheitserlebnisse in der deutschen Bevölkerung. Dtsch Ärztebl Int 116(38):635–642PubMedPubMedCentral
Witt A, Sachser C, Fegert JM (2022) Scoping review on trauma and recovery in youth after natural disasters: what Europe can learn from natural disasters around the world. Eur Child Adolesc Psychiatry. https://​doi.​org/​10.​1007/​s00787-022-01983-y
Witte J, Zeitler A, Batram M, Diekmannshemke J, Haseman L (2022, August) Kinder- und Jugendreport 2022: Kinder- und Jugendgesundheit in Zeiten der Pandemie. DAK-Gesundheit. https://​www.​dak.​de/​dak/​download/​dak-kjr22-vand-report-pdf-2572514.​pdf. Zugegriffen am 06.03.2023
World Health Organization (2020) 2019 Novel Coronavirus (2019-nCoV): strategic preparedness and response plan. https://​www.​who.​int/​publications/​i/​item/​strategic-preparedness-and-response-plan-for-the-new-coronavirus. Zugegriffen am 06.03.2023
World Health Organization (2021a) Mental health preparedness and response during for the COVID-19 pandemic. Report by the Director-General
World Health Organization (2021b) COVID-19 Strategic Preparedness and Response Plan (SPRP 2021). https://​www.​who.​int/​publications/​i/​item/​WHO-WHE-2021.​02. Zugegriffen am 06.03.2023
Yule W (2000) Emanuel Miller lecture: from pogroms to „ethnic cleansing“: meeting the needs of war affected children. J Child Psychol Psychiatry Allied Discip 41(6):695–702CrossRef