Das Perikard besteht aus zwei separaten Schichten, dem äußeren fibrösen parietalen Perikard, das etwa 1–2 mm dick ist, und einem inneren Blatt aus Mesothelzellen, dem viszeralen Perikard, das an das Epikard anschließt. Die Perikardhöhle enthält normalerweise ca. 50 ml seröse Flüssigkeit. Das parietale Perikard ist aus wellenförmigen Kollagenbündeln aufgebaut. Bei kleinen Volumenzunahmen ist das Perikard relativ elastisch. Sobald die Kollagenfasern jedoch ihre maximale Dehnung erreicht haben, steigt der intraperikardiale Druck abrupt an. Eine Perikardinfiltration per continuitatem über die viszerale Pleura wird in der 8. Auflage der
TNM-Klassifikation des
Lungenkarzinoms als T3-Tumor klassifiziert. Bei einem Lungenkarzinom mit Perikardinfiltration kann eine intraperikardiale Gefäßabsetzung erforderlich werden. Gleichzeitig ist eine Perikardinfiltration häufiger mit einem Lymphknotenbefall assoziiert, sodass auf ein präoperatives Staging geachtet werden sollte (Riquet et al.
2010). Eine Perikardinfiltration ist präoperativ nur schwer zu diagnostizieren. Intraoperativ sollte nach Eingehen in die Pleurahöhle zunächst die Resektabilität beurteilt werden, insbesondere auf Anzeichen einer pleuralen Tumordissemination. Leichte Adhäsionen zwischen Tumor und Perikard können vorsichtig gelöst werden. Wenn das Perikard infiltriert zu sein scheint, dann sollte intraperikardial die Resektabilität beurteilt werden, bevor mit der Lungenresektion fortgefahren wird. Dabei wird das Perikard im Abstand zum Tumor eröffnet, um eine epikardiale Tumorausdehnung auszuschließen. Bei fehlender kardialer Infiltration wird das Perikard im sicheren Abstand zum Tumor zirkulär reseziert. Im Falle einer Infiltration des N. phrenicus muss dieser möglicherweise geopfert werden. Eine höhere Inzidenz von postoperativen Vorhofarrhythmien nach erweiterten Resektionen, möglicherweise aufgrund der Perikardmanipulation oder -resektion, wird diskutiert. Ein großer Perikarddefekt, insbesondere nach
Pneumonektomie, kann eine Herztorsion oder -hernierung verursachen. Für diese seltene Komplikation wird eine Letalität von mehr als 50 % berichtet. Sie tritt häufiger auf der rechten Seite auf, kann aber auch auf der linken Seite eine Einschnürung des linken Ventrikels verursachen. Sie kann mit
Herzrhythmusstörungen, plötzlichem Herzversagen oder einer Schocksymptomatik auftreten und erfordert eine sofortige offene Reposition der Herniation. Über die Größe eines zu versorgenden Perikarddefektes liegen unzureichend Daten vor. Erfahrungsgemäß sollte im Zweifel ein Perikardefekt durch Implantat gedeckt werden. Es wurden verschiedene Möglichkeiten zur Verhinderung der Herniation beschrieben, darunter die weite Eröffnung des Herzbeutels bei linksseitigen Operationen, das Anheften des Perikardrands an das Herz und der Perikardersatz mit parietaler Pleura, verschiedene künstliche Materialen sowie autologe Lappen mit Fascia lata und Zwerchfell. Wir bevorzugen die Implantation einer Polytetrafluorethylen(PTFE)-Membran (Gore), eines bovinen Perikardersatzes oder eines Vicrylnetzes aufgrund der einfachen und schnellen Verfügbarkeit. Der Perikardersatz sollte spannungsfrei implantiert sein und das Herz bequem schlagen lassen, um eine Konstriktion des Herzens zu vermeiden. Im Bereich der V. cava muss auf eine Einengung der Venen geachtet werden.