Aufgrund der geringen Inzidenz der Erkrankung sowie dem Mangel an randomisiert kontrollierten Studien, ist die Evidenz für die Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie nach einer Resektion eines Dünndarmkarzinoms sehr gering. Die aktuell gültigen Empfehlungen basieren daher im Wesentlichen auf retrospektiven Studien oder Meta-Analysen. Diese zeigen in Bezug auf den onkologischen Benefit einer adjuvanten Therapie teilweise widersprüchliche Ergebnisse.
Eine Datenbankanalyse aus den USA mit fast 5000 Patienten zeigte, dass für Patienten im Stadium III die Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie nach R0-Resektion eines Dünndarmkarzinoms eine signifikante Verlängerung des Überlebens von 26,1 auf 42,4 Monate (p < 0,001) erreicht werden konnte (Ecker et al.
2016). Die gleiche Studie zeigte für Patienten in den Stadium I und II keinen signifikanten Effekt der adjuvanten Therapie. Für Patienten mit duodenalem Adenokarzinom konnte von derselben Gruppe 2017 gezeigt werden, dass durch den Einsatz einer Radiochemotherapie kein Benefit im Vergleich zu einer alleinigen Chemotherapie erreicht werden konnte (48,9 Monate vs 43,5 Monate, P = 0,669) (Ecker et al.
2017). Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, bei der insgesamt 15 Studien mit über 6000 Patienten mit Dünndarmkarzinom eingeschlossen wurden, zeigte sowohl für die Dünndarmkarzinome (Ileum, Jejunum) als auch für die duodenalen Adenokarzinome keinen signifikanten Überlebensvorteil für die Patienten durch die Gabe einer adjuvanten Chemotherapie (Ye et al.
2018). Die Datenlage zur Rolle der adjuvanten Chemotherapie nach R0-Resektion des Dünndarmkarzinoms bleibt aktuell also kontrovers, so dass die heute gültigen Empfehlungen oftmals auf den Erfahrungen beim kolorektalen Karzinom basieren. Die Durchführung prospektiver Studien ist daher von großer Bedeutung. Die Ergebnisse der aktuell noch rekrutierenden BALLAD-Studie
, in der der Effekt einer postoperativen Chemotherapie beim Adenokarzinom des Dünndarms analysiert werden soll, könnten hier unter Umständen wichtige Informationen liefern und werden mit Spannung erwartet.
Laut der aktuellen NCCN-Guideline kommen derzeit zur adjuvanten Therapie mehrheitlich folgende von der Behandlung des kolorektalen Karzinoms bekannte Protokolle zum Einsatz (Benson et al.
2019): FOLFOX, Capecitabine + Oxaliplatin (CAPEOX), 5-FU/LV, Capecitabine.