DGIM Innere Medizin
Autoren
Markus M. Lerch, Julia Mayerle und Peter Simon

Chronische Pankreatitis: Behandlung von Pseudozysten

Pankreaspseudozysten nach akuter oder bei chronischer Pankreatitis sind häufig. Meist bilden sie sich spontan zurück und bedürfen keiner Behandlung. Pseudozysten, die Symptome verursachen oder zu Komplikationen führen, sollten entweder endoskopisch-interventionell oder chirurgisch behandelt werden. Asymptomatische Pseudozysten können behandelt werden, wenn sie sich innerhalb von sechs Wochen nicht zurückbilden oder größer als 5 cm im Durchmesser messen. Grund für die Behandlung ist die hohe Komplikationsrate großer Pseudozysten, auch wenn sie noch keine Symptome verursachen. Die Einschätzung von Pankreaspseudozysten erfolgt am besten mittels EUS. Ebenso sollte eine endoskopisch-interventionelle Drainage nur unter EUS-Kontrolle erfolgen. Eine Pseudozystendrainage sollte immer unter antibiotischer Abschirmung erfolgen.

Definition

Pankreaspseudozysten unterscheiden sich von echten Pankreaszysten dadurch, dass sie nicht von einer (einschichtigen) Epithelschicht ausgekleidet, sondern von einer bindegewebigen Wand umgeben sind. Sie sind eine häufige Komplikation nach akuter oder bei chronischer Pankreatitis. Ihre Einteilung und Definition erfolgt heute nach der Atlanta-Klassifikation (Banks et al. 2013; Lerch 2013), die zwischen peripankreatischen Flüssigkeitsansammlungen (Alter <4 Wochen, keine Nekrose, keine Wand), Pseudozysten (fibrotische Wandbildung, ausschließlich flüssiger Inhalt, Alter >4 Wochen) und abgekapselter Nekrose (wie Pseudozyste, aber zusätzlich mit nekrotischem Inhalt) unterscheidet. Die Autoren der revidierten Atlanta-Klassifikation gehen davon aus, dass abgekapselte Nekrosen ausschließlich nach akuter Pankreatitis (Kap. Akute Pankreatitis) und Pseudozysten fast nur bei chronischer Pankreatitis auftreten. Dies ist nicht durch wissenschaftliche Studien belegt. Auch die Frage, ob die Unterscheidung zwischen Pseudozyste und abgekapselter Nekrose mit bindegewebiger Wand therapeutische Konsequenzen hat, bleibt ungeklärt, zumal für den Nachweis von alten Nekroseanteilen EUS und MRT wesentlich sensitiver sind als das CT. Was im CT die Kriterien einer Pseudozyste erfüllt (und entsprechend behandelt wird), kann im endoskopischen Ultraschall oder MRT durchaus einer abgekapselten Nekrose entsprechen. Diagnostisch abzugrenzen sind Pseudozysten des Pankreas von dysontogenetischen Zysten (Kap. Zystische Neoplasien des Pankreas).

Pathogenese und Pathophysiologie

Die biliäre Pankreatitis wird durch die Wanderung von Gallensteinen durch den Ductus choledochus und die nachfolgend verursachte (meist passagäre) Obstruktion des Pankreasganges verursacht (Hernández und Lerch 1993; Lerch et al. 1994; Pohle et al. 2003). Dagegen ist die Pathogenese der alkoholinduzierten Pankreatitis deutlich weniger gut verstanden, hängt aber möglicherweise auch mit einer Abflussbehinderung des Pankreassekretes zusammen (Maléth et al. 2015). In der Folge beider Auslösemechanismen kommt es einerseits zu einer vorzeitigen und intrapankreatischen Aktivierung von Verdauungsproteasen (Hirano et al. 1991; Krüger et al. 1998), anderseits zu einer Aktivierung und Einwanderung von Entzündungszellen ins Pankreas (Mayerle et al. 2005). Bei der Bildung von Pseudozysten nach akuter und chronischer Pankreatitis sind mehrere Mechanismen beteiligt. Zum einen eine Pankreasgangruptur oder Leckage (Aghdassi et al. 2008), zumindest aber ein deutlich gesteigerter Flüssigkeitsaustritt aus dem Epithel (Lerch et al. 1997), zum anderen eine starke Bindegewebsbildung, die die Flüssigkeitsansammlung abkapselt (Gress et al. 1994).

Epidemiologie

Die Inzidenz von Pankreaspseudozysten bei akuter Pankreatitis wird mit 6–18,5 % angegeben. Die Inzidenz von Pankreaspseudozysten bei chronischer Pankreatitis liegt bei 20–40 %, wenn man Autopsiebefunde zum Maßstab erhebt sogar bei 34 %. Ungeklärt ist, inwieweit mikrozystische Läsionen des Pankreas zu den chronischen Pankreaspseudozysten gerechnet werden sollten. Pankreaspseudozysten treten am häufigsten bei Patienten mit alkoholischer Pankreatitis auf (70–78 %) (Ammann et al. 1984). Die zweithäufigste Ursache ist die idiopathische Pankreatitis (6–16 %), gefolgt von der biliären Pankreatitis (6–8 %) (Andrén-Sandberg et al. 2005). Eine eher seltene Komplikation stellen Pankreaspseudozysten bei hereditärer Pankreatitis (Ellis et al. 2001, Keim et al. 2001) und bei autoimmuner Pankreatitis (Pickartz et al. 2007) dar.

Klinik

In der Folge einer akuten oder chronischen Pankreatitis treten Pseudozysten erst mit einiger Verzögerung auf. Die häufigsten klinischen Symptome bei Bildung einer Pseudozyste sind abdominelle Schmerzen, die meist durch die raumfordernde Verdrängung benachbarter Organe entstehen. Auch Pankreatitisrezidive, ein Blutverlust durch Einblutung in eine Pseudozyste, Fieber und Leukozytose bei Superinfektion der Pseudozyste, eine Cholestase durch Gallengangsverlegung oder Erbrechen wegen der Passagebehinderung durch die Pseudozyste können erste Symptome sein (Hoffmeister et al. 2012; Mayerle et al. 2013). Oft unterscheidet sich die Symptomatik der Pseudozysten wenig von der Symptomatik eines Pankreatitisschubes.

Diagnostik

Die Diagnose einer Pankreaspseudozyste erfolgt meist bildgebend, wobei dem transabdominellen Ultraschall eine wesentliche Bedeutung bei der Erstdiagnostik zukommt. Das CT ist die Bildgebungsmethode der Wahl. Es hat eine Sensitivität von 82–100 % bei einer Spezifität von 98 % und einem negativen Vorhersagewert (NPV) von 92–94 %. Eine korrekte Diagnosestellung ist in 88–94 % der Fälle möglich (Balthazar et al. 1994). Bei der Differenzierung zwischen Pseudozysten und abgekapselten chronischen Nekrosen ist das CT dem MRT und dem endoskopischen Ultraschall deutlich unterlegen. Zur Diskriminierung zwischen einer akuten Flüssigkeitsansammlung, einem Pankreasabszess und einer akuten Pankreaspseudozyste hat die Endosonographie die höchste Sensitivität (93–100 %) und Spezifität (92–98 %) (Lehman 1999). Sie bietet gemeinsam mit der ERCP die Möglichkeit zur therapeutischen Intervention bei einer symptomatischen Pseudozyste. Die diagnostische Punktion einer Pseudozyste hilft bei der Unterscheidung zwischen zystischen Neoplasien und Pseudozysten. Bei einem CEA (karzinoembryonales Antigen) >192 ng/ml kann mit einer Sensitivität von 73 % und einer Spezifität von 84 % von einer muzinösen Läsion ausgegangen werden (Brugge et al. 2004). Eine weitere Möglichkeit, zystische Neoplasien von Pankreaspseudozysten zu unterscheiden, ist die Bestimmung der Viskosität der Zystenflüssigkeit. Diese wird im Wesentlichen durch Glykoproteine, die den Hauptanteil der durch eine zystische Neoplasie sezernierten Proteine ausmachen (z. B. MUC1) und dem DNA-Gehalt der Zystenflüssigkeit bestimmt. Ähnlich wie für das CEA konnte bei hoher Viskosität eine positive Korrelation mit dem Vorhandensein von zystischen Neoplasien gezeigt werden (Linder et al. 2006).

Spontanverlauf von Pseudozysten

Die oft entscheidende Frage im klinischen Alltag stellt die Indikation zur Intervention bei akuten oder chronischen Pseudozysten dar. Ältere Studien zum klinischen Verlauf der Pankreaspseudozysten berichten von einer Rate an spontaner Rückbildung, die zwischen 8 % und 70 % liegt. In Anbetracht dieser weiten Spanne von spontanen Rückbildungen scheint es notwendig, geeignete Parameter zu identifizieren, die helfen, den natürlichen Verlauf vorherzusagen. Zwei wesentliche Faktoren sind die Größe der Pseudozyste und die Zeitspanne seit der Diagnosestellung. Bradley hat den Verlauf von 93 Patienten (31 mit akuter Pseudozyste, 62 mit chronischer Pseudozyste) verfolgt. 42 % der akuten Pseudozysten, die weniger als sechs Wochen bestanden, bildeten sich ohne Intervention zurück. Hingegen bildeten sich nur 8 % der akuten Pseudozysten, die länger als sieben Wochen bestanden, noch spontan zurück (Bradley et al. 1976). Gouyon konnte 1997 in einer multivariaten Analyse überzeugend zeigen, dass der einzige unabhängige Parameter für die spontane Rückbildung von Pankreaspseudozysten die Zystengröße ist. Bei einer Größe von weniger als 4 cm kam es zu einer signifikant häufigeren spontanen Rückbildung und einer geringeren Komplikationsrate (Gouyon et al. 1997). Maringhini berichtet dagegen, dass sich akute Pankreaspseudozysten selbst mit einer Größe über 4 cm noch in 65 % der Fälle spontan zurückbilden können (Maringhini et al. 1999). Neoptolemos konnte zeigen, dass im Fall einer akuten Pankreaspseudozyste der Schweregrad der vorausgegangenen Pankreatitis die spontane Rückbildungsrate beeinflusst (Neoptolemos 1993). Im Falle einer leichten Pankreatitis mit weniger als 25 % Pankreasnekrose bildeten sich alle Pankreaspseudozysten spontan zurück. Mindestens fünf Studien belegen, dass sich akute Pankreaspseudozysten mit einem Durchmesser von unter 4 cm zum größten Teil spontan zurückbilden können und bei Symptomlosigkeit eine therapeutische Intervention nicht indiziert ist.
Anders stellt sich die Situation für chronische Pankreaspseudozysten dar. Die höchste Rate an spontanen Rückbildungen für Pankreaspseudozysten auf dem Boden einer chronischen Pankreatitis wurde mit 26 % angegeben (Gouyon et al. 1997). Die überwiegende Zahl der Studien berichtet von einer spontanen Rückbildungsrate von weniger als 10 %. Weitere Faktoren, die eine spontane Rückbildung unwahrscheinlich machen, sind das Auftreten mehrerer Zysten, Lokalisation im Pankreasschwanz, eine Wanddicke von mehr als 1 cm, eine fehlende Kommunikation mit dem Ductus Wirsungianus, eine proximale Gangstenose, eine biliäre oder traumatische Genese und eine Größenzunahme in der Verlaufskontrolle.

Therapie

Zur Behandlung von Pankreaspseudozysten nach akuter und bei chronischer Pankreatitis nehmen aktuelle Leitlinien ausführlich Stellung (Lerch et al. 2009; Hoffmeister et al. 2012; Mayerle et al. 2013). Innerhalb der ersten sechs Wochen nach akuter Pankreatitis bilden sich ca. 40 % der Pseudozysten spontan zurück. Diese bedürfen demzufolge keinerlei Therapie. Etwa 20 % der Patienten mit Pseudozysten entwickeln Komplikationen wie Infektion, Verlagerung von angrenzendem Gewebe oder benachbarten Organen, Zystenruptur oder eine persistierende Pankreatitis. Die Behandlung von Pseudozysten erfolgt deshalb entweder zur Therapie bei Komplikationen oder zur Abwendung dieser Komplikationen und kann entweder operativ, minimal invasiv oder endoskopisch erfolgen. Die verschiedenen Verfahren weisen hinsichtlich ihres technischen Erfolges und der Rezidivrate vergleichbare Ergebnisse auf. Wegen der geringeren Belastung des Patienten im Bezug auf Morbidität und Mortalität sollten heute endoskopische Verfahren vorgezogen werden (Hoffmeister et al. 2012).

Behandlung bei Pseudozysten mit Komplikationen

Verursacht eine Pankreaspseudozyste Komplikationen, sollte eine interventionelle oder operative Behandlung erfolgen. Die Datenlage zur interventionellen Therapie von Pankreaspseudozysten als Schmerztherapie ist sehr spärlich, da derzeit keine einzige randomisierte kontrollierte Studie vorliegt. Die Mehrzahl der Daten beruht auf retrospektiven Fallserien. Basierend auf dieser schlechten Datenlage gibt es drei systematische Übersichtsarbeiten zur verfügbaren Evidenz (NIH 2002; Aghdassi et al. 2008; Lerch et al. 2009). In den zusammengefassten Studien konnte jeweils bei einem großen Teil der Patienten Schmerzfreiheit erreicht werden, entweder mit chirurgischen, endoskopischen oder mit perkutanen Drainageverfahren. Da in diesen retrospektiven Serien eine hohe Rate an Schmerzfreiheit erreicht werden konnte (etwa 80 %), kamen alle drei systematischen Übersichtsarbeiten zu dem Ergebnis, dass zwar auch eine konservative Therapie der chronischen Pankreatitis in einem gewissen Prozentsatz der Patienten zur Schmerzfreiheit führt, jedoch die perkutane, endoskopische und chirurgische Drainage die effektivere Schmerztherapie darstellen. Im Vergleich der drei Verfahren lässt sich aus den publizierten Daten kein signifikanter Unterschied ableiten. Zusammenfassend ist nach derzeit geringer Datenlage dennoch davon auszugehen, dass eine Pseudozystendrainage die Schmerzen der Patienten bessert. Entsprechende randomisierte kontrollierte Studien stehen immer noch aus.
Noch spärlicher ist die Datenlage zur geeigneten therapeutischen Intervention bei anderen Komplikationen durch Pankreaspseudozysten. Führen diese zu einer Stenose von Gallengang oder Pankreasgang, so sollten sie behandelt werden. Klingt die Cholestase durch Pseudozystendrainage alleine nicht ab, kann auch eine Stenteinlage in den Gallengang oder ein resezierendes Verfahren indiziert sein. Als Komplikationen, die eine endoskopische oder operative Therapie der Pseudozyste veranlassen, sind die in Tab. 1 genannten zu werten.
Tab. 1
Komplikationen von Pankreaspseudozysten
– Cholestase durch Kompression des Ductus choledochus
– Pankreasgangverlegung durch die Pseudozyste
– Kompression großer abdomineller Gefäße
– Klinisch relevante Magenausgangstenose oder Duodenalstenose
– Superinfektion der Pankreaspseudozyste
– Pankreaticopleurale Fistel
– Völlefühl, Übelkeit und Erbrechen durch die Pankreaspseudozyste
– Einblutung einer Pseudozyste
Die endoskopisch-interventionelle Therapie von eingebluteten Pseudozysten ist mit einem hohen Nachblutungsrisiko verbunden. Eingeblutete Pseudozysten sollten daher chirurgisch und mit der Möglichkeit der Butstillung therapiert werden. Ein vorheriger angiographischer Verschluss der zur Pseudozyste führenden arteriellen Gefäße mittels thrombogener Spiralen wird zunehmend praktiziert.

Behandlung symptomatischer Pseudozysten

Bei symptomatischen Pankreaspseudozysten kann die initiale Therapie eine endoskopische Drainage der Pseudozysten darstellen, eine operative Therapie kann bei Rezidiv der Pseudozyste erfolgen. Die Wahl zwischen endoskopischer und operativer Pseudozystendrainage soll aufgrund der Zystenlokalisation und der Art zusätzlicher pathomorphologischer Veränderungen getroffen werden. Endoskopische Verfahren zur Drainage von Pankreaspseudozysten sind komplikationsärmer als operative Verfahren. Nicht alle Pseudozysten lassen sich jedoch dauerhaft erfolgreich durch eine alleinige endoskopische Pseudozystendrainage drainieren und erfordern dann ein operatives Vorgehen. Studien, die beide Verfahren vergleichen, liegen nicht vor. Angestrebt wird immer ein interdisziplinäres Therapiekonzept (Barthet et al. 2008). Vor allem Pseudozysten, die mehrfach gekammert sind, multiple Pseudozysten und Pseudozysten, die weit ins kleine Becken reichen, sind oftmals einer chirurgischen Therapie zugänglicher als der endoskopischen Therapie.

Behandlung asymptomatischer Pseudozysten

Asymptomatische Pankreaspseudozysten, die einen Durchmesser von mehr als 5 cm haben und sich innerhalb von sechs Wochen nicht zurückbilden, können endoskopisch oder operativ behandelt werden. Pankreaspseudozysten, die in bildgebenden Verfahren von einer bindegewebigen Wand von mehr als 5 mm umgeben sind, eignen sich besonders für eine endoskopische oder operative Drainage. Gouyon konnte in einer multivariaten Analyse zeigen, dass eine Pseudozystengröße kleiner 4 cm der einzig prognostisch günstige Faktor für eine spontane Rückbildung ist. Bradley et al. konnten zeigen, dass unbehandelte Zysten größer als 5 cm in 41 % der Fälle zu Komplikationen (Ruptur, Infektion, Ikterus oder Einblutung) führen (Bradley et al. 1979).

Wahl des Verfahrens zur Pseudozystendrainage

Die Drainage von Pseudozysten kann transgastral, transduodenal oder transpapillär durchgeführt werden. Eine perkutane Drainage ist ebenfalls möglich, jedoch mit dem Risiko einer externen Fistelbildung verbunden und für die Patienten belastender als eine interne Drainage. Für die endoskopisch-transmurale Drainage von Pseudozysten sollte der Untersucher den Zugangsweg wählen, der ihm bei der Beurteilung durch den endoskopischen Ultraschall am sichersten erscheint. Dies hängt von der Größe, der Gefäßnachbarschaft und der Lokalisation der Pseudozyste ab. Vergleichende Untersuchungen, die eine Überlegenheit des endoskopischen Zugangsweges entweder durch die Magen- oder Duodenalwand zeigen würden, liegen nicht vor. Transkutane Drainagen beinhalten erfahrungsgemäß das Risiko einer persistierenden kutanen Fistelbildung. Darüber hinaus kann die liegende transkutane Drainage die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigen. Ist die Drainage von Pseudozysten indiziert, ist daher die endoskopische transmurale Drainage zu bevorzugen (Hoffmeister et al. 2012).

Die Rolle des endoskopischen Ultraschalls

Transmurale Punktionen sollten immer mit endosonographischer Kontrolle erfolgen. Die Endosonographie stellt ein Verfahren dar, mit dem die Wandbeschaffenheit, der Inhalt, die Lokalisation und die Beziehung zu benachbarten Blutgefässen am besten beurteilt werden kann. Zur Verringerung der Rate an Fehlpunktionen und Komplikationen sollte daher die endoskopische transmurale Punktion immer unter endosonographischer Kontrolle erfolgen (Varadarajulu et al. 2008). Die Erfolgsrate wird bei den 1126 Patienten mit transmuraler Drainage einer Pankreaspseudozyste mit 79,2 % angegeben, wobei die neueren Studien von Erfolgsraten von deutlich über 85 % berichten, welches den chirurgischen Ergebnissen entspricht. Die Letalitätsrate in größeren Serien mit über 30 Patienten liegt bei 0,2 %. Die Rezidivrate wird mit 7,6 % und die Komplikationsrate mit 12,8 % angegeben (Lerch et al. 2009; Hoffmeister et al. 2012; Mayerle et al. 2013).

Die Rolle der diagnostischen Punktion zystischer Läsionen

Eine diagnostische Zystenpunktion kann bei Verdacht auf einen infizierten Zysteninhalt oder einem Neoplasieverdacht erfolgen. Führt die diagnostische Zystenpunktion zum Nachweis einer Infektion des Zysteninhaltes, so ist die Drainage der Pseudozyste indiziert. Bei Nachweis von Malignität sollte eine operative Therapie erfolgen. Die diagnostische Punktion einer Pseudozyste mittels EUS hilft bei der Unterscheidung zwischen zystischen Malignomen und Pseudozysten. Kurz zusammengefasst: Ergibt die EUS-gestützte Punktion einer Zyste ein CEA >400 ng/ml, eine variable erhöhte oder niedrige Amylase (Lipase), eine hohe Viskosität, Muzin oder epitheliale Zellen im Zysteninhalt, so muss vom Vorliegen einer muzinösen Neoplasie ausgegangen werden. Das Kap. Zystische Neoplasien des Pankreas erläutert die Differenzialdiagnostik und Therapie dieser prämalignen Läsionen im Detail.

Umgang mit malignomverdächtigen zystischen Läsionen

Bei Verdacht auf einen malignen zystischen Prozess soll ein chirurgisches Vorgehen gewählt werden. In 1 % aller CT-Untersuchungen des Abdomens findet sich eine zystische Läsion des Pankreas als Zufallsbefund (Spinelli et al. 2004). Mehr als zwei Drittel dieser Läsionen entsprechen dysontogenetischen Zysten oder Pankreaspseudozysten. In populationsbasierten Untersuchungen mittels MRT/MRCP liegt die Prävalenz von zystischen Läsionen des Pankreas sogar bei 27 % (Bülow et al. 2014), wobei es sich überwiegend um sehr kleine Zysten ohne klinische Relevanz handelt. Die Prävalenz von Pankreaspseudozysten bei der chronischen Pankreatitis liegt bei 20–40 %. Von den zystischen Läsionen, die keine Pankreaspseudozyste darstellen, sondern echte zystische Neoplasien sind, entsprechen 30 % benignen serösen Zystadenomen, 45 % der resezierten Läsionen muzinös-zystischen Tumoren und 25 % intraduktalen papillär muzinösen zystische Azinuszellkarzinome. Zur Einordnung der Artdiagnose mit zystischen Tumoren bei symptomlosen Patienten ist die Frage des Ganganschlusses (IPMN und Pankreaspseudozyste) und der Größe der zystischen Läsion (Indikation zur Resektion bei IPMN oder Therapieindikation bei Pseudozyste) wesentlich. Die diagnostische Punktion einer zystischen Läsion mittels EUS hilft bei der Unterscheidung zwischen Prämalignom, Malignom und Pseudozyste.
Eine dringliche Indikation zum operativen Vorgehen besteht immer bei Verdacht auf ein Malignom oder eine Vorstufe eines Malignoms, da hier Heilung erzielt werden kann und bei malignen Befunden nach Resektion das 5-Jahres-Überleben bei 63 % liegt (Megibow et al. 2011; Werner et al. 2011).

Transpapilläre oder transmurale Pseudozystendrainage

Vor endoskopischer oder chirurgischer Pseudozystendrainage kann eine Darstellung des Pankreasgangs erfolgen. Ob vor einer transgastralen oder transduodenalen Zystendrainage eine ERCP mit dem Versuch einer Ableitung der Pseudozyste über die Papille durchgeführt werden soll, wird noch kontrovers diskutiert. Einerseits ist die Ableitung der Pseudozyste über einen Stent im Pankreasgang die „physiologischste“ Drainage. Je nach Studie weisen 22–57 % der Pankreaspseudozysten eine Verbindung mit dem Pankreasgangsystem (Nealon und Walser 2003) auf. Eine endoskopisch-retrograde Pankreatikographie (ERP) kann nach heutigem Stand zum Nachweis einer Gangverbindung oder zum Ausschluss einer Pankreasgangruptur (8 % nach akuter nekrotisierender Pankreatitis) einer endoskopischen transmuralen Drainage vorausgehen. Eine transmurale Drainage bei nicht erkannter Pankreasgangruptur oder bei Anschluss der Pankreaspseudozyste an einen stenosierten Pankreasgang ist in Bezug auf einen langfristigen Therapieerfolg weniger Erfolg versprechend. Anderseits liegt die Erfolgsquote der versuchten transpapillären Drainagen bei maximal 60 %. Ein solcher Versuch setzt den Patienten dem Risiko einer ERCP-induzierten Pankreatitis aus, wohingegen die direkte transgastrale oder transduodenale Zystendrainage sehr effektiv und komplikationsarm ist (Barthet et al. 1995). Unabdingbar ist eine periinterventionelle Antibiotikatherapie vor der ERCP, wenn der Verdacht auf Pankreaspseudozysten besteht oder diese die Indikation zur ERCP oder ERP darstellen. Bei Kommunikation mit dem Pankreasgangsystem besteht sonst die Gefahr einer Retention von infiziertem Kontrastmittel. Ohne Antibiotikaprophylaxe steigt die untersuchungsbedingte Inzidenz von infizierten Pseudozysten und Pankreasabszessen nach ERCP an (Barthet et al. 1995).

Zusammenfassung

  • Pankreaspseudozysten nach akuter oder bei chronischer Pankreatitis sind häufig.
  • Meist bilden sie sich spontan zurück und bedürfen keiner Behandlung.
  • Pseudozysten, die Symptome verursachen oder zu Komplikationen führen, sollten entweder endoskopisch-interventionell oder chirurgisch behandelt werden.
  • Asymptomatische Pseudozysten können behandelt werden, wenn sie sich innerhalb von sechs Wochen nicht zurückbilden oder größer als 5 cm im Durchmesser messen. Grund für die Behandlung ist die hohe Komplikationsrate großer Pseudozysten, auch wenn sie noch keine Symptome verursachen.
  • Die Einschätzung von Pankreaspseudozysten erfolgt am besten mittels EUS. Ebenso sollte eine endoskopisch-interventionelle Drainage nur unter EUS-Kontrolle erfolgen.
  • Eine Pseudozystendrainage sollte immer unter antibiotischer Abschirmung erfolgen.
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