DGIM Innere Medizin
Autoren
Rainer Wirth

Geriatrische Syndrome: Exsikkose/Dehydratation

Aufgrund eines regelhaft verminderten Durstgefühls und anderer Faktoren weisen alte Menschen eine besondere Vulnerabilität für einen Flüssigkeitsmangel auf. Exsikkose und Dehydratation gehören daher zu den häufigsten Diagnosen bei alten Patienten. Alle diagnostischen Kriterien weisen eine geringe Sensitivität und Spezifität auf, so dass die Diagnose eher aufgrund des Gesamtbildes, im Zweifel auch nach einer probatorischen Therapie, gestellt wird. Pathophysiologisch lassen sich zwei Typen der Dehydratation unterscheiden. Der Mangel an freiem Wasser führt zur hypertonen Dehydratation, die aufgrund der osmotischen Kompensation zu schwerwiegenden Konsequenzen für den gesamten Organismus führt. Der Verlust von Wasser mit Elektrolyten führt vordringlich zu den Symptomen einer Hypovolämie und lässt sich klinisch leichter erkennen und ausgleichen. Insgesamt kann die Symptomatik der Dehydratation sehr variabel und vielfältig sein. Wird die Dehydratation nicht erkannt, so entsteht rasch ein Teufelskreis, da die abnehmende Leistungsfähigkeit des Patienten weiterhin die Flüssigkeitsaufnahme verschlechtert. Dies kann binnen kurzer Zeit zu einer dramatischen Symptomatik führen.

Einleitung

Als Exsikkose oder auch Dehydratation bezeichnet man ganz allgemein einen unphysiologisch niedrigen Wassergehalt des Organismus. Der Körper eines erwachsenen Menschen besteht zu 55–65 % aus Wasser. Etwa zwei Drittel davon finden sich intrazellulär, ein Drittel extrazellulär. Als definitorisches Kriterium der Dehydratation kann das Gesamtkörperwasser allerdings nicht dienen, da dieses stark von der Körperzusammensetzung abhängig ist und damit eine hohe interindividuelle Variabilität aufweist. Die fettfreie Körpermasse (FFM) weist mit 73 % einen deutlich höheren Hydratisierungsgrad als die Fettmasse (FM) mit 15 % auf. Daher ist der prozentuale Wassergehalt des Organismus ganz wesentlich vom Verhältnis der FM und FFM abhängig. Dieses Verhältnis verschiebt sich mit zunehmendem Alter zugunsten der Fettmasse, so dass der Gesamtwassergehalt des menschlichen Organismus mit zunehmendem Alter physiologisch sinkt. Allerdings weist diese altersassoziierte Veränderung von Fettmasse und fettfreier Masse eine erhebliche interindividuelle Variabilität auf, so dass entsprechende Perzentilen weite Bereiche umfassen. Vor dem Hintergrund einer geringeren Muskelmasse und fettfreien Masse ist daher der Gesamtwassergehalt bei Frauen in der Regel niedriger als bei Männern. Die einzig logische Konsequenz dieser Abhängigkeit des Gesamtkörperwassers von der Muskel-Fett-Relation wäre die Bestimmung des Hydratisierungsgrad der fettfreien Masse, wozu bis heute allerdings kein routinetaugliches Messverfahren verfügbar ist. So bleibt die Diagnose der Dehydratation der klinischen Einschätzung vorbehalten und ist je nach Kontext mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet.

Definition

Als Exsikkose oder auch Dehydratation bezeichnet man allgemein einen unphysiologisch niedrigen Wassergehalt des Organismus, der in der Regel mit einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit des Betroffenen und ungünstigen klinischen Folgen verbunden ist. Die beiden Begriffe werden hier vollständig synonym verwand.

Pathophysiologie

Das Gesamtkörperwasser verteilt sich zu etwa 63 % auf den intrazellulären Raum und zu 37 % auf den extrazellulären Raum. Hierbei sind 27 % interstitiell, 7 % intravasal und 3 % des Wassers transzellulär (intestinal) lokalisiert. Eine isolierte Verminderung des Wassergehaltes des intravasalen Raumes wird auch als Hypovolämie bezeichnet. Die Wasserhomöostase wird von zahlreichen Komponenten der Wasserzufuhr und -abgabe beeinflusst (Abb. 1). Man geht bei gesunden Senioren von einer physiologischen Flüssigkeitszufuhr von mindestens 30 ml/kg Körpergewicht aus. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei durchschnittlicher Ernährung ein Drittel des Flüssigkeitsbedarfs über die feste Nahrung gedeckt wird.
Nach gegenwärtigem Kenntnisstand wird die Wasserhomöostase im Wesentlichen über die Aufrechterhaltung der Osmolalität und Isovolämie des intravasalen Raumes reguliert. Über Baro- und Chemosensoren vermittelt, führen Volumenmangel und eine erhöhte Serumosmolalität über eine ADH-Sekretion zur Antidiurese und zu Durst, wobei weitere Signalkaskaden des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und der natriuretischen Peptide in diese Regulation der Diurese eingreifen.
Je nach Ursache und Geschwindigkeit der Entwicklung einer Dehydratation ergeben sich daraus unterschiedliche Konsequenzen für den Flüssigkeitsstatus der verschiedenen Kompartimente. Bei erhöhten Verlusten isotoner Flüssigkeit, also von Wasser und Elektrolyten, kommt es zunächst vorwiegend zu einem Volumenverlust des intravasalen Raumes, also zur Hypovolämie. Nur bei Verlusten oder unzureichender Aufnahme freien Wassers kommt es zu einer hypertonen Flüssigkeitsdepletion des extrazellulären Raumes, die unmittelbar zu einer osmotisch bedingten Flüssigkeitsverlagerung aus dem intrazellulären Raum führt. Im ersten Fall finden sich zunächst die typischen Symptome der Hypovolämie. Im zweiten Fall ist eine weiterreichende Funktionsstörung auch auf zellulärer Ebene zu erwarten. In beiden Fällen wird kompensatorisch die Harnkonzentration durch vermehrte Salz- und Wasserreabsorption in der Niere initiiert.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine wesentliche Ursache für die Vulnerabilität älterer Menschen gegenüber Dehydratation, ist ein im Alter physiologisch vermindertes Durstgefühl, welches im Sinne einer verringerten Osmosensitivität erklärt werden kann (Phillips et al. 1984, 1991). Darüber hinaus existieren zahlreiche Symptome mannigfaltiger Erkrankungen, die als potenzielle Ursachen zur Entstehung einer Dehydratation beitragen können (Tab. 1). Neben Erkrankungen mit Diarrhö oder Fieber als Ursachen für einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf spielen Dysphagie und Harninkontinenz eine herausragende Rolle bei den Ursachen einer verminderten Flüssigkeitszufuhr. Eine oropharyngeale Dysphagie besteht oft vordringlich für flüssige Nahrungskonsistenz, da diese oft unkontrolliert den Rachen passiert bevor der Schluckreflex die Schluckmotorik triggern kann. Durch die konsekutiven Hustenanfälle im Rahmen von Aspirationsepisoden kommt es zu einer unwillkürlichen Reduktion der Flüssigkeitsaufnahme, um diese unangenehmen und oft quälenden Hustenanfälle zu vermeiden. Auch die kompensatorischen Therapiemaßnahmen z. B. im Sinne einer Andickung von Getränken kann eine suffiziente Flüssigkeitsaufnahme u. U. stark beeinträchtigen (Whelan 2001).
Tab. 1
Ursachen der Dehydratation
Verringerte Flüssigkeitsaufnahme
Erhöhter Flüssigkeitsbedarf
Depression
Diarrhoe, Ileostoma, Darmfisteln
Immobilität
Erbrechen
Vermindertes Durstgefühl
Diuretika, entgleister Diabetes
Dysphagie
Harninkontinenz
Fieber, Klimatische Faktoren
Eine überaktive Blase und gegebenenfalls Drangharninkontinenz führt demgegenüber häufig zu einer mehr oder weniger bewussten Reduktion der Flüssigkeitszufuhr, um Drang- und Inkontinenzepisoden generell oder aktivitätsbezogen zu reduzieren (Colling et al. 1994).
Eine nicht unwesentliche Rolle in der Entstehung der Dehydratation bei betagten Patienten stellt auch der erhöhte Flüssigkeitsbedarf bzw. die Volumenkontraktion durch den Gebrauch von Diuretika dar. Während bei jüngeren Patienten mit arterieller Hypertonie die Gabe von Diuretika meist großzügig in Kombinationstherapie erfolgt, empfehlen Experten diese bei der Therapie betagter Patienten allenfalls an die dritte Eskalationsstufe einer antihypertensiven Therapie zu setzen (Wehling 2013). Bei der langfristigen Therapie der Herzinsuffizienz wird bei alten Patienten häufig vernachlässigt, dass die diuretische Erhaltungstherapie meist nur die Hälfte bzw. ein Drittel der Dosis der akuten Rekompensationstherapie bedarf. Auch bei der symptomatischen Therapie von Ödemen anderer Ursache, wie z. B. bei postthrombotischem Syndrom werden oft falsch indiziert Diuretika verschrieben, die zu einer latenten oder manifesten Exsikkose führen.

Folgen der Dehydratation

Die Folgen der Dehydratation sind vielfältig (Tab. 2). Zunächst kommt es zur Aktivierung von entsprechenden Kompensationsmechanismen um das intravasale Volumen und damit wichtige Organfunktionen aufrecht zu erhalten. Neben einer Einschränkung der Diurese mit konsekutiver Harnkonzentration und ggf. Retention harnpflichtiger Substanzen aktiviert der Organismus weitere Kompensationsmechanismen im Sinne einer reduzierten Schweiß- und Speichelproduktion. Klinisch bedeutsam und sicher unterschätzt ist die Mobilisierung der Flüssigkeit aus dem transzellulären Raum, die als wesentliche Ursache der chronischen Obstipation im Alter anzusehen ist. Schon die initiale Reduktion der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit kann angesichts der erhöhten Vulnerabilität alter Menschen zu erheblichen Sekundärfolgen führen. Eine insuffiziente Orthostasereaktion als häufige Ursache von Stürzen mit ggf. konsekutiven Frakturen sei hier nur beispielhaft erwähnt. Aufgrund der vielfältigen und z. T. lebensbedrohlichen Folgen haben ältere Patienten mit Exsikkose, besonders bei hypertoner Dehydratation, eine vergleichsweise hohe Krankenhausmortalität (Molaschi et al. 1997). Bei älteren Menschen werden erste Symptome bereits bei einem Flüssigkeitsverlust von 1 % beobachtet. Spätestens ein Verlust von 5 % des Körperwassers führt zu einer schwerwiegenden klinischen Symptomatik.
Tab. 2
Folgen der Dehydratation
Unmittelbare Folgen
Potentielle Konsequenzen
Reduktion der Diurese
Aszendierende Harnwegsinfektionen, Nephrolithiasis, Urosepsis
Obstipation
Anorektale Insuffizienz, Ileus, Laxantienabusus
Einschränkung der kognitiven Leistung
Verlust der Selbständigkeit, Delir
Schwäche, Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Antriebslosigkeit, Immobilität, Stürze
Hypotonie, Orthostasesyndrom
Schwindel, Stürze, Frakturen
Erhöhter Hämatokrit, Hyperkoagulabilität
Phlebothrombose, Lungenarterienembolie, Myokardinfarkt, Apoplex
Verminderte Schweißproduktion
Verminderte Speichelproduktion
Mundtrockenheit, Dysphagie
Verminderte Medikamenten-Clearance
Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen

Epidemiologie

Epidemiologische Daten zur Dehydratation in den Industrienationen sind kaum verfügbar und wegen einer fehlenden allgemeingültigen Definition kaum verlässlich (Stookey et al. 2005).
Buffa et al. geben in einer lokalen italienischen Studie mit bioelektrischer Impedanzanalyse bei 200 Probanden über 70 Jahren eine Prävalenz von 11,2 % in der über 70-jährigen gesunden Bevölkerung an (Buffa et al. 2010).
Volkert et al. haben in einer repräsentativen Studie an 1372 nicht institutionalisierten Senioren im Alter von über 65 Jahren für Deutschland gezeigt, dass ein Drittel der älteren Menschen die Zufuhrempfehlungen für die Gesamtwasseraufnahme nicht erreichen (Volkert et al. 2005). In dieser Studie fand sich eine mit dem Alter deutlich ansteigende Prävalenz einer unzureichenden Zufuhr (65–74 Jahre 33 %, 75–84 Jahre 44 %, >84 Jahre 51 %). Angesichts von international sehr uneinheitlichen Zufuhrempfehlungen und eines interindividuell sehr variablen Bedarfs bleibt die Prävalenz einer manifesten Dehydratation allerdings unklar.
Zweifellos wird Exsikkose für einen erheblichen Teil der Krankenhausaufnahmen alter Patienten verantwortlich gemacht. Wakefield et al. geben die Prävalenz der Dehydratation mit 0,55 % aller Krankenhausaufnahmen beim erwachsenen Patienten an (Wakefield et al. 2008). Diese Zahl wir in Kohorten von älteren Patienten deutlich überschritten. Mazza et al. fanden bei 7,8 % aller älteren Krankenhauspatienten die Diagnose Dehydratation (Mazza und Morley 2007). Die Prävalenz bei Seniorenheimbewohnern ist weitgehend unbekannt und stark abhängig vom jeweiligen nationalen Versorgungssystem.

Klinik

Das Leitsymptom der Dehydratation ist die zunehmende körperlichen Schwäche und Verschlechterung der kognitiven Funktion. Diese Symptomatik kann sich sowohl langsam schleichend wie auch plötzlich entwickeln. Je nach Vulnerabilität und Begleiterkrankungen des Patienten kann die konkrete Symptomatik jedoch sehr variabel ausfallen. Je nachdem ob es sich ursächlich um einen reinen Wassermangel oder einen Wasser- und Elektrolytmangel handelt, entwickelt sich eine hypertone oder eine isotone Dehydratation (Thomas et al. 2008). Allen Formen der Dehydratation ist eigen, dass die zunehmende Schwäche der Patienten unbehandelt regelhaft zu einer weiteren Reduktion der Flüssigkeitszufuhr führt, die dann im Sinne eines Teufelskreises zu einer raschen und oft dramatischen Zunahme der Symptomatik beiträgt (Abb. 2).

Diagnostik

Risikofaktoren

Alter, Pflegebedürftigkeit, kognitive Störungen, Depression, Diuretika, sedierende Medikation, Dysphagie, Fieber, Diarrhöe, Erbrechen, Ileostoma, Hitzeperioden und Harninkontinenz gelten als Risikofaktoren der Dehydratation. Bei Vorliegen einer oder mehrerer Risikofaktoren sollte an das mögliche Vorliegen einer Dehydratation gedacht und ggf. gezielt danach gesucht werden.

Symptome

Häufige Symptome der Dehydratation sind Schwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Orthostasesyndrom, plötzliche Verwirrtheit, Obstipation, dunkler Urin, trockene Haut und Schleimhäute bis hin zu Fieber und Zentralisation des Kreislaufs. Letztendlich sollte jede kurzfristige Veränderung des Allgemeinzustandes beim alten Menschen zunächst an das Vorliegen einer Dehydratation denken lassen.

Klinische Zeichen und Befunde

Alle klinischen Zeichen und Symptome der Dehydratation sind unspezifisch und weisen eine geringe Sensitivität und Spezifität auf (McGee et al. 1999). Orthostase, reduzierter Hautturgor, Tachykardie, trockene Mundschleimhaut und Bewusstseinsveränderungen werden als wichtige Zeichen angesehen. Hierbei wird aber insbesondere der verminderte Hautturgor oft überbewertet, da der Verlust von subkutanem Fettgewebe und der elastischen Fasern im Alter generell zu einer deutlichen Verminderung des Hautturgors beitragen. Insbesondere auf dem Handrücken ist eine „stehende“ Hautfalte alles andere als pathognomonisch für eine Dehydratation, sondern eher Zeichen der typischen Altershaut, die durch den Verlust ihrer elastischen Fasern ihre Elastizität verloren hat. Ebenso ist die trockene Mundschleimhaut ein sehr unsicheres Zeichen. Das Fehlen einer trockenen Zunge macht eine Dehydratation sehr unwahrscheinlich. Das Vorliegen einer trockenen Zunge kann allerdings vielfältige Ursachen haben. Hier seien neben der Exsikkose nur die im Alter häufigen anticholinergen Arzneimittelnebenwirkungen und die Mundatmung genannt. Eine trockene Axilla scheint jedoch recht spezifisch zu sein, sofern diese vorhanden ist. Der Befund einer trockenen Axilla wies in einer entsprechenden Metaanalyse eine Sensitivität von 50 % und eine Spezifität von 82 % für das Vorliegen einer Dehydratation auf (Eaton et al. 1994).
Die körperliche Untersuchung kann den Verdacht auf eine Dehydratation sicherlich erhärten, insbesondere wenn mehrere der o. g. Zeichen zusammen mit einer verringerten Flüssigkeitsaufnahme oder erhöhten Flüssigkeitsverlusten einhergehen. Die Diagnose der Exsikkose sollte jedoch nicht ohne ergänzende Laboruntersuchungen gestellt werden.

Labordiagnostik

Ein wichtiges klinisches Zeichen der Dehydratation ist die Dunkelfärbung des Urins. Zur Beurteilung wurden entsprechend normierte Farbskalen entwickelt (Mentes et al. 2006). Aus verständlichen Gründen korreliert die Farbe des Urins allerdings nur bei weitgehend erhaltener Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance >50 ml/min) mit dem spezifischen Uringewicht und dem Hydratationsstatus älterer Menschen (Wakefield et al. 2002).
Bei Verdacht auf Dehydratation sollte ein Laborprogramm mindestens bestehend aus Hämatokrit, pH-Wert, Bicarbonat, Kreatinin, Harnstoff, Natrium, Kalium, Glucose und Osmolalität im Serum durchgeführt werden. Eine Hypernatriämie zeigt in der Regel den Verlust von freiem Wasser an. Ein normales oder erniedrigte Serumnatrium spricht ggf. eher für den Verlust von Salz und Wasser, wie z. B. durch die Wirkung von Diuretika oder bei Salzverlustniere.
Als pathognomonisch gilt bei erhaltener Nierenfunktion die Verschiebung der Harnstoff-Kreatinin-Ratio auf Werte über 20, da Harnstoff bei Dehydratation in vermehrtem Ausmaß rückresorbiert wird. Allerdings ist der Harnstoffspiegel ebenso abhängig von der Eiweißzufuhr und Nierenfunktion wie der Kreatininspiegel von der Muskelmasse und Nierenfunktion. Diese Einflussfaktoren sind jedoch insbesondere bei Betagten fast regelhaft beeinträchtigt, so dass diese Patienten auch mit einer nur leichten Niereninsuffizienz häufig auch ohne eine Dehydratation eine Harnstoff-Kreatinin-Ratio über 20 aufweisen.

Apparative Diagnostik

Sonographie

Durch die sonographische Bestimmung des Durchmessers der V. cava inferior und deren inspiratorischer Kollaps kann das intravasale Volumen bzw. der zentrale Venendruck grob abgeschätzt werden. Abhängig von Messort und Position des Patienten kann der Durchmesser bei Gesunden wenige Millimeter bis 27 mm betragen (Sienz et al. 2012). Im Mittel findet sich ein Durchmesser der VCI von 14 mm und ein inspiratorischer Kollaps bei normaler Atmung von 35 % (Blehar et al. 2012). Eine echte Quantifizierung gelingt jedoch nur, wenn der Durchmesser der Vena cava inferior auf die Körpergröße bzw. die Körperoberfläche bezogen wird und zusätzlich ein Kollaps-Index bei tiefer Inspiration berechnet wird, wie an Dialysepatienten gezeigt werden konnte (Cheriex et al. 1989). Hierbei fand sich bei Dehydratation ein Kollapsindex von über 75 % bei tiefer Inspiration.

Bioelektrische Impedanzanalyse

Die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) erlaubt über die Messung der Konduktivität des Organismus relativ zuverlässige Aussagen über das Gesamtkörperwasser (Battistini et al. 1995; Martinoli et al. 2003) und ist daher eine valide Methode zur intraindividuellen Verlaufsbeobachtung des Gesamtkörperwassers. Unabhängig von Verlaufsbeobachtungen ist die BIA bisher allerdings ungeeignet Patienten mit Dehydratation mit ausreichender Sicherheit zu identifizieren (Rösler et al. 2010). Aufgrund der oben getroffenen Aussagen ist das Gesamtkörperwasser stark abhängig von der Relation der Fettmasse und der fettfreien Masse, die interindividuell erheblich schwanken kann.

Therapie

Das Ausmaß des zusätzlichen Flüssigkeitsbedarfs bei Dehydratation kann nur über einen bekannten kurzfristigen Gewichtsverlust annähernd genau abgeschätzt werden. Da dessen Ausmaß meist nicht bekannt ist bleibt nur eine grobe klinische Einschätzung, bei der das Risiko einer evtl. Flüssigkeitsüberladung zu berücksichtigen ist. Im Falle einer Hypernatriämie im Sinne einer hypertonen Dehydratation sollte nicht ausschließlich freies Wasser in Form von Glukoselösung verabreicht werden und auf eine sehr langsame Absenkung des Serumnatriums geachtet werden. Keinesfalls sollte das Serum-Natrium beim älteren Menschen um mehr als 5 mmol/l pro Tag gesenkt werden. Ansonsten besteht die Gefahr eines Hirnödems und einer pontinen Myolinolyse (Go et al. 1994; Levin et al. 2012). Bei isotoner Dehydratation werden ausschließlich isotone Elektrolytlösungen verabreicht.
Die Flüssigkeitssupplementation kann sowohl oral, intestinal, subkutan wie auch intravenös erfolgen. Eine ausreichende orale Rehydratation gelingt beim alten Menschen in der Regel nicht. Die Therapie im Krankenhaus sollte in der Regel intravenös erfolgen. Allerdings kann in besonderen Situationen, wie z. B. einem hyperaktiven Delir mit akzidenteller Entfernung von Kanülen und Sonden, eine subkutane Infusion (s. u.) sinnvoll sein. In der Regel sollte die Therapie nur kurzeitig über wenige Tage notwendig sein. In besonderen klinischen Situationen, z. B. bei starken Flüssigkeitsverlusten über eine Ileostoma, kann jedoch auch eine dauerhafte Therapie über eine PEG-Sonde oder ein Port-System notwendig sein.
Bei moderater Dehydratation oder in speziellen klinischen Situationen können täglich bis zu 2000 ml Elektrolytlösung problemlos subkutan infundiert werden. Die geringe Invasivität macht diese Methode besonders für die Therapie im Seniorenheim attraktiv (Leischker 2012). Die subkutane Infusion wird seit über 50 Jahren in der Medizin sicher praktiziert. Hierzu wird an Rumpf oder Oberschenkel eine schmallumige Venenkanüle subkutan eingebracht und fixiert (Abb. 3). Isotone oder hypotone Elektrolytlösungen können dann per Schwerkraft mit einer Infusionsgeschwindigkeit von bis zu 150 ml/h appliziert werden. Sollten selten tatsächlich größere Flussgeschwindigkeiten notwendig sein, so wird empfohlen der Infusion Hyaluronidase hinzuzufügen.

Besondere Aspekte

Eine Dehydratation findet sich auch regelhaft in der Terminalphase einer Erkrankung. Hier besteht aufgrund des meist rein palliativen Therapieansatzes eine besondere Situation. Beispielhaft sei hier das fortgeschrittene Stadium einer Demenzrerkrankung (Reisberg-Stadium 6 und 7) als besondere Situation genannt. Hier sind die betroffenen Senioren tatsächlich auf ein ausreichendes Angebot von Flüssigkeit und entsprechende Hilfen bei der Zufuhr angewiesen. Auf der anderen Seite ist die Prognose und Lebensqualität spätestens im Reisberg-Stadium 7 so stark eingeschränkt, dass eine invasive Zufuhr von Flüssigkeit weder ethisch noch medizinisch gerechtfertigt und sinnvoll scheint. Das Gleiche gilt für die palliative Terminalphase anderer Erkrankungen. Hier sollte der Fokus ausschließlich auf die Symptomlinderung gelegt werden. Äußert der Patient kein Durstgefühl, so sollte auch keine Flüssigkeit künstlich zugeführt werden. Die Symptome trockener Schleimhäute werden durch eine minimale orale Flüssigkeitszufuhr deutlich stärker gelindert als durch eine parenterale Flüssigkeitssubstitution (McCann et al. 1994). Zudem kann die Verstärkung des „Todesrasselns“ durch eine künstliche Flüssigkeitszufuhr (Nakajima et al. 2013) in der Sterbephase zu einer erheblichen Belastung für Patienten und Angehörige werden.
Dehydratation wird insbesondere bei Pflegeheimbewohnern häufig mit einer unzureichenden pflegerischen Fürsorge in Verbindung gebracht. Tatsächlich kann ein Pflegeheimbewohner dehydrieren, wenn ihm nicht genügend Flüssigkeit angeboten wird oder nicht ausreichend zur Flüssigkeitsaufnahme ermuntert wird. Ganz wesentlich und primär sind jedoch die akuten und chronischen Erkrankungen eines Seniorenheimbewohners für die verringerte Flüssigkeitsaufnahme bzw. den erhöhten Bedarf verantwortlich. Exsikkose vorwiegend als Pflegeproblem oder gar Pflegefehler anzusehen kann zu irrationalen diagnostischen Einschätzungen und unsinnigen therapeutischen Prozeduren im Sinne einer Über- und Untertherapie führen. Hier wäre es eher angebracht, die für die Dehydratation verantwortlichen Erkrankungen des Patienten als Ursache wahrzunehmen und zu benennen und vor diesem Hintergrund eine bestmögliche Dehydratationsprophylaxe durchzuführen.
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