DGIM Innere Medizin
Autoren
Irene Ritter-Weilemann

Intoxikationen durch Pflanzen

Im Rahmen von Intoxikationen beim Menschen haben Pflanzen insbesondere im Kindesalter eine große Bedeutung. Die Einschätzung der Gefährlichkeit der Pflanzen beruht auf der explorativen Datenanalyse jahrzehntelanger systematisierter Erfassung von Pflanzeningestionen in einer speziell hierfür modifizierten Datenbank der Giftinformationszentrale Mainz. Die Behandlung besteht vor allem aus einer Flüssigkeitstherapie und in Einzelfällen aus der Gabe medizinischer Kohle. Nur in vereinzelten Sonderfällen könnte „Erbrechen lassen“ notwendig sein, aber die Behandlung muss immer unter ärztlicher Überwachung erfolgen. Eine Magenspülung ist nahezu obsolet. Bei Unklarheiten und/oder schwererer Symptomatik sollte Kontakt zu einer Giftinformationszentrale aufgenommen werden. Die Früchteampel bietet einen raschen Überblick zur eventuellen Gefährdung durch die am häufigsten in der Beratung nachgefragten Pflanzen.

Einleitung

Im Rahmen von Intoxikationen beim Menschen haben neben Haushaltsprodukten und Medikamenten die Pflanzen insbesondere im Kindesalter eine große Bedeutung.
Zahlreiche Nachschlagewerke (Frohne und Jensen 1998; Mutschler et al. 2013; Teuscher und U. Lindequist, 1994) geben einen genauen Überblick über botanische und auch pharmakologische Daten, in denen die Pflanzeninhaltsstoffe sowohl in ihrer chemischen Struktur als auch in ihrer möglichen Wirkung dargestellt werden. Aber theoretische Abhandlungen werden nicht in allen Fällen durch praktische Analysen bestätigt. Vielfach führen auch in älterer Literatur (Hiller und Bickerich 1997; Nowack 1998; Wirth und Gloxhuber 1994) Beschreibungen von Einzelfällen oder nicht mehr zu klärende Missverständnisse bei der genauen Abklärung der Vergiftungsumstände, der eingenommenen Menge oder des speziellen Pflanzenteils zur Überbewertung der Gefährlichkeit der Pflanzen. Die Gefahr besteht dann, dass eine dadurch empfohlene Therapie zu aggressiv oder überhaupt obsolet ist und oft mit mehr Nebenwirkungen und Komplikationen behaftet ist, als die Pflanzeningestion selbst hervorrufen könnte. Aus diesem Grund erfolgt die Darstellung der Pflanzenproblematik nicht ausschließlich unter botanischen oder pharmakologischen Gesichtspunkten der Inhaltsstoffe, sondern unter der qualitativen und quantitativen Auswertung bei Ingestion. Dabei beruht die Einschätzung der Gefährlichkeit auf der explorativen Datenanalyse jahrzehntelanger systematisierter Erfassung von Pflanzeningestionen in einer speziell hierfür modifizierten Datenbank der Giftinformationszentrale Mainz. Die folgenden Daten und Grafiken geben dazu eine Übersicht.

Datenanalyse der Datenbank der Giftinformationszentrale Mainz

Der Ausarbeitung werden 43.614 Beratungsdaten aus den Jahren von 1995 bis 2011 zugrunde gelegt. Dabei werden nur aktuelle Beratungsfälle, keine prophylaktischen Anfragen, Gutachten, keine Tiervergiftungsfälle oder Informationen zu Pflanzen mit eingerechnet.

Ätiologie und Schweregradverteilung

Abb. 1 zeigt mit 92,4 % (das sind 40.298 Fälle) den hervorstechenden Anteil an akzidentellen Ursachen. An zweiter Stelle mit 5,09 % (das sind 2218 Fälle) stehen die Beratungen wegen missbräuchlicher Anwendung, diesen folgen mit 1,62 % (das sind 707 Fälle) Vergiftungen in suizidaler/parasuizidaler Absicht. Alle anderen Ursachen liegen mit unter 0,5 % weit dahinter.
In der Abb. 2 ist die Verteilung auf der Basis aller 43.614 Beratungsfälle wiedergegeben. Nahezu 73 % zeigen keine Symptome und 22 % nur eine leichte Symptomatik, mittelschwere ca. 4 % und schwere Symptomatik ca. 0,4 %. Die zum Zeitpunkt der Beratung nicht gesicherten Symptome gehen hier nicht mit in die Bewertung ein.
Betrachtet man nun nur die über 90 % akzidentellen Fälle, so zeigt Abb. 3 folgende Verteilung. Keine Symptome betreffen fast 78 %, leichte Symptome 19 %, mittelschwere Symptome 2,6 % und eine schwere Symptomatik zeigen nur 0,05 % der Fälle.
Die vorstehenden Auswertungen gelten für alle Altersgruppen. Im Folgenden wird nun die Altersgruppe bis 18 Jahre genauer betrachtet, da diese fast 85 % aller Fälle betrifft.
Abbildung 4 zeigt den Anteil akzidenteller Ursachen mit 98 %, darauf folgen 1,6 % mit missbräuchlicher Anwendung und 0,2 % in suizidal/parasuizidaler Absicht. In dieser Altersgruppe verteilen sich die Schweregrade der Symptomatik bei akzidenteller Ursache wie Abb. 5 verdeutlicht folgendermaßen: 83 % der Fälle zeigen keine Symptome, 15 % weisen eine leichte, 1,7 % eine mittelschwere und nur 0,01 % eine schwere Symptomatik auf.

Vergiftungen mit Todesfolge

In der Beratungspraxis über den gesamten Zeitraum sind neun Todesfälle zu verzeichnen. Nur zwei Fälle sind akzidenteller Ursache, sie beruhen auf der Verwechslung von Herbstzeitlose mit Bärlauch. Drei Fälle sind auf suizidale Absicht zurückzuführen, dabei werden in zwei Fällen Pflanzenteile der Eibe eingenommen, im dritten Fall werden Wurzelteile des Blauen Eisenhuts als Zubereitung verwendet. Auch die verbleibenden vier Fälle sind suizidaler oder missbräuchlicher Anwendung zuzurechnen.
Auf sehr stark giftige Pflanzen, die aber in der Beratungspraxis kaum vorkommen, wird im Weiteren nicht speziell eingegangen. Diese sind in der Mainzer Pflanzenliste mit erheblich gekennzeichnet.

Maßnahmen bei Vergiftungen durch Pflanzen

Allgemeine Hinweise

Zunächst gilt, die Kinder zu beruhigen, dann handeln und behandeln.
Bei Unklarheiten und/oder schwererer Symptomatik sollte Kontakt zu einer Giftinformationszentrale aufgenommen werden (z. B. Giftinfo Mainz, Tel. +49-613-119-240). Hierfür sollten die folgenden Fragen möglichst genau beantwortet werden können:
1.
Welche Pflanze wurde ingestiert?
  • Welche Pflanzenteile wurden eingenommen?
  • Wie viel davon wurden eingenommen?
 
2.
Alter des Patienten?
 

Therapie

Die Behandlung besteht vor allem aus einer Flüssigkeitstherapie und in Einzelfällen aus der Gabe medizinischer Kohle. Nur in vereinzelten Sonderfällen könnte „Erbrechen lassen“ notwendig sein, aber die Behandlung muss immer unter ärztlicher Überwachung erfolgen. Eine Magenspülung ist nahezu obsolet.

Flüssigkeitstherapie

Flüssigkeit (Tee oder Wasser, keine kohlensäurehaltigen Getränke) muss angeboten werden, um die Mundschleimhaut und den Ösophagus von eventuell reizenden oder ätzenden Inhaltsstoffen der Früchte frei zu spülen. Das Trinken darf jedoch nie erzwungen werden.

Medizinische Kohle

Die zusätzliche Gabe von medizinischer Kohle ist nur in einzelnen Fällen (z. B. bei großen Mengen oder gefährlichen Pflanzen) empfehlenswert. Daher erfolgt die Gabe nur in Absprache mit einer Giftinformationszentrale. Kohle ist in der Lage, gefährliche Substanzen an sich zu binden. Die empfohlene Dosierung wird mit 0,5–1 g pro kg Körpergewicht angegeben. Diese große Menge zu verabreichen, ist sehr häufig nicht durchführbar. Daher lautet die praktische Empfehlung für die Gabe von Kohle-Compretten: zehn Compretten zerdrücken, mit Wasser aufschwemmen und löffelweise in kleinen Portionen verabreichen.
Alternativ kommt das Fertigpräparat Ultracarbon zur Anwendung, das schluckweise verabreicht wird.
Nie die Einnahme erzwingen! Zeitnah nach der Einnahme muss der Arzt zur Kontrolle aufgesucht werden.

Früchteampel

In den folgenden Abschnitten wird die so genannte Früchteampel zugrunde gelegt (Abb. 6). Sie beruht auf den vorgenannten Auswertungen der Giftberatungspraxis und bietet einen raschen Überblick zur eventuellen Gefährdung durch die am häufigsten in der Beratung nachgefragten Pflanzen.
Die Früchteampel bezieht sich – wie der Name schon sagt – nur auf die Früchte der Pflanzen und die bei Vergiftung auftretenden häufigsten Symptome. Andere Pflanzenteile wie Blätter, Blüten, Wurzeln oder Stängel gehen hier nicht in die Bewertung ein. Bei der Früchteampel wird folgender Farbcode verwendet:
  • Rot: erhebliche Gefährdung
  • Gelb: mäßig bis mittlere Gefährdung
  • Grün: keine bis geringe Gefährdung
Bei Grenzfällen ist gelb-grün bzw. gelb-rot eingetragen.

Rote Früchte

Aronstab

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Arum sp.
  • Weitere deutsche Namen: Aronskelch, Aronskraut, Gemeiner Aron, Zehrwurz
  • Familie: Araceae (Aronstabgewächse)
  • Aussehen: Staude (Abb. 7)
  • Standort: Wälder

Berberitze

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Berberis sp.
  • Weitere deutsche Namen: Sauerdorn, Dreidorn, Erbselbeere, Reissbeere
  • Familie: Berberidaceae (Sauerdorngewächse)
  • Aussehen: Strauch mit Dornen, teils immergrün (Abb. 8)
  • Standort: Gebüsch, Gärten
  • Spezielles: Reife rote Beeren von Berberis vulgaris sind nicht giftig, sie sind alkaloidfrei und laut Literatur (Frohne und Pfänder 2004) genießbar. Bei anderen Berberisarten können die Samen Alkaloide enthalten.

Zaunrübe

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Bryonia sp.
  • Weitere deutsche Namen: Gichtrübe, Heckenrübe, Rossrübe, Teufelsrübe, Hundskürbis, falsche Alraun
  • Familie: Cucurbitaceae (Kürbisgewächse)
  • Aussehen: Kletterstaude (Abb. 9)
  • Standort: Hecken, Zäune, Gebüsch, Auwälder
  • Spezielles: Bei größeren Mengen besteht laut Literatur (von Mühlendahl et al. 2003) eine höhere Gefährdung.

Maiglöckchen

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Convallaria majalis
  • Weitere deutsche Namen: Maiglöckchen, Maischelle, Maiblume, Mairöschen, Marienblume
  • Familie: Liliaceae (Liliengewächse)
  • Aussehen: Staude (Abb. 10)
  • Standort: Wälder, Gärten
  • Spezielles: Herzglykoside in höchster Konzentration in der Blüte, nur etwa halb so viel in Blättern und Spuren im Fruchtfleisch. Aber insgesamt ist der Gehalt schwankend je nach Standort und Wachstumsperiode. Blumenwasser ist ungefährlich.

Kornelkirsche

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Cornus mas
  • Weitere deutsche Namen: Herlitze, Dirlitze, Gelber Hartriegel
  • Familie: Cornaceae (Hartriegelgewächse)
  • Aussehen: Strauch, Baum (Abb. 11)
  • Standort: Gärten, Gebüsch, Wälder

Zwergmispel

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Cotoneaster
  • Weitere deutsche Namen: Felsenmispel, Steinmispel, Bergmispel
  • Familie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Aussehen: Zwergstrauch, Strauch, Bodendecker (Abb. 12)
  • Standort: Ziergehölz, Gärten

Seidelbast

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Daphne sp.
  • Weitere deutsche Namen: Kellerhals, Heideröschen, Steinröschen, Wolfsbast
  • Familie: Thymelaeaceae (Seidelbastgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 13)
  • Standort: Gärten, Wälder, Gebüsch

Pfaffenhütchen

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Euonymus sp.
  • Weitere deutsche Namen: Pfaffenröschen, Pfaffenkäppchen, Spindelstrauch, Spillbaum
  • Familie: Celastraceae (Spindelbaumgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 14)
  • Standort: Gärten, Feldwege, Waldränder

Stechpalme

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Ilex sp.
  • Weitere deutsche Namen: Stechhülse, Hülse, Hülsdorn
  • Familie: Aquifoliaceae (Stechpalmengewächse)
  • Aussehen: Strauch, Baum (Abb. 15)
  • Standort: Gärten, Wälder
  • Spezielles: Häufig mit Mahonie verwechselt, diese hat aber blau-schwarze Früchte.

Heckenkirsche

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Lonicera sp.
  • Weitere deutsche Namen: Geißblatt, Heckenbeere, Hundskirsche
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 16)
  • Standort: Gärten, Hecken, Wälder
  • Spezielles: In der Literatur (Roth et al. 1994) werden auch schwerere Symptome beschrieben, die sich in der Praxis bei Einnahme geringer Mengen nicht beobachten lassen.

Feuerdorn

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Pyracantha coccinea
  • Weitere deutsche Namen: Europäischer Feuerdorn
  • Familie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Aussehen: Strauch, immergrün, mit Dornen (Abb. 17)
  • Standort: Gärten, Hecken, Straßenböschungen

Traubenholunder

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Sambucus racemosa
  • Weitere deutsche Namen: Roter Holunder, Hirschholler
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 18)
  • Standort: Gebüsche, Waldlichtungen

Nachtschatten, bittersüßer

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Solanum dulcamara
  • Weitere deutsche Namen: Bittersüß, Hundbeere, Mäuseholz
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Halbstaude, kletternd (Abb. 19)
  • Standort: Gebüsch, Waldränder
Spezielles: Gefährdung durch unreife (grüne) Früchte höher. Laut Literatur (von Mühlendahl et al. 2003) kann es bei größeren Mengen zu schwereren Symptomen kommen.

Vogelbeere

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Sorbus aucuparia
  • Weitere deutsche Namen: Eberesche, Drosselbeere
  • Familie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Aussehen: Strauch, Baum (Abb. 20)
  • Standort: Gärten, Straßenränder, Wälder

Eibe

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Taxus baccata
  • Weitere deutsche Namen: Kantelbaum, Ibe
  • Familie: Taxaceae (Eibengewächse)
  • Aussehen: Nadelgehölz (Abb. 21)
  • Standort: Gärten, Parks, Wälder
  • Spezielles: Nur die rote Samenhülle ist ungefährlich, die dunklen Samen sind gefährlich. Sie werden aber meist ausgespuckt und nur selten zerbissen, daher ist eine genaue Anamnese sehr wichtig.

Gemeiner Schneeball

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Viburnum opulus
  • Weitere deutsche Namen: Laurotinus, Schießbeerstrauch, Schwindelbeerbaum, Wasserholder
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 22)
  • Standort: Gärten, Parks, Waldränder

Schwarze Früchte

Tollkirsche

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Atropa belladonna
  • Weitere deutsche Namen: Schwindelkirsche, Schlafkirsche, Teufelskirsche, Walkerbeere, Wutbeere, Irrbeere, Wolfsbeere, Tollkraut, Waldnachtschatten
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Staude (Abb. 23)
  • Standort: Wälder, Parks
  • Spezielles: Verwechslung mit Wildkirschen, diese haben aber einen Stein.

Liguster

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Ligustrum vulgare
  • Weitere deutsche Namen: Zaunriegel, Rainweide, Tintenbeere
  • Familie: Oleaceae (Ölbaumgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 24)
  • Standort: Gärten, Hecken, Gebüsch

Lorbeerkirsche

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Prunus laurocerasus
  • Weitere deutsche Namen: Kirschlorbeer
  • Familie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Aussehen: Ziergehölz, immergrün (Abb. 25)
  • Standort: Gärten, Hecken, Parks
  • Spezielles: Schwerere Symptome sind möglich, wenn die Samen zerbissen werden.

Holunder, schwarz

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Sambucus nigra
  • Weitere deutsche Namen: Alhorn, Attich, Holderbusch, Flieder, Holler, Elder, Kisseke, Pisseke, Keilken, Zibke
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 26)
  • Standort: Gärten, Parks, Gebüsch, Wälder
  • Spezielles: Gekochte Früchte sind essbar.

Nachtschatten, schwarz

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Solanum nigrum
  • Weitere deutsche Namen: Schwarznachtschatten, Sautod
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Halbstaude, kletternd (Abb. 27)
  • Standort: Gebüsch, Wegränder, Waldränder
  • Spezielles: Die Früchte sind unreif grün und enthalten Alkaloide, diese lassen sich laut Literatur (Frohne und Pfänder 2004) aber in reifen Früchten nicht mehr nachweisen.

Korea-Schneeball

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Viburnum carlesii
  • Weitere deutsche Namen: Koreanischer Duftschneeball
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Zierstrauch (Abb. 28)
  • Standort: Gärten, Parks
  • Spezielles: Laut Literatur (Frohne und Pfänder 2004) können unreife Früchte häufiger zu Symptomen führen. Die unreifen Früchte dieser Schneeball-Art sind weißlich und rot, im Reifezustand dann schwarz.

Schwarz-blaue Früchte

Zwergmispel

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Cotoneaster sp.
  • Weitere deutsche Namen: Felsenmispel, Steinmispel, Bergmispel
  • Familie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Aussehen: Zwergstrauch, Strauch, Bodendecker (Abb. 29)
  • Standort: Ziergehölz, Gärten

Heckenkirsche

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Lonicera sp.
  • Weitere deutsche Namen: Geißblatt, Heckenbeere, Hundskirsche
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 30)
  • Standort: Gärten, Hecken, Wälder
  • Spezielles: In der Literatur (Roth et al. 1994) werden auch schwerere Symptome beschrieben, die sich in der Praxis bei Einnahme geringer Mengen nicht beobachten lassen.

Schwarz-blaugrüne Früchte

Efeu

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Hedera helix
  • Weitere deutsche Namen: Eifen, Eppich, Totenranke, Ewigefeu, Mauerefeu, Ives
  • Familie: Hederaceae (Efeugewächse)
  • Aussehen: Immergrüner Kletterstrauch (Abb. 31)
  • Standort: Gärten, Mauern, Parks, Wälder
  • Spezielles: In der Literatur (Lehnigk et al. 1989) werden auch schwerere Symptome beschrieben, die sich in der Praxis bei Einnahme geringer Mengen nicht beobachten lassen.

Schwarz-dunkelrote Früchte

Kermesbeere

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Phytolacca americana
  • Weitere deutsche Namen: Indianerhirse
  • Familie: Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • Aussehen: Krautige Staude (Abb. 32)
  • Standort: Gärten, Parks, Gebüsch
  • Spezielles: Einzelfrüchte werden mit Brombeeren verwechselt.

Blaubereifte Früchte

Mahonie

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Mahonia aquifolium
  • Weitere deutsche Namen: Stechdornblättrige Mahonie, Fiederberberitze
  • Familie: Berberidaceae (Sauerdorngewächse)
  • Aussehen: Strauch, immergrün (Abb. 33)
  • Standort: Gärten, Parks, Gebüsch, Wälder
  • Spezielles: Häufig mit Ilex (Stechpalme) verwechselt, diese hat aber rote Früchte.

Schwarze oder weiße Früchte

Hartriegel

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Cornus sp.
  • Weitere deutsche Namen: Hartriegel, Totentraube, Schietbeere
  • Familie: Cornaceae (Hartriegelgewächse)
  • Aussehen: Strauch, Baum (Abb. 34)
  • Standort: Gärten, Gebüsch, Wälder
  • Spezielles: Kontaktdermatitis ist möglich.

Weiße Früchte

Schneebeere

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Symphoricarpos albus
  • Weitere deutsche Namen: Knallerbse, Knackbeere
  • Familie: Caprifoliaceae (Geißblattgewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 35)
  • Standort: Gärten, Parks, Gebüsch
  • Spezielles: Kinder spielen gern mit den Früchten (Knallerbse). Andere Arten der Schneebeere, z. B. die Korallenbeere (Symphoricarpos orbiculatus), sind vom Gefährdungspotenzial her vergleichbar.

Mistel

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Viscum album
  • Weitere deutsche Namen: Hexenchrut, Hexenmistel, Leimmistel, Hexenbesen, Donnerbesen, Drudenfuß, Heiligkreuzholz, Affalter, Albranken, Birnäspel, Knisterholz, Leimholz, Vogelmistel
  • Familie: Viscaceae (Mistelgewächse)
  • Aussehen: Immergrüner Halbschmarotzer auf Bäumen (Abb. 36)
  • Standort: Wälder, Straßenränder, Parks
  • Spezielles: Misteln werden als weihnachtlicher Schmuck verwendet.

Spezielle Fruchtformen

Stechapfel

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Datura sp.
  • Weitere deutsche Namen: Stachelnuss, Teufelsapfel, Dornapfel, Tollkraut, Dorn-Asthma-Kraut, Zigeunerkraut, Donnerkugel
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Kraut (Abb. 37)
  • Standort: Schuttplätze, brachliegendes Kulturland
  • Spezielles: Die weitaus meisten Fälle beruhen auf missbräuchlicher Einnahme, dabei sind spezielle Zubereitungen zu Rauschzwecken besonders gefährlich. Lebensgefahr bei Missbrauch.

Engelstrompete

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Brugmansia sp.
  • Weitere deutsche Namen: Trompetenbaum, Daturabäumchen
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Strauch (Abb. 38)
  • Standort: Gärten, Terrassen, Parks als Zierpflanze mit prachtvollen trompetenförmigen, hängenden Blüten
  • Spezielles: Die weitaus meisten Fälle beruhen auf missbräuchlicher Einnahme, dabei sind spezielle Zubereitungen zu Rauschzwecken besonders gefährlich. Lebensgefahr bei Missbrauch.

Goldregen

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Laburnum anagyroides
  • Weitere deutsche Namen: Bohnenbaum, Bohnenstrauch, Kleebaum, Goldrausch
  • Familie: Fabaceae (Schmetterlingsblütler)
  • Aussehen: Zierstrauch (Abb. 39)
  • Standort: Parks, Gärten
  • Spezielles: Kinder nehmen häufig die „Bohnen“ (Samen) zum Spielen. Lebensgefahr bei Missbrauch.

Lampionblume

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Physalis sp.
  • Weitere deutsche Namen: Judenkirsche, Schlutte, Blasenkirsche
  • Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
  • Aussehen: Staude, auch einjährige Arten (Abb. 40)
  • Standort: Gärten, Parks, Gebüsch
  • Spezielles: Reife Früchte sind ungiftig.

Wicke/Platterbse

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Vicia sp./Lathyrus sp.
  • Weitere deutsche Namen: Wicke, Vogelwicke, Vogelerbse, Gartenwicke, Wohlriechende Platterbse
  • Familie: Fabaceae (Schmetterlingsblütler)
  • Aussehen: einjährige oder ausdauernde rankende Zierpflanze, Futterpflanze (Abb. 41)
  • Standort: Gärten, Parks, Ackerflächen
  • Spezielles: Zusammenhang mit der Enzymerkrankung: Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, auch Favismus/Lathyrismus genannt (Weisbrod 2007).

Blauregen

Botanische Informationen
  • Wissenschaftlicher Name: Wisteria sp.
  • Weitere deutsche Namen: Glycinie, Glyzine
  • Familie: Fabaceae (Schmetterlingsblütler)
  • Aussehen: Rankender, verholzter Strauch (Abb. 42)
  • Standort: Gärten, Hauswände, Alleen, Parks
  • Spezielles: In der Literatur (Frohne und Pfänder 2004) werden auch schwerere Symptome beschrieben, die sich in der Praxis bei Einnahme geringer Mengen nicht beobachten lassen (Abb. 42).
Literatur
Braun H (1974) Heilpflanzen- Lexikon für Ärzte und Apotheker; Anwendung, Wirkung und Toxikologie. 2. Aufl. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart
Brickell C, Barthlott W, The Royal Horticultural Society (2000) Dumont`s Grosse Pflanzenenzyklopädie A-Z, Band 1. 3. Aufl. DuMont Buchverlag, Köln
Frohne D, Jensen U (1998) Systematik des Pflanzenreichs; Unter besonderer Berücksichtigung chemischer Merkmale und pflanzlicher Drogen, 5. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH: Stuttgart
Frohne D, Pfänder HJ (2004) Giftpflanzen, ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen. 5. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart
HagerROM (2006) Springer Verlag, Heidelberg
Harvey J, Colin-Jones DG (1981) Misteltoe hepatitis. Brit Med J 282:186–187CrossRef
Hausen BM, Bröhan J, König WA, Faasch H, Bruhn G (1987) Alleric and irritant dermatitis from lalcarinol and didehydrofalcarinol in common ivy (Hedera helix L.). Contact Dermatitis 17:1–9CrossRefPubMed
Hausen BM, Vieluf IK (1997) Allergiepflanzen, Handbuch und Atlas, Kontaktallergene, Allergische Früherkennung. 2. Aufl. Nicol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg
Hiller K, Bickerich G (1997) Das farbige Buch der Arznei- und Giftpflanzen. Signa Verlag, Berlin
Hoppe HA (1975) Drogenkunde, Band 1 Angiospermen. 8. Aufl. Walter de Gruyter, Berlin/New York
Kingston DGI (1990) Samaranayake and C.A. Ivey: the chemistry of taxol, a clinically useful nanticancer agent. J Nat Prod 53(1):1–12CrossRef
Konopa J, Woynarowski LM, Lewandowska- Gumieniak (1980) Isolation of viscotoxins: cytotoxic basic polypeptides from Viscum album. Hoppe- Seyler`s. Z Physiol Chem 361(10):1525–1534CrossRef
Kuwajima H, Matsuuchi K, Takaishi K, Inoue K, Fujita T, Inouye H (1989) A secoiridoid glucoside from ligustrum japonicum. Phytochemistry 28(5):1400–1411CrossRef
Lehnigk A, Liebenow H, Liebenow K, Müller G (1989) Ist das giftig? Ein Ratgeber zu giftigen Pflanzen. 1. Aufl. VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin
Moeschlin S (1986) Klinik und Therapie der Vergiftungen. 7. Aufl. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York
Mutschler E, Geisslinger G, Kroemer HK, Menzel S, Roth P (2013) Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart
von Mühlendahl KE, Oberdisse U, Bunjes R, Brockstedt M (2003) Vergiftungen im Kindesalter. 4. Aufl. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York
Nahrstedt A (1973) Cyanogenesis in Cotoneaster-Arten. Phytochemistry 12:1539–1542CrossRef
Nowack R (1998) Notfallhandbuch Giftpflanzen: ein Bestimmungsbuch für Ärzte und Apotheker. Springer- Verlag, Berlin/HeidelbergCrossRef
Rätsch C (1998) Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung. 1. Aufl. AT Verlag, Aarau/Schweiz
Rodriges TD, Johnson PN, Jeffrey LP (1984) Holly berry ingestion: case report. Vet Hum Toxicol 26(2):157–158
Roth L, Daunderer M, Kormann K (1994) Giftpflanzen- Pflanzengifte, Giftpflanzen von A-Z, Notfallhilfe, Vorkommen, Wirkung, Therapie, Allergische und phototoxische Reaktion. 4. Aufl. Nicol Verlagsgesellschaft mbH& Co. KG, Hamburg
Samuelson G, Borsub L, Jayawardene AL, Falk L, Ziemilis S (1981) Screening of plants of the families Loranthaceae and Viscaceae for Toxic proteins. Acta Pharm Suec 18:179–184
Sauer O, Weilemann S (2000) Drogen. Eigenschaften-Wirkungen-Intoxikationen. Schlütersche GmbH & Co. KG, Hannover
Sommer W (1984) Untersuchungen an Giftpflanzen. Identifizierung farbiger Früchte und Cyanidbestimmung bei Rosaceen-Früchten. Dissertation, Kiel
Teuscher E, Lindequist U (1994) Biogene Gifte. Biologie-Chemie-Pharmakologie. 2. Aufl. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/Jena/New York
Weilemann S, Kelbel C, Reinecke HJ, Ritter- Weilemann I (2006) Giftberatung Pflanzen. 3. Aufl. Govi- Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH, Eschborn
Weisbrod K (2007) Giftberatung Pflanzen - Eine 10 Jahres Auswertung. Mainz, Dissertation
Wirth W, Gloxhuber C (1994) Toxikologie, t5 Aufl. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York