DGIM Innere Medizin
Autoren
Gunther Weitz

Koloskopie

Die Koloskopie dient zur Abklärung und teilweise auch zur Therapie von Erkrankungen des Kolons, des Rektums und des terminalen Ileums. Sie wird mit einem flexiblen Gerät über den Anus durchgeführt und ist besonders geschulten Spezialisten vorbehalten. Die Gerätetechnik des Koloskops entspricht im Wesentlichen der des Gastroskops. Für diesbezügliche Details wird auf das Kap. Gastroskopie verwiesen. Im Unterschied zum Gastroskop ist das Koloskop länger und dicker. Neuere Geräte verfügen über eine Versteifungsfunktion (Abschn. 4).

Einleitung

Die Koloskopie dient zur Abklärung und teilweise auch zur Therapie von Erkrankungen des Kolons, des Rektum s und des terminalen Ileums. Sie wird mit einem flexiblen Gerät über den Anus durchgeführt und ist besonders geschulten Spezialisten vorbehalten. (Video 1) Die Gerätetechnik des Koloskops entspricht im Wesentlichen der des Gastroskops. Für diesbezügliche Details wird auf das Kap. Gastroskopie verwiesen. Im Unterschied zum Gastroskop ist das Koloskop länger und dicker. Neuere Geräte verfügen über eine Versteifungsfunktion (Abschn. 4).

Vorbereitung der Untersuchung

Für die Koloskopie muss der Patient aufgeklärt und so vorbereitet sein, dass das Kolon sauber ist. Die korrekte Vorbereitung beginnt schon mehrere Tage vor der Untersuchung, indem der Patient aufgefordert wird, keine körnerhaltige Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Körner bleiben länger im Darm (vor allem im Zökum) liegen und können die Absaugung des Koloskops verstopfen. Zwei Tage vor der Untersuchung sollten keine faserhaltigen Nahrungsmittel mehr eingenommen werden.
Die eigentliche Darmspülung beginnt am Tag vor der Untersuchung, nachdem der Patient zu Mittag noch eine flüssig-breiige Kost zu sich nehmen durfte. Bis zur Spiegelung dürfen dann neben den speziellen Reinigungslösungen nur noch klare Getränke eingenommen werden. Die genauen Spülvorschriften variieren je nach Hersteller der Reinigungslösungen. Die Art der Reinigungslösung legt der zuständige Endoskopiker fest. In der Regel müssen die Patienten zügig mehrere Liter der Lösung trinken. Das wird von den meisten Patienten als unangenehm empfunden und kann insbesondere für ältere Patienten eine erhebliche Belastung darstellen. Eine korrekte Vorbereitung ist für eine aussagekräftige Untersuchung aber unabdingbar. Falls die Trinkmenge für einzelne Patienten ein Problem darstellt, kann die Spülflüssigkeit über eine Magensonde appliziert werden. Die Spülung wird fortgesetzt, bis nur noch fast klare oder minimal trübe Flüssigkeit über den After ausgeschieden wird.
Die Untersuchung kann am wachen Patienten erfolgen, das Vorspiegeln wird aber meist als so unangenehm und auch schmerzhaft empfunden, dass hierfür der Patient in aller Regel eine Sedierung wünscht. Die Sedierung erfordert einige Erfahrung und die Aufsicht eines für alle möglichen Komplikationen geschulten Arztes. Meist wird intravenös Midazolam oder Propofol verabreicht, die Dosierung kann nach Bedarf erheblich variieren.
Ist die Fragestellung der Untersuchung auf das Rektum oder das Sigmoid beschränkt (je nach eingesehener Strecke wird die Untersuchung dann Sigmoidoskopie oder Rektoskopie genannt), kann dem Patienten die belastende Darmspülung erspart werden. In diesem Fall reicht eine Vorbereitung mittels Klistier . Da das Vorspiegeln auf dieser kurzen Strecke kaum Probleme bereitet, ist nur bei sehr empfindlichen Patienten eine Sedierung erforderlich. Bezüglich der Indikation sollte mit dem zuständigen Endoskopiker Rücksprache gehalten werden.

Untersuchungstechnik

Vorgespiegelt wird zunächst bis zum Zökum, das durch die angrenzende Ileozökalklappe und das Ostium der Appendix zu erkennen ist. Das Gerät wird dann durch die Ileozökalklappe in das terminale Ileum gelenkt, um hier die letzten Zentimeter des Dünndarms zu inspizieren. Beim Rückzug durch das Kolon wird sehr sorgfältig die Schleimhaut begutachtet. Bei Bedarf werden in dieser Phase Biopsie n entnommen und andere Arbeitsschritte, wie die Polypektomie, erledigt.

Untersuchungsrisiken

Komplikationen durch die Koloskopie selbst kommen vor allem beim Vorspiegeln vor. Das Kolon weist viele Abknickungen auf, die sich mit dem Gerätevorschub aufstauchen können. Zudem kann sich das Gerät bei weiterem Vorschub in Schlaufen oder Schleifen legen, die das weitere Vorspiegeln verhindern und Druck auf die Kolonwand ausüben. Gerätebegradigung, Umlagerung oder manuelle Schienung des Abdomens von außen können helfen, sich aus dieser Lage zu befreien. Die Versteifungsfunktion des Geräts kann nützlich sein, um Schlaufen- oder Schleifenbildung zu verhindern. Manöver, die Druck auf die Darmwand ausüben könnten, sollten aber nur von sehr erfahrenen Endoskopikern durchgeführt werden, da es zu Verletzungen des Darms oder angrenzender Strukturen kommen kann.
Weitere Komplikationen können bei Manipulationen mit über den Arbeitskanal eingeführten Instrumenten auftreten. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Zangenbiopsie und die Schlingenpolypektomie zu nennen. Hierbei kann es zu Blutungen kommen. Da bei jeder regulären Spiegelung die Möglichkeit für solche Manipulationen bestehen sollte, muss der Patient darüber ebenfalls vorher aufgeklärt werden. Zudem sollte keine relevante Gerinnungsstörung vorliegen und der Patient keine Antikoagulantien einnehmen, die die Gerinnung allzu sehr kompromittieren.
Bei der Schlingenpolypektomie besteht zudem die Gefahr der Darmperforation . Der bei diesem Manöver durch den Körper geleitete Strom kann zur Auslösung implantierter Defibrillatoren führen. Diese müssen für die Zeit des Eingriffs deaktiviert werden.

Abschluss der Untersuchung

Nach der Untersuchung wird der Patient im Fall einer Sedierung so lange überwacht, bis er wieder ganz wach und reaktionsfähig ist. Das Autofahren und das Führen von Maschinen im Allgemeinen bleiben für den gleichen Tag verboten. Auch die Geschäftsfähigkeit ist eingeschränkt. In einigen Fällen kann es durch Überblähung nach der Untersuchung zu Bauchschmerzen kommen. Das kann durch die Verwendung des resorbierbaren Kohlendioxids zur Luftinsufflation weitgehend vermieden werden. Bei postinterventionellen Bauchschmerzen sollte auch immer an die Möglichkeit einer Perforation gedacht werden. Ist das nicht der Fall, darf der Patient sofort wieder essen und trinken.

Video/Audio

Below is the link to the Video/Audio.
Video 1
Vorbereitung und Durchführung einer Koloskopie