DGIM Innere Medizin
Autoren
Christian-Martin Möller und Arndt Peter Schulz

Punktionen: Gelenkpunktion

Intraartikuläre Punktionen erfordern eine sorgfältige Indikation. Die Indikation für eine intraartikuläre Punktion ist ein Gelenkerguss ohne bekannte Ursache oder ein Gelenkerguss, der Beschwerden verursacht. Eine Gelenkinfektion ist ein häufiger Grund für eine Gelenkpunktion, gleichzeitig ist sie die gravierendste Komplikation einer solchen Punktion

Einleitung

Intraartikuläre Punktionen erfordern eine sorgfältige Indikation. Die Indikation für eine intraartikuläre Punktion ist ein Gelenkerguss ohne bekannte Ursache oder ein Gelenkerguss, der Beschwerden verursacht. Eine Gelenkinfektion ist ein häufiger Grund für eine Gelenkpunktion, gleichzeitig ist sie die gravierendste Komplikation einer solchen Punktion
Eine intraartikuläre Punktion kann therapeutisch oder diagnostisch sein, in einigen Fällen auch beides. Massive Gelenkergüsse können zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führen. In solchen Fällen führt eine Punktion zur sofortigen Beschwerdelinderung. Im Rahmen der Abklärung eines unklaren intraartikulären Ergusses ist die mikrobiologische Beurteilung des gewonnenen Punktats im Fall eines infizierten Gelenks ein unerlässliches Diagnostikum, um die richtige antibiotische Therapie einleiten zu können.

Untersuchungsmaterial

Für eine Gelenkpunktion benötigt man folgende Materialien:
  • Hautdesinfektionsmittel
  • steriles Abwaschset bestehend aus:
    • 6 Tupfer
    • 1 Schale
    • 1 Lochtuch
    • 1 Kornzange
    • 1 Paket Kompressen
  • steriles Punktionsset bestehend aus:
    • 2 x 10 ml Spritze
    • Messbecher
    • Kanüle gewünschter Größe und Länge
  • Behälter für mikrobiologische Probe
  • Behälter zur Zellzahlbestimmung
  • 1 Paar sterile Handschuhe
  • 1 Mundschutz
  • 1 OP-Haube
  • Hautpflastermaterial
  • ggf. elastische Wicklung

Vorbereitung der Untersuchung

Vor dem Eingriff muss über das Behandlungsverfahren und seine Risiken aufgeklärt werden.
Es erfolgt eine sorgfältige Präparation mit einem Antiseptikum. Dies ist notwendig, da eine intraartikuläre Infektion leicht auftreten kann (bedingt durch die Durchblutungssituation) und nur sehr schwierig zu behandeln ist.
Von der Kleidung, insbesondere den Ärmeln des Personals, darf keine Infektionsgefahr ausgehen. Nach hygienischer Händedesinfektion sind sterile Handschuhe anzuziehen. Bei Gelenkpunktionen mit Spritzenwechsel (Dekonnektion) sollte immer eine Gesichtsmaske getragen werden. Es sind sterile Einmalkanülen und sterile Spritzen zu verwenden.
Am Beispiel einer Kniegelenkspunktion wird folgend eine intraartikuläre Punktion erklärt
Zur Lokalisierung der Punktionsstelle wird der laterale Patellarand aufgesucht und am kranialen Pol ca. 1–2 cm nach lateral sowie 1 cm nach proximal die Punktionsstelle markiert. Die Punktionsstelle ist so weit freizulegen, dass eine Kontamination durch Kleidungsstücke vermieden wird. Die Punktionsstelle und Umgebung sind antiseptisch zu behandeln, ggf. vorher zu reinigen. Das Antiseptikum wird in einem Sprüh-Wisch-Verfahren aufgebracht (Einwirkzeit beachten!). Die Punktionsrichtung zielt auf den oberen Knierezessus. Bei einem vorliegenden Erguss gestaltet sich die Punktion relativ einfach.

Untersuchungstechnik

Die steril verpackten Instrumente sowie die Ampullen dürfen erst unmittelbar vor der Injektion geöffnet werden. Nachdem die Haut mit der Nadel durchdrungen ist, wird diese unter sanfter Aspiration weiter in Richtung Patella vorgeschoben bis Punktionsflüssigkeit gewonnen werden kann. Handelt es sich primär um eine therapeutische Punktion, sollte so viel aspiriert werden wie möglich. Bei einer diagnostischen Punktion ist die Menge der gewonnenen Flüssigkeit unwichtig. Nach erfolgreicher Punktion wird die Kanüle zurückgezogen.

Untersuchungsrisiken

Risiken sind vor allem intraartikuläre Infektionen und intraartikuläre Blutungen. Sollte ein Patient blutverdünnende Medikamente nehmen, so ist die Indikation zur Punktion umso strenger zu stellen. Das Risiko für Blutungen ist hierdurch deutlich erhöht.
Eine Punktion sollte nicht durchgeführt werden, wenn in der Umgebung der Injektionsstelle Infektionen, Hautschäden oder Hauterkrankungen bestehen.

Abschluss der Untersuchung

Nach der Injektion ist die Injektionsstelle mit einem Wundschnellverband steril abzudecken.
Der Patient ist über die von ihm wahrnehmbaren Zeichen einer infektiösen Komplikation (Überwärmung, Schmerzen, Schwellung) aufzuklären und anzuweisen: In diesem Fall ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.
Das Punktionsmaterial muss so entsorgt werden können, dass keine weitere Infektionsgefahr davon ausgeht.