Die Urologie
Autoren
Oliver W. Hakenberg und Michael Sohn

Ästhetisch-plastische Eingriffe am Penis

Die Bedeutung des Penis für das Selbstwertgefühl ist für viele Männer sehr groß. Daher besteht nicht selten der Wunsch nach rekonstruktiven oder plastischen Eingriffen zur Verbesserung des Erscheinungsbildes, seltener zur Verbesserung der Funktion. Plastisch-rekonstruktive Operationsverfahren am Penis haben ihre Indikation bei Zustand nach Verletzungen und nicht zufriedenstellenden Restzuständen nach Operationen oder anderen Maßnahmen sowie bei kongenitalen Missbildungen. Plastisch-kosmetische Indikationen bestehen selten, werden aber von Männern mit dem „Syndrom des kleinen Penis“ immer wieder nachgefragt. Insbesondere bei kosmetischen Verfahren mit dem Ziel der Penisverlängerung oder -verdickung ist jedoch größte Zurückhaltung angezeigt.
Die Bedeutung des Penis für das Selbstwertgefühl ist für viele Männer sehr groß. Daher besteht nicht selten der Wunsch nach rekonstruktiven oder plastischen Eingriffen zur Verbesserung des Erscheinungsbildes, seltener zur Verbesserung der Funktion. Plastisch-rekonstruktive Operationsverfahren am Penis haben ihre Indikation bei Zustand nach Verletzungen und nicht zufriedenstellenden Restzuständen nach Operationen oder anderen Maßnahmen sowie bei kongenitalen Missbildungen. Plastisch-kosmetische Indikationen bestehen selten, werden aber von Männern mit dem „Syndrom des kleinen Penis“ immer wieder nachgefragt. Insbesondere bei kosmetischen Verfahren mit dem Ziel der Penisverlängerung oder -verdickung ist jedoch größte Zurückhaltung angezeigt.

Die Bedeutung des Penis für das Selbstwertgefühl

Viele Männer betrachten die Form und Funktion ihres Penis als Ausdruck von Gesundheit und Männlichkeit. Die Größe des Penis spielt in der Selbstwahrnehmung vieler Männer dabei eine bedeutende Rolle. Unzufriedenheit mit dem Erscheinungsbild und der Größe des eigenen Penis kann für manche Männer zu lang anhaltenden Problemen mit dem Selbstwertgefühl führen. Daraus resultiert häufig der Wunsch, durch plastische Behandlungen oder Operationen Veränderungen am Penis zu erreichen.
Im Gegensatz zur rekonstruktiven Chirurgie wurde die plastische Chirurgie für Menschen entwickelt, die den Wunsch haben, der Natur nachzuhelfen. Plastische Eingriffe am Penis können z. B. indiziert sein bei Männern mit Vernarbungen oder Restzuständen nach kindlichen Hypospadiekorrekturen oder bei missglückter Zirkumzision. Dann gibt es auch diejenigen Männer, die das Gefühl haben, in der Entwicklung und Ausbildung des eigenen Penis zu kurz gekommen zu sein. Mitunter sind solche Männer psychisch deutlich beeinträchtigt und in ihren Sozial- und Sexualkontakten gestört. Bei echtem Leidensdruck kann deshalb in seltenen Fällen eine plastische Operation zur Verbesserung des Erscheinungsbildes indiziert sein.
Viele Männer glauben, dass ihr Penis zu kurz sei und wünschen eine Verlängerung, sei es durch eigene Maßnahmen oder plastische Operation. Dabei ist dieser Wunsch wahrscheinlich so alt wie die Menschheit, weil die Länge des sichtbaren Penis mit Männlichkeit und sexueller Attraktivität gleichgesetzt wird. Die Sicht auf den eigenen Penis von oben, insbesondere bei Adipositas, führt zu einer zusätzlichen perspektivischen Verkürzung. Die Erwartungen an die Möglichkeiten plastischer Korrekturen sind fast immer übertrieben und werden meist auch enttäuscht.
Penile Augmentationsverfahren werden jedoch zunehmend praktiziert, überwiegend außerhalb von Studien, ohne klare Bewertung der Ergebnisse und überwiegend im privaten Sektor (Vardi und Lowenstein 2005). Eine klare Einordnung der Problematik und ein angemessener Umgang mit dem Problem sind jedoch notwendig.

Normwerte der Penislänge

Die Ausprägung von Penisgröße und -länge ist so individuell wie die Ausprägung der Nase, ohne dass dies nachweisbare funktionelle Auswirkungen hätte. Eine italienische Untersuchung ergab für die Länge des erschlafften Penis Werte von 5–13 cm (Durchschnitt 9,0 cm), für den erigierten Penis von 8,5–11,5 cm (Durchschnitt 10 cm) (Ponchietti et al. 2001). Eine amerikanische Untersuchung ergab ebenfalls eine durchschnittliche Länge des erschlafften Penis von 8,85 cm und eine Erektionslänge von 12,89 cm (Wessels et al. 1996b). Andere Studien kamen zu vergleichbaren Ergebnissen (Tab. 1; Spyropoulos et al. 2002; Awwad et al. 2005; Mehraban et al. 2006; Promodu et al. 2007; Kamel et al. 2009). Die klassischen Untersuchungen des Kinsey Reports aus den USA ergaben, dass 5 % der Männer eine erigierte Penislänge von unter 9 cm hatten (Kinsey et al. 1948).
Tab. 1
Durchschnittswerte von Penislänge und -umfang (Zusammenfassung aus Spyropoulos et al. 2002; Awwad et al. 2005; Mehraban et al. 2006; Promodu et al. 2007; Kamel et al. 2009).
Nichterigierte Länge (cm)
8,9
Gestreckte Länge (cm)
12,3
Länge bei Erektion (cm)
12,7
Nichterigierter Umfang (cm)
9,4
Umfang bei Erektion (cm)
11,5
Die subjektive Wahrnehmung der eigenen Penislänge ist jedoch oft eine andere. Eine internetbasierte Umfrage mit über 50.000 Teilnehmern zur Zufriedenheit mit der Penislänge des Mannes bei Paaren ergab, dass nur 55 % der Männer mit ihrer Penislänge zufrieden waren, während 84 % der Frauen mit der Penislänge ihres Mannes zufrieden waren (Lever et al. 2006).

Penile Dysmorphophobie

Auch bei normaler Ausprägung des Penis im Rahmen der biologischen Varianz und dem Fehlen von Fehlbildungen haben viele Männer den Wunsch nach einem größeren Penis aufgrund einer gestörten Selbstwahrnehmung (Ghanem et al. 2013). Im ausgeprägten Fall wird dies als penile Dysmorphophobie bezeichnet. Diese kann sich sowohl auf den erschlafften („ästhetische penile Dysmorphobie“) wie auf den erigierten Zustand („funktionelle penile Dysmorphophobie“) beziehen. Penile Dysmorphophobie ist nach DSM-IV definiert als Teil des „body dysmorphic disorder“, welches charakterisiert ist durch exzessive Fixierung auf einen imaginären oder geringfügigen körperlichen Mangel in oder an einem bestimmten Körperteil (American Psychiatric Association 2000). Die Diagnosekriterien beinhalten, dass der Zustand ausreichend stark ausgeprägt sein muss, sodass daraus eine Verminderung der sozialen oder beruflichen Funktion resultiert. Diese ist diagnostisch meist dadurch gegeben, dass viel Zeit gedanklich mit dieser Obsession verbracht wird. Die Diagnose penile Dysmorphobie beinhaltet ebenfalls, dass der Penis im Rahmen der Normalmaße ausgebildet ist; abzugrenzen ist der Mikropenis aufgrund endokriner Störungen.
Die Ursachen einer solchen ausgeprägten, als phobisch bezeichneten Obsession können vielfältig sein, gehen mit einem gestörten Selbstwertgefühl einher und können mit anderen psychischen und psychosomatischen Störungen vergesellschaftet sein (Depression, Sozialphobien, Panikstörungen, u. a.).

Management des Patienten mit subjektiv zu kleinem Penis

Männern mit der subjektiven Wahrnehmung eines zu kurzen Penis bei objektiv normaler Penislänge kann meist durch Beratung und Gesprächstherapie so ausreichend geholfen werden, dass sie von dem Wunsch einer operativen Maßnahme Abstand nehmen (Shamloul 2005; Ghanem et al. 2007). Männern mit einem normal ausgebildeten Penis, die diesen als zu klein empfinden, ist allerdings allein mit der Information, sie seien normal, nicht wirklich geholfen. Diese Männer haben meist seit vielen Jahren unter dieser falschen Vorstellung gelitten und einen oft erheblichen Leidensdruck aufgebaut.
Es ist daher notwendig, sich mit diesen Männern empathisch und längerfristig zu befassen. Nach Wylie und Eardley (Wylie und Eardley 2007) sollte betroffenen Männern zunächst in mehreren Gesprächen weiterführende patientengerechte Aufklärung darüber gegeben werden, was die normalen Maße sind und dass die Vorstellung, der eigene Penis sei kurz, sehr weit verbreitet ist. Dazu werden „Spiegel-Sessions“ mit Betrachtung des eigenen Körpers im Spiegel empfohlen, um die perspektivische Verzerrung aufzuheben (s. oben). Als weiterer Schritt wird dann in ausgeprägten Fällen eine Form einer kognitiven Verhaltenstherapie empfohlen, schließlich kann eine Therapie mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern hilfreich sein. Auch ist es sinnvoll, Männern mit dem Wunsch nach einem größeren Penis zu erklären, das augmentative Verfahren nur sehr wenig echte Verlängerung erreichen können und operierte Patienten mit den erzielten Ergebnissen meist unzufrieden sind. Ghanem et al. (2007) empfehlen ebenfalls eine empathiebetonte strukturierte Vorgehensweise mit Evaluation und aufklärender Beratung als erfolgreichen Weg, um die meisten dieser Männer davon zu überzeigen, dass penisverlängernde Maßnahmen nicht erforderlich sind.

Konservative penile Augmentationsverfahren

Betroffene Männer mit starkem Wunsch nach Penisverlängerung greifen nicht selten zu mechanischen Versuchen, eine penile Streckung und damit Verlängerung herbeizuführen. Dazu werden auf dem grauen Markt der Medizinprodukte auch Apparate angeboten, die durch regelmäßige Anwendung von Gewichten, Vakuumpumpen oder mechanischer Streckung eine Verlängerung bewirken sollen. Ob diese Maßnahmen Erfolg bringen und welche Auswirkungen auf die Struktur der Corpora cavernosa resultieren können, ist nicht wirklich bekannt. Die Datenlage ist gering, es werden aber durchaus erfolgreiche Anwendungen beschrieben (Gontero et al. 2009a,b; Nikoobakht et al. 2011).

Operative Augmentationsverfahren

Die Ergebnisse operativer Augmentationsverfahren zur Penisverlängerung sind wenig bekannt, da die meisten dieser Operationen im Graubereich privater Medizinanbieter durchgeführt und Ergebnisse kaum publiziert werden. Fallserien über Reoperationen bei Komplikationen sind jedoch bekannt (Wessels et al. 1996a; Alter 1997).
Die meisten Patienten mit Dysmorphobie, die sich einem Augmentationsverfahren unterziehen, sind von dem Ergebnis enttäuscht. Li et al. (2006) berichteten, dass insgesamt nur 27 % der Patienten mit Dysmorphobie nach peniler Augmentation mit dem Ergebnis zufrieden waren (Li et al. 2006). Die Patientenzufriedenheit mit seriösen Verfahren zur Veränderung der Penisdicke scheinen besser zu sein, da hierbei substanzielle Zunahmen um 3–4 cm berichtet wurden (Jin et al. 2011; Kwak et al. 2011).
Für die Anwendung operativer Verfahren sollen deshalb strenge Indikationen gestellt werden. Über die Erwartungen an den möglichen Erfolg müssen realistische Erwartungen durch klare Aufklärung herbeigeführt werden. Eine mögliche Verlängerung des erschlafften, sichtbaren Penis um 2–3 cm kann als maximal erreichbares Ergebnis angesehen werden.
Zur Anwendung kommen drei verschiedene Verfahren, einzeln oder in Kombination. Diese sind die Durchtrennung des Ligamentum suspensorium penis, eine Fettreduktion des Mons pubis und eine Hautplastik oberhalb des Penisschafts.

Ligamentolyse des Lig. suspensorium penis

Hierfür wird eine 4–5 cm quere infrapubische Inzision vorgenommen und nach Freilegung des Ligaments wird dies partiell oder komplett durchtrennt. Um einer narbigen Readaptation vorzubeugen, kann präpubisches Fett interponiert werden. Eine gleichzeitige Resektion von präpubischem Fett kann den optischen Effekt verbessern.
Die Auswirkungen der Durchtrennung des Ligaments alleine auf die Länge des sichtbaren Penis sind meist eher geringfügig. Dies kann intraoperativ unter Umständen verbessert werden, indem der Penis nach unten gezogen und die proximalen Schwellkörper mit einer nichtresorbierbaren Tunicanaht am Unterrand der Symphyse fixiert werden (Yacchia 2007). Postoperativ sollte regelmäßig eine manuelle Streckung des Penis durch den Patienten durchgeführt werden, um der Möglichkeit der narbigen Retraktion entgegenzuwirken. Ohne regelmäßiges „Stretching“ des Penis mithilfe sog. peniler Stretching-Systeme ist keine anhaltende Verlängerung des Penis zu erwarten.
Da die Funktion des Ligaments die Stützung auch des erigierten Penis ist, sollte dem Patienten erklärt werden, dass die Steilheit der Erektion durch die Ligamentolyse abnehmen kann und dass im Extremfall eine sog. erektile Instabilität resultieren kann. Über die Ergebnisse dieses Verfahrens berichteten Li et al. bei 42 Patienten, dass eine objektive Verlängerung um im Durchschnitt 1,3 cm erreicht wurde (Range –1 bis +3 cm) und dass insgesamt nur 35 % der Patienten mit dem Ergebnis zufrieden waren (Li et al. 2006).

Infrapubische Hautplastik

Plastisch-kosmetische Verfahren an der infrapubischen Haut können zur optischen Verlängerung des sichtbaren Penis eingesetzt werden, allein oder in Kombination mit den anderen genannten Verfahren. Die Art der Haut im infra- und suprapubischen Bereich bedingt, dass nicht selten der erwartete Erfolg aufgrund von ausgeprägter Narbenbildung enttäuschend sein kann.
Verschiedene technische Varianten einer begrenzten Hautplastik mit dem Ziel, die unmittelbare sichtbare Penisbasis nach kaudal zu verlagern, können zur Anwendung kommen: dies sind die invertierte Y-V-Plastik, eine M- oder W-Inzision oder eine Z- oder Doppel-Z-Plastik.
Der Erfolg kann durch Wundheilungsstörungen oder ausgeprägte narbige Retraktion völlig zunichte gemacht werden. Sorgfältige Blutstillung, antibiotische Prophylaxe und kosmetische feine Intrakutannähte sind deshalb anzuraten.

Infrapubische Fettentfernung

Bei ausgeprägtem Fettpolster im Mons-pubis-Bereich kann eine Fettentfernung zu einer Verlängerung des sichtbaren Penis führen, insbesondere aus der optischen Perspektive des Patienten mit Sicht von oben.
Der Vorteil der alleinigen Anwendung dieses Verfahrens ist die geringere Gefahr postoperativer Narbenretraktion. Die einfache Exzision, die streng symmetrisch erfolgen soll, ist einer Liposuktion wahrscheinlich vorzuziehen, da Letztere eher zu asymmetrischen Resultaten führen kann. Die Exzision von Fett erfolgt mit dem Elektrokauter, ein Schicht von mindestens 1 cm muss subkutan verbleiben. Die verbleibende Haut wird nach der Exzision mit sorgfältiger Blutstillung mittels langsam resorbierbarer Nähte an der Tunica der Schwellkörper möglichst basisnah fixiert und im suprapubischen Bereich an der unteren Rektusfaszie. Bei Exzision großer Fettlappen kann eine zusätzliche Resektion überschüssiger Haut erforderlich sein.
Postoperativ kann der Erfolg durch Wundinfektion und/oder Serombildung zunichte gemacht werden. Deshalb sind sorgfältige Blutstillung, prophylaktische Antibiotikagabe, ein Kompressionsverband (mit zusätzlicher Kompression durch Sandsack) ratsam.

Weitere Verfahren

Verschiedene Autoren haben andere operative Verfahren beschrieben, die aber bis auf Erstbeschreibungen keine weitere Verbreitung gefunden haben. So beschrieb Perovic ein peniles Deassembling mit der Interposition von autologem oder synthetischem Material zwischen Glans und Corporaspitzen (Perovic und Djordjevic, 2000). In ähnlicher Weise wurde die Interposition von synthetischen Corporaextendern, wie man sie von der Penisprothetik kennt, zwischen Corporaspitzen und Glans beschrieben. Weitere Erfahrungen zu diesen Techniken sind nicht berichtet. Von diesen Verfahren ist daher grundsätzlich abzuraten.

Augmentation der Penisdicke

Manche Patienten haben den Wunsch, die Dicke des Penis zu verändern. Anders als bei den Augmentationsverfahren bezüglich der Penislänge besteht hierbei eigentlich niemals eine nachvollziehbare medizinische Indikation.
Kosmetische Verfahren werden jedoch angeboten. Diese beinhalten die subkutane Injektion von autologem Fett. Diese müssen mehrfach wiederholt werden, da der größte Teil des injizierten Fettes resorbiert wird. Der kosmetische Effekt ist aufgrund von asymmetrischer Polsterbildung ohnehin fraglich, bei meist kurzem Penis kann der unschöne Aspekt eines dicken und kurzen Penis hervorgerufen werden. Austoni beschrieb die Technik der lateralen Längscorporoplastik mit Veneninterponat (Austoni et al. 2002); auch dieses Verfahren fand keine weitere Verbreitung.
Es gibt hierbei einen erheblichen Graubereich der Anwendung von subkutanen Injektionsverfahren durch den Patienten selbst, so die subkutane Injektion von Paraffin, Vaseline und anderen Mineralölprodukten oder die Implantation von Plastikpellets. Die Motivation besteht in einer erhofften Steigerung des sexuellen Erlebens beim Manne und/oder der Partnerin, es handelt sich meist um junge Männer aus unteren soziokulturellen Gruppen, nicht selten aus osteuropäischen Ländern (Pehlivanov et al. 2008). Besonders die Injektion von chemischen Substanzen führt zu harten, narbig ummauerten Knoten („Paraffinome“) und/oder Hautnekrosen. Solche Patienten wünschen später nicht selten operative rekonstruktive Korrekturen zur Entfernung der Fremdkörper, die bei Vorliegen von sehr dünner Penisschafthaut oder Nekrosen dann auch ausgedehnte rekonstruktive Maßnahmen erfordern können (Bajary et al. 2013; Shin et al. 2013).
Seriöse Verfahren zur Vergrößerung der Penisdicke sind unter Verwendung von autologen Fibroblasten oder Injektion mit einem Hyaluronsäurederivat besonders von asiatischen Autoren entwickelt worden (Kwak et al. 2011; Jin et al. 2011). Auch wurde über gute Erfolge nach Implantation von mit Fibroblasten beschichteten resorbierbaren Scaffolds berichtet, jedoch nur von einer Arbeitsgruppe (Jin et al. 2011).

Plastische Zirkumzision mit Vorhauterhalt

Bei enger Vorhaut und Wunsch nach Erhalt derselben kann eine Zirkumzision durch plastische Variation des Eingriffs als sog. Präputialplastik durchgeführt werden (Nieuwenhuijs et al. 2007; Munro et al. 2008). Dazu wird eine Y-V-Plastik vorgenommen, mittels Längsinzision des einengenden „Phimosebands“ bei völlig retrahierter Vorhaut und beidseitiger lateraler Erweiterung dieses Schnittes zu einem „Y“. Der dadurch gebildete distale Lappen wird nach proximal mit dem „Y“ vernäht.
Eine alternative Technik ist die sog. „triple incision“, bei der vorhauterhaltend 3 Längsinzisionen quer vernäht werden (Fischer-Klein und Rauchenwald 2003). Im Vergleich zur radikalen Zirkumzision sind jedoch bei diesen Verfahren höhere Rezidivraten zu erwarten.

Komplikationen nach Zirkumzision

Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation ist die narbige Retraktion des Penis im präpubischen Fett mit Bildung einer narbigen Platte, die die Glans okkludiert („buried penis“ nach Zirkumzision, Abb. 1). Erforderlich sind die komplette Mobilisation des Penisschafts und ggf. die Bildung neuer, ausreichender Schafthaut zur Bildung einer ausreichenden Länge (Abb. 2). Fettresektionen im infrapubischen Bereich können dabei hilfreich sein, unter Umständen ist eine plastische Deckung mit Spalthaut notwendig (Asimakopoulos et al. 2012).

Rekonstruktion der Vorhaut nach Zirkumzision

Die Zirkumzision im Kindesalter bleibt umstritten. Manche im Kindesalter zirkumzidierte Männer bedauern diesen Eingriff und fühlen sich verstümmelt und eines Teils ihrer sexuellen Erlebnisfähigkeit beraubt. Besonders in den USA, aber auch in Europa gibt es auch politisch aktive Selbsthilfeorganisationen, die sich gegen die Zirkumzision wenden und für die Rekonstruktion der Vorhaut einsetzen (NOHARMM, NORCIRC, NORM u. a.). Bei Männern mit dem Wunsch nach Vorhautrekonstruktion bei Zustand nach Zirkumzision kann im Einzelfall der Leidensdruck erheblich sein, die Ursache besteht dann meist in tatsächlicher oder vermeintlicher Einschränkung der sexuellen Erlebnisfähigkeit.
Es gibt konservative Methoden, die vom Betroffenen selbst angewendet werden können. Diese bestehen in der täglichen Dehnung der Schafthaut über mehrere Stunden durch Anwendung von elastischen Klebebändern und Gewichten. Diese Methode ist sehr zeitaufwendig, es braucht Monate, bis die Penisschafthaut soweit gedehnt ist, dass eine Bedeckung der Glans wieder möglich ist. Bei ausreichender Geduld ist die Methode aber durchaus erfolgversprechend.
Eine operative Rekonstruktion der Vorhaut wurde schon zur Zeit der Römer betrieben, eine erste Beschreibung stammt von Celsus (Schultheiss et al. 1998). Zur Technik sind in neuerer Zeit nur 3 Varianten beschrieben worden. Die erste beinhaltet die zirkuläre Schafthautinzision mit Mobilisation der Haut nach distal und Deckung des Defekts mit einem Transplantat, z. B. Spalthaut (Penn 1963). Diese Methode wurde von Goodwin (Goodwin 1990) dahingehend modifiziert, dass der nach der zirkulären Schafthautinzision proximal denudierte Schaftbereich in einem Skrotalhauttunnel gedeckt wurde und diese angewachsene Skrotalhaut dann zweizeitig mobilisiert wurde. Um diese Goodwin-Modifikation in eine einzeitige Operation umzuwandeln, beschrieben Lynch und Pryor die Deckung des proximalen Schaftbereichs mit einem Skrotalhautlappen (Lynch und Pryor 1993). Schließlich kann zum gleichen Zweck nach McAninch ein zirkulärer fasziokutaner peniler Lappen gebildet werden, bei dieser Methode wird zusätzlich ein Spalthauttransplantat benötigt (Brandes und McAnich 1999). Die medizinische Literatur zu diesem Thema ist extrem spärlich. Die zu erwartenden Ergebnisse der operativen Verfahren müssen daher zurückhaltend betrachtet werden.

Chronisches Lymphödem von Penis und Skrotum

Chronische Störungen des Lymphabflusses des männlichen Genitales können nach verschiedenen Erkrankungen oder iatrogen auftreten (Abb. 3). Die Genese des Lymphödems bleibt dabei nicht selten unklar und muss dann als idiopathisch angesehen werden. Pathologisch sind die veränderten Gewebe durch eine Hypertrophie der Dartos-Muskulatur, Lymphangiektasie und Stromafibrose gekennzeichnet (Lee et al. 2013). Es können entstellende chronische Schwellungen von Penis und/oder Skrotum resultieren.
Mangels kausaler oder anderer wirksamer Therapien können eine operative Resektion von Penisschaft- oder Skrotalhaut mit plastischer Rekonstruktion durch Spalthaut am Penisschaft (Abb. 4) oder Hautresektion und -raffung am Skrotum notwendig sein, um einen kosmetisch und funktionell akzeptablen Zustand wieder herzustellen. Gelegentlich kann auch bei anderen Hauterkrankungen aus kosmetischen Gründen eine Resektion von Teilen der Skrotalhaut notwendig sein (Abb. 5).
Bei ausgedehnter Resektion von Haut und Unterhautfettgewebe zur Behandlung einer Fournier’schen Gangrän sind regelmäßig plastische Rekonstruktion von Penisschafthaut und Skrotalhaut erforderlich.
Penile Rekonstruktionen nach Verletzungen erfordern oft die ausgedehnte Anwendung von Gewebetransfer in Form von Verschiebelappen (Abb. 6).

Zusammenfassung

  • Bedeutung des Penis für das Selbstwertgefühl des Mannes führt zum Wunsch nach rekonstruktiven und plastischen Eingriffen am Penis.
  • Rekonstruktive Maßnahmen unter Verwendung von Gewebetransfer als Spalthautplastik oder Verschiebelappen nach Vernarbungen infolge von Verletzungen oder Operationen sowie nach Komplikationen aufgrund von Zirkumzisionen, Hypospadiekorrekturen oder chronischem Lymphödem.
  • Verfahren der Phimosekorrektur mit Erhalt der Vorhaut, Verfahren zur Rekonstruktion der Vorhaut nach erfolgter Zirkumzision aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher funktioneller Einschränkungen.
  • Augmentative Verfahren zur Penisverlängerung sind Ausnahmeindikationen, da beim subjektiv zu kleinen Penis objektiv kaum Indikationen bestehen, die möglichen Verfahren nur begrenzte tatsächliche Längenverbesserungen erreichen können und die Patienten hinterher häufig unzufrieden sind.
  • Augmentationsverfahren zur Verdickung des Penis: meist durch Patienten selbst angewandte Injektionsverfahren, führen zu ausgedehnten Vernarbungen mit der späteren Notwendigkeit plastischer Rekonstruktionen.
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