Die Urologie
Autoren
P. Fornara und F. Kawan

Nebennierenmetastasen

In die Nebennieren metastasieren zahlreiche maligne Tumoren. Zur Diagnostik von Nebennierenmetastasen ist die CT-oder MRT-gestützte Feinnadelbiopsie im Gegensatz zur primären Dignitätsklärung von Raumforderungen der Nebenniere zulässig und unter Umständen hilfreich für die Therapieplanung. Auch in dieser Konstellation ist vor der Biopsie der biochemische Ausschluss eines Phäochromozytoms obligat.

Epidemiologie und Ätiologie

Die Nebenniere ist häufig Ort von Metastasen verschiedenster maligner Tumoren. Nebennierenmetastasen werden typischerweise im Rahmen der Tumornachsorge in Schnittbilduntersuchungen (CT/MRT) oder Sonographie zufällig entdeckt. Bei einer Malignomanamnese entsprechen zufällig diagnostizierte Raumforderungen der Nebenniere in etwa der Hälfte der Fälle Metastasen des Primärtumors. Im Rahmen von Autopsien konnten bei etwa einem Drittel aller Patienten mit Malignomen hämatogene Nebennierenmetastasen gefunden werden (Abrams et al. 1950).
Die häufigsten Primärtumorlokalisationen sind mit absteigender Häufigkeit Mamma, Lunge, besonders kleinzellige Bronchialkarzinome, Niere, Magen, Pankreas, Ovar und Kolon. Bei ca. 15 % aller Patienten mit Bronchialkarzinomen, Nierenzellkarzinomen oder Melanomen sind bereits bei Diagnosestellung Nebennierenmetastasen vorhanden. Bei etwa 40 % aller Patienten mit Nebennierenmetastasen ist ein beidseitiger Befall mit konsekutivem Addison-Syndrom (Nebennierenunterfunktion) nachweisbar (Sahagian-Edwards und Holland 1956). Ebenso kann eine Karzinommetastase auch in einem vorbestehenden Nebennierenrindenadenoms entstehen.

Diagnostik

Zur Diagnostik einer Nebennierenmetastase eines extraadrenalen Primärtumors ist die CT-oder MRT-gestützte Feinnadelbiopsie im Gegensatz zur primären Dignitätsklärung von Raumforderungen der Nebenniere zulässig und unter Umständen hilfreich (Fassnacht et al. 2004).
Cave
Voraussetzung ist jedoch immer der biochemische Ausschluss eines Phäochromozytoms, um Blutdruckkrisen durch die Punktion der Nebenniere zu vermeiden.
Im Biopsiematerial zur Metastasenabklärung werden am häufigsten Metastasen von Nierenzellkarzinomen gefunden, die auffallend häufig in der, zu der tumortragenden Niere, kontralateralen Nebenniere lokalisiert sind (Abb. 1).
Immunhistochemisch weisen Metastasen der Nebenniere das epitheliale Membranantigen (EMA) auf und können so von EMA-negativen Nebennierenkarzinomen abgegrenzt werden.

Therapie

Sofern unilaterale Metastasen die einzigen Metastasenlokalisationen darstellen und eine Größe von 5–6 cm nicht überschreiten, ist eine laparoskopische Entfernung indiziert. Bei sehr großen Befunden sollte ein offen-chirurgischer Operationszugang gewählt werden.

Zusammenfassung

  • Häufig Ursache hämatogene Metastasierung verschiedener Tumorentitäten.
  • Biopsie nie ohne endokrinologischen Ausschluss eine Phäochromozytoms.
  • Laparoskopische Adrenalektomie bei kleinen solitären Metastasen.
Literatur
Abrams HL, Spiro R, Goldstein N (1950) Metastasis in carcinoma. Analysis of 1.000 autopsied cases. Cancer 3:74–85CrossRefPubMed
Fassnacht M, Kenn W, Allolio B (2004) Adrenal tumors: how to establish malignancy? J Endocrinol Invest 27(4):387–99CrossRefPubMed
Sahagian-Edwards A, Holland JF (1956) Metastatic carcinoma to the adrenal glands with cortical hypofunction. Acta Unio Int Contra Cancrum 12(1–2):57–61PubMed