Die Urologie
Autoren
R. Hofmann

Urethralschleimprolaps und Urethralkarunkel

Urologie der Frau
Ein Urethralschleimhautprolaps entsteht durch verminderte Elastizität des suburethralen Bindegewebes, ein Urethralkarunkel durch eine chronische Entzündung der Skeneschen Drüsen. Differenzialdiagnostisch ist auch immer an ein Urethralkarzinom zu denken.
Ein Urethralschleimhautprolaps oder ein Urethralkarunkel manifestieren sich meist mit einer Blutung am Meatus, die durch einige Blutstropfen in der Unterwäsche bemerkt wird.
Das Harnröhrenkarunkel ist anfänglich in der Regel an einer Zirkumferenz gelegen, während der Urethralschleimhautprolaps die gesamte Schleimhaut ringförmig betrifft. Bei längerem Bestehen des Befundes oder einer hämorrhagischen Infarzierung ist diese Abgrenzung nicht mehr möglich.

Urethralschleimhautprolaps

Bei kleinen Mädchen oder Paraplegikerinnen kann die Urethralschleimhaut prolabieren und nekrotisch werden, wenn sie nicht reponiert wird. Bei kleinen Mädchen ist differenzialdiagnostisch auch an eine prolabierte Ureterozele zu denken. Durch Zystoskopie und Kathetereinlage lässt sich dieser Prolaps reponieren.
Cave
Differenzialdiagnostisch muss auch bei älteren Patientinnen an ein Urethralkarzinom gedacht werden, das sich nur durch eine Biopsie sichern lässt.
Ursache des Schleimhautprolaps ist eine verminderte Elastizität des suburethralen Bindegewebes insbesondere nach der Menopause, gelegentlich eine Blasenentleerungsstörung oder Einsatz der Bauchpresse bei der Miktion. Ist bei einem Urethralschleimhautprolaps Gewebe bereits nekrotisch, so muss dieses reseziert werden.
Bei der Inspektion findet sich entweder ein gering entzündeter, rötlich verfärbter Tumor oder eine massive dunkelblau verfärbte, schmerzhafte Vorwölbung, die bereits nekrotisch oder gangränös verändert sein kann.

Operationstechnik

Die Patientin wird in Steinschnittlage gelagert. Lediglich bei einem blanden Prolaps ohne Blutung ist eine Lokalanästhesie möglich. Nach Einlage eines Katheters wird die prolabierte Schleimhaut mit einer dünnen Diathermienadel reseziert. Die Schleimhautränder lassen sich durch Ziehen am Katheter zur Seite hin darstellen, wenn der Prolaps nicht zu groß war.
Muss ein größerer Prolaps reseziert werden, so empfiehlt es sich eine durchgreifende Naht proximal des Resektionsrandes zu legen (Abb. 1). Die primär gelegte Naht wird nach der Resektion aus dem Meatus hervorgeholt und durchtrennt (Abb. 2). Durch Zug an den Fadenenden können die Urethralschleimhautränder hervorluxiert werden und mit Einzelknopfnähten an die Vaginalschleimhaut adaptiert werden (Abb. 3). Ein transurethraler Katheter sollte für 24 Stunden eingelegt werden.

Urethralkarunkel

Der benigne Tumor entsteht durch eine chronische Entzündung der Skeneschen Drüsen und stellt pathologisch ein Epithelhyperplasie der Urethralschleimhaut dar. Inspektorisch handelt es sich um einen Tumor, der aus dem Meatus urethrae, meist bei 6 Uhr heraustritt. Größere Befunde oder blutende Tumoren können einem Urethralschleimhautprolaps gleichen.
Cave
Differenzialdiagnostisch muss immer an ein Urothelkarzinom gedacht werden (Biopsie!).
Der Tumor tritt fast ausschließlich nach der Menopause auf und zeigt sich durch eine Schmierblutung, Blutung nach Geschlechtsverkehr oder bei einem entzündlichen Befund durch Schmerzen. Dauerkatheterträgerinnen weisen häufig Karunkel auf.
Bei der Inspektion zeigt sich ein rötlich verfärbter oder blutender Tumor bei 6 Uhr, der aus dem Urethralmeatus prolabiert.

Operationstechnik

Durch Zug an einem transurethralen Katheter kann das prolabierende Karunkel herausluxiert werden. Haltenähte am Meatus bei 9, 12 und 3 Uhr werden vorgelegt. Das Karunkel wird mit einer Pinzette oder Allisklemme herausgezogen und mit dem Elektrokauter abgetragen (Abb. 4). Der Resektionsrand wird mit den vorgelegten Haltefäden herausluxiert und die Schleimhautränder werden mit Einzelknopfnähten adaptiert (Abb. 5). Anschließen sollte ein Dauerkatheter für 24 Stunden eingelegt werden.

Zusammenfassung

  • Urethralschleimhautprolaps: verminderte Elastizität des suburethralen Bindegewebes nach Menopause, Blasenentleerungsstörungen oder Einsatz der Bauchpresse ursächlich. Bei kleinen Mädchen differenzialdiagnostisch an prolabierende Ureterozele denken, bei erwachsenen Frauen an Urethralkarzinom – evtl. durch Biopsie auszuschließen.
  • Urethralkarunkel: chronische Entzündung der Skeneschen Drüsen ursächlich, histopathologisch Epithelhyperplasie. Bei 6 Uhr am Meatus gelegen, größere Befunde oder blutende Tumoren gleichen Schleimhautprolaps.
  • Operation: zur Vermeidung einer Meatusstenose auf gute Adaptation der Urethralschleimhaut mit Vaginalschleimhaut achten.
Literatur
Hofmann R (2014) Operationen an der Urethra. In: Hofmann R, Wagner U (Hrsg) Inkontinenz- und Deszensuschirurgie der Frau. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg