Enzyklopädie der Schlafmedizin
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Verfasst von:
Wolfgang Galetke und Heinrich F. Becker
Publiziert am: 28.04.2022

Bi-Level-PAP-Therapie bei Obstruktiver Schlafapnoe

Die Bi-Level-PAP-Therapie oder BPAP-Therapie stellt eine Alternative dar zur CPAP-Therapie bei Patienten, die subjektiv Schwierigkeiten haben, gegen den applizierten Druck auszuatmen. Im Gegensatz zu CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) wird unter Bi-Level-PAP kein konstanter Druck appliziert, sondern es wird während der Inspiration ein höherer Druck als während der Exspiration verabreicht

Englischer Begriff

Bi-level Positive Airway Pressure in the treatment of Obstructive Sleep Apnea

Definition

Die Bi-Level-PAP-Therapie oder BPAP-Therapie stellt eine Alternative zur CPAP-Therapie dar bei Patienten, die subjektiv Schwierigkeiten haben, gegen den applizierten Druck auszuatmen. Im Gegensatz zu „CPAP“ (Continuous Positive Airway Pressure) wird unter „Bi-Level-PAP“ kein konstanter Druck appliziert, sondern es wird während der Inspiration ein höherer Druck als während der Exspiration verabreicht (Sanders und Kern 1990). Der exspiratorische Druck stellt gewissermaßen den Basisdruck dar. Das Gerät erkennt den Beginn der Einatmung durch die Zunahme des Luftflusses und erhöht dann den Druck auf das definierte inspiratorische Niveau. Am Ende der Inspiration wird der Druck dann wieder auf das Ausatmungsniveau abgesenkt. Die Ausatmung erfolgt somit gegen einen geringeren Druck, was von manchen Patienten als angenehmer empfunden wird als beim CPAP. Zur Therapie werden immer ein inspiratorischer und ein exspiratorischer Druck eingestellt. Je nach der Gerätesteuerung werden 3 Bi-Level-PAP-Modi unterschieden:
1.
Spontanatmungsmodus (Bi-Level-PAP S)
 
2.
Kontrollierter (timed) Modus (Bi-Level-PAP T) mit fester Vorgabe von Atemfrequenz und Inspirations-Exspirations-Verhältnis
 
3.
Ein spontan-kontrollierter Modus (Bi-Level-PAP ST) mit Umschaltung von Spontanatmung auf kontrollierte Beatmung beim Unterschreiten einer Grenzatemfrequenz
 
Zur Therapie der Obstruktiven Schlafapnoe wird ausschließlich Bi-Level-PAP S eingesetzt. Bi-Level-PAP war die erste verfügbare Therapieoption bei Patienten, die eine Positivdrucktherapie benötigten, diese jedoch in der konstanten Druckapplikation nicht tolerierten. Bi-Level-PAP S wird jedoch heute für diese Indikation nur noch selten eingesetzt, da die Geräte deutlich höhere Kosten verursachen als automatisches „CPAP“ und Geräte mit „Druckabsenkung in der Exspirationsphase“, die bezüglich der Kosten dem konventionellen CPAP angeglichen sind. Zudem konnte in Studien an unselektionierten Patienten keine Verbesserung der Adhärenz bei der Verwendung von Bi-Level-PAP-Geräten nachgewiesen werden. Bei selektionierten Patienten mit geringer Toleranz der herkömmlichen CPAP-Therapie kann aber ein Versuch mit Bi-Level-PAP durchgeführt werden. Die häufigste Anwendung findet Bi-Level-PAP S/T beziehungsweise Bi-Level-PAP T heute in der nichtinvasiven Beatmung von Patienten mit ventilatorischer Insuffizienz.

Voraussetzung

Bi-Level-PAP wird angewendet, wenn bei Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe die Indikation zur Positivdrucktherapie dringend gegeben ist, die Betroffenen jedoch subjektiv Schwierigkeiten haben, gegen den applizierten Druck auszuatmen.

Kontraindikationen

In seltenen Fällen liegt eine große, weiche Epiglottis vor, die unter der Bi-Level-PAP-Therapie den Kehlkopfeingang hochgradig einengt oder gar verschließt. Die Patienten berichten über akut auftretende Luftnot während der Behandlungseinleitung. Eine operative Verkleinerung der Epiglottis kann das Problem beheben. Weitere Kontraindikationen bestehen nicht.

Durchführung

Die Vorbereitungen zur Bi-Level-PAP-Therapie entsprechen denen von „CPAP“. Die Behandlung wird ebenfalls am Tag trainiert. Im Schlaflabor beginnt die Therapie z. B. mit einem inspiratorischen Druck von 7 cm H2O und einem exspiratorischen Druck, der 2–3 cm H2O unterhalb des inspiratorischen Drucks liegt. Ist der Patient eingeschlafen, so werden beide Drücke parallel erhöht, bis die obstruktiven Atmungsstörungen beseitigt sind. Dann wird der exspiratorische Druck noch weiter abgesenkt, um einen möglichst niedrigen Ausatmungsdruck zu erreichen. Druckdifferenzen von 5–7 cm H2O sind möglich (Abb. 1). Allerdings muss darauf geachtet werden, dass bei zu starker exspiratorischer Druckabsenkung erneut Atmungsstörungen auftreten können.

Nachsorge

Die Nachsorge entspricht prinzipiell derjenigen unter Therapie mit „CPAP“. Bi-Level-PAP ist jedoch durch die Steuer- und Regeltechnik störanfälliger als CPAP. Insbesondere Leckagen führen zu Fehlsteuerungen, sodass ggf. keine zeitgerechte Umschaltung zwischen In- und Exspiration erfolgt (Abb. 2).
Literatur
Mayer G, Arzt M, Braumann B et al (2017) S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“. Somnologie 20(Suppl):97–180
Rabec C, Rodenstein D, Leger P et al (2011) Ventilator modes and settings during non-invasive ventilation: effects on respiratory events and implications for their identification. Thorax 66:170–178CrossRef
Reeves-Hoche MK, Hudgel DW, Meck R et al (1995) Continuous versus bilevel positive airway pressure for obstructive sleep apnea. Am J Respir Crit Care Med 151:443–449CrossRef
Sanders MH, Kern M (1990) Obstructive sleep apnea treated by independently adjusted inspiratory and expiratory positive airway pressures via nasal mask. Chest 98:317–324CrossRef